Thema 8

June 26, 2024
0
0
Зміст

Thema 8

Greenpeace-Aktivist Lars protestiert an Gazprom-Ölplattform

 Описание: http://t1.gstatic.com/images?q=tbn:ANd9GcTHCn4cJ9yrV2JXkqidiw036ebiufvEI_-jQB3z78RgsotpbuL0

Die ökologischen Probleme

Wie in allen Ländern der Welt gehören die ökologischen Probleme auch in der Ukraine zu den wichtigsten. Wegen Geldmangel können in den Betrieben alte Betriebsanlageicht durch neue, ökologisch saubere ersetzt werden. Einige Werke lassen verantwortungslos ihre giftigen Abwässer in die nächstliegenden Gewässer oder einfach in die Erde fließen. Um die Ernteerträge zu erhöhen, wurden von den Kolchosen lange Zeit die Felder mit minderwertigen Düngemitteln vergiftet. Nicht alles, was von diesen Feldern auf unseren Tisch kommt, ist für die Gesundheit ungefährlich. Nach dem Bau einer ganzen Reihe von Stauseen am Dnipro sind im Klima der Ukraine unwiderrufliche Veränderung eingetreten.

Von den Wassermassen dieser selbstgeschaffenen “Meere” wird oft alles noch Lebende überflutet. Natürlich wird allen diesen Problemen Aufmerksamkeit geschenkt, jedoch nicht genügend, um diese Probleme zu lösen.

Das größte Unglück für die Ukraine ist aber die Tschernobyler Katastrophe am 26. April 1986. Die Explosion des vierten Reaktors des Tschernobyler Atomkraftwerkes hatte schreckliche ökologische Folgen. Dutzende von Kilometern verseuchter Erde, Tausende Menschenleben wurden von den todbringenden Strahlen vernichtet. Kinder und Tiere werdeach der Katastrophe als Mutanten geboren, das Wasser des Dnipro und der Pripjatj ist vergiftet, die Zahl der Krebserkrankungen steigt. Das alles ist nur ein kleiner Teil des über die Ukraine hereingebrochenen Unheils. Unter den Folgen der Katastrophe im Atomkraftwerk werdeach Ansicht der Gelehrteoch viele Generationen leiden. Die Tschernobyler Katastrophe übertrifft Hiroshima und Nagasaki.Ihre Folgen hatten verheerende Auswirkungen für die Umwelt der ganzen Welt.

Описание: http://t0.gstatic.com/images?q=tbn:ANd9GcQVGK3q-hPJxBlttJxteNiEqj23D4bM6V8Xk-ru1B7o7ora-EX2

Erderwärmung

10.4.2010

Wenn die Emissionen von Treibhausgasen unvermindert ansteigen, könnte sich die globale Mitteltemperatur bis Ende des 21. Jahrhunderts um weitere 2,5 bis 4,1°C erhöhen. Das zeigen Klimasimulationen.

Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-ncnd/3.0/de/

Описание: http://festival.1september.ru/articles/512135/img1.gif

Fakten

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich die globale erdnahe Temperatur um fast ein Grad erhöht. Während der natürliche Treibhauseffekt eine Abkühlung der Erde verhindert, geht die Mehrheit der Wissenschaftler davon aus, dass die anhaltende Temperaturerhöhung vorwiegend Folge menschlicher Aktivitäten ist. Vor allem der Ausstoß von Treibhausgasen ist problematisch. Den Hauptanteil am anthropogenen, also vom Menschen verursachten, Treibhauseffekt hat mit 60 Prozent das Kohlendioxid (CO2). Es wird durch die Verbrennung fossiler Energieträger, Waldrodungen, Bodenerosion sowie Holzverbrennung freigesetzt. Methan, das primär in der Landwirtschaft und durch Massentierhaltung entsteht, trägt zu 15 Prozent zum anthropogenen Treibhauseffekt bei.

Wie außergewöhnlich die Temperaturerhöhung der letzten Jahrzehnte ist, wird deutlich, wenn die Verteilung der wärmsten Jahre betrachtet wird: Die zwanzig Jahre mit der höchsten Durchschnittstemperatur in den letzten 150 Jahren entfallen alle auf die Zeit nach 1980. Davon siebzehn sogar auf die Zeit nach 1990. Alle Jahre von 2001 bis 2008 gehören zu den zehn wärmsten überhaupt. Bezogen auf die nördliche Hemisphäre liegen die Temperaturen heute höher als zu irgendeinem Zeitpunkt in den letzten tausend Jahren.

Klimasimulationen des Max-Planck-Instituts für Meteorologie zeigen, dass sich die globale Mitteltemperatur bis Ende des 21. Jahrhunderts um weitere 2,5 bis 4,1°C erhöhen könnte, wenn die Emissionen von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen unvermindert ansteigen. Andere Institutionen wie zum Beispiel das IPCC gehen davon aus, dass die Temperaturerhöhung noch stärker ausfallen kann.

Die Erderwärmung bringt mehrere Probleme mit sich. Infolge der thermischen Ausdehnung der Ozeane könnte der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 im globalen Mittel zwischen 20 und 30 cm steigen (relativ zum Mittel der Jahre 1961-1990). Die regionalen Unterschiede würden allerdings von einer leichten Absenkung bis hin zu einem Anstieg von mehr als einem Meter reichen. Hinzu käme ein Anstieg des globalen Meeresspiegels von bis zu zehn Zentimetern durch Änderungen des Inlandeises: Die beginnende Schmelze des Eises auf Grönland würde den Meeresspiegel um bis zu 15 cm steigen lassen, während der erhöhte Schneefall in der Antarktis den globalen Meeresspiegel um fünf Zentimeter absenken würde.

Der hohe von Menschen verursachte CO2-Ausstoß beeinflusst die Meere auch auf andere Weise: 2007 gelangten etwa 29 Milliarden Tonnen des Gases in die Atmosphäre, mehr als ein Drittel davoehmen die Weltmeere als Kohlensäure auf und versauern dadurch schrittweise. Dies gefährdet wiederum die Fischbestände der Weltmeere und schädigt kalkbildende Organismen wie Muscheln, Schnecken und Korallen. Schon in 30 Jahren könnten mehr als 60 Prozent der tropischen Korallenriffe verschwunden sein.

Die Erderwärmung bzw. der Klimawandel hat weitere Folgen für den Menschen. Während in einigen Gebieten Überschwemmungen und intensive Regenfälle zunehmen, haben andere Regionen mit geringen Niederschlagsmengen bzw. lang anhaltenden Dürreperioden und Hitzewellen zu kämpfen. Hieraus resultieren wiederum Ernteausfälle und Probleme bei der Wasserversorgung bzw. Veränderungen ganzer Lebensräume.

Описание: http://www.inst.at/trans/16Nr/07_6/rotanowa-1.jpg

Datenquelle

Climatic Research Unit (CRU): »www.cru.uea.ac.uk«; Max-Planck-Institut für Meteorologie: »www.mpimet.mpg.de«

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Описание: http://www.bpb.de/cache/images/8/52728-1x2-original.gif?F34F2

Um die Veränderung der globalen Durchschnittstemperatur zu ermitteln, existieren unterschiedliche Verfahren. Bei den hier verwendeten Daten wurden sowohl die bei den Landstationen gemessenen Lufttemperaturen als auch die von Schiffen und Bojen ermittelten Temperaturen der Meeresoberfläche kombiniert.

Um Verzerrungen zu vermeiden, wurde als Bezugspunkt für die Schwankungsbreite die Durchschnittstemperatur der Jahre 1961 bis 1990 (14°C) gewählt. Auf diesen Zeitraum, in dem die Messungen überdurchschnittlich umfangreich waren und abgesichert sind, werden die Messungen der einzelnen Jahre bezogen und hier als Differenz dargestellt.

Angaben zu den weltweit gemessenen Durchschnittstemperaturen finden sich unter anderem bei der »Climatic Research Unit (CRU)« und dem »Met Office«. Die CRU bietet darüber hinaus genauere Angaben zu den verschiedenen Messmethoden und die neusten Daten unter: »www.cru.uea.ac.uk/cru/data/temperature«.

IPCC – Intergovernmental Panel on Climate Change

Описание: http://www.bpb.de/cache/images/8/52738-1x2-original.gif?ED919

Tabelle: Erderwärmung

Differenz zwischen der globalen erdnahen Temperatur und der Durchschnittstemperatur der Jahre 1961 bis 1990 in °C, 1850 bis 2008

 

Differenz in °C

 

 

Differenz in °C

 

 

Differenz in °C

1850

-0,447

1920

-0,314

1990

0,254

1852

-0,294

1922

-0,381

1991

0,212

1854

-0,307

1924

-0,360

1992

0,061

1856

-0,406

1926

-0,162

1993

0,105

1858

-0,513

1928

-0,255

1994

0,171

1860

-0,372

1930

-0,165

1995

0,275

1862

-0,540

1932

-0,155

1996

0,137

1864

-0,516

1934

-0,159

1997

0,351

1866

-0,303

1936

-0,152

1998

0,546

1868

-0,291

1938

0,009

1999

0,296

1870

-0,302

1940

0,018

2000

0,270

1872

-0,255

1942

-0,031

2001

0,409

1874

-0,397

1944

0,120

2002

0,464

1876

-0,403

1946

-0,205

2003

0,473

1878

0,023

1948

-0,204

2004

0,447

1880

-0,260

1950

-0,309

2005

0,482

1882

-0,246

1952

-0,074

2006

0,422

1884

-0,381

1954

-0,251

2007

0,405

1886

-0,275

1956

-0,349

2008

0,327

1888

-0,337

1958

-0,010

 

 

1890

-0,431

1960

-0,123

 

 

1892

-0,484

1962

-0,021

 

 

1894

-0,444

1964

-0,295

 

 

1896

-0,211

1966

-0,147

 

 

1898

-0,432

1968

-0,159

 

 

1900

-0,223

1970

-0,067

 

 

1902

-0,431

1972

-0,056

 

 

1904

-0,554

1974

-0,213

 

 

1906

-0,329

1976

-0,254

 

 

1908

-0,559

1978

-0,063

 

 

1910

-0,548

1980

0,077

 

 

1912

-0,491

1982

0,011

 

 

1914

-0,305

1984

-0,021

 

 

1916

-0,434

1986

0,029

 

 

1918

-0,388

1988

0,180

 

 


Quelle: Climatic Research Unit (CRU):
www.cru.uea.ac.uk

 

Jährliche Änderung der Waldbestände

14.9.2010

Der Waldverlust von jährlich 2,64 Millionen Hektar in Brasilien entspricht einem durchschnittlichen Verlust von 5,0 ha pro Minute. Fünf Hektar entsprechen wiederum einer Fläche von rund sieben Fußballfeldern.

Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-ncnd/3.0/de/


Fakten

Rund 31 Prozent der weltweiten Landoberfläche sind mit Wäldern bedeckt – das entspricht einer Fläche von insgesamt 4,03 Milliarden Hektar (ha). Allerdings ist der Waldbestand sehr unterschiedlich verteilt. Im Jahr 2010 entfielen auf die fünf Staaten mit dem größten Waldbestand 53 Prozent des weltweiten Waldbestandes. Allein Russland hatte mit einer Waldfläche von 809 Millionen Hektar einen Anteil von einem Fünftel (20,1 Prozent). Es folgten Brasilien (520 Mio. ha), Kanada (310 Mio. ha), die USA (304 Mio. ha), China (207 Mio. ha), die Demokratische Republik Kongo (154 Mio. ha), Australien (149 Mio. ha), Indonesien (94 Mio. ha), Sudan (70 Mio. ha) und Indien (68 Mio. ha).

In weltweit 50 Staaten war im Jahr 2010 mehr als die Hälfte der Gesamtfläche bewaldet, darunter 12 Staaten, bei denen mehr als 75 Prozent der Fläche mit Wald bedeckt waren. Demgegenüber hatten im selben Jahr zehn Staaten der Welt gar keinen Wald und in 54 Staaten bedeckte der Wald nur zehn Prozent der Gesamtfläche – die meisten davon liegen in Nordafrika, Westasien oder sind kleinere Inseln. 2010 lebten in diesen 64 waldarmen Staaten rund 2 Milliarden Menschen.

Die weltweiten Waldverluste schreiten seit Jahrzehnten voran. Allerdings hat sich das Tempo leicht verringert: Während zwischen 1990 und 2000 im Durchschnitt noch 0,20 Prozent (8,33 Mio. ha) des weltweiten Waldbestandes pro Jahr verloren gingen, waren es im Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2010 jährlich 0,13 Prozent (5,21 Mio. ha). Die Fläche der jährlichen Waldverluste entspricht gegenwärtig in etwa der Größe von Costa Rica.

Hauptursache für die Waldverluste ist die Umwandlung von Wald- in Ackerfläche. Zusammen mit anderen Nutzungsformen und den Waldverlusten durch Naturkatastrophen gehen Jahr für Jahr etwa 13 Millionen Hektar Wald verloren. Auf der anderen Seite stehen Waldzuwächse durch Aufforstung, Wiederaufforstung und durch die natürliche Ausbreitung des Waldes.

In den Jahren 2000 bis 2010 nahm die Waldfläche in Ostasien um durchschnittlich 2,78 Millionen Hektar pro Jahr zu. Das war mehr als in jeder anderen Region. Auch in Europa (ohne Russland) hat sich im selben Zeitraum der Waldbestand erhöht – und zwar um jährlich 694.000 Hektar.

Allein in den 10 Staaten, auf die in den Jahren 2000 bis 2010 die höchsten Waldzuwächse entfielen, lag die Höhe der Zuwächse bei 4,41 Millionen Hektar pro Jahr. In den Jahren 1990 bis 2000 lag der entsprechende Wert noch bei 3,40 Millionen Hektar pro Jahr. Bezogen auf den Zeitraum 2000 bis 2010 hatten China (plus 2,99 Mio. ha), die USA (plus 0,38 Mio. ha), Indien (plus 0,30 Mio. ha) und Vietnam (plus 0,21 Mio. ha) die größten Anteile am Waldzuwachs. Ein großer Teil der weltweiten Waldzuwächse beruht auf der Zunahme von Waldplantagen. Die Fläche der Waldplantagen nahm im Zeitraum von 1990 bis 2010 um jährlich 4,29 Millionen Hektar zu. In China (plus 1,93 Mio. ha), den USA (plus 0,81 Mio. ha), Kanada (plus 0,39 Mio. ha) und Indien (plus 0,25 Mio. ha) war das durchschnittliche jährliche Wachstum dabei am höchsten.

Demgegenüber hatten Südamerika (minus 4,00 Mio. ha), Ost- und Südafrika (minus 1,84 Mio. ha), West- und Zentralafrika (minus 1,54 Mio. ha), Ozeanien (minus 0,70 Mio. ha) sowie Süd- und Süd-Ostasien (minus 0,68 Mio. ha) zwischen 2000 und 2010 die größten Waldverluste pro Jahr.

Allein die 10 Staaten, die in den Jahren 2000 bis 2010 die höchsten Waldverluste hatten, verloren jährlich 6,04 Millionen Hektar Wald. An der Spitze standen dabei Brasilien (minus 2,64 Mio. ha), Australien (minus 0,56 Mio. ha) und Indonesien (minus 0,50 Mio. ha). Im Zeitraum 1990 bis 2000 lag der Waldverlust der “Top 10” noch bei 7,93 Millionen Hektar. Während auf Brasilien auch in dieser Zeit die größten Verluste entfielen (minus 2,89 Mio. ha.), stand Indonesieoch an zweiter Stelle. Dabei waren die Waldverluste in Indonesien mit 1,91 Millionen Hektar pro Jahr fast viermal so hoch wie in der Zeit von 2000 bis 2010. Australien war im Zeitraum 1990 bis 2000 gar nicht unter den zehn Staaten mit den größten Verlusten zu finden – dies änderte sich seit dem Jahr 2000 durch zahlreiche Dürren und Waldbrände.

Der Waldverlust von jährlich 2,64 Millionen Hektar in Brasilien entspricht einem durchschnittlichen Verlust von 5,0 ha pro Minute. Fünf Hektar entsprechen wiederum einer Fläche von rund sieben Fußballfeldern.

Etwa 36 Prozent des weltweiten Waldbestandes sind Urwälder, rund 57 Prozent sind natürliche Wälder, die deutlich durch menschliches Handeln beeinflusst sind, 6,5 Prozent sind Waldplantagen. Da Urwälder als Ökosysteme einzigartig sind, eine besondere Bedeutung für die Biodiversität haben und für viele natürliche Kreisläufe unverzichtbar sind, ist ihre Zerstörung ein besonderes Problem. Umso dramatischer ist es, dass im Zeitraum 2000 bis 2010 jährlich mehr als vier Millionen Hektar Urwald zerstört oder verändert worden sind. Die veränderte Nutzung hat unter anderem beträchtliche Treibhausgasemissionen zur Folge. Denn in den Böden und Wäldern sind große Mengen Kohlenstoff gespeichert, die bei der Abholzung als Kohlendioxid in die Atmosphäre abgegeben werden. Zudem fallen die alten Baumbestände, die für die Akkumulation von Kohlenstoff besonders wichtig sind, auch für die Zukunft aus.

Datenquelle

Food and Agriculture Organization (FAO): Global Forest Resources Assessment 2010

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Hektar (ha) ist eine Maßeinheit der Fläche, die vor allem in der Land- und Forstwirtschaft verbreitet ist.

1 ha = 100m x 100m = 10.000 m² = 0,01 km²

Waldplantagen – also angepflanzte Wälder – werden in erster Linie als “produktive Plantagen” für die Produktion von Holz, Papierfasern und Biokraftstoffen genutzt. “Protektive Plantagen” dienen dem Schutz von Böden und Wasservorkommnissen, schützen vor Erosion durch Wind und Wasser, stoppen die Ausbreitung von Wüsten, dienen dem Küstenschutz, mildern die Lawinengefahr und steigern die Luftqualität.

Tabelle: Jährliche Änderung der Waldbestände

In absoluten Zahlen und in Prozent des Gesamtbestandes, Durchschnitt der Jahre 1990 bis 2000 und 2000 bis 2010

 

Wasserverbrauch

14.9.2010

Mitte dieses Jahrhunderts werden im schlimmsten Fall sieben Milliarden Menschen in 60 Ländern und im günstigsten Fall zwei Milliarden Menschen in 48 Ländern von Wasserknappheit betroffen sein.

Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-ncnd/3.0/de/


Fakten

Von den etwa 1,4 Milliarden Kubikkilometern (km³) Wasser auf der Erde sind nur etwa 2,5 Prozent Süßwasser. Davon sind wiederum mehr als zwei Drittel in Gletschern und als ständige Schneedecke bzw. Eis gebunden. Weitere 30 Prozent befinden sich als Grundwasser unter der Erde, knapp ein Prozent bilden Bodenfeuchtigkeit, Grundeis, Dauerfrost und Sumpfwasser. Nur etwa 0,3 Prozent der Süßwasservorräte – rund 100.000 km³ bzw. 0,008 Prozent allen Wassers – sind relativ leicht, vor allem in Seen und Flüssen, für den Menschen zugänglich.

Hinzu kommen weitere 8.000 km³, die durch Dämme aufgestaut werden. Weltweit existieren mehr als 50.000 Großstaudämme (mit einer Höhe von mehr als 15 Metern oder einem Fassungsvermögen von mindestens 3 Mio. m³), rund 100.000 mittelgroße Dämme (Fassungsvermögen: 0,1 bis 3 Mio. m³) sowie eine Million kleinere Staudämme (Fassungsvermögen: < 0,1 Mio. m³). Die Staudämme sind zu einem unverzichtbaren, aber ökologisch vielfach problematischen Bestandteil der Wasserversorgung geworden.

Weltweit werden jährlich rund 4.000 km³ Frischwasser entnommen, wobei der größte Teil aus erneuerbaren Wasserressourcen (Flüsse, Seen, Grundwasser) stammt. Von den 4.000 km³ werden etwa 70 Prozent im Agrarsektor, 20 Prozent in der Industrie (inklusive Energieproduktion) und 10 Prozent im häuslichen Bereich verbraucht. Auf den Agrarsektor entfallen weitere 6.400 km³ Regenwasser, das direkt über den Feldern abregnet. Bei der Wasserentnahme bestehen große Unterschiede zwischen den Regionen: So liegt beispielsweise in Nordamerika sowie in Europa der Anteil der Industrie an der Wasserentnahme bei rund 50 Prozent.

Nach den Angaben, die der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) Anfang 2010 zur Verfügung standen, sind Indien, China, die USA, Pakistan, Iran, Japan, Thailand, Indonesien, Bangladesch und Mexiko die zehn Staaten, die am meisten Wasser entnehmen. Allein auf Indien und China entfällt etwa ein Drittel der weltweiten Wasserentnahme.

Bei der Wasserentnahme pro Kopf schwankt die jährliche Entnahmemenge zwischen 5.319 m³ im Baumwolle produzierenden Turkmenistan und 6 m³ in der Zentralafrikanischen Republik. Weltweit liegt die jährliche Entnahmemenge bei durchschnittlich rund 600 m³ pro Kopf. Verglichen mit anderen ökonomisch entwickelten Staaten lag Deutschland im Jahr 2007 mit einer Wasserentnahme von knapp 400 m³ pro Kopf im unteren Mittelfeld.

Ein anderes Bild ergibt sich, wenn das Wasser, das für die Produktion von Waren und Dienstleistungen entnommen wird (‘virtuelles Wasser’), den Staaten zugerechnet wird, in denen die Waren und Dienstleistungen verbraucht werden. Dazu ein Beispiel: Bei einem Apfel, der während der Zucht bewässert und nach der Ernte exportiert wird, wird der Wasserverbrauch dem Land zugerechnet, in dem der Apfel gegessen wird – und nicht dem Land, in dem er gezüchtet wurde.

Die Non-Profit-Organisation ‘Water Footprint Network’ berechnet den ‘Wasser-Fußabdruck’ indem das ‘virtuelle Wasser’ und das vor Ort verbrauchte Wasser addiert werden. Für die USA ergibt sich so ein jährlicher ‘Wasser-Fußabdruck’ von knapp 2.500 m³ pro Kopf. In China liegt der entsprechende Wert bei 700 m³ pro Kopf. Deutschland hat einen jährlichen ‘Wasser-Fußabdruck’ von 1.550 m³ pro Kopf – das entspricht mehr als 4.000 Litern pro Tag. Der allergrößte Teil dieser 4.000 Liter entfällt auf das ‘virtuelle Wasser’ der Importe, die Wassernutzung durch Wärmekraftwerke (vor allem Kühlung) sowie den Bergbau und das Verarbeitende Gewerbe. Der unmittelbare personenbezogene Wasserverbrauch in Deutschland lag 2008 bei lediglich 123 Litern pro Einwohner und Tag.

Der weltweite Wasserverbrauch hat sich zwischen 1930 und 2000 etwa versechsfacht. Hierfür sind die Verdreifachung der Weltbevölkerung und die Verdoppelung des durchschnittlichen Wasserverbrauchs pro Kopf verantwortlich. Seit dem Jahr 2000 erhöht sich die Bevölkerungszahl jedes Jahr um gut 79 Millionen Menschen. Verbunden mit ökonomischem Wachstum, zunehmender Verstädterung und der Verbreitung von verbrauchsintensiven Lebensstilen erhöht das Bevölkerungswachstum die Wassernachfrage um 50 bis 64 Milliarden Kubikmeter pro Jahr.

In Verbindung mit räumlichen und zeitlichen Schwankungen der Wasserverfügbarkeit hat die steigende Wasserentnahme zur Folge, dass Wasser in sehr vielen Nutzungsbereichen knapp wird. Offensichtlich wird diese Knappheit, wenn Flüsse weniger Wasser führen, Seen austrocknen und vielerorts der Grundwasserspiegel sinkt.

Parallel zur steigenden Entnahme werden die Süßwasservorkommen durch den Klimawandel und die Verschmutzung weiter verringert. Die UNESCO geht davon aus, dass täglich etwa zwei Millionen Tonnen Abfälle in Vorflutern abgelagert werden. Schätzungen gehen von einer globalen Abwasserproduktion von etwa 1.500 km³ aus. Unter der Annahme, dass 1 Liter Abwasser 8 Liter Süßwasser verunreinigen kann, könnte sich die aktuelle Abwasserbelastung auf bis zu 12.000 km³ weltweit belaufen. Gleichzeitig gelangeach Angaben der UNESCO in den ökonomisch sich entwickelnden Staaten mehr als 80 Prozent des Abwassers unbehandelt in Flüsse, Seen und Meere.

Mitte dieses Jahrhunderts werden im schlimmsten Fall sieben Milliarden Menschen in 60 Ländern und im günstigsten Fall zwei Milliarden Menschen in 48 Ländern von Wasserknappheit betroffen sein. Trotz der knappen Verfügbarkeit bleiben viele Einsparmöglichkeiten – bessere Bewässerungstechnik, Anbau angepasster Erzeugnisse, achtsames Konsumverhalten und Vermeidung der Trinkwassernutzung im Agrarsektor – ungenutzt.

Datenquelle

Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO): AQUASTAT; United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO): The United Nations World Water Development Report 1 (2003), The United Nations World Water Development Report 3 (2009); Water Footprint Network: »www.waterfootprint.org«; Bundesverband der Energie– und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW): »www.bdew.de«

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Das Konzept des virtuellen Wassers wurde in den 1990er-Jahren von dem britischen Wissenschaftler John Anthony Allan entwickelt. Darunter ist die Wassermenge zu verstehen, die während der gesamten Produktionskette eines bestimmten Produktes verbraucht, verdunstet oder verschmutzt wird.

Der Wasser-Fußabdruck ist eine Weiterentwicklung des virtuellen Wasser-Konzepts und kann sowohl für Einzelpersonen wie auch für Unternehmen und ganze Nationen berechnet werden. Er beinhaltet die direkt verbrauchte Wassermenge sowie das in der Nahrung und anderen Waren verbrauchte virtuelle Wasser.

1 Kubikkilometer (km³) = 1.000.000.000 Kubikmeter (m³)

1 m³ = 1.000 Liter

Tabelle: Wasser

Jährliche Wasserentnahme pro Kopf (alle Sektoren), in Kubikmetern (m³), Stand: 2010*

 

Fischbestände auf offener See

14.9.2010

Im Jahr 1974 waren 39 Prozent der Fischbestände auf offener See moderat oder gering befischt. 2007 bewertete die FAO nur noch 20 Prozent der Fischbestände als moderat (18 Prozent) oder gering (2 Prozent) befischt.

Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-ncnd/3.0/de/


Fakten

Zwischen 1950 und 2006 erhöhte sich die Menge des weltweit verbrauchten Fisches von etwa 19 auf 143,6 Millionen Tonnen pro Jahr – dies entspricht einer durchschnittlichen Steigerung von jährlich rund 3,7 Prozent. Von den 143,6 Millionen Tonnen Fischverbrauch des Jahres 2006 wurden 110,4 Millionen Tonnen direkt vom Menschen konsumiert. Die verbleibenden 33,3 Millionen Tonnen entfielen vor allem auf die Produktion von Fischmehl und Ölen.

Im Jahr 2005 lag der weltweite Fischverbrauch bei durchschnittlich 16,4 kg pro Kopf (2006: 16,7 kg). Während der Fischverbrauch in Afrika und Südamerika mit 8,3 bzw. 8,4 kg pro Kopf deutlich unter dem Durchschnitt lag, war der Verbrauch in Nordamerika und Europa mit 24,1 bzw. 20,8 kg überdurchschnittlich hoch. China belegte im Jahr 2005 mit 26,1 kg pro Kopf eine Spitzenposition, insgesamt entfielen auf China mehr als 30 Prozent des weltweiten Fischverbrauchs.

Während der Verbrauch von gezüchtetem Fisch im Jahr 1950 keine Rolle spielte und der mengenmäßige Anteil auch 1980 noch deutlich unter zehn Prozent lag, stammten 2006 bereits 36 Prozent des Fischverbrauchs aus der Fischzucht. Die auf offener See bzw. in Binnengewässern gefangenen Fische hatten im selben Jahr einen Anteil von 57 bzw. sieben Prozent an der insgesamt verbrauchten Fischmenge.

Ausgehend vom Gewicht wurden im Jahr 2006 89,5 Prozent der gezüchteten Fische in Asien gezüchtet. Bezogen auf den Marktwert hatte der in Asien gezüchtete Fisch allerdings nur einen Anteil von 77,1 Prozent. Allein auf China entfielen im selben Jahr 66,7 Prozent der gezüchteten Fischmenge und 48,8 Prozent des Wertes der weltweiten Fischzucht. Die Produktion im Fischzucht- bzw. Aquakultur-Sektor ist seit 1970 um 8,7 Prozent pro Jahr gewachsen – schneller als jeder andere Lebensmittelsektor.

Trotz der relativen Abnahme der Menge des Fangfisches gegenüber der des Zuchtfisches hat sich die absolute Menge des gefangenen Fisches lange Zeit erhöht und stagniert seit Ende der 1980er-Jahre auf hohem Niveau. Insbesondere neue Fangmethoden und die nicht zuletzt durch das Bevölkerungswachstum gestiegene Nachfrage führen zu einer intensiven Befischung und teilweise Überfischung der Meere.

Von den weltweit 200 wichtigsten Fischarten, auf die über 65 Prozent des Fischfangs auf offener See entfallen, galteach Aussagen der Food and Agriculture Organization (FAO) Anfang der 1950er-Jahre noch deutlich mehr als 60 Prozent als gering befischt. Mitte der 1960er-Jahre schrumpfte der entsprechende Anteil auf ein Drittel und Anfang der 1970er-Jahre rutschte er unter zehn Prozent. Seit Ende der 1970er-Jahre gilt keine der 200 wichtigsten Fischarten als gering befischt.

Im Jahr 1974 waren 39 Prozent der Fischbestände auf offener See moderat oder gering befischt. 2007 bewertete die FAO nur noch 20 Prozent der Fischbestände als moderat (18 Prozent) oder gering (2 Prozent) befischt. Parallel zu dieser Abnahme hat sich der Anteil der überfischten oder erschöpften Fischbestände deutlich erhöht. Waren 1974 nur zehn Prozent der weltweiten Fischbestände überfischt oder erschöpft, liegt der entsprechende Anteil seit Ende der 1980er-Jahre bei rund einem Viertel der Gesamtbestände. Im Jahr 2007 lag der Wert mit 28 Prozent nochmals deutlich höher. Dabei waren 19 Prozent der Fischbestände überfischt und acht Prozent komplett erschöpft; ein Prozent der weltweiten Fischbestände erholte sich auf niedrigstem Niveau.

Im Jahr 2006 hatte der weltweit gefangene Fisch einen Erstverkaufswert von 91,2 Milliarden US-Dollar. Der Wert der Aquakulturen lag im selben Jahr bei 78,8 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2005 erreichte der Export von Fisch und Fischereierzeugnissen mit 56 Millionen Tonnen sein bisher höchstes Gewicht (2006: 54 Mio. Tonnen). Der Wert des Exports lag 2006 bei 85,9 Milliarden US-Dollar – das waren 9,6 Prozent mehr als 2005 und 62,7 Prozent mehr als 1996.

Die Zusammensetzung der zehn größten Fischfangnationen der Welt hat sich seit 1992 nur geringfügig verändert. Auf die zehn größten Fischfangnationen entfielen 2006 rund 55 Prozent aller gefangenen Fische. Allein China und Peru hatten einen Anteil von knapp einem Viertel am weltweiten Fischfang.

Datenquelle

Food and Agriculture Organization (FAO): The State of World Fisheries and Aquaculture 2008

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Um Aussagen über die Intensität der Befischung auf offener See machen zu können, trägt die Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) die Beobachtungen von mehr als 580 Fischbeständen bzw. wichtigsten Arten zusammen. Bei etwa 520 Fischbeständen bzw. wichtigen Arten waren die Informationen im Jahr 2007 so umfangreich, dass sie in die – auch hier dargestellte – Auswertung eingeflossen sind.

Tabelle: Fischbestände auf offener See

Nach Befischungsintensität, in Prozent der bewerteten Gesamtbestände, weltweit 1974 bis 2007

 

Bedrohte Arten

14.9.2010

Täglich sterben, je nach Schätzung, zwischen 70 und 200 größtenteils unerforschte Pflanzen- und Tierarten aus. Die Hauptgründe für das Artensterben bestehen fort oder haben sich sogar verschärft.

Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-ncnd/3.0/de/


Fakten

Bei der Anzahl der weltweit existierenden Tier- und Pflanzenarten gehen die Schätzungen weit auseinander, sie liegen zwischen fünf und 100 Millionen. Eine im Auftrag des UN-Umweltprogramms UNEP erstellte Studie kam Ende des letzten Jahrhunderts zu dem Ergebnis, dass gegenwärtig wahrscheinlich 13 bis 14 Millionen verschiedene Arten existieren. Bis zum Jahr 2009 konnten erst 1,74 Millionen Arten wissenschaftlich erfasst und beschrieben werden. Lediglich 47.700 dieser beschriebenen Arten wurden dahingehend bewertet, ob sie bedroht sind oder nicht.

In den letzten 50 Jahren hat der Mensch starken Einfluss auf die Umwelt genommen. Dies ist auch Hauptgrund dafür, warum immer mehr Arten aussterben. Täglich sterben, je nach Schätzung, zwischen 70 und 200 größtenteils unerforschte Pflanzen- und Tierarten aus. Das UNEP geht davon aus, dass gegenwärtig mindestens tausendmal mehr Arten pro Jahr sterben, als es ohne den Einfluss des Menschen der Fall wäre – andere Quellen, wie die globale Umweltorganisation IUCN, gehen sogar von einer tausend- bis zehntausendfach höheren Rate aus.

Die Hauptgründe für das Artensterben bestehen fort oder haben sich sogar verschärft: schrumpfende Lebensräume, rücksichtslose Ausbeutung von Ökosystemen und Nahrungsbeständen, die Einführung von fremden Pflanzen und Tieren, Schadstoffbelastungen und der Klimawandel.

Sowohl bei Wirbeltieren und Nichtwirbeltieren als auch bei Pflanzen verdeutlicht die von der IUCN veröffentlichte “Rote Liste”, dass das Ausmaß der Bedrohung der Arten sehr hoch ist. So waren im Jahr 2009 beispielsweise 1.142 Säugetiere gefährdet – das waren 20,8 Prozent aller hinsichtlich ihrer Gefährdung bewerteten Säugetiere. Bei den Amphibien, bei denen fast alle beschriebenen Arten auch bewertet wurden, war im selben Jahr nahezu jede dritte Art bedroht. Wird allein der Anteil bedrohter Arten an den bewerteten Arten betrachtet, waren unter den Wirbeltieren die Fische (31,8 Prozent) und Reptilien (28,0 Prozent) auffällig stark gefährdet. Bei den Vogelarten, bei denen alle beschriebenen Arten auch bewertet wurden, war jede Achte gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

Bei der Beurteilung von Nichtwirbeltieren und Pflanzen besteht das Problem, dass die Anzahl der beschriebenen Arten und die Zahl der davon bewerteten Arten sehr weit auseinander liegen. Während der Anteil der bedrohten Arten unter den bewerteten Arten schnell hoch ausfallen kann, kann der Anteil der bedrohten Arten unter den beschriebenen Arten dazu verleiten, die Bedrohung zu unterschätzen.

So wurden beispielsweise von den Insekten, die mit 1.000.000 beschriebenen Arten den größten Anteil unter den Nichtwirbeltieren haben, nur 2.619 bewertet. Bei 711 bedrohten Insektenarten im Jahr 2009 galten damit 27,1 Prozent der bewerteten Insektenarten als gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Bezogen auf die beschriebenen Insektenarten schrumpft der Anteil jedoch auf marginale 0,07 Prozent. Auch der zeitliche Vergleich verdeutlicht, wie schnell sich die Werte ändern können: 2004 waren von 771 bewerteten Insektenarten 559 bedroht, also deutlich mehr als 70 Prozent. Das heißt aber nicht, dass sich die Lage zwischen 2004 und 2009 verbessert hat, sonderur dass das Wissen über die Bedrohung zugenommen hat.

Zusammengefasst waren im Jahr 2009 mehr als ein Fünftel aller bewerteten Wirbeltiere, gut ein Drittel aller bewerteten Nichtwirbeltiere und sogar 70 Prozent aller bewerteten Pflanzen vom Aussterben bedroht oder gefährdet.

Datenquelle

International Union for Conservation of Nature (IUCN): Red List of Threatened Species™, »www.iucn.org«; United Nations Environment Programme (UNEP): Global Biodiversity Outlook 2, »www.unep.org«

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Ein vereinfachtes Beispiel soll dazu dienen, den Unterschied zwischen beschriebenen und bewerteten Arten zu verdeutlichen. Angenommen, es existieren von einer Tier- oder Pflanzengattung weltweit 75.000 Arten. Wenn von diesen 75.000 Arteur 10.000 entdeckt und erfasst werden, liegt die Anzahl der “beschriebenen Arten” bei 10.000. Da es schwierig und extrem aufwändig ist, bei 10.000 Arten zu überprüfen, ob sie bedroht sind oder nicht, wird nur ein Teil der beschriebenen Arten “bewertet”. Wenn beispielsweise 1.000 der 10.000 beschriebenen Arten bewertet werden und sich dabei herausstellt, dass 500 Arten vom Aussterben bedroht sind, entsprechen diese 500 Arten 50 Prozent der 1.000 bewerteten Arten und 5 Prozent der 10.000 beschriebenen Arten.

Die bewerteten Arten sind immer ein Bestandteil der beschriebenen Arten, denn jede Art, die bewertet wird, muss vorher auch erfasst worden sein.

IUCN – International Union for Conservation of Nature

UNEP – United Nations Environment Programme

Tabelle: Bedrohte Arten

In absoluten Zahlen und in Prozent, weltweit 2009

 

Transport- und Kommunikationskosten

3.3.2010

Erst die relativ sinkenden Kosten für Transport- und Kommunikation ermöglicheeue Produktions-, Vermarktungs- und Absatzstrategien.

Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-ncnd/3.0/de/


Fakten

Obwohl einzelne Güter schon früh über große Entfernungen transportiert wurden, hat sich das ökonomische Handeln den größten Teil der Menschheitsgeschichte auf die lokale Ebene bezogen. Auch heute spielt die lokale Ebene eine wichtige Rolle. Aber seit etwa 200 Jahren und noch einmal verstärkt in den vergangenen 50 Jahren hat der grenzüberschreitende Handel stetig an Bedeutung gewonnen. Neben expansiven Unternehmensstrategien ermöglichen vor allem sinkende Transport- und Kommunikationskosten die Ausweitung des grenzüberschreitenden Handels.

Seit 1930 sind sowohl die Kosten für den See- und Lufttransport als auch die Telekommunikationskosten massiv gesunken. Die Kosten für Seefracht und Lufttransport verringerten sich innerhalb von 70 Jahren um 65 bzw. 88 Prozent. Bei den Kommunikationskosten – etwa bei den Gebühren für ein dreiminütiges Telefongespräch von New York nach London – ist der Trend noch deutlicher: In Preisen von 1990 kostete dieses Gespräch 1930 knapp 245 US-Dollar, 1970 noch mehr als 30 US-Dollar und 2005 nur noch 30 US-Cent – eine Kostenreduzierung von 99,88 Prozent. Auch deshalb hat sich allein vom Ende der siebziger bis zum Ende der neunziger Jahre die Zahl der aus den USA ins Ausland telefonierten Minuten auf etwa 28 Milliarden verneunfacht.

Während die Kommunikationskosten vor allem aufgrund technischer Entwicklungen und der Entstehung eines Massenmarktes gesunken sind, profitierte der Transportsektor zusätzlich von relativ sinkenden Rohölpreisen seit Anfang der 1980er-Jahre bis zum Ende der 1990er-Jahre. Marktliberalisierungen wirkten sich in beiden Bereichen kostensenkend aus.

Erst die relativ sinkenden Kosten für Transport und Kommunikation und die parallele Verbreitung globaler Transport- und Kommunikationsnetze habeeue Produktions-, Vermarktungs- und Absatzstrategien sowie einen allgemeinen globalen Austausch ermöglicht.

Dabei sind sinkende Transport- und Kommunikationskosteicht nur eine Voraussetzung für die Globalisierung, sondern werden ihrerseits von ihr beeinflusst: Durch eine größere Nachfrage von Dienstleistungen im Kommunikationsbereich, wachsende Gütermengen im Transportwesen und schnellere Verbreitung technischer Entwicklungen können logistische Leistungen günstiger angeboten – und im nächsten Schritt wiederum stärker nachgefragt – werden. Erst wenn das Angebot langsamer wächst als die Nachfrage, steigen die Preise.

Während die Kommunikationskosten auch in den letzten Jahren weiter gesunken sind, haben vor allem die seit etwa zehn Jahren steigenden Energiekosten in vielen Bereichen zu einer Erhöhung der Transportkosten geführt. Genauso wie sinkende Transport- und Kommunikationskosten die Globalisierung beschleunigen, führen steigende Kosten zu einer Entschleunigung des grenzüberschreitenden Handels.

Allerdings ist der Anteil der Transportkosten bei vielen Produkten gegenwärtig so gering, dass sich auch deutliche Preissteigerungen kaum auf die Endverbraucherpreise auswirken müssen. So kostet etwa der Transport eines TEU-Containers mit mehr als 20 Tonnen Fracht von Asieach Europa nicht mehr als ein Flug in der Economy-Class für einen Flugpassagier auf derselben Strecke. Der Transport einer Tonne Eisenerz von Australieach Europa kostet durchschnittlich etwa 12 US-Dollar. Und bei einem Transport von Asieach Europa liegt der Anteil der Seefrachtkosten bei einem Fernseher bei etwa 1,4 Prozent, bei einem Kilo Kaffee sogar nur bei einem Prozent.

Datenquelle

Busse, Matthias: HWWA Discussion Paper Nr. 116; Bundesverband der Deutschen IndustrieThema 8

Greenpeace-Aktivist Lars protestiert an Gazprom-Ölplattform

 Описание: http://t1.gstatic.com/images?q=tbn:ANd9GcTHCn4cJ9yrV2JXkqidiw036ebiufvEI_-jQB3z78RgsotpbuL0

Die ökologischen Probleme

Wie in allen Ländern der Welt gehören die ökologischen Probleme auch in der Ukraine zu den wichtigsten. Wegen Geldmangel können in den Betrieben alte Betriebsanlageicht durch neue, ökologisch saubere ersetzt werden. Einige Werke lassen verantwortungslos ihre giftigen Abwässer in die nächstliegenden Gewässer oder einfach in die Erde fließen. Um die Ernteerträge zu erhöhen, wurden von den Kolchosen lange Zeit die Felder mit minderwertigen Düngemitteln vergiftet. Nicht alles, was von diesen Feldern auf unseren Tisch kommt, ist für die Gesundheit ungefährlich. Nach dem Bau einer ganzen Reihe von Stauseen am Dnipro sind im Klima der Ukraine unwiderrufliche Veränderung eingetreten.

Von den Wassermassen dieser selbstgeschaffenen “Meere” wird oft alles noch Lebende überflutet. Natürlich wird allen diesen Problemen Aufmerksamkeit geschenkt, jedoch nicht genügend, um diese Probleme zu lösen.

Das größte Unglück für die Ukraine ist aber die Tschernobyler Katastrophe am 26. April 1986. Die Explosion des vierten Reaktors des Tschernobyler Atomkraftwerkes hatte schreckliche ökologische Folgen. Dutzende von Kilometern verseuchter Erde, Tausende Menschenleben wurden von den todbringenden Strahlen vernichtet. Kinder und Tiere werdeach der Katastrophe als Mutanten geboren, das Wasser des Dnipro und der Pripjatj ist vergiftet, die Zahl der Krebserkrankungen steigt. Das alles ist nur ein kleiner Teil des über die Ukraine hereingebrochenen Unheils. Unter den Folgen der Katastrophe im Atomkraftwerk werdeach Ansicht der Gelehrteoch viele Generationen leiden. Die Tschernobyler Katastrophe übertrifft Hiroshima und Nagasaki.Ihre Folgen hatten verheerende Auswirkungen für die Umwelt der ganzen Welt.

Описание: http://t0.gstatic.com/images?q=tbn:ANd9GcQVGK3q-hPJxBlttJxteNiEqj23D4bM6V8Xk-ru1B7o7ora-EX2

Erderwärmung

10.4.2010

Wenn die Emissionen von Treibhausgasen unvermindert ansteigen, könnte sich die globale Mitteltemperatur bis Ende des 21. Jahrhunderts um weitere 2,5 bis 4,1°C erhöhen. Das zeigen Klimasimulationen.

Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-ncnd/3.0/de/

Описание: http://festival.1september.ru/articles/512135/img1.gif

Fakten

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich die globale erdnahe Temperatur um fast ein Grad erhöht. Während der natürliche Treibhauseffekt eine Abkühlung der Erde verhindert, geht die Mehrheit der Wissenschaftler davon aus, dass die anhaltende Temperaturerhöhung vorwiegend Folge menschlicher Aktivitäten ist. Vor allem der Ausstoß von Treibhausgasen ist problematisch. Den Hauptanteil am anthropogenen, also vom Menschen verursachten, Treibhauseffekt hat mit 60 Prozent das Kohlendioxid (CO2). Es wird durch die Verbrennung fossiler Energieträger, Waldrodungen, Bodenerosion sowie Holzverbrennung freigesetzt. Methan, das primär in der Landwirtschaft und durch Massentierhaltung entsteht, trägt zu 15 Prozent zum anthropogenen Treibhauseffekt bei.

Wie außergewöhnlich die Temperaturerhöhung der letzten Jahrzehnte ist, wird deutlich, wenn die Verteilung der wärmsten Jahre betrachtet wird: Die zwanzig Jahre mit der höchsten Durchschnittstemperatur in den letzten 150 Jahren entfallen alle auf die Zeit nach 1980. Davon siebzehn sogar auf die Zeit nach 1990. Alle Jahre von 2001 bis 2008 gehören zu den zehn wärmsten überhaupt. Bezogen auf die nördliche Hemisphäre liegen die Temperaturen heute höher als zu irgendeinem Zeitpunkt in den letzten tausend Jahren.

Klimasimulationen des Max-Planck-Instituts für Meteorologie zeigen, dass sich die globale Mitteltemperatur bis Ende des 21. Jahrhunderts um weitere 2,5 bis 4,1°C erhöhen könnte, wenn die Emissionen von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen unvermindert ansteigen. Andere Institutionen wie zum Beispiel das IPCC gehen davon aus, dass die Temperaturerhöhung noch stärker ausfallen kann.

Die Erderwärmung bringt mehrere Probleme mit sich. Infolge der thermischen Ausdehnung der Ozeane könnte der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 im globalen Mittel zwischen 20 und 30 cm steigen (relativ zum Mittel der Jahre 1961-1990). Die regionalen Unterschiede würden allerdings von einer leichten Absenkung bis hin zu einem Anstieg von mehr als einem Meter reichen. Hinzu käme ein Anstieg des globalen Meeresspiegels von bis zu zehn Zentimetern durch Änderungen des Inlandeises: Die beginnende Schmelze des Eises auf Grönland würde den Meeresspiegel um bis zu 15 cm steigen lassen, während der erhöhte Schneefall in der Antarktis den globalen Meeresspiegel um fünf Zentimeter absenken würde.

Der hohe von Menschen verursachte CO2-Ausstoß beeinflusst die Meere auch auf andere Weise: 2007 gelangten etwa 29 Milliarden Tonnen des Gases in die Atmosphäre, mehr als ein Drittel davoehmen die Weltmeere als Kohlensäure auf und versauern dadurch schrittweise. Dies gefährdet wiederum die Fischbestände der Weltmeere und schädigt kalkbildende Organismen wie Muscheln, Schnecken und Korallen. Schon in 30 Jahren könnten mehr als 60 Prozent der tropischen Korallenriffe verschwunden sein.

Die Erderwärmung bzw. der Klimawandel hat weitere Folgen für den Menschen. Während in einigen Gebieten Überschwemmungen und intensive Regenfälle zunehmen, haben andere Regionen mit geringen Niederschlagsmengen bzw. lang anhaltenden Dürreperioden und Hitzewellen zu kämpfen. Hieraus resultieren wiederum Ernteausfälle und Probleme bei der Wasserversorgung bzw. Veränderungen ganzer Lebensräume.

Описание: http://www.inst.at/trans/16Nr/07_6/rotanowa-1.jpg

Datenquelle

Climatic Research Unit (CRU): »www.cru.uea.ac.uk«; Max-Planck-Institut für Meteorologie: »www.mpimet.mpg.de«

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Описание: http://www.bpb.de/cache/images/8/52728-1x2-original.gif?F34F2

Um die Veränderung der globalen Durchschnittstemperatur zu ermitteln, existieren unterschiedliche Verfahren. Bei den hier verwendeten Daten wurden sowohl die bei den Landstationen gemessenen Lufttemperaturen als auch die von Schiffen und Bojen ermittelten Temperaturen der Meeresoberfläche kombiniert.

Um Verzerrungen zu vermeiden, wurde als Bezugspunkt für die Schwankungsbreite die Durchschnittstemperatur der Jahre 1961 bis 1990 (14°C) gewählt. Auf diesen Zeitraum, in dem die Messungen überdurchschnittlich umfangreich waren und abgesichert sind, werden die Messungen der einzelnen Jahre bezogen und hier als Differenz dargestellt.

Angaben zu den weltweit gemessenen Durchschnittstemperaturen finden sich unter anderem bei der »Climatic Research Unit (CRU)« und dem »Met Office«. Die CRU bietet darüber hinaus genauere Angaben zu den verschiedenen Messmethoden und die neusten Daten unter: »www.cru.uea.ac.uk/cru/data/temperature«.

IPCC – Intergovernmental Panel on Climate Change

Описание: http://www.bpb.de/cache/images/8/52738-1x2-original.gif?ED919

Tabelle: Erderwärmung

Differenz zwischen der globalen erdnahen Temperatur und der Durchschnittstemperatur der Jahre 1961 bis 1990 in °C, 1850 bis 2008

 

Differenz in °C

 

 

Differenz in °C

 

 

Differenz in °C

1850

-0,447

1920

-0,314

1990

0,254

1852

-0,294

1922

-0,381

1991

0,212

1854

-0,307

1924

-0,360

1992

0,061

1856

-0,406

1926

-0,162

1993

0,105

1858

-0,513

1928

-0,255

1994

0,171

1860

-0,372

1930

-0,165

1995

0,275

1862

-0,540

1932

-0,155

1996

0,137

1864

-0,516

1934

-0,159

1997

0,351

1866

-0,303

1936

-0,152

1998

0,546

1868

-0,291

1938

0,009

1999

0,296

1870

-0,302

1940

0,018

2000

0,270

1872

-0,255

1942

-0,031

2001

0,409

1874

-0,397

1944

0,120

2002

0,464

1876

-0,403

1946

-0,205

2003

0,473

1878

0,023

1948

-0,204

2004

0,447

1880

-0,260

1950

-0,309

2005

0,482

1882

-0,246

1952

-0,074

2006

0,422

1884

-0,381

1954

-0,251

2007

0,405

1886

-0,275

1956

-0,349

2008

0,327

1888

-0,337

1958

-0,010

 

 

1890

-0,431

1960

-0,123

 

 

1892

-0,484

1962

-0,021

 

 

1894

-0,444

1964

-0,295

 

 

1896

-0,211

1966

-0,147

 

 

1898

-0,432

1968

-0,159

 

 

1900

-0,223

1970

-0,067

 

 

1902

-0,431

1972

-0,056

 

 

1904

-0,554

1974

-0,213

 

 

1906

-0,329

1976

-0,254

 

 

1908

-0,559

1978

-0,063

 

 

1910

-0,548

1980

0,077

 

 

1912

-0,491

1982

0,011

 

 

1914

-0,305

1984

-0,021

 

 

1916

-0,434

1986

0,029

 

 

1918

-0,388

1988

0,180

 

 


Quelle: Climatic Research Unit (CRU):
www.cru.uea.ac.uk

 

Jährliche Änderung der Waldbestände

14.9.2010

Der Waldverlust von jährlich 2,64 Millionen Hektar in Brasilien entspricht einem durchschnittlichen Verlust von 5,0 ha pro Minute. Fünf Hektar entsprechen wiederum einer Fläche von rund sieben Fußballfeldern.

Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-ncnd/3.0/de/


Fakten

Rund 31 Prozent der weltweiten Landoberfläche sind mit Wäldern bedeckt – das entspricht einer Fläche von insgesamt 4,03 Milliarden Hektar (ha). Allerdings ist der Waldbestand sehr unterschiedlich verteilt. Im Jahr 2010 entfielen auf die fünf Staaten mit dem größten Waldbestand 53 Prozent des weltweiten Waldbestandes. Allein Russland hatte mit einer Waldfläche von 809 Millionen Hektar einen Anteil von einem Fünftel (20,1 Prozent). Es folgten Brasilien (520 Mio. ha), Kanada (310 Mio. ha), die USA (304 Mio. ha), China (207 Mio. ha), die Demokratische Republik Kongo (154 Mio. ha), Australien (149 Mio. ha), Indonesien (94 Mio. ha), Sudan (70 Mio. ha) und Indien (68 Mio. ha).

In weltweit 50 Staaten war im Jahr 2010 mehr als die Hälfte der Gesamtfläche bewaldet, darunter 12 Staaten, bei denen mehr als 75 Prozent der Fläche mit Wald bedeckt waren. Demgegenüber hatten im selben Jahr zehn Staaten der Welt gar keinen Wald und in 54 Staaten bedeckte der Wald nur zehn Prozent der Gesamtfläche – die meisten davon liegen in Nordafrika, Westasien oder sind kleinere Inseln. 2010 lebten in diesen 64 waldarmen Staaten rund 2 Milliarden Menschen.

Die weltweiten Waldverluste schreiten seit Jahrzehnten voran. Allerdings hat sich das Tempo leicht verringert: Während zwischen 1990 und 2000 im Durchschnitt noch 0,20 Prozent (8,33 Mio. ha) des weltweiten Waldbestandes pro Jahr verloren gingen, waren es im Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2010 jährlich 0,13 Prozent (5,21 Mio. ha). Die Fläche der jährlichen Waldverluste entspricht gegenwärtig in etwa der Größe von Costa Rica.

Hauptursache für die Waldverluste ist die Umwandlung von Wald- in Ackerfläche. Zusammen mit anderen Nutzungsformen und den Waldverlusten durch Naturkatastrophen gehen Jahr für Jahr etwa 13 Millionen Hektar Wald verloren. Auf der anderen Seite stehen Waldzuwächse durch Aufforstung, Wiederaufforstung und durch die natürliche Ausbreitung des Waldes.

In den Jahren 2000 bis 2010 nahm die Waldfläche in Ostasien um durchschnittlich 2,78 Millionen Hektar pro Jahr zu. Das war mehr als in jeder anderen Region. Auch in Europa (ohne Russland) hat sich im selben Zeitraum der Waldbestand erhöht – und zwar um jährlich 694.000 Hektar.

Allein in den 10 Staaten, auf die in den Jahren 2000 bis 2010 die höchsten Waldzuwächse entfielen, lag die Höhe der Zuwächse bei 4,41 Millionen Hektar pro Jahr. In den Jahren 1990 bis 2000 lag der entsprechende Wert noch bei 3,40 Millionen Hektar pro Jahr. Bezogen auf den Zeitraum 2000 bis 2010 hatten China (plus 2,99 Mio. ha), die USA (plus 0,38 Mio. ha), Indien (plus 0,30 Mio. ha) und Vietnam (plus 0,21 Mio. ha) die größten Anteile am Waldzuwachs. Ein großer Teil der weltweiten Waldzuwächse beruht auf der Zunahme von Waldplantagen. Die Fläche der Waldplantagen nahm im Zeitraum von 1990 bis 2010 um jährlich 4,29 Millionen Hektar zu. In China (plus 1,93 Mio. ha), den USA (plus 0,81 Mio. ha), Kanada (plus 0,39 Mio. ha) und Indien (plus 0,25 Mio. ha) war das durchschnittliche jährliche Wachstum dabei am höchsten.

Demgegenüber hatten Südamerika (minus 4,00 Mio. ha), Ost- und Südafrika (minus 1,84 Mio. ha), West- und Zentralafrika (minus 1,54 Mio. ha), Ozeanien (minus 0,70 Mio. ha) sowie Süd- und Süd-Ostasien (minus 0,68 Mio. ha) zwischen 2000 und 2010 die größten Waldverluste pro Jahr.

Allein die 10 Staaten, die in den Jahren 2000 bis 2010 die höchsten Waldverluste hatten, verloren jährlich 6,04 Millionen Hektar Wald. An der Spitze standen dabei Brasilien (minus 2,64 Mio. ha), Australien (minus 0,56 Mio. ha) und Indonesien (minus 0,50 Mio. ha). Im Zeitraum 1990 bis 2000 lag der Waldverlust der “Top 10” noch bei 7,93 Millionen Hektar. Während auf Brasilien auch in dieser Zeit die größten Verluste entfielen (minus 2,89 Mio. ha.), stand Indonesieoch an zweiter Stelle. Dabei waren die Waldverluste in Indonesien mit 1,91 Millionen Hektar pro Jahr fast viermal so hoch wie in der Zeit von 2000 bis 2010. Australien war im Zeitraum 1990 bis 2000 gar nicht unter den zehn Staaten mit den größten Verlusten zu finden – dies änderte sich seit dem Jahr 2000 durch zahlreiche Dürren und Waldbrände.

Der Waldverlust von jährlich 2,64 Millionen Hektar in Brasilien entspricht einem durchschnittlichen Verlust von 5,0 ha pro Minute. Fünf Hektar entsprechen wiederum einer Fläche von rund sieben Fußballfeldern.

Etwa 36 Prozent des weltweiten Waldbestandes sind Urwälder, rund 57 Prozent sind natürliche Wälder, die deutlich durch menschliches Handeln beeinflusst sind, 6,5 Prozent sind Waldplantagen. Da Urwälder als Ökosysteme einzigartig sind, eine besondere Bedeutung für die Biodiversität haben und für viele natürliche Kreisläufe unverzichtbar sind, ist ihre Zerstörung ein besonderes Problem. Umso dramatischer ist es, dass im Zeitraum 2000 bis 2010 jährlich mehr als vier Millionen Hektar Urwald zerstört oder verändert worden sind. Die veränderte Nutzung hat unter anderem beträchtliche Treibhausgasemissionen zur Folge. Denn in den Böden und Wäldern sind große Mengen Kohlenstoff gespeichert, die bei der Abholzung als Kohlendioxid in die Atmosphäre abgegeben werden. Zudem fallen die alten Baumbestände, die für die Akkumulation von Kohlenstoff besonders wichtig sind, auch für die Zukunft aus.

Datenquelle

Food and Agriculture Organization (FAO): Global Forest Resources Assessment 2010

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Hektar (ha) ist eine Maßeinheit der Fläche, die vor allem in der Land- und Forstwirtschaft verbreitet ist.

1 ha = 100m x 100m = 10.000 m² = 0,01 km²

Waldplantagen – also angepflanzte Wälder – werden in erster Linie als “produktive Plantagen” für die Produktion von Holz, Papierfasern und Biokraftstoffen genutzt. “Protektive Plantagen” dienen dem Schutz von Böden und Wasservorkommnissen, schützen vor Erosion durch Wind und Wasser, stoppen die Ausbreitung von Wüsten, dienen dem Küstenschutz, mildern die Lawinengefahr und steigern die Luftqualität.

Tabelle: Jährliche Änderung der Waldbestände

In absoluten Zahlen und in Prozent des Gesamtbestandes, Durchschnitt der Jahre 1990 bis 2000 und 2000 bis 2010

 

Wasserverbrauch

14.9.2010

Mitte dieses Jahrhunderts werden im schlimmsten Fall sieben Milliarden Menschen in 60 Ländern und im günstigsten Fall zwei Milliarden Menschen in 48 Ländern von Wasserknappheit betroffen sein.

Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-ncnd/3.0/de/


Fakten

Von den etwa 1,4 Milliarden Kubikkilometern (km³) Wasser auf der Erde sind nur etwa 2,5 Prozent Süßwasser. Davon sind wiederum mehr als zwei Drittel in Gletschern und als ständige Schneedecke bzw. Eis gebunden. Weitere 30 Prozent befinden sich als Grundwasser unter der Erde, knapp ein Prozent bilden Bodenfeuchtigkeit, Grundeis, Dauerfrost und Sumpfwasser. Nur etwa 0,3 Prozent der Süßwasservorräte – rund 100.000 km³ bzw. 0,008 Prozent allen Wassers – sind relativ leicht, vor allem in Seen und Flüssen, für den Menschen zugänglich.

Hinzu kommen weitere 8.000 km³, die durch Dämme aufgestaut werden. Weltweit existieren mehr als 50.000 Großstaudämme (mit einer Höhe von mehr als 15 Metern oder einem Fassungsvermögen von mindestens 3 Mio. m³), rund 100.000 mittelgroße Dämme (Fassungsvermögen: 0,1 bis 3 Mio. m³) sowie eine Million kleinere Staudämme (Fassungsvermögen: < 0,1 Mio. m³). Die Staudämme sind zu einem unverzichtbaren, aber ökologisch vielfach problematischen Bestandteil der Wasserversorgung geworden.

Weltweit werden jährlich rund 4.000 km³ Frischwasser entnommen, wobei der größte Teil aus erneuerbaren Wasserressourcen (Flüsse, Seen, Grundwasser) stammt. Von den 4.000 km³ werden etwa 70 Prozent im Agrarsektor, 20 Prozent in der Industrie (inklusive Energieproduktion) und 10 Prozent im häuslichen Bereich verbraucht. Auf den Agrarsektor entfallen weitere 6.400 km³ Regenwasser, das direkt über den Feldern abregnet. Bei der Wasserentnahme bestehen große Unterschiede zwischen den Regionen: So liegt beispielsweise in Nordamerika sowie in Europa der Anteil der Industrie an der Wasserentnahme bei rund 50 Prozent.

Nach den Angaben, die der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) Anfang 2010 zur Verfügung standen, sind Indien, China, die USA, Pakistan, Iran, Japan, Thailand, Indonesien, Bangladesch und Mexiko die zehn Staaten, die am meisten Wasser entnehmen. Allein auf Indien und China entfällt etwa ein Drittel der weltweiten Wasserentnahme.

Bei der Wasserentnahme pro Kopf schwankt die jährliche Entnahmemenge zwischen 5.319 m³ im Baumwolle produzierenden Turkmenistan und 6 m³ in der Zentralafrikanischen Republik. Weltweit liegt die jährliche Entnahmemenge bei durchschnittlich rund 600 m³ pro Kopf. Verglichen mit anderen ökonomisch entwickelten Staaten lag Deutschland im Jahr 2007 mit einer Wasserentnahme von knapp 400 m³ pro Kopf im unteren Mittelfeld.

Ein anderes Bild ergibt sich, wenn das Wasser, das für die Produktion von Waren und Dienstleistungen entnommen wird (‘virtuelles Wasser’), den Staaten zugerechnet wird, in denen die Waren und Dienstleistungen verbraucht werden. Dazu ein Beispiel: Bei einem Apfel, der während der Zucht bewässert und nach der Ernte exportiert wird, wird der Wasserverbrauch dem Land zugerechnet, in dem der Apfel gegessen wird – und nicht dem Land, in dem er gezüchtet wurde.

Die Non-Profit-Organisation ‘Water Footprint Network’ berechnet den ‘Wasser-Fußabdruck’ indem das ‘virtuelle Wasser’ und das vor Ort verbrauchte Wasser addiert werden. Für die USA ergibt sich so ein jährlicher ‘Wasser-Fußabdruck’ von knapp 2.500 m³ pro Kopf. In China liegt der entsprechende Wert bei 700 m³ pro Kopf. Deutschland hat einen jährlichen ‘Wasser-Fußabdruck’ von 1.550 m³ pro Kopf – das entspricht mehr als 4.000 Litern pro Tag. Der allergrößte Teil dieser 4.000 Liter entfällt auf das ‘virtuelle Wasser’ der Importe, die Wassernutzung durch Wärmekraftwerke (vor allem Kühlung) sowie den Bergbau und das Verarbeitende Gewerbe. Der unmittelbare personenbezogene Wasserverbrauch in Deutschland lag 2008 bei lediglich 123 Litern pro Einwohner und Tag.

Der weltweite Wasserverbrauch hat sich zwischen 1930 und 2000 etwa versechsfacht. Hierfür sind die Verdreifachung der Weltbevölkerung und die Verdoppelung des durchschnittlichen Wasserverbrauchs pro Kopf verantwortlich. Seit dem Jahr 2000 erhöht sich die Bevölkerungszahl jedes Jahr um gut 79 Millionen Menschen. Verbunden mit ökonomischem Wachstum, zunehmender Verstädterung und der Verbreitung von verbrauchsintensiven Lebensstilen erhöht das Bevölkerungswachstum die Wassernachfrage um 50 bis 64 Milliarden Kubikmeter pro Jahr.

In Verbindung mit räumlichen und zeitlichen Schwankungen der Wasserverfügbarkeit hat die steigende Wasserentnahme zur Folge, dass Wasser in sehr vielen Nutzungsbereichen knapp wird. Offensichtlich wird diese Knappheit, wenn Flüsse weniger Wasser führen, Seen austrocknen und vielerorts der Grundwasserspiegel sinkt.

Parallel zur steigenden Entnahme werden die Süßwasservorkommen durch den Klimawandel und die Verschmutzung weiter verringert. Die UNESCO geht davon aus, dass täglich etwa zwei Millionen Tonnen Abfälle in Vorflutern abgelagert werden. Schätzungen gehen von einer globalen Abwasserproduktion von etwa 1.500 km³ aus. Unter der Annahme, dass 1 Liter Abwasser 8 Liter Süßwasser verunreinigen kann, könnte sich die aktuelle Abwasserbelastung auf bis zu 12.000 km³ weltweit belaufen. Gleichzeitig gelangeach Angaben der UNESCO in den ökonomisch sich entwickelnden Staaten mehr als 80 Prozent des Abwassers unbehandelt in Flüsse, Seen und Meere.

Mitte dieses Jahrhunderts werden im schlimmsten Fall sieben Milliarden Menschen in 60 Ländern und im günstigsten Fall zwei Milliarden Menschen in 48 Ländern von Wasserknappheit betroffen sein. Trotz der knappen Verfügbarkeit bleiben viele Einsparmöglichkeiten – bessere Bewässerungstechnik, Anbau angepasster Erzeugnisse, achtsames Konsumverhalten und Vermeidung der Trinkwassernutzung im Agrarsektor – ungenutzt.

Datenquelle

Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO): AQUASTAT; United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO): The United Nations World Water Development Report 1 (2003), The United Nations World Water Development Report 3 (2009); Water Footprint Network: »www.waterfootprint.org«; Bundesverband der Energie– und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW): »www.bdew.de«

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Das Konzept des virtuellen Wassers wurde in den 1990er-Jahren von dem britischen Wissenschaftler John Anthony Allan entwickelt. Darunter ist die Wassermenge zu verstehen, die während der gesamten Produktionskette eines bestimmten Produktes verbraucht, verdunstet oder verschmutzt wird.

Der Wasser-Fußabdruck ist eine Weiterentwicklung des virtuellen Wasser-Konzepts und kann sowohl für Einzelpersonen wie auch für Unternehmen und ganze Nationen berechnet werden. Er beinhaltet die direkt verbrauchte Wassermenge sowie das in der Nahrung und anderen Waren verbrauchte virtuelle Wasser.

1 Kubikkilometer (km³) = 1.000.000.000 Kubikmeter (m³)

1 m³ = 1.000 Liter

Tabelle: Wasser

Jährliche Wasserentnahme pro Kopf (alle Sektoren), in Kubikmetern (m³), Stand: 2010*

 

Fischbestände auf offener See

14.9.2010

Im Jahr 1974 waren 39 Prozent der Fischbestände auf offener See moderat oder gering befischt. 2007 bewertete die FAO nur noch 20 Prozent der Fischbestände als moderat (18 Prozent) oder gering (2 Prozent) befischt.

Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-ncnd/3.0/de/


Fakten

Zwischen 1950 und 2006 erhöhte sich die Menge des weltweit verbrauchten Fisches von etwa 19 auf 143,6 Millionen Tonnen pro Jahr – dies entspricht einer durchschnittlichen Steigerung von jährlich rund 3,7 Prozent. Von den 143,6 Millionen Tonnen Fischverbrauch des Jahres 2006 wurden 110,4 Millionen Tonnen direkt vom Menschen konsumiert. Die verbleibenden 33,3 Millionen Tonnen entfielen vor allem auf die Produktion von Fischmehl und Ölen.

Im Jahr 2005 lag der weltweite Fischverbrauch bei durchschnittlich 16,4 kg pro Kopf (2006: 16,7 kg). Während der Fischverbrauch in Afrika und Südamerika mit 8,3 bzw. 8,4 kg pro Kopf deutlich unter dem Durchschnitt lag, war der Verbrauch in Nordamerika und Europa mit 24,1 bzw. 20,8 kg überdurchschnittlich hoch. China belegte im Jahr 2005 mit 26,1 kg pro Kopf eine Spitzenposition, insgesamt entfielen auf China mehr als 30 Prozent des weltweiten Fischverbrauchs.

Während der Verbrauch von gezüchtetem Fisch im Jahr 1950 keine Rolle spielte und der mengenmäßige Anteil auch 1980 noch deutlich unter zehn Prozent lag, stammten 2006 bereits 36 Prozent des Fischverbrauchs aus der Fischzucht. Die auf offener See bzw. in Binnengewässern gefangenen Fische hatten im selben Jahr einen Anteil von 57 bzw. sieben Prozent an der insgesamt verbrauchten Fischmenge.

Ausgehend vom Gewicht wurden im Jahr 2006 89,5 Prozent der gezüchteten Fische in Asien gezüchtet. Bezogen auf den Marktwert hatte der in Asien gezüchtete Fisch allerdings nur einen Anteil von 77,1 Prozent. Allein auf China entfielen im selben Jahr 66,7 Prozent der gezüchteten Fischmenge und 48,8 Prozent des Wertes der weltweiten Fischzucht. Die Produktion im Fischzucht- bzw. Aquakultur-Sektor ist seit 1970 um 8,7 Prozent pro Jahr gewachsen – schneller als jeder andere Lebensmittelsektor.

Trotz der relativen Abnahme der Menge des Fangfisches gegenüber der des Zuchtfisches hat sich die absolute Menge des gefangenen Fisches lange Zeit erhöht und stagniert seit Ende der 1980er-Jahre auf hohem Niveau. Insbesondere neue Fangmethoden und die nicht zuletzt durch das Bevölkerungswachstum gestiegene Nachfrage führen zu einer intensiven Befischung und teilweise Überfischung der Meere.

Von den weltweit 200 wichtigsten Fischarten, auf die über 65 Prozent des Fischfangs auf offener See entfallen, galteach Aussagen der Food and Agriculture Organization (FAO) Anfang der 1950er-Jahre noch deutlich mehr als 60 Prozent als gering befischt. Mitte der 1960er-Jahre schrumpfte der entsprechende Anteil auf ein Drittel und Anfang der 1970er-Jahre rutschte er unter zehn Prozent. Seit Ende der 1970er-Jahre gilt keine der 200 wichtigsten Fischarten als gering befischt.

Im Jahr 1974 waren 39 Prozent der Fischbestände auf offener See moderat oder gering befischt. 2007 bewertete die FAO nur noch 20 Prozent der Fischbestände als moderat (18 Prozent) oder gering (2 Prozent) befischt. Parallel zu dieser Abnahme hat sich der Anteil der überfischten oder erschöpften Fischbestände deutlich erhöht. Waren 1974 nur zehn Prozent der weltweiten Fischbestände überfischt oder erschöpft, liegt der entsprechende Anteil seit Ende der 1980er-Jahre bei rund einem Viertel der Gesamtbestände. Im Jahr 2007 lag der Wert mit 28 Prozent nochmals deutlich höher. Dabei waren 19 Prozent der Fischbestände überfischt und acht Prozent komplett erschöpft; ein Prozent der weltweiten Fischbestände erholte sich auf niedrigstem Niveau.

Im Jahr 2006 hatte der weltweit gefangene Fisch einen Erstverkaufswert von 91,2 Milliarden US-Dollar. Der Wert der Aquakulturen lag im selben Jahr bei 78,8 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2005 erreichte der Export von Fisch und Fischereierzeugnissen mit 56 Millionen Tonnen sein bisher höchstes Gewicht (2006: 54 Mio. Tonnen). Der Wert des Exports lag 2006 bei 85,9 Milliarden US-Dollar – das waren 9,6 Prozent mehr als 2005 und 62,7 Prozent mehr als 1996.

Die Zusammensetzung der zehn größten Fischfangnationen der Welt hat sich seit 1992 nur geringfügig verändert. Auf die zehn größten Fischfangnationen entfielen 2006 rund 55 Prozent aller gefangenen Fische. Allein China und Peru hatten einen Anteil von knapp einem Viertel am weltweiten Fischfang.

Datenquelle

Food and Agriculture Organization (FAO): The State of World Fisheries and Aquaculture 2008

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Um Aussagen über die Intensität der Befischung auf offener See machen zu können, trägt die Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) die Beobachtungen von mehr als 580 Fischbeständen bzw. wichtigsten Arten zusammen. Bei etwa 520 Fischbeständen bzw. wichtigen Arten waren die Informationen im Jahr 2007 so umfangreich, dass sie in die – auch hier dargestellte – Auswertung eingeflossen sind.

Tabelle: Fischbestände auf offener See

Nach Befischungsintensität, in Prozent der bewerteten Gesamtbestände, weltweit 1974 bis 2007

 

Bedrohte Arten

14.9.2010

Täglich sterben, je nach Schätzung, zwischen 70 und 200 größtenteils unerforschte Pflanzen- und Tierarten aus. Die Hauptgründe für das Artensterben bestehen fort oder haben sich sogar verschärft.

Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-ncnd/3.0/de/


Fakten

Bei der Anzahl der weltweit existierenden Tier- und Pflanzenarten gehen die Schätzungen weit auseinander, sie liegen zwischen fünf und 100 Millionen. Eine im Auftrag des UN-Umweltprogramms UNEP erstellte Studie kam Ende des letzten Jahrhunderts zu dem Ergebnis, dass gegenwärtig wahrscheinlich 13 bis 14 Millionen verschiedene Arten existieren. Bis zum Jahr 2009 konnten erst 1,74 Millionen Arten wissenschaftlich erfasst und beschrieben werden. Lediglich 47.700 dieser beschriebenen Arten wurden dahingehend bewertet, ob sie bedroht sind oder nicht.

In den letzten 50 Jahren hat der Mensch starken Einfluss auf die Umwelt genommen. Dies ist auch Hauptgrund dafür, warum immer mehr Arten aussterben. Täglich sterben, je nach Schätzung, zwischen 70 und 200 größtenteils unerforschte Pflanzen- und Tierarten aus. Das UNEP geht davon aus, dass gegenwärtig mindestens tausendmal mehr Arten pro Jahr sterben, als es ohne den Einfluss des Menschen der Fall wäre – andere Quellen, wie die globale Umweltorganisation IUCN, gehen sogar von einer tausend- bis zehntausendfach höheren Rate aus.

Die Hauptgründe für das Artensterben bestehen fort oder haben sich sogar verschärft: schrumpfende Lebensräume, rücksichtslose Ausbeutung von Ökosystemen und Nahrungsbeständen, die Einführung von fremden Pflanzen und Tieren, Schadstoffbelastungen und der Klimawandel.

Sowohl bei Wirbeltieren und Nichtwirbeltieren als auch bei Pflanzen verdeutlicht die von der IUCN veröffentlichte “Rote Liste”, dass das Ausmaß der Bedrohung der Arten sehr hoch ist. So waren im Jahr 2009 beispielsweise 1.142 Säugetiere gefährdet – das waren 20,8 Prozent aller hinsichtlich ihrer Gefährdung bewerteten Säugetiere. Bei den Amphibien, bei denen fast alle beschriebenen Arten auch bewertet wurden, war im selben Jahr nahezu jede dritte Art bedroht. Wird allein der Anteil bedrohter Arten an den bewerteten Arten betrachtet, waren unter den Wirbeltieren die Fische (31,8 Prozent) und Reptilien (28,0 Prozent) auffällig stark gefährdet. Bei den Vogelarten, bei denen alle beschriebenen Arten auch bewertet wurden, war jede Achte gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

Bei der Beurteilung von Nichtwirbeltieren und Pflanzen besteht das Problem, dass die Anzahl der beschriebenen Arten und die Zahl der davon bewerteten Arten sehr weit auseinander liegen. Während der Anteil der bedrohten Arten unter den bewerteten Arten schnell hoch ausfallen kann, kann der Anteil der bedrohten Arten unter den beschriebenen Arten dazu verleiten, die Bedrohung zu unterschätzen.

So wurden beispielsweise von den Insekten, die mit 1.000.000 beschriebenen Arten den größten Anteil unter den Nichtwirbeltieren haben, nur 2.619 bewertet. Bei 711 bedrohten Insektenarten im Jahr 2009 galten damit 27,1 Prozent der bewerteten Insektenarten als gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Bezogen auf die beschriebenen Insektenarten schrumpft der Anteil jedoch auf marginale 0,07 Prozent. Auch der zeitliche Vergleich verdeutlicht, wie schnell sich die Werte ändern können: 2004 waren von 771 bewerteten Insektenarten 559 bedroht, also deutlich mehr als 70 Prozent. Das heißt aber nicht, dass sich die Lage zwischen 2004 und 2009 verbessert hat, sonderur dass das Wissen über die Bedrohung zugenommen hat.

Zusammengefasst waren im Jahr 2009 mehr als ein Fünftel aller bewerteten Wirbeltiere, gut ein Drittel aller bewerteten Nichtwirbeltiere und sogar 70 Prozent aller bewerteten Pflanzen vom Aussterben bedroht oder gefährdet.

Datenquelle

International Union for Conservation of Nature (IUCN): Red List of Threatened Species™, »www.iucn.org«; United Nations Environment Programme (UNEP): Global Biodiversity Outlook 2, »www.unep.org«

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Ein vereinfachtes Beispiel soll dazu dienen, den Unterschied zwischen beschriebenen und bewerteten Arten zu verdeutlichen. Angenommen, es existieren von einer Tier- oder Pflanzengattung weltweit 75.000 Arten. Wenn von diesen 75.000 Arteur 10.000 entdeckt und erfasst werden, liegt die Anzahl der “beschriebenen Arten” bei 10.000. Da es schwierig und extrem aufwändig ist, bei 10.000 Arten zu überprüfen, ob sie bedroht sind oder nicht, wird nur ein Teil der beschriebenen Arten “bewertet”. Wenn beispielsweise 1.000 der 10.000 beschriebenen Arten bewertet werden und sich dabei herausstellt, dass 500 Arten vom Aussterben bedroht sind, entsprechen diese 500 Arten 50 Prozent der 1.000 bewerteten Arten und 5 Prozent der 10.000 beschriebenen Arten.

Die bewerteten Arten sind immer ein Bestandteil der beschriebenen Arten, denn jede Art, die bewertet wird, muss vorher auch erfasst worden sein.

IUCN – International Union for Conservation of Nature

UNEP – United Nations Environment Programme

Tabelle: Bedrohte Arten

In absoluten Zahlen und in Prozent, weltweit 2009

 

Transport- und Kommunikationskosten

3.3.2010

Erst die relativ sinkenden Kosten für Transport- und Kommunikation ermöglicheeue Produktions-, Vermarktungs- und Absatzstrategien.

Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-ncnd/3.0/de/


Fakten

Obwohl einzelne Güter schon früh über große Entfernungen transportiert wurden, hat sich das ökonomische Handeln den größten Teil der Menschheitsgeschichte auf die lokale Ebene bezogen. Auch heute spielt die lokale Ebene eine wichtige Rolle. Aber seit etwa 200 Jahren und noch einmal verstärkt in den vergangenen 50 Jahren hat der grenzüberschreitende Handel stetig an Bedeutung gewonnen. Neben expansiven Unternehmensstrategien ermöglichen vor allem sinkende Transport- und Kommunikationskosten die Ausweitung des grenzüberschreitenden Handels.

Seit 1930 sind sowohl die Kosten für den See- und Lufttransport als auch die Telekommunikationskosten massiv gesunken. Die Kosten für Seefracht und Lufttransport verringerten sich innerhalb von 70 Jahren um 65 bzw. 88 Prozent. Bei den Kommunikationskosten – etwa bei den Gebühren für ein dreiminütiges Telefongespräch von New York nach London – ist der Trend noch deutlicher: In Preisen von 1990 kostete dieses Gespräch 1930 knapp 245 US-Dollar, 1970 noch mehr als 30 US-Dollar und 2005 nur noch 30 US-Cent – eine Kostenreduzierung von 99,88 Prozent. Auch deshalb hat sich allein vom Ende der siebziger bis zum Ende der neunziger Jahre die Zahl der aus den USA ins Ausland telefonierten Minuten auf etwa 28 Milliarden verneunfacht.

Während die Kommunikationskosten vor allem aufgrund technischer Entwicklungen und der Entstehung eines Massenmarktes gesunken sind, profitierte der Transportsektor zusätzlich von relativ sinkenden Rohölpreisen seit Anfang der 1980er-Jahre bis zum Ende der 1990er-Jahre. Marktliberalisierungen wirkten sich in beiden Bereichen kostensenkend aus.

Erst die relativ sinkenden Kosten für Transport und Kommunikation und die parallele Verbreitung globaler Transport- und Kommunikationsnetze habeeue Produktions-, Vermarktungs- und Absatzstrategien sowie einen allgemeinen globalen Austausch ermöglicht.

Dabei sind sinkende Transport- und Kommunikationskosteicht nur eine Voraussetzung für die Globalisierung, sondern werden ihrerseits von ihr beeinflusst: Durch eine größere Nachfrage von Dienstleistungen im Kommunikationsbereich, wachsende Gütermengen im Transportwesen und schnellere Verbreitung technischer Entwicklungen können logistische Leistungen günstiger angeboten – und im nächsten Schritt wiederum stärker nachgefragt – werden. Erst wenn das Angebot langsamer wächst als die Nachfrage, steigen die Preise.

Während die Kommunikationskosten auch in den letzten Jahren weiter gesunken sind, haben vor allem die seit etwa zehn Jahren steigenden Energiekosten in vielen Bereichen zu einer Erhöhung der Transportkosten geführt. Genauso wie sinkende Transport- und Kommunikationskosten die Globalisierung beschleunigen, führen steigende Kosten zu einer Entschleunigung des grenzüberschreitenden Handels.

Allerdings ist der Anteil der Transportkosten bei vielen Produkten gegenwärtig so gering, dass sich auch deutliche Preissteigerungen kaum auf die Endverbraucherpreise auswirken müssen. So kostet etwa der Transport eines TEU-Containers mit mehr als 20 Tonnen Fracht von Asieach Europa nicht mehr als ein Flug in der Economy-Class für einen Flugpassagier auf derselben Strecke. Der Transport einer Tonne Eisenerz von Australieach Europa kostet durchschnittlich etwa 12 US-Dollar. Und bei einem Transport von Asieach Europa liegt der Anteil der Seefrachtkosten bei einem Fernseher bei etwa 1,4 Prozent, bei einem Kilo Kaffee sogar nur bei einem Prozent.

Datenquelle

Busse, Matthias: HWWA Discussion Paper Nr. 116; Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI): AußenwirtschaftsReport 04/2002; United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD): Maritime Transport Review 2009

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Die hier aufgeführten Indikatoren zur Messung der Kostenentwicklung in den Bereichen Seefracht, Lufttransport und Telekommunikation sind exemplarisch, da auf internationaler Ebene eine zentrale statistische Datenerfassung fehlt. Außerdem darf nicht vergessen werden, dass die Kommunikations- und Transportnetze nicht alle Regionen der Welt gleichermaßen umspannen und somit auch hohe Kostenunterschiede bestehen. Weitere Informationen zum ‘Digital Devide‘ finden Sie »hier…«

ISO-Container sind weltweit genormte Großraumbehälter. Die gängigen ISO-Container haben eine Breite von 8 Fuß (2,44 m) und sind entweder 20 Fuß (6,10 m) oder 40 Fuß (12,19 m) lang. Daraus ergeben sich auch die Abkürzungen TEU (Twenty-foot Equivalent Unit) und FEU (Fourty-foot Equivalent Unit).

Tabelle: Transport- und Kommunikationskosten

Index (1930 = 100) und in absoluten Zahlen, in konstanten Preisen (US-Dollar 1990), 1920 bis 2005

Energiekosten

3.3.2010

Die real sinkenden Rohölpreise von 1980 bis 1998 haben den Prozess der Globalisierung stark beschleunigt. Denn relativ niedrige Rohölpreise begünstigten den Warenhandel bzw. steigende Wachstumsraten.

Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-ncnd/3.0/de/


Fakten

Um die Entwicklung der Energiekosten zu erfassen, bietet sich eine Betrachtung des Rohölpreises an. Rohöl ist mengenmäßig der wichtigste Energieträger, Transport und Transportkosten hängen maßgeblich vom Rohöl bzw. Rohölpreis ab und der Erdgaspreis ist an den Erdölpreis gekoppelt. Zudem hat sich der Preis für Kohle, weltweit der zweitwichtigste Energieträger, weitgehend parallel zum Rohölpreis entwickelt.

Der Rohölpreis schwankte in den vergangenen 150 Jahren erheblich. Dies hatte häufig auch politische Ursachen. Von 1860 bis 1970 ist der Rohölpreis (US-Dollar pro Barrel) tendenziell gefallen. Erst der Ölpreisschock in den 1970er-Jahren kehrte diesen Trend massiv um. Von 1970 bis 1980 stieg der Ölpreis inflationsbereinigt um rund 780 Prozent.

Die sich anschließende Phase real sinkender Rohölpreise von 1980 bis 1998 hat den Prozess der Globalisierung stark beschleunigt. Denn ohne niedrige Energiepreise kann die theoretische Annahme, dass alle Regionen der Welt als potenzielle Orte der Produktion und des Absatzes in Betracht gezogen werden, nicht in die Praxis umgesetzt werden. Die Unternehmensstrategie des “global sourcing” ist also auch von den Transportkosten abhängig, und diese wiederum vom Preis des Rohöls.

Indirekt ist auch der niedrige Rohölpreis der Vergangenheit für den steigenden Preis seit 1998 verantwortlich. Denn relativ niedrige Rohölpreise begünstigten den Warenhandel, sorgten für steigende Wachstumsraten und trugen so dazu bei, dass mehr Öl nachgefragt wurde.

Von 2006 auf 2007 stieg der globale Ölverbrauch um 1,3 Prozent (gut 1 Million Barrel pro Tag), was etwa dem Zehnjahresdurchschnitt entsprach. 2008 sank der globale Ölverbrauch zum ersten Mal seit 1993. Der Rückgang von 420.000 Barrel pro Tag (minus 0,5 Prozent) war der größte seit Anfang der 1980er-Jahre. Allerdings ist der weltweite Energieverbrauch auch von 2007 auf 2008 gestiegen – vor allem durch die stärkere Nutzung von Kohle, Wasserkraft, Gas und regenerativen Energien.

Mit durchschnittlich 38 US-Dollar pro Barrel (Brent-Rohöl) lag der Ölpreis 2004 um zehn US-Dollar über dem Vorjahresniveau. Im Jahr 2005 lag der Rohölpreis bereits bei knapp 55 US-Dollar und 2007 bei mehr als 72 US-Dollar pro Barrel. Im Jahr 2008 erhöhte sich der Ölpreis auf durchschnittlich 97,3 US-Dollar pro Barrel – allerdings schwankte er dabei zwischen gut 144 US-Dollar pro Barrel Anfang Juli und weniger als 40 US-Dollar pro Barrel am Ende des Jahres. Ausgehend von diesem niedrigen Niveau hat sich der Ölpreis in der ersten Hälfte des Jahres 2009 wiederum um mehr als die Hälfte erhöht und ist danach auch weiter gestiegen. Noch wichtiger als die Entwicklung der laufenden Preise ist, dass im Jahr 2008 der Ölpreis einen Wert erreichte, der inflationsbereinigt nur ganz knapp unter dem Rekordwert des Jahres 1980 lag.

Datenquelle

Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI): »Rohstoffpreisindex«

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Bei der Darstellung der realen, das heißt inflationsbereinigten, Preisentwicklung des Rohöls können verschiedene Deflatoren genutzt werden. Zumeist, so auch hier, wird der Verbraucherpreisindex der USA gewählt (CPIU, mit einem U für urban consumers). Alternativ kann auch der Exportpreis für verarbeitete Waren aus ökonomisch entwickelten Staaten als Deflator verwendet werden. Die Unterschiede sind beträchtlich: Nach Angaben des HWWI war im ersten Fall Rohöl im Jahresdurchschnitt 2008 noch leicht billiger als 1980, im zweiten Fall ist der Preis seitdem um fast die Hälfte gestiegen.

1 Barrel entspricht rund 159 Litern Öl.

1.000 Liter entsprechen 6,2898 Barrel Öl.

Tabelle: Energiekosten

 

Rohöl- und Energierohstoffpreis, Index (2008 = 100), in konstanten Preisen*, 1960 bis 2008

Handelsgewichtete Zollbelastungen

3.3.2010

Die Zölle sinken überall: Sowohl das Zollniveau der ökonomisch entwickelten Staaten als auch das der ökonomisch sich entwickelnden Staaten hat einen historischen Tiefstand erreicht.

Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-ncnd/3.0/de/


Fakten

Die Globalisierung wird durch sinkende Zölle beschleunigt, da diese zu einer Ausweitung des grenzüberschreitenden Handels beitragen. In den insgesamt acht Verhandlungsrunden des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT – General Agreement on Tariffs and Trade) zwischen 1947 und 1994 wurden die Zölle in fast allen Marktsegmenten gesenkt.

Bei der letzten Verhandlungsrunde innerhalb des GATT, der sogenannten Uruguay-Runde von 1986 bis 1994, wurden die Vereinbarungen und das Ziel der Liberalisierung der Märkte auf den Bereich der Dienstleistungen (GATS) und des geistigen Eigentums (TRIPs) ausgedehnt und die Gründung der Welthandelsorganisation (WTO) zum 01. Januar 1995 beschlossen. Heute ist das GATT eines der wichtigsten Abkommen innerhalb der WTO. Im Jahr 2007 unterlagen 94,1 Prozent des weltweiten Warenexports und 95,0 Prozent des Warenimports den Regelwerken der WTO. 1948 lagen diese Anteile – bezogen auf das GATT – noch bei gut 63 bzw. 58 Prozent.

Sowohl das Zollniveau der ökonomisch entwickelten Staaten als auch das der ökonomisch sich entwickelnden Staaten hat einen historischen Tiefstand erreicht. Die durchschnittliche handelsgewichtete Zollbelastung ist gegenüber allen Partnerregionen gesunken. Die Senkung von Zöllen und damit die Liberalisierung von Märkten wird zusätzlich durch binationale sowie inter- und intraregionale Integration vorangetrieben. Der Binnenmarkt der EU ist dabei die ökonomisch bedeutendste Freihandelszone.

Von wenigen Staaten und Produkten abgesehen haben die von den ökonomisch entwickelten Staaten tatsächlich erhobenen Zölle ein sehr niedriges Niveau erreicht. Von einer klar über dem Durchschnitt liegenden handelsgewichteten Zollbelastung nicht-agrarischer Produkte waren lediglich die Staaten Zentralamerikas (ohne Mexiko) betroffen.

Bezogen auf alle Produkte und alle Staaten ist die handelsgewichtete Zollbelastung der ökonomisch sich entwickelnden Staaten mehr als doppelt so hoch wie die der ökonomisch entwickelten Staaten. Nach den Angaben, die der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) im Jahr 2008 zur Verfügung standen, lagen die entsprechenden Werte bei 4,9 bzw. 2,1 Prozent. Auch bei einer Betrachtung der einzelnen Staatengruppen sind die von den ökonomisch sich entwickelnden Staaten tatsächlich erhobenen Zölle (handelsgewichtet und bezogen auf alle Produkte) fast durchgehend höher als die der ökonomisch entwickelten Staaten (einzige Ausnahme sind die Staaten Zentralamerikas, ohne Mexiko).

Das niedrige Zollniveau gilt jedoch nicht für alle Produkte. Insbesondere Textilien und Agrarprodukte waren bzw. sind mit hohen Zöllen belegt. Nach Angaben der UNCTAD (ausgehend von den im Jahr 2008 zur Verfügung stehenden Daten) erhoben die ökonomisch entwickelten Staaten bei Agrarprodukten einen durchschnittlichen handelsgewichteten Importzoll von 12,6 Prozent (nicht-agrarische Produkte: 1,5 Prozent). Bei den ökonomisch sich entwickelnden Staaten lagen die entsprechenden Werte bei 15,5 bzw. 4,3 Prozent.

Für Textilien und Kleidung wurden Anfang 2005 die Importbeschränkungen zwar offiziell aufgehoben, allerdings gehörten sie zumindest 2006 und 2007 zu den Produkten, die am stärksten von nicht-tarifären Handelshemmnissen betroffen waren. Zu den nicht-tarifären Handelshemmnissen, von denen auch andere Produkten betroffen sind, gehören Quotenregelungen, Subventionen, Selbstbeschränkungsabkommen, Produktstandards, Anti-Dumping-Verfahren und andere Zugangsregelungen.

Nach Angaben der UNCTAD sind Produktstandards, Quotenregelungen und Marktzugangsgenehmigungen die am häufigsten angewandten nicht-tarifären Handelshemmnisse. Insbesondere über Produktstandards (unter anderem Qualitäts- und Sicherheitsstandards, Beschriftungs- und Verpackungsvorschriften, Angaben zur Herkunft, Prüfung der Umweltverträglichkeit) wird immer häufiger versucht, den Marktzugang zu erschweren.

Datenquelle

United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD): Development and Globalization: Facts and Figures, 2004 und 2008

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Handelsgewichtete Zollbelastung: Um Verzerrungen zu vermeiden, wird bei der Bestimmung der Zollbelastung der jeweilige Anteil berücksichtigt, den die einzelnen Waren am Handel haben. Waren, die selten gehandelt werden, fallen so weniger stark ins Gewicht. Waren, die in großen Mengen umgesetzt werden, werden entsprechend stärker gewichtet. Ein Beispiel: Für die Ware A wird ein Zoll von 10 Prozent und für die Ware B ein Zoll von 20 Prozent erhoben. Bei der Einfuhr von 200 Einheiten A und 100 Einheiten B liegt die handelsgewichtete Zollbelastung bei 13,3 Prozent. Bei der Einfuhr von 100 Einheiten A und 200 Einheiten B liegt sie entsprechend bei 16,7 Prozent.

Nach dem Meistbegünstigungsprinzip (most-favoured-nation – MFN) müssen Zollvorteile, die einem Vertragspartner gewährt werden, auch allen anderen Vertragspartnern gewährt werden. Das Meistbegünstigungsprinzip verhindert, dass einzelne Staaten Handelsvorteile erhalten und hat in der Vergangenheit zur Senkung der Zölle beigetragen. Allerdings gibt es Ausnahmen, bei denen das Meistbegünstigungsprinzip keine Anwendung findet. So müssen beispielsweise die Vorteile einer Zollunionen oder Freihandelszone nicht an Drittstaaten weitergegeben werden. Auch zur Förderung der ökonomisch am wenigsten entwickelten Staaten sind gesonderte Zölle zulässig.

TRIPs – Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights

GATS – General Agreement on Tariffs and Service

WTO – World Trade Organization

Tabelle: Handelsgewichtete Zollbelastungen

In Prozent, nach dem Meistbegünstigungsprinzip*, seit 1980, Stand: 2008

Tourismusverkehr

3.3.2010

Im Jahr 1950 belief sich die Zahl der weltweit einreisenden Touristen auf lediglich 25 Millionen. Im Jahr 2008 wurde mit 922 Millionen sogenannten Personen-Ankünften eieuer Rekord erreicht.

Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (© UNWTO, 9284403209 / bpb)


Fakten

Weder der Massentourismus selbst noch die Zunahme des Tourismusverkehrs zwischen 1950 und 2008 haben ein Vorbild in der Geschichte. Belief sich die Zahl der weltweit einreisenden Touristen im Jahr 1950 auf lediglich 25,3 Millionen, waren es 1970 bereits 165,8 Millionen und 1990 436,0 Millionen. Im Jahr 2008 wurde mit 921,8 Millionen sogenannten Personen-Ankünften ein neuer Rekord erreicht.

Der Tourismus gehört zu den Bereichen, bei denen Privatpersonen schnell Einsparungen vornehmen können. Entsprechend führte die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 zu einem Rückgang der Personen-Ankünfte: Nach vorläufigen Angaben der World Tourism Organization (UNWTO) war in den ersten drei Quartalen 2009 ein Rückgang von 10, 7 bzw. 2 Prozent zu verzeichnen. Lediglich im vierten Quartal erhöhten sich die Personen-Ankünfte (plus 2 Prozent). Allerdings kann es bei einer anhaltend positiven ökonomischen Entwicklung auch zu deutlichen Nachholeffekten kommen.

Im Jahr 2008 entfiel mehr als die Hälfte aller Personen-Ankünfte auf Europa (487,9 Mio. bzw. 52,9 Prozent). Der Anteil der Region Asien und Pazifik lag bei genau einem Fünftel (20,0 Prozent). 16,0 Prozent aller einreisenden Touristen entfielen auf Nord-, Mittel- und Südamerika sowie 6,0 Prozent auf den Mittleren Osten und 5,1 Prozent auf Afrika.

Bei den Personen-Ankünften hatte die Region Asien und Pazifik mit 12,5 Prozent die höchste durchschnittliche Zuwachsrate in den Jahren von 1950 bis 2008. Die jährlichen Zuwachsraten des Mittleren Ostens (10,2 Prozent) und Afrikas (8,1 Prozent) lagen ebenfalls über dem Durchschnitt. Die Zuwachsraten Europas (6,0 Prozent) sowie Nord-, Mittel- und Südamerikas (5,3 Prozent) waren hingegen unterdurchschnittlich. Werdeur die Jahre seit 2000 betrachtet, hatte der Mittlere Osten (10,6 Prozent) die höchste durchschnittliche Zuwachsrate bei den Personen-Ankünften. Bei Afrika (6,7 Prozent) und der Region Asien und Pazifik (6,6 Prozent) lagen die jährlichen Zuwachsraten ebenfalls über dem Durchschnitt.

Im Jahr 2007 entfielen 46,2 Prozent der Personen-Ankünfte (417,3 Mio.) auf nur zehn Staaten. Der Anteil der Top 5 – Frankreich (81,9 Mio.), Spanien (59,2 Mio.), USA (56,0 Mio.), China (54,7 Mio.) und Italien (43,7 Mio.) – lag bei einem knappen Drittel. Deutschland belegte mit 24,4 Millionen Personen-Ankünften den siebten Rang.

Entsprechend der Zunahme der Personen-Ankünfte sind auch die Einnahmen aus dem Tourismusverkehr gestiegen: Von lediglich 2,1 Milliarden US-Dollar im Jahr 1950 über 106,5 Milliarden 1980 auf ihren bisherigen Höchststand von 944 Milliarden US-Dollar im Jahr 2008.

Im Jahr 2007 entfiel mit 433,4 Milliarden US-Dollar der größte Teil der Einnahmen wiederum auf Europa (50,6 Prozent). An zweiter Stelle stand die Region Asien und Pazifik (22,1 Prozent), gefolgt von Nord-, Mittel- und Südamerika (20,0 Prozent). Parallel zum Anteil an den Personen-Ankünften hatten der Mittlere Osten und Afrika auch den kleinsten Anteil an den Einnahmen aus dem Tourismusverkehr (4,0 bzw. 3,3 Prozent).

Knapp die Hälfte der Einnahmen aus dem Tourismusverkehr (426,5 Mrd. US-Dollar) entfiel 2007 auf nur zehn Staaten. Ein gutes Drittel der Einnahmen verteilte sich auf die Top 5: USA (96,7 Mrd. US-Dollar), Spanien (57,8 Mrd. US-Dollar), Frankreich (54,2 Mrd. US-Dollar), Italien (42,7 Mrd. US-Dollar) und China (41,9 Mrd. US-Dollar). Wie bei den Personen-Ankünften lag Deutschland auch bei den Einnahmen auf dem siebten Rang (36,0 Mrd. US-Dollar).

Kein Land gab im Jahr 2007 mehr Geld für den grenzüberschreitenden Tourismus aus als Deutschland (82,9 Mrd. US-Dollar). Rang zwei und drei belegten die USA (76,2 Mrd. US-Dollar) und Großbritannien (72,3 Mrd. US-Dollar). Darauf folgten Frankreich (36,7 Mrd. US-Dollar), China (29,8 Mrd. US-Dollar) und Italien (27,3 Mrd. US-Dollar).

Von den zehn Ländern, die 2007 am meisten für den grenzüberschreitenden Tourismus ausgaben, waren die Ausgaben pro Kopf bei den Briten mit 1.189 US-Dollar am höchsten. Ihnen folgten Deutsche mit 1.008 US-Dollar und Kanadier mit Ausgaben in Höhe von 755 US-Dollar pro Kopf.

Etwa vier Fünftel des grenzüberschreitenden Tourismusverkehrs entfallen auf den Tourismus innerhalb einer Region (intraregional). Ein Fünftel entfällt auf den Tourismusverkehr zwischen den Regionen (interregional). Allerdings verschiebt sich das Verhältnis zwischen interregionalem und intraregionalem Tourismusverkehr stetig in die gleiche Richtung: In den Prognosen der UNWTO wird davon ausgegangen, dass sich der Anteil des interregionalen Tourismusverkehrs bis zum Jahr 2020 auf etwa ein Viertel erhöht.

Datenquelle

World Tourism Organization (UNWTO): Tourism Highlights 2008 Edition, World Tourism Barometer June 2009; © UNWTO, 9284403209

Tabelle: Tourismusverkehr

Einreisende Personen und Einnahmen in absoluten Zahlen, Zuwächse pro Jahr in Prozent, 1950 bis 2008

Weltsprache

30.6.2010

Gegenwärtig ist keine Sprache so verbreitet wie Englisch. Englisch wird heute von etwa 330 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen. Werden die Zweitsprachler noch hinzugezählt, sind es etwa 500 Millionen Sprecher.

Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-ncnd/3.0/de/


Fakten

Die Zahl der Menschen, die mindestens zwei Sprachen sprechen, hat sich durch die Globalisierung erhöht. Parallel zur Umgangssprache für den Alltag wird immer häufiger eine Weltsprache für Handel, Politik und Fernverkehr genutzt. Bezogen auf die geografische Streuung ist gegenwärtig keine Sprache so verbreitet wie Englisch. Die englische Sprache ist in 59 Staaten Amtssprache und/oder Landessprache; hinzu kommen die Überseeterritorien Großbritanniens. Englisch ist zudem Amtssprache der Vereinten Nationen, der Europäischen Union, der Afrikanischen Union, der Organisation Amerikanischer Staaten und der NATO.

Englisch wird heute von etwa 330 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen. Werden die Zweitsprachler noch hinzugezählt, sind es etwa 500 Millionen Sprecher. Hochchinesisch ist mit rund 850 Millionen Sprechern zwar die meistgesprochene Muttersprache, aber nur in wenigen Staaten als Zweit- oder Fremdsprache von Bedeutung. Die englische Sprache wird hingegen in mindestens 25 Staaten, in denen sie nicht Amtssprache und/oder Landessprache ist, als Bildungs-, Geschäfts- und/oder Verkehrssprache genutzt. Englisch wird in vielen Staaten als erste Fremdsprache in den Schulen gelehrt und ist die offizielle Sprache der meisten internationalen Organisationen. Der British Council schätzt die Zahl der zusätzlichen Fremdsprachler auf deutlich mehr als eine Milliarde Menschen.

Die ökonomische und politische Position der USA, die an die Hegemonie Großbritanniens anknüpfte, ist ein wesentlicher Grund für die gegenwärtige Stellung der englischen Sprache. Sowohl der Welthandel – insbesondere der Handel an den Finanzmärkten – als auch der elektronische Informations- und Kommunikationssektor sind stark von der englischen Sprache geprägt. Nach vom British Council veröffentlichten Angaben war im Jahr 2000 bei gut der Hälfte aller Internetnutzer Englisch die Muttersprache, gegenwärtig liegt dieser Anteil bei deutlich mehr als einem Viertel. Die Verringerung des Anteils ist dabei nicht darauf zurückzuführen, dass sich die absolute Zahl der Internetnutzer, die Englisch als Muttersprache haben, verringert hat. Vielmehr hat sich die Zahl der Internetnutzer mit anderen Muttersprachen erhöht (vor allem chinesisch, aber auch spanisch, französisch und portugiesisch).

Datenquelle

Auswärtiges Amt: »www.auswaertiges-amt.de«; British Council: »www.britishcouncil.org«; eigene Darstellung

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Eine Verkehrssprache (auch lingua franca) ist eine Sprache, die auf einzelnen Gebieten (Handel, Diplomatie, Wissenschaft) Menschen verschiedener Sprachgemeinschaften den Austausch ermöglicht. Eine Handelssprache ist eine Sprache, die zur Verständigung beim grenzüberschreitenden Handel dient. Nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte Sprachen (GBS) werden weltweit rund 6.500 verschiedene Sprachen gesprochen. Davon wird etwa ein Drittel innerhalb der nächsten Jahrzehnte aussterben. Die GBS weist darauf hin, dass nach pessimistischen Schätzungen sogar bis zu 90 Prozent der heute gesprochenen Sprachen in diesem Jahrhundert aussterben werden.

 

Informations- und Kommunikationstechnologie

30.6.2010

Der Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologien hat sich weltweit in allen Regionen verbessert. Trotzdem bleiben die Unterschiede groß.

Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (© ITU, OECD u.a. / bpb)


Fakten

Der Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologien hat sich in den letzten 20 Jahren in allen Regionen der Welt verbessert. Insgesamt stieg die Zahl der Festnetzverbindungen (Anschlüsse) zwischen 1990 bis 2006 von 519 Millionen auf 1,26 Milliarden. Noch rasanter war die Entwicklung im Bereich Mobilfunk. Lag die Anzahl der Mobilfunkverbindungen (Teilnehmer) 1990 noch bei 11 Millionen, waren es 2003 bereits 1,4 Milliarden. Bis 2006 erhöhte sich die Zahl nochmals deutlich auf 2,7 Milliarden – für den Zeitraum 1990 bis 2006 entsprach das einer durchschnittlichen Steigerung von mehr als 40 Prozent pro Jahr. Die geschätzte Anzahl der Computer stieg von 120 Millionen im Jahr 1990 auf rund 870 Millionen im Jahr 2006.

Die Zahl der Internetverbindungen lag 2006 weltweit bei rund 426 Millionen. Angesichts dieser enormen Verbreitung kann schnell übersehen werden, wie neu die Vernetzung in diesem Bereich ist: 1988 waren lediglich acht Staaten mit dem Internet verbunden, im Jahr 1993 waren es 55 und 1995 zum ersten Mal mehr als die Hälfte aller Staaten. Erst seit Beginn dieses Jahrtausends sind alle Staaten mit dem Internet verbunden.

Auch wenn alle den Gesamttrend zusammenfassenden Statistiken eine Verringerung der digitalen Kluft zwischen den Staaten (Digital Divide) in den letzten zwei Jahrzehnten bestätigen, besteheach wie vor große Unterschiede zwischen den Staatengruppen. Im Jahr 2006 entfielen in den ökonomisch entwickelten Staaten auf 100 Einwohner 51 Festnetzverbindungen, 62 Computer und 24 Internetverbindungen. Außerdem verfügten rein rechnerisch 92 von 100 Einwohnern über eine Mobilfunkverbindung und 19 von 100 über eine Breitbandverbindung. In den ökonomisch sich entwickelnden Staaten (hier ohne die ökonomisch am wenigsten entwickelten Staaten) ist die Verbreitung von Informations- und Kommunikationstechnologien hingegen deutlich schlechter: Auf je 100 Einwohner kamen 15 Festnetzverbindungen, lediglich 5 Computer und nur 4 Internetverbindungen. Während rein rechnerisch etwa jeder dritte Einwohner über eine Mobilfunkverbindung verfügte, entfielen auf 100 Einwohner nur 2 Breitbandverbindungen. Zusätzlich zu den bestehenden Unterschieden ist festzustellen, dass die Verringerung des Digital Divide vor allem aus der Zunahme der Bestände in den Bereichen Festnetz, Mobilfunk und Internet resultiert.

Durch technische Entwicklungen kann auch eieuer Digital Divide entstehen. So lebten Ende 2004 drei Viertel aller Nutzer der dritten Mobilfunkgeneration iur drei Staaten – USA (49,5 Mio.), Südkorea (27,5 Mio.) und Japan (25,7 Mio.) und 99 Prozent aller Breitbandanschlüsse entfielen auf die ökonomisch entwickelten Staaten. Allerdings hat sich hier der Abstand rasant verringert: Bereits bis 2006 sank der Anteil der ökonomisch entwickelten Staaten an allen Breitbandverbindungen auf rund 66 Prozent. Durch die höhere Einwohnerzahl der ökonomisch sich entwickelnden Staaten bleibt die Verfügbarkeit aber ungleich verteilt: 2006 entfielen auf 100 Einwohner in den ökonomisch entwickelten Staaten 19 Breitbandanschlüsse. Bei den Übergangsstaaten und den ökonomisch sich entwickelnden Staaten waren es jeweils nur 2 je 100 Einwohner.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass für die Schließung der digitalen Kluft vor allem die wohlhabenderen Staaten unter den ökonomisch sich entwickelnden Staaten verantwortlich sind. Die ökonomisch am wenigsten entwickelten Staaten sind nach wie vor weitgehend ausgeschlossen. Dort entfielen 2006 lediglich 0,9 Festnetzverbindungen auf 100 Einwohner. Bei Computern (0,7) und Internetverbindungen (0,2) war das Verhältnis noch ungünstiger. Lediglich Mobilfunkverbindungen, über die rein rechnerisch 10 von 100 Einwohnern verfügten, waren etwas stärker verbreitet. Breitbandverbindungen spielten 2006 keine Rolle. Da viele der ökonomisch am wenigsten entwickelten Staaten in Afrika liegen, besteht allerdings die Chance, dass sich daran etwas ändert: Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 wurden die ersten Glasfaserkabel verlegt.

Datenquelle

International Telecommunication Union (ITU), OECD u.a.: The Global Information Society: a Statistical View; ITU: From the Digital Divide to Digital Opportunities, 2005; eigene Berechnungen

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Der Begriff ‘Digital Divide wird auch im deutschen Sprachraum verwendet und steht für die Kluft zwischen ökonomisch entwickelten und ökonomisch sich entwickelnden Staaten im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien.

Weitere Informationen zum ‘Digital Divide‘ finden Sie »hier…«

Übergangsstaaten sind hier: Albanien, Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Montenegro, Republik Moldau, Rumänien, Russland, Serbien, Tadschikistan, Turkmenistan, Ukraine, Usbekistan.

Tabelle: Informations- und Kommunikationstechnologie

Festnetz-, Mobilfunk-, Internet-, Breitbandverbindungen und PCs je 100 Einwohner, 1995, 2000 und 2006

Hilfsorganisationen

30.6.2010

Die Globalisierung führt nicht nur zu einer Vernetzung im Bereich der Ökonomie, sondern auch zu einer Ausweitung und Verdichtung von sozialen Netzwerken sowie zu einer globalen Verbreitung von Ideen.

Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-ncnd/3.0/de/


Fakten

Die Globalisierung führt nicht nur zu einer Vernetzung im Bereich der Ökonomie, sondern auch zu einer Ausweitung und Verdichtung von sozialen Netzwerken sowie zu einer globalen Verbreitung von Ideen. Neben dem Weltmarkt und den weltweiten Produktionsketten findet sich die Idee, dass auch die sozialen Räume oder die Ökosysteme der Erde als globale, zusammenhängende Einheit gesehen werden können oder sogar gesehen werden müssen.

Von dieser Voraussetzung leitet sich wiederum der Handlungsansatz ab, dass für globale soziale und ökologische Probleme letztlich nur auf globaler Ebene angemessene Lösungen gefunden werden können. Folglich habeicht nur Unternehmen internationale oder globale Strategien umgesetzt, sondern auch zahlreiche Hilfs- und Umweltorganisationen sind grenzüberschreitend tätig.

Zu den größten und bekanntesten Hilfsorganisationen gehören beispielsweise ‘World Vision International’, ‘International Save the Children Alliance’, ‘Oxfam International’, ‘Ärzte ohne Grenzen’ (Médecins Sans Frontières), die ‘Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung’ oder ‘CARE International’.

Die christliche Hilfs- und Entwicklungsorganisation World Vision International (WVI) hatte mit 2,6 Milliarden US-Dollar (Devisen und Waren) die höchsten Fundraising-Einnahmen im Jahr 2008. Mit 48 Millionen Kindern, die 2008 in mehr als 50 Staaten direkt oder indirekt von der Arbeit von Save the Children profitierten, ist die International Save the Children Alliance die größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt. Das internationale Netzwerk von Ärzte ohne Grenzen ist hingegen auf die medizinische Nothilfe spezialisiert und leistet diese in mehr als 60 Ländern weltweit. Bezogen auf die Anzahl der Staaten, in denen die einzelnen Organisationen aktiv sind, ist die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung die größte humanitäre Organisation der Welt: Fast 97 Millionen freiwillige Helfer, Unterstützer und Beschäftigte sind in 186 auf nationaler Ebene organisierten Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften aktiv.

CARE International wurde 1945 in den USA gegründet, um die durch den Zweiten Weltkrieg entstandene Not in Europa zu lindern. Bis 1960 versendete CARE insgesamt mehr als 100 Millionen Lebensmittelpakete nach Europa. Allein bei der Berliner Luftbrücke 1948/49 flogen von CARE gecharterte Maschinen mehr als 200.000 sogenannte CARE-Pakete in die von der Versorgung abgeschnittene Stadt.

1982 schlossen sich die unabhängig voneinander arbeitendeationalen CARE-Organisationen unter der Bezeichnung CARE International zusammen. Inzwischen koordiniert das Genfer Generalsekretariat die Arbeit von zwölf Mitgliedsorganisationen: USA (gegründet 1945), Kanada (1946), Deutschland (1980, seit 2007 Deutschland-Luxemburg), Norwegen (1980), Frankreich (1983), Großbritannien (1985), Österreich (1986), Australien (1987), Japan (1987), Dänemark (1988), Niederlande (2001) und Thailand (2003).

Auch heute steht die Armutsbekämpfung im Zentrum der Arbeit von CARE International. Mit mehr als 1.000 Projekten in rund 70 Ländern, Ausgaben in Höhe von etwa 600 Millionen Euro pro Jahr und 14.000 Mitarbeitern erreicht CARE International mehr als 55 Millionen Menschen weltweit. CARE International ist in den Bereichen Gesundheitsfürsorge, HIV/AIDS-Prävention, schulische und berufliche Bildung, nachhaltige Landwirtschaft sowie Not- und Soforthilfe aktiv. CARE International zählt zu den zehn größten privaten Hilfsorganisationen weltweit.

Datenquelle

CARE International: »www.careinternational.org«, Topography Report 2008, Facts & Figures 2008; World Vision International (WVI): »www.wvi.org«; International Save the Children Alliance: »www.savethechildren.net«; Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF): »www.msf.org«; Internationale Rotkreuzund Rothalbmondbewegung: »www.redcross.int« und »www.drk.de«

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

‘CARE-Pakete’ sind überzählige Rationenpakete der US-Armee gewesen, die von CARE aufgekauft und an Privatpersonen verschickt wurden. Der Kauf der einzelnen Pakete wurde dabei über Spenden finanziert.

Tabelle: Hilfsorganisationen

Nach Mitgliedstaaten von CARE International und Staaten, in denen CARE International aktiv ist,

Globalisierungskritische Netzwerke

30.6.2010

Parallel zur Globalisierung der Ökonomie hat sich auch die Kritik an diesem Prozess globalisiert. Eine der bekanntesten globalisierungskritischen Bewegungen ist das Politiknetzwerk Attac.

Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-ncnd/3.0/de/


Fakten

Parallel zur Globalisierung der Ökonomie hat sich auch die Kritik an diesem Prozess globalisiert. Durch den breiten Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologien können sich auch diejenigen vernetzen, die globale soziale und ökologische Probleme benennen und beheben wollen: zahlreiche Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften, Einzelaktivisten sowie soziale und politische Netzwerke.

Die Kritik an der Globalisierung fällt dabei nicht immer gleich aus. Sowohl bei der Identifizierung der Probleme als auch bei den Lösungsansätzen bestehen deutliche Unterschiede zwischen den Akteuren. Häufig besteht auch keine Einigkeit darüber, ob einzelne Probleme allein durch die Globalisierung entstanden sind, durch diese verstärkt werden oder ob der Einfluss der Globalisierung vernachlässigbar ist. Trotz dieser Einschränkungen lassen sich einige Themen benennen, die häufiger als andere im Zentrum der Kritik stehen: die Ungleichheit und Armut sowohl in ökonomisch sich entwickelnden als auch in ökonomisch entwickelten Staaten, die Privatisierung öffentlicher Aufgaben (Bildung, Gesundheit, Altersvorsorge), der Verkauf öffentlicher Güter (zum Beispiel im Bereich der Wasser- und Energieversorgung), die zunehmende – nicht demokratisch legitimierte – Macht der Multinationalen Unternehmen, die Entmachtung von Arbeitnehmerorganisationen, die Ausbeutung von Arbeitskräften, die Zerstörung der Umwelt sowie die Missachtung der Menschenrechte.

Eine der bekanntesten globalisierungskritischen Bewegungen ist das Politiknetzwerk Attac. Nach eigenen Aussagen ist Attac ein Netzwerk, das Akteure zusammenbringt, um sich zusammen “für eine ökologische, solidarische und friedliche Weltwirtschaftsordnung” einzusetzen. Attac wurde 1998 in Frankreich gegründet, Attac Deutschland am 22. Januar 2000. Weltweit hat Attac etwa 90.000 Mitglieder in 50 Ländern. Ausgehend von den Daten, die Attac Deutschland Ende 2009 zur Verfügung standen, war Deutschland im Jahr 2007 das Land mit den meisten Mitgliedern (19.000, davon 16.000 zahlende Mitglieder). Bis Ende 2009 erhöhte sich die Zahl der Attac-Mitglieder in Deutschland auf 22.000.

Attac ist dezentral organisiert, hat flache Hierarchien und einen geringen Institutionalisierungsgrad. Aufgrund der heterogenen Zusammensetzung des Netzwerks ist die Kritik an der Globalisierung vielseitig und auch eine schicht- oder klassenspezifische Deutung fehlt.

In den Gründungsjahren hat Attac bereits bestehende Gruppen bzw. Personen, die zuvor in anderen sozial engagierten Gruppen aktiv waren, zusammengeführt. Gerade in der Anfangszeit fiel Attac durch spontanen Protest sowie unkonventionelle, nicht institutionalisierte Beteiligungsformen auf. Verbunden mit neuen Formen medialer Inszenierung wurde auch von einer ‘Wahrnehmungsrevolution’ gesprochen: weder waren die Themen völlig neu noch die Akteure mächtig, aber Attac wurde für neu und mächtig gehalten.

Das hohe Niveau der öffentlichen Aufmerksamkeit ist eine Grundvoraussetzung dafür, die politische Agenda beeinflussen zu können. Für Netzwerke wie Attac ist daher die Frage zentral, welche Forderungen und Themen im Mittelpunkt der eigenen Arbeit stehen. Der geringe Institutionalisierungsgrad und die vielschichtige Zusammensetzung des Netzwerks haben jedoch zur Folge, dass die Vorstellungen in Bezug auf die Dringlichkeit der einzelnen Themen und vor allem die politischen Antworten weit auseinander gehen. Neben gemäßigten Reformern, die in erster Linie an der Umsetzung einzelner Regulierungsinstrumente interessiert sind, stehen andere, die einen ganzen Katalog an Reformen in verschiedenen Politikbereichen umsetzen wollen. Hinzu kommen Revolutionäre, für die eine grundlegende Veränderung des gesamten ökonomischen Systems bzw. auch anderer gesellschaftlicher Bereiche unumgänglich ist.

Bisher hat Attac sein Themenspektrum stetig erweitert, um die verschiedenen Strömungen aufzunehmen. Bei einzelnen Themen, wie zum Beispiel der Besteuerung von Finanzmarkttransaktionen, ist es dem Netzwerk gelungen, sich klar zu positionieren und den politischen Diskurs zu beeinflussen. Aus der Vielzahl an Themen, mit denen sich Attac auseinandersetzt (Welthandel, Finanzmärkte, die öffentlichen Haushalte, Privatisierung, Europa, Lateinamerika, Ökologie, Krieg, Feminismus, geistiges Eigentum, Kultur und Rechtsextremismus), kann jedoch auch Strukturlosigkeit entstehen. Während das Fehlen einer Struktur in Wirkungslosigkeit münden kann, führt eine zunehmende Institutionalisierung häufig zu thematischen Beschränkungen und dazu, dass das Mehrheitsprinzip an Bedeutung gewinnt. Bisher hat sich Attac nicht auf eine Strategie festgelegt: Attac ist ein expandierendes Netzwerk, das sich an einzelnen Knotenpunkten strukturell verfestigt hat.

Datenquelle

Attac Deutschland: »www.attac.de«

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Attac‘ steht für ‘Association pour une Taxation sur les Transactions financières pour l’Aide aux Citoyens’ (Vereinigung zur Besteuerung von Finanztransaktionen im Interesse der BürgerInnen)

Luftfracht

30.6.2010

Entsprechend der Zunahme des grenzüberschreitenden Warenhandels erhöhte sich auch das Luftfrachtaufkommen. Im Jahr 2008 lag die international beförderte Luftfrachtmenge bei 25,0 Millionen Tonnen.

Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-ncnd/3.0/de/


Fakten

Geht man vom Warengewicht der grenzüberschreitend transportierten Güter aus, hat die Luftfracht einen Anteil von weniger als einem Prozent. Bezogen auf den Warenwert steigt der Anteil jedoch auf etwa 40 Prozent. Denn im Gegensatz zur Seefracht konzentriert sich der Luftfrachtverkehr auf kapitalintensive, kurzlebige und verderbliche Güter.

Vor allem bei Produkten aus dem Kommunikations- und EDV-Bereich ist der Produktzyklus sehr kurz, bei ihnen werden die Hauptumsätze während der ersten Monate nach Einführung erzielt. Unter Konkurrenzbedingungen ist daher die schnelle Marktdurchdringung für einen großen Teil des Markterfolges verantwortlich. Dies gilt auch für die Modebranche, da hier Trends schnell entstehen und ebenso schnell vergehen.

Entsprechend der Zunahme des grenzüberschreitenden Warenhandels erhöhte sich auch die grenzüberschreitend beförderte Luftfrachtmenge. Laut der International Civil Aviation Organization (ICAO) stieg die Luftfrachtmenge von 5,1 Millionen Tonnen 1986, über 12,5 Millionen Tonnen 1995, auf 25,2 Millionen Tonnen im Jahr 2007. Für den Zeitraum 1986 bis 2007 entsprach das einer durchschnittlichen Steigerung von knapp 8 Prozent pro Jahr. Von 2007 auf 2008 reduzierte sich die grenzüberschreitend beförderte Luftfrachtmenge leicht auf 25,0 Millionen Tonnen (minus 0,8 Prozent). Von Juni 2008 bis Juni 2009 war der Rückgang mit 16,5 Prozent allerdings deutlich größer. Im Durchschnitt des Jahres 2008 lag das grenzüberschreitend auf dem Luftweg transportierte Frachtaufkommen bei gut 68.000 Tonnen pro Tag.

Nach Angaben der ICAO wurden die 25,0 Millionen Tonnen, die im Jahr 2008 grenzüberschreitend auf dem Luftweg befördert wurden, im Durchschnitt gut 5.200 Kilometer transportiert. Bei den 15,5 Millionen Tonnen, die 2008 auf den Binnenmärkten auf dem Luftweg befördert wurden, lag die durchschnittliche Transportstrecke bei gut 1.600 Kilometern. Zusammengefasst ergibt sich damit ein Luftfrachtaufkommen von knapp 131 Milliarden Tonnen-Kilometern auf internationaler und von gut 25 Milliarden Tonnen-Kilometern auf nationaler Ebene.

Laut MergeGlobal lag das Luftfrachtaufkommen sogar noch höher: Für 2008 beziffert das Unternehmen allein das Luftfrachtaufkommen zwischen den Regionen (interregionale Luftfracht) auf rund 150 Milliarden Tonnen-Kilometer (davon sind 129 Mrd. tkm in der Grafik aufgeschlüsselt). Hinzu kommeoch die Binnen-Luftfracht sowie die Luftfracht innerhalb einer Region (intraregionale Luftfracht). Den größten Anteil an der intraregionalen Luftfracht hat die Region Asien-Pazifik: Nach MergeGlobal lag hier das Luftfrachtaufkommen 2008 bei knapp 19 Milliarden Tonnen-Kilometern.

Das grenzüberschreitende Luftfrachtaufkommen wurde zu 38,3 Prozent von asiatisch-pazifischen Fluggesellschaften abgewickelt. Darauf folgten Fluggesellschaften aus Europa (30,6 Prozent), Nordamerika (18,0 Prozent), dem Mittleren Osten (8,4 Prozent), Lateinamerika und der Karibik (3,2 Prozent) sowie Afrika (1,6 Prozent). Nordamerikanische Fluggesellschaften (insbesondere aus den USA) hatten den mit Abstand größten Anteil an der Binnen-Luftfracht (rund zwei Drittel).

Werden die Angaben der International Air Transport Association (IATA) auf die der ICAO bezogen, entfiel gut die Hälfte des gesamten grenzüberschreitenden Luftfrachtaufkommens auf nur zehn Fluggesellschaften (51 Prozent). Bei der Binnen-Luftfracht war der Konzentrationsgrad noch höher: 2008 wickelten zehn Fluggesellschaften knapp 75 Prozent des Luftfrachtaufkommens ab. Allein Federal Express und UPS Airlines hatten einen Anteil von 56 Prozent an der gesamten Binnen-Luftfracht.

Auch im Bereich der Personenbeförderung ist eine starke Konzentration festzustellen. 2008 wurden weltweit täglich knapp 6,7 Millionen Passagiere auf In- und Auslandsflügen befördert. Bezogen auf die internationalen Flüge und die mit den Passagieren zurückgelegten Kilometer beförderten lediglich zehn Fluggesellschaften rund 36 Prozent der Passagiere. Bei den Inlandsflügen entfielen 49 Prozent der Passagiere auf zehn Fluggesellschaften.

Nach Angaben von ACI (Airports Council International) wurden – ausgehend von dem Gewicht – 56 Prozent der weltweit transportierten Luftfrachtmenge auf lediglich 30 Flughäfen umgeschlagen. Weiter starteten und landeten auf den 30 Flughäfen mit dem weltweit höchsten Flugverkehrsaufkommen rund 20 Prozent aller Flugzeuge.

Datenquelle

MergeGlobal Inc.: Global Air Freight: Demand Outlook and its Implications; International Civil Aviation Organization (ICAO): Annual Report of the Council 2008; Airports Council International (ACI): »www.airports.org«; International Air Transport Association (IATA): »www.iata.org«, World Air Transport Statistics (WATS) 53rd Edition; eigene Berechnungen

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

1 Tonnen-Kilometer (tkm) entspricht dem Transport von einer Tonne Ladung über einen Kilometer.

1 Passagier-Kilometer (Pkm) entspricht der Beförderung von einer Person über einen Kilometer.

Die International Civil Aviation Organization (ICAO) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen (UN).

Seefracht

30.6.2010

Mehr als 80 Prozent des grenzüberschreitenden Warenhandels entfallen auf den Seetransport. Rohöl und ölbasierte Produkte haben den größten Anteil an der Seefracht.

Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-ncnd/3.0/de/


Fakten

Der Transport über den Seeweg ist zentral für die globale Vernetzung, da auf ihn – ausgehend vom Warengewicht der transportierten Güter – mehr als 80 Prozent des grenzüberschreitenden Warenhandels entfallen. 2007 wurden 8,02 Milliarden Tonnen mehr als 4.100 Seemeilen weit transportiert. Dabei hatten Rohöl und ölbasierte Produkte mit 37,8 Prozent den größten Anteil an der Seefracht. 31,6 Prozent der über den Seeweg gehandelten Güter entfielen im Jahr 2007 auf Eisenerz, Kohle und Getreide; 30,6 Prozent auf andere Trockenladungen. Das Seefrachtaufkommen erhöhte sich zwischen 1970 und 2007 von 10.650 auf 32.930 Milliarden Tonnen-Meilen. Eine Tonnen-Meile entspricht dem Transport von einer Tonne Ladung über eine Seemeile bzw. 1,852 km.

Die Bedeutung des Seehandels ist vor allem aufgrund der relativ geringen Frachtkosten gestiegen. So kostet etwa der Transport eines TEU-Containers mit mehr als 20 Tonnen Fracht von Asieach Europa nicht mehr als ein Flug in der Economy-Class für einen einzigen Flugpassagier auf derselben Strecke. Und der Transport einer Tonne Eisenerz von Australieach Europa kostet durchschnittlich etwa 12 US-Dollar. Dementsprechend ist auch der Anteil der Seefrachtkosten an den Gesamtkosten der Produkte gering: Bei einem Transport von Asieach Europa liegt der entsprechende Anteil bei einem Fernseher bei etwa 1,4 Prozent, bei einem Kilo Kaffee sogar nur bei einem Prozent.

Zwei wichtige Gründe für die relativ niedrigen Transportkosten sind die Verbreitung der standardisierenden Containerschifffahrt seit den 1960er-Jahren und die steigende Tragfähigkeit der Schiffe. Während das größte Containerschiff 1968 752 TEU-Container laden konnte, war zwei Jahrzehnte später bereits die viertausender Marke überschritten. Mitte 2009 waren die Schiffe der so genannten ‘Emma-Maersk-Klasse’ mit einer Ladefähigkeit von 11.000 TEU-Containern die größten der Welt. Mit mehr als 550 Containerschiffen bzw. einer Gesamtkapazität von mehr als 2 Millionen TEU ist die dänische Reederei Maersk zudem die weltweit größte Containerschiff-Reederei.

Anfang 2008 wurde die Seefracht weltweit von 50.525 Schiffen transportiert. Gemessen an der Tragfähigkeit der Schiffe kontrollierten die Unternehmen aus nur fünf Staaten – Griechenland (16,8 Prozent), Japan (15,6 Prozent), Deutschland (9,1 Prozent), China (8,2 Prozent) und Norwegen (4,5 Prozent) – mehr als 54 Prozent des Seefrachtaufkommens. Insgesamt entfielen auf die Unternehmen aus den 20 wichtigsten Seefrachtnationen 86,8 Prozent des gesamten Seehandels. Bei den Unternehmen aus den 35 wichtigsten Seefrachtnationen lag dieser Wert bei 95,4 Prozent – der Seehandel war damit stärker konzentriert als jemals zuvor.

Im Zusammenhang mit dem Seehandel wird häufig kritisiert, dass alle Seefrachtnationen große Teile ihrer Flotte nicht im eigenen Land registrieren. Durch das so genannte ‘Ausflaggen’ verringern die Reedereien ihre Kosten – beispielsweise durch geringere Löhne oder niedrigere Sicherheitsstandards. Aus diesem Grund wird rund ein Drittel des weltweiten Seefrachtaufkommens unter den Flaggen Panamas und Liberias transportiert.

Datenquelle

Fearnleys Review, verschiedene Jahrgänge; United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD): Review of Maritime Transport 2008

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

ISO-Container sind weltweit genormte Großraumbehälter, durch die das Verladen, Befördern, Lagern und Entladen von Gütern vereinfacht und beschleunigt wird. Die gängigen ISO-Container haben eine Breite von 8 Fuß (2,44 m) und sind entweder 20 Fuß (6,10 m) oder 40 Fuß (12,19 m) lang. Daraus ergeben sich auch die Abkürzungen TEU (Twenty-foot Equivalent Unit) und FEU (Fourty-foot Equivalent Unit). Als Maßeinheit für Ladefähigkeit und Umschlagsmengen hat sich TEU durchgesetzt. Es gibt jedoch auch im ISO-System eine Vielzahl von Sondermaßen.

Haupthandelsströme – Erdöl

30.6.2010

Vom gesamten Ölverbrauch des Jahres 2008 wurden rund 69 Prozent vor dem Verbrauch grenzüberschreitend transportiert.

Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-ncnd/3.0/de/


Fakten

Etwa 35 Prozent des weltweiten Primärenergie-Bedarfs wurden im Jahr 2008 mit Öl gedeckt. Da das natürliche Rohstoffaufkommen ungleich verteilt ist und die ressourcenreichen Staateicht gleichzeitig die Hauptverbraucher sind, ist ein Großteil der Staaten durch den Handel mit Öl vernetzt. Vom gesamten Ölverbrauch des Jahres 2008 wurden rund 69 Prozent vor dem Verbrauch grenzüberschreitend transportiert. Umgerechnet wurden damit täglich 58 Millionen Barrel Öl ex- bzw. importiert.

Beim Ex- und Import stehen den Ballungsräumen, in denen sich die Handelsströme verdichten, Regionen gegenüber, die kein Teil des Handelsnetzes oder nur schwach mit ihm verwoben sind. Allein auf die USA, die EU, China, Japan, Indien und Russland entfielen 2008 mehr als 62 Prozent des weltweiten Ölverbrauchs. Da nur Russland seinen Verbrauch selbst decken bzw. darüber hinaus noch Öl exportieren kann, importierten Europa, Japan, China, Indien und die USA im Jahr 2008 71,5 Prozent des grenzüberschreitend gehandelten Öls.

Auf der anderen Seite wurden im selben Jahr 37,1 Prozent des weltweiten gehandelten Öls von den Staaten des Nahen Ostens und 15,0 Prozent von Russland und anderen Nachfolgestaaten der UdSSR exportiert. Staaten in West- und Nordafrika (insbesondere Algerien, Nigeria, Angola) sowie in Mittel- und Südamerika (beispielsweise Venezuela und Ecuador) waren 2008 ebenfalls wichtige Ölexporteure – auf diese Regionen entfielen 14,5 bzw. 6,6 Prozent des weltweiten Ölexports.

Obwohl die Handelsströme zur Energieversorgung weltumspannend sind, ist häufig eine regionale Prägung festzustellen: 2008 gelangten 67,0 Prozent des aus Mittel- und Südamerika exportierten Öls in die USA. Bei den Ölexporten aus Mexiko und Kanada lagen die entsprechenden Werte mit 80,9 und 98,5 Prozent nochmals höher. Die Nachfolgestaaten der UdSSR lieferten hingegen 78,7 Prozent ihrer Ölexporte nach Europa, beim Öl aus Nordafrika waren es noch 62,7 Prozent.

Aufgrund der zentralen Lage und des hohen Anteils an den weltweiten Reserven spielt der Nahe Osten eine Sonderrolle bei der Energieversorgung. Die Versorgungsanteile des Nahen Ostens sind in allen drei Regionen der Handels-Triade Nordamerika – Europa – Asien-Pazifik überdurchschnittlich hoch. Die günstigste Anbindung hat der asiatisch-pazifische Raum. Dementsprechend gingen 2008 deutlich mehr als zwei Drittel der Ölexporte aus dem Nahen Osten in die Region Asien-Pazifik (68,7 Prozent) bzw. stammten 63,2 Prozent der Ölimporte in der Region Asien-Pazifik aus dem Nahen Osten.

Datenquelle

British Petroleum (BP): Statistical Review of World Energy 2009

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

Primärenergie ist die vooch nicht weiterbearbeiteten Energieträgern stammende Energie. Primärenergieträger sind zum Beispiel Steinkohle, Braunkohle, Erdöl, Erdgas, Wasser, Wind, Kernbrennstoffe, Solarstrahlung und so weiter. Aus der Primärenergie wird durch Aufbereitung zum Beispiel in Kraftwerken oder Raffinerien die Endenergie (Sekundärenergie). Die Form der Energie, in der sie tatsächlich vom Anwender verwendet wird, wird Nutzenergie genannt. Ein Beispiel: Rohöl (Primärenergie) wird zu Heizöl (Endenergie/Sekundärenergie) wird zu Wärme (Nutzenergie).

Bei den hier gemachten Angaben zur Primärenergie ist zu beachten, dass Brennstoffe wie Holz, Torf oder tierische Abfälle sowie Windenergie, Geothermie und Solarenergie auch für BP zur Primärenergie gehören, BP sie aber statistisch nicht erfasst. Die Angaben von BP zum Primärenergie-Verbrauch beziehen sich ausschließlich auf Öl, Kohle, Erdgas, Wasserkraft und Kernenergie.

Welt-Bruttoinlandsprodukt

7.10.2009

Das Welt-Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag im Jahr 2007 bei 54.300 Mrd. US-Dollar. Davon entfielen mit 38.400 Mrd. US-Dollar knapp 71 Prozent auf die ökonomisch entwickelten Staaten.

Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-ncnd/3.0/de/


Fakten

Das Welt-Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag im Jahr 2007 bei etwa 54.300 Milliarden US-Dollar. Hiervon entfielen mit gut 38.400 Milliarden US-Dollar 70,8 Prozent auf die ökonomisch entwickelten Staaten und mit rund 14.100 Milliarden US-Dollar 25,9 Prozent auf die ökonomisch sich entwickelnden Staaten. 3,3 Prozent, knapp 1.800 Milliarden US-Dollar, entfielen auf Süd-Osteuropa und die GUS.

Allein die fünf Staaten mit dem höchsten BIP – USA, Japan, Deutschland, China und Großbritannien – hatten mit einem summierten BIP von 27,5 Billionen US-Dollar einen Anteil von 50,7 Prozent am Welt-Bruttoinlandsprodukt. Bei den zehn Staaten mit dem höchsten BIP waren es 67,1 Prozent (36,4 Billionen US-Dollar). Das zusammengefasste BIP der 20 Staaten mit dem höchsten BIP lag im Jahr 2007 bei 44,1 Billionen US-Dollar, was einem Anteil von 81,3 Prozent am Welt-BIP entspricht. Auf die weltweit 65 Ökonomien, die 2007 ein BIP von mehr als 50 Milliarden US-Dollar erwirtschafteten, entfielen 97,4 Prozent des Welt-Bruttoinlandsprodukts.

Auch die regionalen Unterschiede sind gewaltig. Während im Jahr 2007 auf die EU bzw. auf die USA und Kanada 30,9 bzw. 28,1 Prozent des Welt-BIP entfielen, hatte ganz Afrika mit 1,25 Billionen US-Dollar lediglich einen Anteil von 2,3 Prozent am Welt-BIP. Die Anteile Südamerikas bzw. Mittelamerikas und der Karibik waren mit 4,4 bzw. 2,1 Prozent ebenfalls gering. In Asien entfielen 2007 8,1 Prozent des Welt-BIP auf Japan und 14,7 Prozent auf die anderen Staaten Asiens. In den anderen Staaten Asiens lebten im selben Jahr allerdings mehr als 28-mal so viele Menschen wie in Japan.

Wird die Kaufkraft in den jeweiligen Staaten berücksichtigt, verringert sich der Abstand zwischen Arm und Reich: Der Anteil am Welt-Bruttoinlandsprodukt sinkt bei den Staaten mit einem hohen Einkommen von 74 auf 58 Prozent (2007). Bei den Staaten mit mittleren bzw. niedrigen Einkommen steigt der Anteil am Welt-BIP hingegen von 24,5 auf 39 Prozent bzw. von 1,5 auf 3 Prozent.

Datenquelle

United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD): Handbook of Statistics 2008

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

In der Grafik sind bei den einzelnen Regionen die Staaten mit dem jeweils höchsten Bruttoinlandsprodukt angegeben.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Das BIP ist gegenwärtig das wichtigste gesamtwirtschaftliche Produktionsmaß.

Globale Erwärmung und globale Klimaveränderung sind etwas, an was wir uns anpassen müssen, da es keine Bemühungen gibt, die diese Phänomene, verursacht durch die CO2 Emissionen als Resultat der Anwendung fossiler Treibstoffe, verlangsamen würden. Die größte Schuld an diesem riesigenökologischen Problem hat die USA.

 

In den USA ist die Emission des CO2 pro Person sechs Mal des globalen durchschnittlichen Bürger und mehr als 30 Mal des Bürgers in einem Entwicklungsland, was beunruhigen ist, da sie als die “Führungsland der Welt” hauptsächlich für die globale Erwärmung verantwortlich ist und die größten Quantitäten des CO2 emittiert.

 

USA trägt mit 25 % der Emissionen der Treibhausgase bei, was ist definitiv zu viel, da in den USA nur 9 % der Weltbevölkerung lebt. Obwohl sich die USA Bürger das Problem der globalen Erwärmung immer mehr bewusst sind, unternimmt die Regierung keine richtige Schritte und bevorzugt traditionelle fossile Treibstoffe, was die Situatiooch verschlimmert.

 

Und wissen Sie, was die größte Ironie ist? Die Tatsache, dass die mit der globalen Erwärmung betroffenen Menschen am wenigsten für dieses Problem verantwortlich sind. Das bezieht sich besonders auf den “schwarzen Kontinent”, wo die Temperaturen fast unerträglich sind und verschlimmern schon jetzt schreckliche Bedingungen.

 

Aber bald wird dieses Problem auch in die USA zu sehen, wenn die Erhöhung der Temperaturen, des Meeresniveaus und hohe hydrologische Extreme mit den verseuchten Wasserresourcen, neulich entwickelten Krankheiten, extremen Temperaturen und Überschwemmungen resultieren.

 

Die Vereinigten Staaten als die “Führungsland der Welt” sollen mehr moralische Verantwortung haben und sich ernsthaft bemühen, um dieses Problem zu lösen und es nicht zu verschlimmern. Aber Amerika ist auf das traditionelle Styl gewöhnt, was viele Autos, schwere Industrien und dominante fossile Treibstoffe einbezieht. Dem jetzigen Zustand nach wird sich die Situation in deächsten Jahreicht wesentlich ändern.

 

Unser Planet leidet und die USA hat die große moralische Verantwortung, etwas schnell zu unternehmen. Ökonomie sollte dieses Mal nicht wichtiger als die Ökologie sein, weil wenn man schnell die Ökologie nicht beschützt, auch keine Ökonomie geben wird. Die Zeit ist da und wir sollen den allmächtigen Dollar von dem Thron stürzen und unserem Planeten eine anständige Chance für das Überleben geben. Es ist unsere moralische Verantwortung, aber gibt es noch Moral in uns?

Werden wir solche Zukunft verhindern?

Viele Menschen glauben, dass es in den polaren Gebieten wegen der extrem kalten Weeterbedingungen kaum Leben gibt. Man denkt nur an die Polarbären, Pinguine, einige Fischarten. Die Realität ist aber komplett verschieden. Marinezählung von einigen Tagen zeigte ungefähr 7500 Arten in der Antarktik und 5500 in Arctic, einbezogen einige Hundert Arten, die neu in der Wissenschaft sein könnten.

Menschen verbinden meisten die reiche Biodiversität mit den tropischen Gebieten, aber das Marineleben ist gleichermaßen reich und wunderschön in den antarktischen und arctischen Meeren. Die interessanteste Tatsache dieses Befundes ist die Ähnlichkeit des Lebens zwischen diesen zwei Polen; 235 Arten wurden trotz der Entfernung von 11000 Km zwischen diesen beiden Gebieten in den Meeren gefunden.

Polare Gebiete sind reich mit Leben und mehr als 13000 verschiedenen Arten.


Leider haben diese Gebiete außer viele Arten auch ein gigantisches Problem – nämlich die globale Erwärmung, eine große Drohung dem reichen Ökosystem. Globale Erwärmung und die immer größere Invasion fremder Arten, sowie die Erhöhung der Temperaturen könnten das Aussterben von vielen Arten verursachen. Ihr “kaltes Heiligtum” würde in deächsten Jahreicht mehr so kalt sein, um sie zu beschützen.

Wird diese reiche Biodiversität überleben? Schwer zu sagen, aber unserem Mangel an der Verantwortung für die ökologischen Probleme nach wird ein positives Szenario sehr unwahrscheinlich.

   Zeitbewußtsein, Ökologie und Ethik*

[erschienen in Antemnae (Rom), 3, 2001, 172-190. Copyright 2000 by Joachim Schummer]

Joachim Schummer

Institut für Philosophie, Universität Karlsruhe, D-76128 Karlsruhe, [email protected]

 
Abstract: (“Consciousness of Time, Ecology, and Ethics”)
The paper investigates the impact of global environmental issues on our consciousness of time and vice versa. In Part I, I first analyze in detail how various kinds of temporal structure, such as linear progress, circularity etc., are built and what makes us select one of them as being universal. Part II discusses types of confusion and distortion of our consciousness of time due to global environmental issues. Since our consciousness of time is fundamental to our way of perceiving and dealing with the environment, the topic has also an ethical dimension. In Part III, following Hans Jonas’ approach of ethics, I ask what kind of a consciousness of time is adequate for responsibly treating our environment.


 

Einleitung

I. Strukturen des Zeitbewußtseins

1. Analyse: Formen von Zeitstrukturen
2. Synthese: Pluralität von Zeitstrukturen
3. Präferenzen für Zeitstrukturen

II. Der Einfluß ökologischer Probleme auf unser Zeitbewußtsein

1. Besonderheiten ökologischer Probleme
2. Irritationen des Zeitbewußtseins
3. Verzerrungen des Zeitbewußtseins

3.1 Das Katastrophenmodell
3.2 Das Modell des natürlichen Kreislaufes
3.3 Das Model des unbegrenzten Wachstums

III. Zeitbewußtsein und Verantwortungsethik


 
 

Einleitung

Die beiden Themen “Zeit” und “Ökologie” haben jeweils für sich in der jüngeren Vergangenheit eine Hochkonjunktur erfahren. Während ökologische Probleme die öffentlichen Debatten der 70er und 80er Jahre bestimmten, hat die Frage nach dem “Umgang mit der Zeit” besonders die 90er geprägt. Unter den Stichworten “Ökonomie der Zeit” oder “Zeitmanagement” findet sich inzwischen eine Flut von Ratgebern für die effiziente Planung von Arbeits- und Freizeit. Einer verbreiteten Gegenüberstellung von Ökonomie und Ökologie folgend könnte “Ökologie der Zeit” dann etwa umweltangepaßte Zeitplanung bedeuten. In der Tat sind inzwischen auch ernsthafte Versuche vorgelegt worden, die zeitlichen Dimensionen von menschlichem Handeln und ökologischen Systemen zu untersuchen mit dem Ziel der zeitlichen Harmonisierung.[1]

Der vorliegende Beitrag behandelt keines dieser Themen. Statt dessen möchte ich aus philosophischer Perspektive die Beziehungen zwischen ökologischen Problemen und Zeitbewußtsein ausloten. Unter Zeitbewußtsein verstehe ich insbesondere, welche zeitlichen Strukturen uns von Personenzeit, Kulturzeit und Naturzeit bewußt sind; z.B. Linearität, Wachstum, Verfall, Kreislauf, Endlichkeit oder Unendlichkeit. Ich werde untersuchen, wie wir diese zeitlichen Strukturen gewinnen und welche Umstände uns zur Universalisierung einer Zeitstruktur veranlassen (Teil I). Unter den ökologischen Problemen werde ich vor allem irreversible anthropogene Umweltveränderungen globaler Art behandeln, die kein räumliches Entrinnen zulassen. Ich möchte zunächst zeigen, daß die Wahrnehmung dieser Umweltveränderungen unser Zeitbewußtsein verändert. Dies kanicht nur zu Irritationen, sondern auch zu Verzerrungen führen, die sich in Zukunftsverweigerung oder verschiedenen Negativ- oder Positivutopien äußern, z.B. Visionen von globalen Katastrophen, Naturkreisläufen oder unbegrenztem Wachstum (Teil II). Weil unser Zeitbewußtsein grundlegend für unsere Wahrnehmungen, Bewertungen und Handlungen ist, hat dies auch umgekehrt Konsequenzen für unsere Umweltwahrnehmungen und -handlungen. Das Verständnis dieser Wechselwirkung soll zum einen Ansatzpunkte bieten, um sich vor Irritationen und Verzerrungen des Zeitbewußtseins zu bewahren. Zum anderen möchte ich unter Rückgriff auf Hans Jonas’ Verantwortungsethik untersuchen, welches Zeitbewußtsein für einen verantwortlichen Umgang mit unserer Umwelt angemessen ist (Teil III).
 
 

I. Strukturen des Zeitbewußtseins

1. Analyse: Formen von Zeitstrukturen

In der Tradition der Bewußtseinsphilosophie wird Zeit als eine Ordnungsstruktur des Bewußtseins verstanden.[2] Demnach werden unsere Anschauungen in die zweidimensionale Ordnung des Nacheinander und der Gleichzeitigkeit gebracht und immer wieder neu nach den Zeitmodi Vergangenheit (Erinnerungen), Gegenwart (aktuelle Anschauungen) und Zukunft (Erwartungen) strukturiert. Im vorliegenden Zusammenhang geht es nicht um die weitaus schwierigeren Fragen, wie unser Bewußtsein solche Ordnungsstrukturen herstellen kann und wie die darüber hinausgehenden zeitlichen Phänomene der Dauer und Gerichtetheit erklärt werden können.[3] Vielmehr möchte ich untersuchen, wie wir den so strukturierten Bewußtseinsgehalten weitere zeitliche Strukturen geben können.

Der bewußtseinsphilosophische Zugang erlaubt es zunächst einmal, daß wir von der besonderen Art der Bewußtseinsgehalte abstrahieren können. Für die zeitliche Struktur ist es unerheblich, ob die Gehalte der inneren oder der äußeren Wahrnehmung entstammen, ob sie beispielsweise auf unsere Empfindungen, unsere Person, die Gesellschaft oder Natur bezogen sind. Im Unterschied zum Raum ist die Zeit ein universelle Strukturierungsleistung,[4] die alle unsere Bewußtseinsgehalte erstens in eine integrative Ordnung der Gleichzeitigkeit und des Nacheinander bringt und zweitens immer wieder eine neue Einteilung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft leistet.

Sobald wir unsere Vergangenheit, d.h. unsere vergegenwärtigten Erinnerungen, in dieser Weise geordnet haben, können wir nach weiteren Ordnungsstrukturen Ausschau halten. Regelmäßig wiederkehrende Ähnlichkeiten legen ein periodisches Ordnungsprinzip nahe. Eine stetige Zunahme oder Abnahme bestimmter Empfindungsqualitäten oder -intensitäten spricht für eine positive oder negative Entwicklungsordnung. Indem wir eines dieser an unseren Erinnerungen aufgefundenen Ordnungsprinzipien auf unsere Gegenwart und Zukunft verallgemeinern, übernehmen wir eine bestimmte Zeitstruktur, hier: eine zyklische bzw. linear-progressive oder linear-degressive Zeitstruktur. Finden wir hingegen keine Regelmäßigkeiten in unseren Erinnerungen, dann erscheint die Zeit, neben der vorausgesetzten Linearität, strukturlos. In jedem Falle prägt eine solcherart verallgemeinerte Zeitstruktur bzw. –strukturlosigkeit dann auch unsere Erwartungen und unsere gegenwärtige Aufmerksamkeit.

Vergangenheit (Erinnerungen) und Zukunft (Erwartungen) verhalten sich bewußtseinsphilosophisch nicht ganz symmetrisch zueinander. In der Regel prägen die Erinnerungen sehr viel mehr unsere Erwartungen als umgekehrt. Die Fähigkeit, von Vergangenem auf Zukünftiges zu schließen, macht uns ja zu lernfähigen und vorausschauenden Wesen; und genau in diesem Sinne verallgemeinern wir Strukturen der Vergangenheit zu allgemeinen Zeitstrukturen. Gleichwohl bleibt die Zukunft im Vergleich zu unserer Vergangenheit relativ unbestimmt. Diese Unbestimmtheit der Zukunft führt dazu, daß unsere Erwartungen anfällig sind für Emotionen wie Hoffnung auf Verbesserung oder Angst vor Verschlechterung, Sehnsucht nach einem ursprünglichen Zustand oder Verunsicherungs- und Desorientierungsgefühl. Da solche emotional gestimmten Erwartungen der Zukunft zeitliche Strukturen (bzw. Strukturlosigkeit) aufprägen, können diese auch durch Verallgemeinerung ‘rückwirkend’ unsere Vergangenheit und Gegenwart prägen, indem sie unsere Erinnerungen verzerren und unsere gegenwärtige Aufmerksamkeit auf entsprechende Aspekte fokussieren. Je nach den emotionalen Stimmungen können wir dann folgenden Zeitstrukturen unterscheiden: linear-progressiv oder -degressiv (teleologisch), zyklisch, strukturlos.

Die relative Unbestimmtheit der Zukunft gibt aber auch Raum für intellektuelle Spekulationen. Während unsere Erinnerungeur begrenzt zurückreichen, sind unseren Erwartungen keine prinzipiellen zeitlichen Grenzen gesetzt. Im Prinzip können wir Zeit als in der Zukunft unbegrenzt vorstellen. Damit ergeben sich nun sechs bzw. acht Haupttypen von Zeitstrukturen, wenn wir die Unterscheidung zwischen begrenzter und unbegrenzter Zukunft anwenden auf die teleologische (linear-progressiv bzw. -degressiv), zyklische und strukturlose Zeit.

Unter dem Gesichtspunkt unbegrenzter Zukunft lassen sich prinzipiell auch kombinatorische Zeitstrukturen entwickeln. Die lineare zielorientierte Struktur kann eine Zyklusphase darstellen, der sich beliebig oft wiederholt; oder die verschiedenen Strukturen bilden aufeinander folgende Phasen eines größeren Zyklus (z.B. eine progressive, eine strukturlose und eine degressive Phase) etc. Auf der Ebene der intellektuellen Spekulation verliert das Zeitbewußtsein seine Anbindung an unmittelbare Erinnerung und Erwartung. Eine erinnerungsbasierte linear-progressive Struktur etwa läßt sich stets auch als Täuschung interpretieren, wenn sie z.B. als momentane Phase eines längeren Zyklus aufgefaßt wird. Aber damit verlassen wir den Bereich der bewußtseinsorientierten Zeitstrukturen.

Statt dessen möchte ich nun zu der Frage übergehen übergehen, wie wir aus der Analyse unserer Bewußtseinsgehalte eine Pluralität von Zeitstrukturen gewinnen können.
 
 

2. Synthese: Pluralität von Zeitstrukturen

Wenn wir unsere Erinnerungeach Regelmäßigkeiten durchforsten, dann werden wir tatsächlich ganz Verschiedenes finden. Zum einen erinnern wir uns beispielsweise an die zyklische Regelmäßigkeit der Tag-und-Nacht-Folge oder der Jahreszeiten; zum anderen finden wir aber auch stetige Veränderungen wie etwa Alterungsprozesse oder ganz unregelmäßige Abfolgen. Aus der Perspektive der Erinnerung ist die Zeitstruktur also keineswegs gleichförmig; vielmehr können wir in verschiedenen Bereichen ganz unterschiedliche Zeitstrukturen ausmachen. Nichts zwingt dazu, uns pauschal etwa zwischen zyklischer und stetig-linearer Zeitstruktur zu entscheiden. Auch verwickeln wir uns aus der bewußtseinsphilosophischen Perspektive nicht in Widersprüche, wenn wir verschiedene gleichzeitige Strukturen der einen Zeit feststellen. Denn die eine Zeit ist das universales Ordnungsprinzip unserer Bewußtseinsgehalten nach Gleichzeitigkeit und Nacheinander sowie nach Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, während die verschiedenen Zeitstrukturen die darüber hinausgehenden zeitlichen Ordnungen unserer Bewußtseinsgehalte sind.

Ich möchte nun an einigen Beispielen illustrieren, daß wir gleichzeitig verschiedene Formen von Zeitstrukturen aktualisieren und zwar jeweils für die Bereiche der Personen-, Kultur- und Naturzeit. Für jeden der Bereiche greife ich drei Zeitstrukturformen heraus: die linear-begrenzte, die linear-unbegrenzte und die zyklische Zeit.

Was unsere individuelle Personenzeit betrifft, so sind wir uns ziemlich sicher, daß wir einem stetigen Alterungsprozeß unterliegen und daß unsere Lebenszeit definitiv begrenzt ist. Wir können sie sogar, sobald wir das Säuglingsalter überschritten haben, mit relativ hoher statistischer Wahrscheinlichkeit auf etwa 80 Jahre abschätzen. Wer es genauer haben will, kann einschlägigen demographischen Statistiken die durchschnittliche Lebenserwartung für jedes Alter und jedes Land entnehmen. Und selbst im Falle einer tödlichen Krankheit kann uns der Arzt in der Regel eine statistisch begründete Schätzung über die verbleibende Lebenszeit geben kann. Ob uns die Zahlen im Detail bekannt sind oder nicht, das Modell der linear-begrenzten Lebenszeit prägt durchgängig unsere Lebensvorstellungen und -entwürfe.

Das Modell der zyklisch strukturierten Lebenszeit ist uns präsent, wenn wir unser Leben in Rhythmen einteilen oder durch Routinen bestimmen lassen. Der Sinn von Routinen liegt ja gerade darin, durch möglichst gleichförmige Wiederholung von Handlungsabläufen eine Komplexitätsreduktion und damit eine Entlastung bei der Alltagsbewältigung zu finden. Ein Leben ohne Routinen ist kaum vorstellbar. Das zyklische Modell kommt aber auch in außeralltäglichen Situationen zum Tragen, insbesondere wenn wir uns nach einer besonders tiefen Lebenskrise wie neugeboren fühlen und z.B. eine ganz neue Lebensphase beginnen, die von der vorherigen unbelastet sein soll. Indirekt leben wir die zyklische Vorstellung aber auch im Hinblick auf die Generationsfolge aus, also in der projektiven Fortsetzung unseres eigenen Lebens in unseren Kindern.

Das Modell einer linearen unbegrenzten Zeit ist besonders deutlich in fast allen Erlösungsreligionen verankert – vom Buddhismus bis zum Christentum. Weil es schwer einzusehen ist, daß mit dem eigenen physischen Tod auch die ganze Existenz aufhört, entwerfen wir Vorstellungen von einem Weiterlebeach dem Tode. Und dieses Weiterleben stellen wir uns in der Regel als zeitlich unbegrenzt vor.

Die drei Zeitstrukturen lassen sich auch in vielen Kulturen wiederfinden, wenn auch mit unterschiedlicher Gewichtung. Es wird oft übersehen, daß die einfachste Form der Zeitrechnung bereits eine Kombination von zyklischer und linear-unbegrenzter Struktur darstellt. Denn gezählt werden kanur etwas, das als Gleiches oder zumindest Ähnliches immer wiederkehrt, also z.B. Tage, Monate, Jahre, Jahrhunderte usw., oder bestimmte Feste oder Rituale. Andererseits legt der Gebrauch von Zahleahe, daß wir auch immer weiter zählen können: Wenn wir hundert Jahre gezählt haben, dann können wir auch das hundert und erste Jahr, das hundert und zweite Jahr usw. zählen. Dem Zählen sind also keine prinzipiellen Grenzen gesetzt.

In der spezifischen Form des Umgangs mit der kulturellen Vergangenheit kommen das zyklische und das lineare Modell in diversen Kombinationen zum Tragen. Die verschiedenen dem Mythos entspringenden regelmäßig wiederholten Rituale, Feste oder Jubiläen betonen die zyklische Struktur. Demgegenüber gewichten Formen der Akkumulierung von Kulturgütern das lineare Modell. Hierzu gehören lebenspraktische Weisheiten oder Wertsysteme zur individuellen und kollektiven Lebensführung, wissenschaftliches Wissen und Kunstwerke, die in Archiven, Bibliotheken oder Museen gelagert sind, aber auch technische Fertigkeiten, Strategien, Instrumente, Werkstoffe usw. Die gesammelten Dinge mögen zwar irgendwann einmal als untauglich oder überholt gelten, aber der ursprünglichen Intentioach werden sie zur Verwendung in einer offenen Zukunft gesammelt und aufbewahrt.

Für die linear-begrenzte Zeitstruktur gibt es im jüdisch-christlichen und islamischen Kulturbereich die zusätzliche Vorstellung des genau datierten Weltendes, des Weltuntergangs, der Apokaplypse oder des “Jüngsten Tages nach dem tausendjährigen Reich”. In der griechischen Antike und übrigens noch deutlicher bei den Mayas wird die Vorstellung eines Weltendes auf raffinierte Weise aus der zyklischen Vorstellung entwickelt. Maimmt einfach einen sehr großen globalen Kreislauf von Weltentstehung und Weltuntergang an. Aus der Perspektive einer Gesellschaft ist dann das Ende eines Zyklus der totale Weltuntergang; nur aus der Gottesperspektive geht der Kreislauf mit einer neuen Weltgeburt weiter.

Gibt uns die Natur klare Anhaltspunkte über die “richtige” Zeitstruktur? Darüber müßten uns dann die Naturwissenschaften Aufschluß geben. Tatsächlich können wir aber auch aatürlichen Systemen alle Zeitstrukturen wiederfinden. Ob man biologische Individuen, einzelne Arten, ganze ökologische Systeme oder auch Elementarteilcheimmt, stets findet man eine begrenzte Lebensdauer, wenn man den Beobachtungszeitraum nur groß genug wählt. Zyklische Prozesse finden wir auf der Ebene der Generationsfolge, der jahreszeitlichen Schwankungen, der Himmelsbewegungen, der Atomschwingungen usw. Falls man einen unbegrenzten Wachstumsprozeß sucht, kann man sich auf die Entropiezunahme nach dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik oder auf die Expansion des Universums nach der Urknalltheorie (zumindest nach einer Variante) berufen. Nimmt maicht astronomische, sondern geologische Zeitskalen, dann haben wir als Beispiele die über Milliarden Jahre erfolgte Abnahme von Kohlendioxid und Zunahme von Ozon in unserer Erdatmosphäre. Beides sind kontinuierliche Entwicklungen, die wir heute gewaltsam und zu unserem Schaden umkehren. Schließlich könnte man auch die evolutionäre Ausdifferenzierung biologischer Arten anführen, gegen die wir heute ebenfalls zu Felde ziehen. Der Naturbereich bietet sich außerdem auch an, strukturlose Prozesse zu benennen. Man muß dazu nicht mal auf die moderne Chaostheorie zurückgreifen. Ein klassisches Ensemble, z.B. ein ideales Billiardkugelsystem, verhält sich bereits in der Hinsicht strukturlos, daß es weder Periodizitäten noch progressive oder degressive Tendenzen aufweist. Die Einsicht, daß wir auch in der Natur verschiedenste Zeitstrukturen finden können, ist natürlich problematisch für diejenigen, die heute in der Natur das Vorbild für universelle Kreislaufprozesse sehen wollen – darauf werde ich später noch eingehen.
 
 

3. Präferenzen für Zeitstrukturen

Wir haben bisher gesehen, daß sich systematisch verschiedene Formen von Zeitstrukturen unterscheiden lassen und daß wir diese Zeitstrukturen gleichzeitig jeweils in den verschiedenen Bereichen der Personen-, Kultur- und Naturzeit finden können. Diese Pluralität von Zeitstrukturen in allen Bereichen liefert keinen Anhaltspunkt, eine bestimmte Zeitstruktur herauszugreifen und zu verabsolutieren. Wir können im Gegenteil sogar schließen, daß jede Verabsolutierung einer Zeitstruktur durch partielle Blindheit erkauft wird.

Wie läßt sich dann die Neigung erklären, daß nicht nur Individuen, sondern auch ganze Kulturen oder Epochen bestimmte Zeitstrukturen präferieren, so daß wir im Rückblick Kulturen oder Epocheach ihren spezifischen Zeitstrukturen charakterisieren können?[5] Wieso schreiben wir beispielsweise archaischen Kulturen eher ein zyklische Zeit zu, während wir die europäischen Neuzeit durch die Herausbildung einer linear-progressiven Zeitstruktur charakterisieren? Da unsere Erinnerungen und aktuellen Wahrnehmungen wenig Anlaß für solche eindeutigen Präferenzen geben, muß die Antwort wohl in den Zukunftserwartungen gesucht werden.

Wir haben gesehen, daß Unbestimmtheit der Zukunft unsere Erwartungen anfällig macht für Emotionen. Emotionen können entweder gegenstandsbezogen und damit selektiv sein oder Grundstimmungen ohne spezifischen Gegenstandsbezug und damit pauschal. Zu den letzteren gehören insbesondere Hoffnung und Angst, die Sehnsucht nach Geborgenheit und das Verunsicherungs- oder Desorientierungsgefühl. Jedes dieser Grundstimmungen formt die Zukunftserwartungen auf eigene zeitliche Weise, nämlich als linear-progressiv, linear-degressiv, zyklisch und als unstrukturiert. Wir haben auch gesehen, daß die Zeitstruktur der Erwartungen Rückwirkungen haben kann auf Gegenwart und Vergangenheit, in dem sie bestimmte Erinnerungen und aktuelle Wahrnehmungen selektiv hervorhebt und andere unterdrückt. Demnach wäre zu vermuten, daß alle ausgeprägten Präferenzen für bestimmte Zeitstrukturen in erster Linie begründet sind in bestimmten grundgestimmten Zukunftshaltungen. Je mehr wir auf die Zukunft orientiert sind und je stärker wir dabei von einer Grundstimmung getragen sind, desto mehr tendieren wir zu einer universalisierten Zeitstruktur für alle Bereiche.[6]

Wenn die These richtig ist, daß bestimmte zukunftsbezogene Grundstimmungen Präferenzen für bestimmte Zeitstrukturen befördern, dann läßt sich auch umgekehrt fragen, ob universalisierte Zeitstrukturen bestimmte Grundstimmungen befördern. Dafür gibt es zumindest eine Reihe von Hinweisen. Bereits in der klassischen griechischen Antike scheint das zyklische Modell unter Betonung der harmonischen Ordnung des Himmels als Mittel gegen (politisch-moralische) Gefühle der Orientierungslosigkeit und Verunsicherung eingesetzt worden zu sein. Der Mythos insgesamt scheint neben anderem die Funktion der Stabilisierung und der Vertrauensbildung in den Lauf der Welt zu erfüllen. Endzeitstimmungen – also universalisierte Formen der begrenzten Zeit – haben immer wieder ekstatische Stimmungen hervorgerufen, die allerdings in der christlichen Tradition mit bestimmten Erlösungshoffnungen verbunden waren. Unbestritten ist wohl außerdem, daß universalisierte Formen der strukturlosen, der linear-progressiven und der linear-degressiven Zeit Grundstimmungen der Orientierungslosikeit, des pauschalen Optimismus bzw. Pessimismus befördern.

Es ist anzunehmen, daß es eine gewisse Resonanz gibt zwischen Grundstimmungen und Zeitstrukturen. Das bedeutet zum einen, daß unser Zeitbewußtsein sensibel ist für alle Veränderungen, die auf unsere zukunftsorientierten Grundstimmungen Einfluß nehmen können. Wir werden gleich sehen, daß ökologische Probleme von genau dieser Art sind. Zum anderen bedeutet dies, daß eine einmal universalisierte Zeitstruktur Rückwirkungen auf unsere Grundstimmung und damit auch auf unsere Lebenszufriedenheit nehmen kann.
 
 

II. Der Einfluß ökologischer Probleme auf unser Zeitbewußtsein

1. Besonderheiten ökologischer Probleme

Ökologische Probleme sind definitionsgemäß problematische Veränderungen unserer Lebensumwelt. Beschränken wir uns auf die sog. anthropogenen, also menschenverursachten, Umweltveränderungen, dann gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten, damit umzugehen. Entweder man macht sie rückgängig, oder man weicht in eine andere Umwelt aus, oder man paßt sich an die Veränderungen an. Die Besonderheit vieler neuer ökologischer Problem liegt darin, daß oft nur noch die letzte Möglichkeit der Anpassung möglich ist. Denn viele anthropogene Veränderungen sind irreversibel oder zumindest in menschlichen Zeitskalen gemessen irreparabel. Einige anthopogenen Umweltveränderungen sind darüber hinaus auch global, weil ihre räumliche Ausdehnung auf Grenzen gestoßen ist, nämlich auf die Grenzen unserer Erde, so daß also eine Ausweicheicht mehr möglich ist. Diese globalen und relativ irreversiblen Umweltprobleme sollen im folgenden im Zentrum stehen, weil sie uns unentrinnbare Zukunftsperspektiven aufzwängen und damit den Nerv unseres Zeitbewußtseins berühren. Zu diesen Problemen gehören insbesondere die mittelfristige Zerstörung der stratosphärischen Ozonschicht durch Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKWs), die im Unterschied zu den polaren “Ozonlöchern” global ist. Ein zweites Beispiel sind die nicht voraussehbaren globalen Klimaveränderungen aufgrund der jahrhundertelangen Emission von sog. Treibhausgasen (insbesondere Kohlendioxid, Methan und neuerdings FCKWs). Ein drittes globales Problem ist das rasante Aussterben biologischer Arten.

Die globalen Umweltproblemen besitzeicht nur eine räumliche, sondern auch eine zeitliche Dimension: Mit den Treibhausgasemissionen verschaffen wir uns eine recht ungewisse klimatische Zukunft. Die mittlere Zunahme der UV-B Strahlenbelastung läßt sich hingegen vergleichsweise gut vorausberechnen, denn wir kennen ungefähr die Verweildauer jener Stoffe in der Stratosphäre, die sich dort ansammeln und katalytischen Ozonabbau betreiben, ohne dabei selbst verbraucht zu werden. Selbst wenn die Emissionen von FCKWs abrupt eingestellt würden, dann wird der Konsum der vergangenen 40 Jahre über die nächsten 50-100 Jahre noch eine beschleunigte Zunahme der gefährlichen UV-B Strahlung einbringen. Noch präzisere Zeitverlaufskurven lassen sich für den Abbau radioaktiven Abfalls mit Halbwertszeiten von mehreren tausend Jahren angeben. In anderen Fällen lassen sich verschiedene Szenarien durchführen, die uns – jeweils bestimmte Bedingungen vorausgesetzt – den zeitlichen Endpunkt einer vollständigen Aufzehrung bzw. Vernichtung aufzeigen; z.B. beim Verbrauch endlicher Rohstoffvorräte, beim Landschaftsverbrauch, bei der Abholzung tropischer Regenwälder, beim biologische Artensterben.

Man könnte die zeitliche Dimensiooch weiter präzisieren, z.B. durch die Betrachtung der zeitlichen Dynamik von ökologischen Systemen, ihrer Flexibilität, Störanfälligkeit und Wandelbarkeit usw., um daraus angepaßte “Zeitmaße” für unser Handeln zu gewinnen.[7] Ich möchte hier darauf nicht weiter eingehen, sondern im folgenden untersuchen, wie die globalen ökologischen Problem unser Zeitbewußtsein verändern können.
 
 

2. Irritationen des Zeitbewußtseins

Globale ökologische Probleme stellen sich uns ganz allgemein als Bedrohungen von Leben und zukünftiger Lebensqualität dar. Das hat zunächst einmal zur Folge, daß unser Zeitbewußtsein sehr stark zukunftsdominiert, d.h. auf unseren Erwartungshorizont ausgerichtet wird, denn wir fürchten uns ja vor unliebsamen Veränderungen in der Zukunft. Gegenwart und Vergangenheit verlieren dadurch an Bedeutung für die Konstitution unseres Zeitbewußtseins und können verstärkt aus der Zukunftsperspektive heraus geprägt werden. Hinzu kommt, daß die Grundstimmung der Angst uns bestimmte Zeitstrukturen präferieren läßt. Bevor ich auf solche Verzerrungen im nächsten Abschnitt näher eingehe, möchte ich zunächst untersuchen, wie unsere verschiedenen Lebenszeitstrukturen beeinflußt werden können.

Wir leben alle mit einem stillschweigend gehegten Vertrauen auf eine statistisch verbürgte Lebenserwartung von ca. 80 Jahren. Solche Statistiken lieferatürlich keine Sicherheit für die individuelle Lebenzeit. Aber wann immer wir mittel- bis langfristigen Lebensentwürfe vornehmen, haben wir keine andere Wahl als uns auf solche Erfahrungsgrundlage und damit auf eine linear-begrenzte Zeitstruktur zu beziehen. Statistisch durchlaufen wir einen kontinuierlichen Alterungsprozeß, der mit ca. 80 Jahren endet. Mit der Angst vor neuen unausweichbaren ökologischen Problemen – wie insgesamt mit der Angst vor alleeuen Gefahren wie Kriege, Seuchen usw. – wird das Vertrauen in die statistisch verbürgte Lebenserwartung getrübt. Denn die Neuartigkeit von Gefahren macht alle auf der Vergangenheit beruhenden Erfahrungen bzw. Statistiken zunichte. Infolgedessen verunsichern solche Umweltprobleme, wenn man sie auf sein eigenes Leben bezieht, insbesondere die mittel- und langfristigen Lebensentwürfe. Die Zukunft erscheint ungewisser.

Irreversible Umweltveränderungen entziehen darüber hinaus inbesondere dem zyklischen Zeitbewußtsein die Grundlage, und zwar aus zwei Gründen. Zum einen erfordern zyklische Prozesse ja ganz allgemein relativ konstante Randbedingungen. Werden diese stetig oder plötzlich verändert, dann wird die zyklische Struktur gestört. Zum anderen weisen die meisten Umweltveränderungen eine linear-degressive Zeitstruktur auf. In dem Maße, in dem die zunehmenden Umweltveränderungen wahrgenommen und als Bedrohung empfunden werden, wächst auch die Tendenz, die linear-degressive Zeitstruktur zu universalisieren. Denn eine pessimistische Grundstimmung fokussiert die aktuelle Aufmerksamkeit auf Indizien der Verschlechterung und blendet damit Aspekte der Wiederholung und Regeneration partiell aus.

Das linear-zukunftsoffene Zeitbewußtsein besitzt eine kulturelle Verankerung in der Sammlung und Tradierung von Wert- und Wissensbeständen für mögliche zukünftige Anwendung. Nun sind es aber gerade tradierte Wert- und Wissensbestände – insbesondere zum Umgang mit Natur – die uns heute vielfach als überholt oder sogar als verantwortlich für unsere ökologischen Probleme erscheinen. Der Bruch mit der linearen Tradierungskette wird uns daher in doppelter Hinsicht nahegelegt: Erstens erscheint uns die vergangene Tradition als fehlgeleitet; das machen wir an den problematischen ökologischen Folgen fest. Und zweitens haben diese Folgen auch sehr veränderte Randbedingungen geschaffen, unter denen die tradierten Wert- und Wissensgehalte nun auch fragwürdig erscheinen. Wir werden später sehen, daß das linear-zukunftsoffene Zeitbewußtsein eine Grundlage für moralische Verantwortung darstellt. Irritationen dieses Zeitbewußtseins können zu Spannungen und Überforderungen der Zukunftsverantwortung führen.

Zusammenfassend kann man sagen, daß globale irreversible ökologische Probleme sehr vielschichtig in unser Zeitbewußtsein eingreifen. Sie bringen insgesamt eine einseitige Verlagerung auf die Zukunft sowie Irritationen der mittel- bis langfristigen Lebensentwürfe, des zyklischen und des linear-zukunftsoffenen Zeitbewußtseins.
 
 

3. Verzerrungen des Zeitbewußtseins

Globale ökologische Probleme, die kein räumliches Entrinnen zulassen, könneicht nur zu Irrititationen führen, sondern auch zu Kompensationen und extremen Verzerrungen. Dem wachsenden Zukunftsdruck kann man kompensatorisch dadurch begegnen, daß man sich iostalgisch-romantische Vergangenheitsverklärung oder in eine affektierte Gegenwartsfixierung flüchtet. Soweit die Zukunft nicht in dieser Weise ausgeblendet wird, kann sie auch durch Universalisierung einer Zeitstruktur verzerrt werden. Ich möchte dies an drei wohlbekannten Negativ- bzw. Positivutopien erläutern, die in jüngerer Zeit wieder besondere Konjunktur haben: 1. das Katastrophenmodell, 2. das Modell des natürlichen Kreislaufes und 3. das Model des unbegrenzten Wachstums.
 

3.1 Das Katastrophenmodell

Das griechische Wort katastrophé bedeutet u.a. Ende, Untergang, Tod. Die weitverbreitete Rede von der globalen ökologischen Katastrophe – oft ausgedrückt in der Metapher “es ist fünf vor zwölf!” – suggeriert den Tod, den vollständigen Untergang alles Lebens auf der Erde. In dieser Weltuntergangsmetaphorik, die in den christlichen Vorstellungen der Apokalypse ihren Ursprung besitzt, wird das Modell der linear-begrenzten Zeit bemüht und verabsolutiert.

Die Art und Weise, in der das Katastrophenmodell eingesetzt wird, zeigt, daß es sich in erster Linie um ein rhetorisches Mittel handelt, um Änderungen des Umwelthandelns zu mobilisieren. Wer beispielsweise von einer “globalen Klimakatastrophe” spricht, suggeriert, daß wir eine Erde ohne Klima statt schleichender und lokal völlig unvorhersehbarer Klimaveränderungen zu befürchten haben. Daran wird deutlich, daß der (rhetorische) Weg über das Zeitbewußtsein als besonders vielversprechend erscheint, um selbst fest verankerte Lebensformen zu ändern. Geht man davon aus, daß unser Zeitbewußtsein eine zentrale Grundlage für unsere Wahrnehmungen, Bewertungen und Handlungen darstellt, dann sollte dieser Weg auch sehr effektiv sein.

Die permanente Kultivierung des Katastrophenmodells ist jedoch sehr bedenklich. Denn sie führt entweder zur Abflachung oder zu pathologischen Ängsten und stets zu gravierenden Fehleinschätzungen. Die Umweltpsychologie hat nachgewiesen, daß permanente Kultivierung von Umweltängsten entweder zur emotionalen Abwehr und damit zu Problemverdrängungen führt [8] oder, was insbesondere bei Kinderachweisbar ist, paranoide Störungen provoziert.[9] Ganz allgemein läßt sich auch feststellen, daß ein einseitig verzerrtes Zeitbewußtsein zu verzerrter Problemwahrnehmung und -einschätzung und damit auch zu fehlgeleitetem Handeln führt. Viele ökologischen Probleme sind durch schleichende, oft über Generationen andauernde Veränderungen gekennzeichnet. Das Tückische daran ist, daß wir uns an die veränderten Lebensbedingungen gewöhnen, daß spätere Generationen sie vielleicht sogar als selbstverständliche Umwelt empfinden. Oft sind es gerade die schleichenden, weniger spektakulären Veränderungen, die auf lange Sicht zu irreversiblen und viel einschneidenderen Schäden unserer Lebensbedingungen führen, ohne daß wir sie in die Katastrophenmetapher einhüllen können.
 

3.2 Das Modell des natürlichen Kreislaufes

Das universalisierte Kreislaufmodell tritt nicht als Negativ-, sondern als Positiv-Utopie auf. Wir haben gesehen, daß uns die Natur keinen Anlaß dazu gibt, das zyklische Zeitmodell zu verabsolutieren oder als Vorbild zu nehmen, denn an natürlichen Prozessen können wir alle Zeitstrukturen beobachten. Nichtsdestoweniger wird heute Natur wieder besonders als Kreislauf wahrgenommen, der durch menschliche Eingriffe gestört wird. Dagegen propagiert man, daß die natürlichen Kreisläufe als Vorbild oder zumindest als Anpassungsgrundlage für menschliches Handeln genommen werden sollen.

Hinter der Universalisierung der zyklischen Zeitstruktur steckt ein durch die Irritationen gesteigertes Bedürfnis nach Regeneration. Der Natur im Modus des Kreislauf wird eine ihr innewohnende Kraft zur Erneuerung zugesprochen. Historisch gab es immer wieder Phasen, in denen das zyklische Modell einseitig favorisiert wurde. Man denke nur an den altägyptischen, uns sprichwörtlich gewordenen Phönix, der immer wieder neu aus der Asche entsteigt, an die als göttlich empfundene Harmonie der kreisförmigen Himmelsbewegung, an die romantischen Bewunderungeatürlicher Regenerationsprozesse usw.

Das zyklische Zeitbewußtsein hat zwar seine Berechtigung, es wird aber ebenfalls durch Universalisierung naiv und problemverdrängend oder -verzerrend. Denn entweder wird man dazu verleitet, auf die “natürliche Regenerationskraft” zu hoffen und sich damit schicksalsergeben der Verantwortung zu entziehen. Oder man macht sich das zyklische Modell zum bedingungslosen Maßstab des Handelns, was zu absurden Konsequenzen führen kann. Am Beispiel des sogenannten Recyclings läßt sich zeigen, daß wir dabei stets eine selektive Perspektive für Kreislaufstrukturen anlegen, die alle nicht-zyklischen Prozesse einfach ausblendet. Zwar können wir technisch die meisten unserer Konsumgüter nach Gebrauch wieder in eine grund- oder rohstoffliche Form zurückführen, aus der dieselben Produkte wieder herstellbar sind. Ein solcher Prozeß ist jedoch nur unter der werkstofflichen Perspektive kreislaufartig. Denn unter energetischen Gesichtspunkten haben wir dabei mit jedem Schritt irreversible Prozesse, die jeweils Energie und damit Energierohstoffe verbrauchen. Was aus der werkstofflichen Perspektive als perfekter Kreislauf erscheint, das ist aus energetischer Perspektive ein kontinuierlicher Verbrauch, ein linear-degressiver Prozeß. Die Wahrnehmung eines perfekten Kreislaufes ist daher stets das Ergebnis selektiver Ausblendung, d.h. eine Illusion. Eine zyklische Wirtschaftsstruktur im Sinne möglichst geschlossener Stoffkreisläufe ist nicht deswegen ökologisch vorteilhaft, weil sie eine Verwirklichung des Kreislaufmodells ist, sondern weil sie in vielen Fällen der langsamste linear-degressive Prozeß ist. Wer hingegen das Kreislaufmodell zur bedingungslosen Maxime ökologischen Handelns macht, handelt nicht nur wegen der Beliebigkeit der Perspektive willkürlich, sondern manchmal auch zum Schaden der Umwelt.
 

3.3 Das Model des unbegrenzten Wachstums

Eine einseitige Verabsolutierung der unbegrenzten linearen-progressiven Zeitstruktur ist die Illusion des unbegrenzten Wachstums. Seit die “Grenzen des Wachstums” ins öffentliche Bewußtsein gedrungen sind, bekennt sich zwar niemand mehr ausdrücklich zu dieser Utopie. Das tut der Nachhaltigkeit dieses verzerrten Zeitbewußtseins jedoch keinen Abbruch, denn es wurde über Jahrhunderte zu einer scheinbaren Selbstverständlichkeit gepflegt. Daran erkennt man wieder, wie fundamental das Zeitbewußtsein für unser Leben ist und wie subtil es quasi unbewußt unser Denken und Handeln leitet. Man denke nur daran, wie selbstverständlich bis heute das Wachstum des Bruttosozialprodukts als Maßstab für wachsenden Wohlstand und Lebensqualität gehalten wird, so daß sich alle wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen daran orientieren. Und dies, obwohl allseits bekannt ist, daß das Bruttosozialprodukt zur Bemessung der subjektiven Lebensqualität völlig ungeeignet ist, daß es unter ökologischen Aspekten die unsinnigsten Handlungen provoziert und daß ein andauerndes Wachstum schon aus logischen Gründen unmöglich ist. Es ist übrigens ein Kennzeichen solcher Illusionen, daß sie kein Ziel kennen, über dessen Eigenwert nachgedacht werden könnte. Denn in einer linear-unbegrenzten Zeit kann es kein definitives Ziel geben, sonderur eine quantitative Steigerung.

Die Wachstumsillusion besitzt noch eine andere, nicht-wirtschaftliche Variante, die sich in einer zwar geschwächten, aber immer noch lebendigen Wissenschafts- und Technikgläubigkeit äußert. Man glaubt, daß sich für alle unsere Probleme eine naturwissenschaftlich-technische Lösung finden läßt. Zwar ist inzwischen zur allgemeinen Einsicht gelangt, daß alle solche Lösungen die Gefahr unbeabsichtigter und unerwünschter Nebenfolgen mit sich bringen. Doch man glaubt eben, daß auch für die neuen Probleme bald neue Lösungen zur Verfügung stehen, und so weiter. Die technokratische Wachstumsillusion besagt, daß unsere wissenschaftlich-technische Problemlösungskapazität schneller wächst als unsere Probleme, so daß alle Probleme im Griff gehalten werden können. Wie könnte man einen solchen Glauben rechtfertigen? Soweit ich sehe, gibt es keine rationalen Argumente für diese Zukunftsvision der Machbarkeit. Der Glaube scheint vielmehr nichts anderes als Ausdruck einer universalisierten linear-progressiven Zeitstruktur zu sein.
 
 

III. Zeitbewußtsein und Verantwortungsethik

Unser Zeitbewußtsein ist grundlegend für unsere Einstellung zu unserem Leben und unserer Umwelt ist. Es prägt ganz wesentlich unsere Wahrnehmung, bestimmt unsere Erwartungen, Wünsche und Ängste und leitet damit auch unsere Entscheidungen und Handlungen. Das gilt insbesondere, wenn wir durch Irritationen, wie sie durch globale ökologische Probleme ausgelöst werden können, zu Verzerrungen und Universalisierung einer Zeitstruktur verleitet werden. Das Zeitbewußtsein besitzt daher eine ethische Dimension, die bisher kaum thematisiert wurde. Für die Umweltethik und damit für die Frage nach einem verantwortlichen Umgang mit unserer Umwelt ist das Zeitbewußtsein ein zentraler Anknüpfungspunkt. Ich möchte daher abschließend die Frage behandeln, welches Zeitbewußtsein für eine Umweltethik angemessen erscheint.

Zunächst ist klar, daß die verschiedenen Formen der Verzerrung (Abs. II.3) keine angemessene Grundlage darstellen, weil sie zu falschen Problemwahrnehmungen verleiten. Eine möglichst realistische Einschätzung ökologischer Probleme, unserer natürlichen Umwelt und unserer eigenen Problemlösungskapazitäten setze ich als Grundvoraussetzung für verantwortliches Handeln voraus. Mit dem Katastrophenmodell, dem Kreislaufmodell und der Macher-Illusion wird zwar jeweils für sich ein Problembewußtsein angeschoben und Handlungsmotivationen freigesetzt, der Preis ist jedoch jeweils eine verzerrte Problemwahrnehmung, die lediglich einen blinden Aktionismus freizusetzen vermag. Und erst recht gilt für die verschiedenen Formen, dem wachsenden Zukunftsdruck kompensatorisch durch einseitige Vergangenheits- oder Gegenwartsfixierung zu begegnen, daß sie die Probleme ausblenden statt möglichst realistisch einzuschätzen und daher keine Basis für verantwortliches Handeln darstellen können.

Die Frage nach dem angemessenen Zeitbewußtsein für eine Umweltethik führt damit zu der Frage, wie wir die Verzerrungen als Resultat der Irritationen durch ökologischen Probleme vermeiden können, ohne dabei die Probleme selber zu verdrängen. Wir haben gesehen, daß ein Grundzug aller Irritationen eine verstärkte Zukunftsorientierung darstellt. Die Sorge um die Zukunft ist aber zugleich eine wesentliche moralische Voraussetzung für verantwortliches Handeln, denur wem die Folgen seiner Handlung nicht gleichgültig sind, der ist empfänglich für moralische Verantwortlichkeit. Damit stoßen wir auf ein Phänomen, das ich “Zukunftsfalle” nennen möchte: Einerseits ist die Sorge um die Zukunft eine notwendige moralische Bedingung für Verantwortlichkeit, andererseits führt sie aber auch zu Verzerrungen der Problemwahrnehmung und ist dann eine kognitiven Behinderung verantwortlichen Handelns. Das Resultat ist blindes moralisches Engagement, daß zwar gesinnungsethisch lobenswert erscheinen mag, aber verantwortungsethisch äußerst bedenklich ist.

Gibt es einen Ausweg aus der Zukunftsfalle? Wenn meine Überlegungen in Abschnitt I.3 richtig sind, dann sind alle Verzerrungen das Ergebnis von Universalisierungen einer Zeitstruktur, die wiederum durch Grundstimmungen befördert sind. Infolge dessen läßt sich die Zukunftsfalle vermeiden, wenn man die Universalisierung einer Zeitstruktur vermeidet, indem man sich nicht von Grundstimmungen ergreifen läßt und die Pluralität der Zeitstrukturen und -modi bewußt hält.

Das Gefühl der Sorge um die Zukunft ist zwar eine notwendige moralische Bedingung für Verantwortlichkeit, nicht aber die Grundstimmung der Sorge oder Angst. Grundstimmungen sind pauschalisierte, auf Dauer gestellte Gefühle ohne konkreten Gegenstands- oder Handlungsbezug. Für moralische Verantwortlichkeit reicht es dagegen aus, wenn wir uns in den konkreten und relevanten Fällen Sorgen machen, nämlich in solchen, bei denen unsere Handlungen überhaupt voraussehbare problematische Folgen in der Zukunft haben können. Wenn man Problembewußtsein als weitere Bedingung für Verantwortlichkeit ansetzt, dann läßt sich sogar behaupten, daß Grundstimmungen die Möglichkeit von Verantwortlichkeit ausschließen. Denn Grundstimmungen wie pauschalisierte Sorge oder Angst lähmen ja gerade das Bewußtsein, zwischen problemrelevanten und -irrelevanten Fällen unterscheiden zu können. Wir können daher schließen, daß ein für die Umweltethik angemessenes Zeitbewußtsein frei von Grundstimmungen und den damit einhergehenden Universalisierungen bestimmter Zeitstrukturen ist.

Wie kann man das angesichts der Irritationen durch globale ökologische Probleme erreichen? Zum einen scheint es wichtig, daß man dem Problemdruck nicht in der Weise erliegt, daß die Zukunft (Erwartung) zum alles dominierenden Zeitmodus wird. Vergangenheit (Erinnerung) und Gegenwart (aktuelle Wahrnehmung) müssen ihre eigenständige Bedeutung behalten und sollten auch unabhängig von einem zukunftsorientierten Problembewußtsein vergegenwärtigt und erlebt werden können. Zum anderen kann man sich vor einem einseitigen Zeitbewußtsein dadurch bewahren, daß man sich die Vielfalt möglicher Zeitstrukturen stets vergegenwärtigt. In Abschnitt I.2 wurde gezeigt, daß wir für die Hauptbereiche der eigenen Lebenszeit, der kulturellen Zeit und der Naturzeit jeweils ganz verschiedene Zeitstrukturen aktualisieren können. Es ist lediglich eine Frage der Aufmerksamkeit und der Bereitschaft, die jeweiligen Perspektiven einzunehmen, ob man die Pluralität der Zeitstrukturen wahrnimmt oder nicht. In jedem Fall kann man die Vergegenwärtigung sowohl der Zeitmodi als auch der Pluralität von Zeitstrukturen lernen und üben, um sich vor Verzerrungen des Zeitbewußtseins und vor pauschalen Grundstimmungen zu bewahren.

Gibt es darüber hinaus besondere Kriterien für ein der Umweltethik angemessenes Zeitbewußtsein? Wenn man Umweltethik mit Hans Jonas als Ethik der Verantwortung für zukünftige Generationen betrachtet, dann ist insbesondere davor zu warnen, eine linear-progressive Zeitstruktur für die Zukunft anzusetzen.[10] Zwar betrachten Umweltbewegungen heute meist eine zukunftsvergessene und damit verantwortungslose Gegenwartsfixierung als Ursache ökologischer Probleme. Kulturhistorisch scheint aber eher umgekehrt der seit dem 18. Jahrhundert verstärkt auftretende zukunftsorientierte Fortschritts- und Optimierungsglaube – als säkularisierte Form christlicher Heilsgeschichte – verantwortlich zu sein.[11] Nicht Zukunftsvergessenheit, sondern eine übermäßige Fürsorge für die Zukunft haben dazu geführt, daß man diejenigen Lebensbedingungen zu optimieren versuchte, die man als erstrebenswert für sich selbst und damit auch für alle zukünftigen Generationen erachtete. Erst die Überschätzung der eigenen Wissens- und Bewertungskompetenzen haben im Übereifer Handlungsfolgen geschaffen, die uns heute als ökologische Probleme begegnen.

Hans Jonas’ kategorischer Imperativ seiner Verantwortungsethik “Gefährde nicht die Bedingungen für den indefiniten Fortbestand der Menschheit auf Erden.”[12] gibt Hinweise auf ein diesbezüglich angemessenes differenziertes Zeitbewußtsein. Nicht Fortschritt oder Optimierung, sondern Erhalt von Lebensbedingungen ist das Ziel seiner Verantwortungsethik. Daher wäre anstelle der linear-progressiven Zeitstruktur eine unbegrenzte linear-konstante Zeitstruktur für die notwendigen Lebensbedingungen zu setzen. Jonas’ emotionale Balance aus heuristischer Furcht und Hoffnung[13] schärft nicht nur die Aufmerksamkeit für mögliche Bedrohungen der Lebensbedingungen und motiviert in diesen Fällen zur Handlung, sondern vermeidet insbesondere pauschalisierte Grundstimmungen, die zu einseitigem linear-degressiven oder linear-progressivem Zeitbewußtsein führen. Darüber hinausgehende Optimierungsmöglichkeiten sind angesichts unseres begrenzten Wissens mit “verantwortlicher Zurückhaltung”[14] zu behandeln. Unsere fürsorgliche Verantwortung sollten wir darauf richten, einschneidende und irreversible Veränderungen der Lebensbedingungen möglichst zu vermeiden. Wir sind nicht dafür verantwortlich, die Lebensbedingungen unserer Kinder und Kindeskinder nach unseren beschränkten Vorstellungen zu optimieren. Aber wir sind dafür verantwortlich, Optionen für deren eigenverantwortliche Lebensgestaltungen offen zu halten. Für diesen Bereich konkreter Lebensgestaltung ist daher eine linear-zukunftsoffene Struktur das angemessene Zeitbewußtsein.

Ökologische Probleme als Kommunikationsproblem (Luhmann)

by Redaktion on Apr 4, 2011 • 07:13 Keine Kommentare


Soziozentrierte Ansätze
1. Ökologische Probleme als Kommunikationsproblem (Luhmann)

“Es geht nicht um die vermeintlich objektiven Tatsachen: daß die Ölvorräte abnehmen, die Flüsse zu warm werden, die Wälder absterben, der Himmel sich verdunkelt und die Meere verschmutzen. Das mag alles der Fall sein, erzeugt als physikalischer, chemischer oder biologischer Tatbestand jedoch keine gesellschaftliche Resonanz, solange nicht darüber kommuniziert wird. Es mögen Fische sterben oder Menschen, das Baden in Seen oder Flüssen mag Krankheiten erzeugen, es mag kein Öl mehr aus den Pumpen kommen und die Durchschnittstemperaturen mögen sinken oder steigen: solange darüber nicht kommuniziert wird, hat dies keine gesellschaftlichen Auswirkungen. Die Gesellschaft ist ein zwar umweltempfindliches aber operativ geschlossenes System. Sie beobachtet nur durch Kommunikation.
Sie kanicht anders als sinnhaft kommunizieren und diese Kommunikation durch Kommunikation selbst regulieren.
Sie kann sich also nur selbst gefährden

Die Produktion, der Transport und die Nutzung der Energie haben einen großen Einfluss auf die Umwelt und das Ökosystem. Wenn es um die Energie geht, ist der Einfluss auf die Umwelt fast immer negativ. Das bezieht sich auf die ökologischen Katastrophen (z. ß. die Ölpest, saurer Regen, radioaktive Strahlung) und indirekte Konsequenzen wie globale Erwärmung. Da die energetischen Bedürfnisse der Menschheit in den nächsten Jahrzehnten steigern werden, muss man einige Maßnahmen einsetzen, damit der Einfluss der energetischen Ausnutzung auf die Umwelt reduziert werden könnte. Die gefährlichsten Energiequellen sind im Moment fossile Treibstoffe, z. ß. die Kohle, das Erdöl und das Erdgas. Potentielle Gefahr ist auch der verwendete radioaktive Treibstoff aus deuklearen Kraftwerken (hochradioaktiver Abfall). Fossile Treibstoffe sind gefährlich, weil durch die Verbrennung großer Quantität des CO2 freigelassen werden. Radioaktiver Abfall ist wegen seines Einflusses auf die Struktur des Organismus auf dem grundlegenden Niveau sehr schädlich.

Ein riesiger Teil der Energie auf der Welt wird aus den ökologisch inakzeptabeln Energiequellen gewonnen, besonders aus den fossilen Treibstoffen. Ihre Basis ist der Kohlenstoff und durch die normale Verbrennung dieses Treibstoffs entsteht das Kohlendioxyd (CO2), das Treibhausgas. Es geht in die Atmosphäre und mit seinem Effekt verursacht die globale Aufwärmung. Eioch gefährliches Gas, das durch mangelhafte Verbrennung der Treibstoffen ( Verbrennung ohne genug Sauerstoff ) entsteht, ist das Kohlenmonoxyd (CO). Das ist ein sehr giftiges farbloses Gas, ohne Geschmack oder Geruch und die Konzentration von 0.6% verursacht bei den Menschen den Tod innerhalb von 15 Minuten.

Im Augenblick ist keiner der fossilen Treibstoffe komplett sublimiert und während der Verbrennung entsteheoch immer einige schädliche Gase wie Schwefeldioxyd oder Oxyde des Nitrogens. Diese Gase reagieren mit dem Wasserdampf in den Wolken und Tropfen werden formiert, die dann in der Form der schwachen Schwefel- und Salpetersäure – saurer Regen auf die Erde fallen und ihren schädlichen Einfluss auf alle Ökosysteme verbreiten. Bei der Verbrennung einiger Energiequellen entstehen auch kleine mineralische Partikeln, aus denen die Asche besteht. Ein Teil dieser Partikeln gerät in die Atmosphäre in Form des Dunstes und diese Partikeln werden gefährlich für die Gesundheit.

Der Einfluss einiger Energiequellen auf die Umwelt

Oberflächliches Ozon in New York. Oberflächliches Ozon kann die Reizung der Luftkanäle verursachen.

Die Ausnutzung der ökologisch akzeptabeln Energiequellen ist auf dem globalen Niveau noch immer viel zu klein und deswegen muss man mehr Aufmerksamkeit auf die ökologische Probleme, die durch die Verbrennung der fossilen Treibstoffe entstehen, nicht nur aus dem energetischen, sondern auch aus dem ökologischen Standpunkt richten. Verschiedene Energiequellen beeinflussen die Umwelt auf verschiedenen Weisen, besonders dort, wo diese Quellen hergestellt, transportiert oder benutzt werden. Auf dem Bild rechts ist das oberflächliche Ozon gezeigt als Beispiel des Effekts von großen Ausnutzung des Treibstoffs auf die Qualität der Luft. Oberflächliches Ozon entsteht wenn das Stickoxyd in der miefenden Luft und während des schönen Wetters mit den verdunsteten organischen Verbindungen reagiert. Das Stickoxyd entsteht meistens durch die Verbrennung der fossilen Treibstoffe und verdunstete organische Verbindungen aus dem Dunst von Treibstoffen, verschiedenen Lösungsmitteln u. a. Oberflächliche Ozon kann die Entzündung der Luftkanäle, die Reduktion der aeroben Kapazität der Lunge, Reizung der Augen und der Nase verursachen und allgemein die Fähigkeit der Menschen bei der alltäglichen Arbeit reduzieren. Oberflächliches Ozon ist nur ein der Probleme, die mit der Energie verbunden sind. Die Beschreibung von anderen Effekten einiger Energiequellen auf die Umwelt wird in der Fortsetzung gegeben:

  • Fossile Treibstoffe – sie haben deegativsten Einfluss auf die Umwelt. Durch ihre Verbrennung werden riesige Quantitäten des Kohlenstoffes in die Atmosphäre ausgesendet. Dieses Kohlenstoff, das innerhalb Millionen von Jahren sedimentiert und dann mit Schichten von Felsen und der Erde bedeckt wurde, wird im der Atmosphäre zum Kohlendioxyd, das ein Treibhausgas ist und einen großen Einfluss auf die Temperaturen auf der Erde hat.

  • Bioenergie (Biotreibstoffe) – sie verursachen die gleichen Probleme wie fossile Treibstoffe, aber sind weniger schädlich, weil mit ihrer Produktion der Kohlenzyklus geschlossen wird. Das bedeutet, die Pflanzen, die für die Produktion der Biotreibstoffe verwendet werden, nehmen währen ihres Wuchses aus der Atmosphäre bestimmte Quantitäten des Kohlenstoffes, die später durch die Verbrennung der Biotreibstoffe zurück in die Atmosphäre geraten. Bei den fossilen Treibstoffen ist das nicht der Fall, sondern der Kohlenstoff wird nur in die Atmosphäre ausgesendet.

  • Sonnenenergie – sie hat großes Potential, aber wegen der kleine Ausnutzung sollte man große Oberflächen bedecken, um größere Quantitäten der verwendbaren Energie zu bekommen. Das ist ökologisch nur in den Gebieten akzeptabel, wo es keine Vegetation gibt ( Wüsten ) und in den „grüneren“ Gebieten würde das der Umwelt schaden. Die Installation der Solarkollektoren oder Solarzellen auf den Dächern hat fast keineegativen Einfluss auf die Umwelt.

  • Windenergie – bei dieser Energie gibt es keinen größereegativen Einfluss auf die Umwelt. Aus dem ökologischen Standpunkt, der einzige Nachteil der Windkraftwerke ist der negative Einfluss auf die Vögelpopulation (Propeller toten die Vögel). Kleinere Einwände sind visuelle Umweltverschmutzung, Zerstörung der unbeschädigten Natur durch den Bau der Strassen zu den Windmühlen und Abweichung des Geräusches der niedrigen Frequenz, das negativ auf die Gesundheit der Menschen wirkt (Störungen beim Schlafen, Kopfschmerzen).

  • Wasserenergie – verursacht keine Umweltverschmutzung, aber die Infrastruktur kann auf die Umwelt beträchtlich wirken. Durch den Bau der großen Dämme werden enormen Oberflächen überflutet und das Niveau der unterirdischen Wässer steigt. Das kann das ganze lokale Biosystem verändern. Ein weiteres Problem ist die Überschneidung der natürlichen Strömungen der Wässer sein, was auf die Bewegungen einiger Wassertiere Wirkung hat.

  • Nukleare Energieproduktion der Energie in deuklearen Kraftwerken ist ein Sauberer Prozess. Es gibt keine Treibhausgase oder andere Verschmutzungen. Die einzige Sache, die auf die Umwelt wirken kann, ist die Aufwärmung des Wassers für die Kühlung des Reaktors. Das größte Problem ist der benutzte Treibstoff, der sehr radioaktiv ist und muss mehrere Jahrhunderte in speziellen Speichern unter der Erde aufgehoben sein.

  • Geothermische Energie – es gibt keine Verschmutzung. Wie bei anderen erneuerbaren Energiequellen muss für die Ausnutzung der geothermischen Energie spezielle Infrastruktur gebaut werden, aber ihrer Einfluss auf die Umwelt ist sehr klein im Vergleich zu der Quantität der gewonnenen Energie.

Kyoto Protokoll und globale Aufwärmung

Das Freilassen von Treibhausgasen in die Atmosphäre trägt am meisten die Schuld fùr die globale Aufwärmung.

Trotz der Tatsache dass in einigen Bereichen Fortschritte in der Milderung der globalen klimatischen Veränderungen gemacht worden sind, ist der allgemeine Fortschritt noch nicht befriedigend. Es gibt noch immer einige Unklarheiten, die gelöst werden müssen, um die globale Aufwärmung zu stoppen. Emissionen der Treibhausgase in die Atmosphäre wurdeicht beträchtlich reduziert und die Widersacher des Kyoto Protokolls, der die wichtigste Rolle bei der Reduzierung der Emissionen hat, sagen, diese Reduzierung würde die Ökonomie sehr belasten. Genaue Analysen wurden durchgeführt, deren Resultat gezeigt hat, dass der ökonomische Verlust nicht so groß sein würde im Vergleich mit den positiven Einflüssen der Reduktion der Emission von Treibhausgasen. Amerika hat den Protokoll unterschrieben, aber noch nicht ratifiziert und es ist nicht bekannt, ob das der Fall sein wird, weil der Protokoll nur bis 2012 gültig ist, wann er mit einem anderen Vertrag ersetzt werden soll. 172 Staaten aus der Liste der Staaten, die den Protokoll unterschrieben und ratifiziert haben, produzieren 61,6 % der weltlichen Emissionen von Treibhausgasen. Australien hat auch das Protokoll nicht ratifiziert. China und Indien haben ihn ratifiziert, obwohl die Emissionen nicht reduziert werden sollen und man stellt sich die Frage, ob dieser Protokoll etwas beeinflussen kann, wenn z. ß. Amerika in die Atmosphäre mehr schädliche Gase als alle andere Länder zusammen aussenden und den Protokoll noch nicht ratifiziert hat. Dieser Protokoll wird nicht genügen ohne gesetzliche Unterstützung und auf diesem Bereich soll maoch arbeiten. Zu diesem kommeoch das Problem der Unterdrückung der ökologischen Katastrophen und die Verschmutzung der Natur.

Saurer Regen

Die Konsequenzen der saurer Regen. Die Saueren Regen können einen großen Einfluss auf das ganze Ökosystem haben.

Sie entstehen wenn freie Schwefel- und Stickoxyde sich mit dem Wasserdampf in der Atmosphäre verbinden und chemische Verbindungen der Schwefel- und Salpetersäurefallen auf die Erde in der Form von Sturzregen. Saurere Regen sind ein der wichtigsten Gründe der Atrophie der Wälder, weil sich das Schwefeldioxyd in der Luft in der Verbindung mit dem Wasserdampf in die Schwefelsäure umwandelt, die fatal auf die Flora wirkt. Diese Säure ist besonders schädlich für die grünen Pflanzen, weil sie die Photosynthese stoppt und die Konsequenz ist die Beschädigung der Blätter und am Ende die Atrophie der Wälder. Die Schwefelsäure schmälzt die Nahrung ( Kalzium ), die für den Aufbau der Zelleotwendig ist und beschädigt auch die Wurzel und Blätter und ihre Gewebe. Saurer Regen verschmutzen auch die Wässer und ihr Ph wird drastisch reduziert. Die Konsequenz ist die Verletzung des ganzen Ökosystems, weil die große Reduzierung des Phs zum Aussterben der Mikroorganismen führt und es entsteht das Problem des Trinkwassers. Die Verschmutzung des Wassers ist das größte Problem, weil die Verschmutzung aus der Luft durch saurere Regen die Erde und zu den Oberflächen- und Unterirdischenwasser gebracht wird. Wegen des saurer Regen werden die Quantitäten des Trinkwassers auf dem globalen Niveau reduziert und das größte Problem in der Zukunft wird die Versorgung der Menschheit mit dem Trinkwasser sein. Obwohl es Fortschritte in der Unterdrückung der sauerer Regen gibt ( in Amerika verwendet man Methoden der Reinigung der Kohle, um die gefährliche Verbindungen des Schwefels aus der Kohle zu isolieren ), die Gefahr ist noch nicht vorbei. Obwohl das größte Problem die globale Aufwärmung ist und saurere Regen die zweite Positioehmen, sind sie noch immer ein großes Problem in einigen Ländern in Asien, z. ß. China wird wegen der sehr entwickelten Industrialisierung mit diesem Problem noch langeicht fertig sein.

Ölpest

Der Vögel voll geschmiert mit dem Erdöl nach dem Schwimmen im Erdölfleck, der von dem Tanker Exxon Valdez gemacht wurde.

Ein großes Problem sind auch mögliche Beschädigungen der Tanker während dessen es zu den größeren Ölpesten kommen kann. Es gibt auch andere Gründe wie z. ß. Funktionsstörungen an der Ausstattung, Kriege zwischen den Staaten, terroristische Angriffe und illegale Ölpest, weil man die Kosten des Ablegens des Abfalls reduzieren will. Es gibt auch natürliche Ursachen in der Form der Orkane, die das Umwenden von Tankern verursachen können. Die Ölpest hat schreckliche Effekte auf das ganze Ökosystem, in dem es zur Ölpest kam: die Vögel sterben falls ihre Federn mit dem Erdöl geschmiert sind, weil sie das Erdöl wegmachen wollen und dann kommt es zur Vergiftung und zum Tod. Das gleiche passiert zu den anderen Tieren wenn das Erdöl in ihre Lunge oder Leber kommt. Die größte Ölpest passierte im Jahr 1989 und bezieht sich auf den Tanker Exxon Valdez. Damals wurde 42 Millionen Litern des rohen Erdöls ins Meer ergossen. Obwohl die Firma Exxon mehr als 2 Milliarden $ für die Reinigung des Meeres und der Küste ausgegeben hat, gab es schreckliche Konsequenzen. Sehr viele Arten der Flora und Fauna sind für immer aus dem Meerbusen Cook und dem Meerpassage Princ William verschwunden. Die Versuche der Reinigung wareach der Meinung der Experte auch schlecht, weil die Reinigungsmitteln und verschiedene Chemikalieoch mehr das Meer verschmutzt haben. Um die negativen Konsequenzen der Ölpest zu verringern, hat Congress, das amerikanische Repräsentantenhaus 1990 Ocean Pollution Act ( OPA ) hervorgebracht, in dem besonders folgende Absätze betont waren: Jeder, der einen Tanker besitzt, muss einen Plan im Fall einer möglichen Katastrophe haben und dieser Plan muss in schriftlicher Form sein; der Rumpf der Tanker muss doppelte Schale sein; jeder Besitzer muss 1200$ für jede Tonne des ergossenen Erdöls bezahlen; die Küstenwache muss wissen und Anweisungen dem Tanker geben, wo es ohne Gefahr fahren kann. Aber so lange wie das Erdöl als primärer Energent bezeichnet wird, werden weitere Katastrophen und Verschmutzungen der Ozeane passieren. Obwohl positive Fortschritte in Form schon genannten Maßnahmen aus dem OPA gemacht wurden, werden es noch immer schreckliche Konsequenzen der Ölpest geben.

Nukleare Gefahren

Nukleare Kraftwerke sind sicher, wenn man mit ihnen richtig umgeht.

Das schrecklichste Beispiel einer nuklearen Katastrophe ist Chernobyl, das genau gezeigt hat, wie große Dimensionen eine nukleare Katastrophe haben kann. Dadurch wurde auch klar, dass maximale Sicherheitsmaßnahmen eingeführt werden müssen und dass die Regierungen der Staaten die Zahl von Projekten des Aufbaus der nuklearen Kraftwerke reduzieren sollen. Dieser Katastrophe hat die Formierung einer radioaktiven Wolke verursacht, die sich auch auf die Gebiete außer der Sowjetunion ausdehnte und viele Opfer nahm (die Besatzung des Kraftwerks, die Retter und Feuerwehrmänner, die schnell nach der Explosion starben und die Menschen, die wegen der Entblössung zur radioaktiven Strahlung in Jahreach der Explosion starben – ungefähr 30.000 Menschen). Das Problem sind nicht nur mögliche Beschädigungen und Explosionen, sondern auch die Versorgung des radioaktiven Abfalls, der auch fatal sein kann. Bis jetzt gibt es noch immer keinen Weg, den ausgenutzteuklearen Treibstoff für immer zu neutralisieren, aber es gibt positive Fortschritte, die das Problem der Speicherung des nuklearen Abfalls reduzieren könnten. Man hat aber noch immer verschiedene Theorien über die Orte der Speicherung und jetzt sind das verlassene Minen und ländliche und unbesiedelte Gebiete, was ist keine langfristige Lösung.

Schlussfolgerung

Menschen werden in der Zukunft viel mehr die sauberen Energiequellen benutzen müssen.

Die Menschheit wird in der nähen Zukunft ökologisch akzeptierbare Energiequellen finden müssen, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Im Augenblick sind das erneuerbare Energiequellen, aber man kanicht erwarten, dass diese Quellen sich genug entwickeln und kommerzialisieren werden, um immer größere Bedürfnisse zufrieden zu stellen. Die Sonnenenergie wird nicht genügend ausgenutzt und ist teuer, die Windenergie steht nicht überall in genügenden Quantitäten zur Verfügung, energetische Potentiale des Wassers sind schon jetzt fast ausgenutzt. Geothermische Energie kann optimal nur an den tektonischen Spalten, d. h. an den Orten wo thermale Energie aus dem Inneren der Erde in die Nähe der Oberfläche kommt, ausgenutzt werden. Energie der Ebbe und Flut und Energie der Wellen haben großes Potential, aber wegen der reduzierten Verfügbarkeit wird sehr wenig der Energie aus diesen Quellen generiert.

Bioenergie oder Biotreibstoffe werden als Alternative für fossile Treibstoffe angesehen, aber auch sie senden Treibhausgase in die Atmosphäre aus und sind ökologisch inakzeptabel. Mit den Biotreibstoffen ist ein ethisches Problem verbunden. Sie werdeämlich aus dem Zuckerrohr, Mais, der Soja, Rübe und aus den anderen Pflanzen, die als Nahrung dienen, produziert. Deswegen produzieren die reichen Staaten ihre Biotreibstoffe auf der Weise, dass sie die Nahrung in den Treibstoff umwandeln, während viele Menschen auf der Erde unter dem Hunger leiden und sterben und diese Nahrung würde ihr Leben retten.

“Reine” Energie in großen Quantitäten kann im Augenblick nur in deuklearen Kraftwerken produziert werden. Nukleare Kraftwerke haben fast keinen Einfluss auf die Umwelt, wenn während der Ausnutzung alle Regeln gefolgt werden. Außer Chernobyl gab es keine größere Probleme mit deuklearen Kraftwerken und Chernobyl Katastrophe kann sich nicht wiederholen, weil alle moderneuklearen Kraftwerke sehr viel auf aktive und passive Sicherheit ausgeben. Neben den Forschungen auf dem Feld der Sicherheit der Kernspaltung entwickeln sich im Augenblick viele Technologien, die für die Produktion der Energie in der Zukunft nützlich sein könnten. Am meisten verlässt sich man auf das ITER Projekt. ITER ist internationales Projekt, in dem sich die Technologie für die Ausnutzung der Kernfusion entwickelt. Kernfusion ist das Verbinden der zwei leichten Atome in ein schweres und dabei wird Energie freigelassen. Dieses Verfahren sollte ganz ökologisch akzeptabel sein (keine starke Strahlung, keine Treibstoffgase,…).

 Landwirtschaft im Spannungsfeld, zwischen Wachsen und Weichen

Eine Denkschrift der Kammer der Evangelischen Kirche in Deutschland für soziale Ordnung. in: Die Denkschriften der Evangelischen Kirche in Dutschland, Bd. 2/3 Soziale Ordnung, 2000

 

 

 

 

1. Einleitung: Agrarische, ökologische und entwicklungspolitische Probleme der Gegenwart – eine Herausforderung an alle Gruppen der Gesellschaft

1.1 Tiefgreifende Strukturveränderungen

(1) Die evangelische Kirche hat die tiefgreifenden Strukturveränderungen der Landwirtschaft in der Bundesrepublik nach dem Kriege mit Aufmerksamkeit begleitet. Im Jahre 1965 brachte der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland eine viel beachtete Denkschrift zur »Neuordnung der Landwirtschaft als gesellschaftliche Aufgabe« heraus. Mitte der 70er Jahre folgte eine Verlautbarung zu der Situation der strukturschwachen ländlichen Gebiete mit dem Titel »Sterben die Dörfer aus. Die Landwirtschaft mußte in diesem Zeitraum von fast 20 Jahren mit schwierigen Entwicklungen fertig werden. Dabei hat sie eine große Flexibilität, Anpassungs- und Umstellungsbereitschaft gezeigt.

(2) Mit wenigen Zahlen läßt sich der tiefgreifende Strukturwandel kennzeichnen:

  • Der Anteil der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen betrug vor 100 Jahreoch 40%, er sank auf 14% Im Jahre 1950, 10% im Jahre 1965 und knapp 5% heute. Rechnet man alle Arbeitskräfte landwirtschaftlicher Betriebe auf Vollarbeitskräfte um, dann arbeiteten beim Erscheinen der ersten Landwirtschaftsdenkschrift 1965 rd. 1,8 Mio. Vollarbeitskräfte in der Landwirtschaft. Heute beträgt die Zahl der Vollarbeitskräfte nur noch rd. 900000. Die Verminderungsrate belief sich also in 20 Jahren auf 50 %.
          
         

  • Obwohl sich die Anzahl der Vollarbeitskräfte in der Landwirtschaft seit 1949 insgesamt auf rd. ein Viertel verminderte, ist die Nahrungsmittelproduktion im gleichen Zeitraum auf das Doppelte gewachsen. Die große Steigerung der Agrarproduktion bei gleichzeitiger erheblicher Verminderung der Arbeitskräfte bedeutet, daß die Arbeitsproduktivität enorm zugenommen hat. Eine landwirtschaftliche Arbeitskraft versorgte 1949 zwölf Personen, heute dagegen 62 mit Nahrungsmitteln, allerdings unter Einschaltung von immer mehr vor- und nachgelagerten gewerblichen Bereichen.
          
         

  • Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe mit mehr als 1 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche betrug 1949 noch rd. 1,6 Mio., bis zum Jahre 1965 sank die Zahl auf rd. 1,2 Mio. – davon rd. 500 000 Vollerwerbsbetriebe – und gegenwärtig existiereoch rd. 750 000 Betriebe. Rund die Hälfte davon werden im Vollerwerb bewirtschaftet, rd. 40% im Nebenerwerb und rd. 10% im Zuerwerb. In jedem zweiten landwirtschaftlichen Betrieb sind demnach die Inhaber in teilweise beachtlichem Umfang außerbetrieblich erwerbstätig und ergänzen so das betriebliche Einkommen.

(3) Der rasche und tiefgreifende Strukturwandel war in vielen Einzelfällen mit menschlichen Problemen, persönlichen Opfern und sozialen Härten verbunden. Für viele Betroffene hatte er auch positive Auswirkungen. Nicht wenige Menschen haben außerhalb der Landwirtschaft eine befriedigende berufliche Existenz gefunden und können weiterhin in ihrer vertrauten ländlichen Umgebung wohnen. In der Landwirtschaft sind durch die technischen Entwicklungen viele Arbeitserleichterungen erzielt worden. Dadurch verminderte sich die körperliche Belastung. Andererseits erfuhr der einzelne eine fortdauernde Anspannung und Hektik, da mit immer weniger Arbeitskräften produziert werden mußte. Weil aus politischen und sozialen Gründen die Nahrungsmittelpreise relativ stabil gehalten wurden, die Flächenausstattung je Betrieb bei der kleinteiligen Agrarstruktur in der Bundesrepublik Deutschland aber nur wenig vergrößert werden konnte, blieb den Landwirten unter den gegebenen Rahmenbedingungen keine andere Wahl, als durch Rationalisierungen und Produktionssteigerungen mit Hilfe von Technik, Chemie und aufgekauften Futtermitteln ein befriedigendes Einkommen anzustreben.

1.2 Zuspitzung der Situation landwirtschaftlicher Betriebe

(4) Besonders schwer haben es heute die rd. 100 000 Landwirte, deren Einkommen zum unteren Viertel der Einkommenskala zählt. Um es zu verbessern, müßten sie ihre Betriebe erweitern. Dazu fehlt jedoch oft das Kapital. Flächenaufstockungen sind meist ebenso wenig möglich wie der Übergang zum Zu- oder Nebenerwerb, da die außerlandwirtschaftlichen Arbeitsplatzangebote immer rarer werden. Also sind sie weiter ausschließlich auf das Einkommen aus der Landwirtschaft angewiesen und leisten großen Arbeitseinsatz ohne mittel- und langfristige Zukunftsperspektiven. Überdies wirkt der sich verstärkende Verdrängungswettbewerb innerhalb der Landwirtschaft nicht selten belastend auf die Dorfgemeinschaft.
Aber auch die Landwirte mit ausreichendem Einkommen sehen sich vor Problemen. Sie fragen, ob sie die Erträge bei immer größerem Einsatz von chemischen und pharmazeutischen Mitteloch weiter steigern sollen. Viele, die ihre Betriebe oft nach eingehender Beratung mit erheblichem Fremdkapital erweitert haben, befürchten bei der verschlechterten gesamtwirtschaftlichen und haushaltspolitischen Lage und der Überschüsse in der Europäischen Gemeinschaft eine Senkung ihres Realeinkommens, so daß sie den Schuldendienst nicht mehr finanzieren können. Inhaber mittelgroßer Betriebe fragen, ob sie zu denen gehören die trotz aller Rationalisierung und Spezialisierung in Zukunft noch existenzfähig sein werden.

1.3 Zuspitzung der ökologischen Probleme

(5) In dieser spannungsvollen, von Belastungen und Gegensätzen gekennzeichneten Situation sieht sich die Landwirtschaft dazu noch wachsender öffentlicher Kritik ausgesetzt. Sie setzt bei der Subventionspolitik des Staates und der Europäischen Gemeinschaft an, bei der Überschußproduktion, bei der Verdrängung der kleinen und immer mehr auch der mittleren bäuerlichen Betriebe mit ihren, wie man meint, vielfach umweltfreundlicheren Arbeits- und Produktionsverfahren. Während man in den 6oer Jahren den Bauericht selten Rückständigkeit vorwarf und von ihnen eine noch schnellere Anpassung an die Erfordernisse einer modernen Industriegesellschaft mit rationellen Produktionsverfahren verlangte, wird nicht selten Kritik daran geübt, daß die Landwirtschaft diesen Umstellungs- und Anpassungsprozeß geleistet hat. Sie wird mitverantwortlich gemacht für Grundwasserverunreinigungen, Schädigungen von Boden und Landschaft, Belastungen der Nahrungsmittel mit Fremdstoffen, Verringerung der Artenvielfalt und bedenkliche Methoden in der Tierhaltung.

(6) Hierbei ist der Blickwinkel von Kritik und Gegenkritik oft verengt. So lassen Natur- und Tierschützer häufig außer acht, daß die Landwirte im europäischen Wettbewerb ein angemessenes Einkommen erwirtschaften müssen. Vor allem auf lokaler Ebene übersehen sie allzu leicht, daß nicht wenige der betroffenen Bauern Existenzsorgen haben. Agrarpolitiker, Produzenten und berufsständische Vertreter erkennen oft noch ungenügend, daß es mit den Interessen der Landwirte durchaus vereinbar sein kann, wenn der Spielraum für die Nutzung technisch-ökonomischer Möglichkeiten durch Forderungen von Ökologie und Tierschutz eingeengt wird. Verbraucher verkennen oft, daß maicht beides gleichzeitig haben kann: Immer preiswertere und zugleich rückstandsfreiere Nahrungsmittel. So sieht jeder sein einseitiges Interesse, anstatt ökologische Notwendigkeiten und ökonomische Erfordernisse in ihrer unauflöslichen Verbindung zu sehen.

(7) Dabei drängt die Zeit, wenn Natur und Landschaft für kommende Generationen funktionsfähig erhalten bleiben sollen.

  • Über ein Drittel der 7,5 Mio. ha Wald der Bundesrepublik ist durch verschiedenste Umwelteinflüsse geschädigt; 100 000 ha des Waldbestandes sind krank oder schon tot; 1,8 Mio. ha zeigen erste Anzeichen von Umweltschäden. Was den Bäumen schadet, schadet auf längere Sicht auch den Pflanzen, den Tieren und den Menschen, ganz zu schweigen von den möglichen langfristigen Klimaauswirkungen.
          
         

  • Viele Pflanzen- und Tierarten sind schon ausgestorben, andere höchst gefährdet. Nach Schätzungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums sind zwischen 30 % und 50 % der gesamten Flora und Fauna in ihrem Fortbestand bedroht, also fast jede zweite Tier- und Pflanzenart
          
         

  • Die Schadstoffbelastung des Bodens, der Gewässer und des Grundwassers nimmt aus unterschiedlichen Ursachen in bestimmten Regionen (Industrienähe, Intensivanbaugebiete, durchlässiger Boden usw.) solche Ausmaße an, daß wirksame Gegenmaßnahmeicht mehr lange auf sich warten lassen dürfen.
          
         

  • In der Geflügelhaltung ist die Produktion schon fast ganz in Großbetriebe abgewandert. Die öffentliche Kritik an einer zu wenig artgerechten Tierhaltung nimmt immer mehr zu.

(8) Der Landwirtschaft ist keineswegs allein die Gefährdung der Umwelt anzulasten. Durch Industrie, Haushalt und Autoverkehr wird eine Vielzahl von Schadstoffen in die Umwelt abgegeben und teilweise in der Luft über weite Strecken verbreitet. Die Landwirtschaft ist so auf vielfältige Weise selber durch Umweltschäden betroffen. Das gilt nicht nur für die 100 000 Waldbauern. Auswirkungen des »sauren Regens« sind auch für die landwirtschaftlichen Böden und die Nutzpflanzen zu befürchten. Aber auch unersetzliche Biotope und Landschaften gehen z. B. durch die zunehmende Verstädterung, durch neue Industrieanlagen und den Straßenbau verloren. So nahm nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die landwirtschaftlich genutzte Fläche in der Bundesrepublik täglich um 186 ha ab, insgesamt waren das 68 000 ha im Jahr.

1.4 Verschärfung der Hunger-Überfluß-Problematik im Weltmaßstab

(9) Obwohl auf der Welt genügend Nahrungsmittel zur Verfügung stehen, nimmt die Zahl der hungernden Menschen zu: Dieser Satz kennzeichnet brennpunktartig die gegenwärtige Situation, die von massiven Widersprüchen bestimmt ist. Die Nahrungsmittelproduktion insgesamt gesehen ist in der Welt so groß, daß jedem Menschen die täglich notwendigen Kalorien für eine ausreichende Ernährung zur Verfügung stehen könnten, aber die oft zitierte Angabe der Weltbank, daß 800 Mio. Menschen in absoluter Armut bzw. unterhalb des Existenzminimums leben und täglich hungern, beweist, daß Nahrung für alle keine Realität ist.
Zwar sind mehr als 30 Jahre Entwicklungsbemühungeicht ohne Erfolg gewesen – in manchen »Schwellenländern« ist das Lebensniveau im Durchschnitt beachtlich gestiegen – aber oft ist die Situation großer Bevölkerungsgruppen in diesen Ländern keineswegs verbessert. Im ganzen hat sich vielmehr die Einkommensverteilung zu Lasten der Armen verschlechtert. Die groteske Situation, die sich heute aus der unterschiedlichen Verteilung und Nutzung der Naturgüter ergibt, läßt sich wie folgt charakterisieren:
(10) Einerseits:

  • werden die Agrarüberschüsse in der EG (Milchpulver, Butter, Rindfleisch, Wein) immer größer und sind kaum noch finanzierbar;
          
         

  • übersteigen die Ausgaben der Überschußfinanzierung bei weitem die Ausgaben europäischer Entwicklungshilfe;
          
         

  • werden die Folgekosten unseres Ernährungsüberflusses für den Gesundheitsbereich auf 20 Mrd. DM geschätzt;

andererseits:

  • verhungern in der Dritten Welt täglich 40000 Kinder, und 300 Mio. Kinder – das sind ein Viertel aller Kinder in der Dritten Welt – leiden an Mangel- und Fehlernährung;
          
         

  • gibt es in mehr als 4o Entwicklungsländern unter anderem infolge der Bevölkerungsentwicklung heute weniger Lebensmittel als vor zehn Jahren.

(11) Für diesen gegenwärtigen Zustand der Einkommensvertellung und Ressourcennutzung auf dieser Erde kann es keine Rechtfertigung geben. Wir sind gesellschaftlich, politisch und wirtschaftlich ein Teil dieser Welt. Vieles ist miteinander verknüpft, auch wenn dies nur sehr unvollkommen wahrnehmbar ist. Das Bibelwort »wenn ein Glied leidet, so leiden alle anderen Glieder mit« gilt auch im Weltmaßstab für das Leben der Völker. Unser künftiges Schicksal ist untrennbar mit dem der Menschen in den Entwicklungsländern verbunden. Die reichen Industrienationen verdanken ihren Wohlstand und Fortschritt zu einem Teil den bestehenden Austauschbeziehungen mit den Entwicklungsländern (z. B. dem Import von billigen Rohstoffen aus diesen Ländern oder den Beschäftigungswirkungen, die von Exporten in die Entwicklungsländer ausgehen).
Aus der vielfältigen Verknüpfung agrarpolitischer und entwicklungspolitischer Probleme ergibt sich als unabweisbare Konsequenz: Wir sind mitverantwortlich für die Lösung der sozialen Frage dieses Jahrhunderts. Diese Frage lautet: Wie können genügend Nahrungsmittel für alle Menschen in der Welt erzeugt und gerechter verteilt und der Welthandel so organisiert werden, daß nicht die einen immer mehr in Armut und Hunger versinken und die anderen mit den Überflußproblemen nicht fertig werden?

1.5 Herausforderung für alle Gruppen der Gesellschaft

(12) All diese Probleme sind keineswegs Anfragen allein an unsere Landwirtschaft. In der gegenwärtigen Diskussion wird vielfach zu wenig erkannt, wie sehr alle Gruppen unserer Gesellschaft von den angesprochenen Problemen betroffen sind. So erfahren sie etwa einerseits die Umweltbelastungen als immer bedrohlicher und tragen zugleich andererseits selbst erheblich zu Umweltbelastungen bei. Auch die Landwirtschaft leistet in vielerlei Hinsicht einen großen Beitrag zur Pflege und Erhaltung der Umwelt bis hinauf in hohe Bergregionen. Zugleich leidet sie auch selbst in besonderem Maße an Belastungen durch die moderne Industriegesellschaft. Nicht nur die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, sondern auch die Verbraucherwünsche bestimmen mit, wie und was ein Landwirt heute produziert und welche Produkte in starkem Maße importiert werden. Die Bauern können auf Dauer nur das nach Menge und Qualität herstellen, was von den Verbraucherachgefragt wird und wozu die Landwirte durch politische Maßnahmen angeregt werden. Sie könneicht allein die Rahmenbedingungen unseres Wirtschaftssystems verändern. Sie können nicht in besonderer Weise die Natur schützen, während weite Teile der Bevölkerung in ihrem Verhalten die Natur- und Umweltbelastung unberücksichtigt lassen. Ebenso kann man von der Landwirtschaft aus entwicklungspolitischen Gründen keine Produktionsbeschränkungen fordern, wenn man selbst nicht bereit ist, die eigenen Ernährungsgewohnheiten zu verändern. Alle Gruppen unserer Gesellschaft müssen hier umdenken. Die Politik sollte entsprechende Rahmenbedingungen schaffen.

1.6 Beitrag der Kirche

(13) Die Kirche weiß sich von diesen Problemen mitbetroffen. Sie versucht deshalb, sich solidarisch an der gemeinsamen Suche nach Lösungsansätzen zu beteiligen. Sie sieht ihre wesentliche Aufgabe darin, herausfordernde Fragen zu stellen und Lösungsansätze anzudeuten: Wie kann es gelingen,

  • die technisch-industrielle Entwicklung besser an die ökologischen Erfordernisse anzupassen?
          
         

  • unser Wirtschaften und Konsumverhalten auf Erhaltung und sparsamen Umgang mit deatürlichen Ressourcen auszurichten?
          
         

  • zu erreichen, daß jeder Berufs- und Wirtschaftszweig beim Wahrnehmen der eigenen Interessen zugleich auch auf die Interessen der anderen, besonders jedoch auf die Lebensrechte der Natur, einschließlich der Tierwelt, Rücksicht nimmt?
          
         

  • das Problem der Intensivierung der Landwirtschaft so zu lösen, daß die Boden-, Wasser- und Nahrungsmittelqualität sowie die Schonung der Landschaft gewährleistet werden und dennoch die Landwirte ein angemessenes Einkommen erwirtschaften?
          
         

  • zu erreichen, daß die Tierhaltung den verhaltensbedingten Bedürfnissen der Tiere besser gerecht wird als die häufig nicht artgerechten intensiven Haltungsverfahren? Wie können rentable Produktionsverfahren für bäuerlich geprägte Betriebe entwickelt und gefördert werden, die eine artgerechtere Tierhaltung ermöglichen?
          
         

  • den Strukturwandel in der Landwirtschaft so zu beeinflussen, daß wettbewerbsfähige Betriebe markt- und umweltgerecht produzieren können? Wie kann andererseits sichergestellt werden, daß die kleinen und mittelbäuerlichen Betriebe überleben und ihre Inhaber nicht arbeitslos werden?      
         

  • die Überschußproduktion abzubauen? Wie kann gleichzeitig vermieden werden, daß die kleineren und mittelbäuerlichen Betriebe durch diese Maßnahmen am härtesten getroffen werden?
          
         

  • die Teilung der Welt in reiche und arme Regionen, in einen hungernden und einen überernährten Teil, in hochverschuldete Länder und Gläubiger-Länder, in Exporten landwirtschaftlicher Produkte abhängige und hochindustrialisierte Volkswirtschaften schrittweise zu überwinden?
          
         

  • einen Umdenkungsprozeß einzuleiten und eine Verhaltensänderung bei allen Beteiligten zu bewirken? Wie können einseitige Schuldvorwürfe abgebaut werden? Wie kann zu einem besseren Zusammenwirken zwischen Landwirten und Verbrauchern, zwischen Produzenten und Natur-, Tier und Umweltschützern, zwischen den Ländern der EG und den Ländern der Dritten Welt beigetragen werden?
          
         

  • Niemand, auch nicht die Kirche, kann auf solche Fragen letztgültige Antworten geben. Alle diese Fragen lassen sich auch nicht mit wenigen Sätzen beantworten. Die von ethischen Gesichtspunkten geleiteten Erörterungen, Ratschläge und Empfehlungen dieser Denkschrift sollen als Diskussionsbeitrag und Orientierungshilfe verstanden werden.

(14) Angesichts der großen Herausforderungen der Gegenwart sind Christen in ihrer Verantwortungen zur Hoffnung berufen. Dies hat seine konkreten Ängsten und Problemen der Menschen auseinandersetzt. Sie sieht die Existenzprobleme vieler Landwirte ebenso wie die Sorgen der ökologisch und entwicklungspolitisch Engagierten, die fürchten, die Lebensgrundlagen unserer Erde könnten durch weiteren Raubbau, durch Belastungen der Luft und durch die Verunreinigung des Wassers zerstört und das Hungerproblem nicht bewältigt werden. Weil viele Besorgnisse und Befürchtungen heute konkrete Ursachen und Anhaltspunkte haben, dürfen sie nicht einfach verdrängt werden. Andererseits darf die Kirche nicht selbst dazu beitragen, ungerechtfertigte Ängste zu verstärken. Ihre Aufgabe ist es, zu verantwortlichem Handeln zu ermutigen, damit die Ursachen vermindert werden, die schwerwiegende ökonomische, ökologische und gesellschaftspolitische Befürchtungen auslösen. Gott gibt seine Schöpfung nicht auf: »Solange die Erde steht, solleicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht« (1. Mose 9). Diese Gewißheit vermag Resignation zu vertreiben und Verantwortungsbereitschaft zu wecken, um nach Wegen aus bedrohlichen Gefahren und Ängsten zu suchen.

(15) Die Kirche kann dazu beitragen, die Gewissen zu schärfen, Umkehrbereitschaft zu wecken und neue Handlungsimpulse zu geben. Sie verkündet den Glauben an Gott, den Schöpfer und Erhalter dieser Welt, der den Menschen als sein Ebenbild beauftragt hat, die Erde zu bebauen und zu bewahren und nicht nur zu eigenen Zwecken zu nutzen. Die Bibel sagt: »Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, daß er ihn bebaue und bewahre« (1. Mose 2). In unserer Zeit des technischen Fortschritts ist oft zu einseitig das »Bebauen« und zu wenig das »Bewahren« herausgestellt worden. Dadurch wurde einer technischökonomischen Naturbeherrschung Vorschub geleistet, die die Gesamtzusammenhänge zu wenig beachtete. Im Glauben an Gott den Schöpfer gilt es jedoch, die doppelte menschliche Verantwortung neu zur Sprache zu bringen, die durch die Gottebenbildlichkeit und durch die Mitgeschöpflichkeit des Menschen gegeben ist. Verantwortung vor Gott schließt auch die Bereitschaft zur weltweiten Solidargemeinschaft ein.

(16) Der Glaube an Gott den Schöpfer, an die weltgestaltende Kraft der Liebe und die Hoffnung des Heiligen Geistes befreien zur Verantwortung und zum Dienst am Schwachen. Damit ist die Verpflichtung eingeschlossen, daß wir uns umfassend sachkundig machen. Es gilt, zunächst darüber nachzudenken, wie es zu der heutigen Agrarentwicklung mit ihren positiven und bedenklichen Folgen kam und welche Ziel und Wertkonflikte damit verbunden sind. Danach ist mit Kriterien der christlichen Ethik nach Lösungsansätzen in den drei Problembereichen Wachsen und Weichen, Ökologie und Ökonomie, Hunger und Überfluß zu fragen sowie nach Folgerungen, die sich daraus für Politik, Gesellschaft und Kirche ergeben.

Ökologie und Naturschutz

 

In Uganda waren 2010 zehn Nationalparks, dreizehn Wildschutzgebiete und meh­rere Waldschutzgebiete und kom­mu­nale Schutzgebiete ausgewiesen. Dabei fallen ca. 4,6% der Landesfläche unter die strengste Schutzkategorie des Nationalparks, insgesamt genießen ca. 8% der Gesamtfläche einen Schutzstatus. Während die Lage in den Nationalparks teilweise recht gut aussieht, ist der Zustand der Wildschutzgebiete („Wildlife Reserves“) in der überwiegenden Zahl katastrophal. Die Natur­schutzbemü­hungen konzentrieren sich daher vor allem auf den Erhalt und die Verbesserung der Situation in den Nationalparks. Dazu gehört insbesondere die Be­kämpfung von Wilderei und illegaler Landnutzung. Beim derzeitigen Park­management werden umliegende Gemeinden an den Einnahmen aus dem Tourismusgeschäft beteiligt. Dies gilt besonders für den Gorillatourismus. So werden ca. 20% der Park­eintrittsgelder in einen Fonds gezahlt, der den Parkanrainergemeinden in sogenannten „Community Conservation Programs“ zur Verfügung gestellt wird. Zudem werden die lokalen Gemeinschaften in andere tourismusspezifische Arbeiten eingebunden.

 

Ökologische Probleme, v.a. Boden­erosion, treten hauptsächlich infolge der intensiveren Bodennutzung in den dichtbesiedelten Gebieten des Südwes­tens und Westens sowie aufgrund des ständigen Rückgangs der Wälder auf. Im Bürgerkrieg wurde an den Regenwäldern starker Raubbau betrieben. Da der Holzeinschlag zur Brennholzgewinnung weiter zunimmt, wurden in der Nähe von Siedlungen „Energiewälder“ angelegt, und ein Wiederauffors­tungsprogramm der Regierung soll geschlossene Waldflächen schützen.

Uganda hat Anteil am größten tropischen Binnensee, dem Lake Victoria, der gleichzeitig zweitgrößter Frischwassersee der Welt ist. Inzwischen weist der See gravierende ökologische Probleme auf. Das ökologische Gleichgewicht wurde durch ein rasches Bevölkerungswachstum, Zerstörung der ursprünglichen Vegetation entlang der Küste, eine rasch expandierende Fischexportindustrie, eine starke Dezimierung des Fischbestandes, die aus Süd­amerika eingeschleppte, große Flächen des Sees bedeckende Wasserhyazinthe und massive Eutrophierung (Zunahme von Nährstoffen im Wasser) empfindlich gestört. Hohe Nährstoffeinträge in den See begünstigen ein massives Wachstum der Wasserhyazinthe. Diese im Wasser schwebende Pflanze behindert den Lichteinfall und verhindert somit eine Photosynthese des Phytoplanktons. Die Einleitung der Nährstoffe wird durch fortschreitende Abholzung im Uferbereich und nachfolgende Auswaschung der Böden bewirkt. Von wissenschaftlicher Seite wird rasches Handeln gefordert, da die Zerstörung des derzeit noch lebenserhaltenden Sees bald nicht mehr aufzuhalten sein könnte. Sanierungsmaßnahmen sind schwierig, da ein gemeinsames Vorgehen der drei Anrainerstaaten Uganda, Tansania und Kenia notwendig ist. Gemeinsam mit der Weltbank wird von der Regierung versucht, die drohende Gefahr abzuwenden.

Der vorliegende Sammelband ist der Beobachtung geschuldet, dass in den aktuellen öffentlichen Debatten über Problemlösungen hinsichtlich einer „ökologischen Krise“ soziologische Argumente keinerlei Rolle spielen. Die Rettung der Welt wird sozusagen ohne Vorstellungen von „Gesellschaft“ betrieben. Allenfalls hinsichtlich der Verursachung der Krise wird die Verselbständigung eines wissenschaftlichtechnisch-kapitalistischen Komplexes angenommen, der die dringend gebotene Verhinderung weiterer Schäden durch menschliche Eingriffe in die Natur systematisch unterminiert. Ansonsten finden sich zumeist Appelle an die Einsicht in eine Art notwendiger ökologischer Demut, gerichtet an Personen, sowohl in ihren jeweiligen Lebensstilen als auch in ihrer Eigenschaft als Träger gesellschaftlicher Rollen (Politiker, Manager, Wissenschaftler etc.), oder Appelle an die Verantwortung von Unternehmen, die sozialen und ökologischen Folgen ihres Tuns zu berücksichtigen und sich politisch, ökologisch sowie sozial „korrekt“ zu verhalten.

Vor 25 Jahren hat Niklas Luhmann die Studie „Ökologische Kommunikation“ vorgelegt. [1] Es war der systematische Versuch, die Möglichkeiten der modernen Gesellschaft, sich auf eine ökologische Gefährdung einzustellen, mit Hilfe einer „Theorie der Gesellschaft“ durchzuspielen. Aus der Prämisse, dass die Gesellschaft einem Primat funktionaler Differenzierung unterliegt, folgt seine Beobachtung: Funktionssysteme könneur auf der Ebene ihrer Programme unter Einbeziehung ihres je spezifischen Codes Resonanz auf ökologische Probleme erzeugen. Damit ist ein anderes Niveau der Erwartungsgeneralisierung anvisiert, als es allgemein üblich ist. Weder sind Personen in ihren privaten oder beruflichen Rollen Luhmanns Argumentation nach die adäquate Adresse für eine durchgreifende Resonanz noch wäre eine universelle Wertverschiebung der richtige Nährboden, weil sich die moderne Gesellschaft gegen eine konsensuell akzeptierte, widerspruchsfreie Hierarchie von Normen und Werten sperrt. Auf Programmebene sind es dann Preismechanismen („polluter pays“), Machtunterschiede (grüne Themen in schwarz-rot-gelber Hand), Nicht-Wissen (epistemische Unsicherheiten) oder rechtliche Paradoxien, die Anpassungsprozesse provozieren. Eine Änderung der Programme von Funktionssystemen geschieht – im laufenden Betrieb – nicht in Orientierung an ökologischen Problemen. Die Möglichkeit einer Ausdifferenzierung von Systemen gegenüber ihrer Umwelt und die damit einhergehende Leistungsfähigkeit von Funktionssystemen, wie Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Recht u. a., wird durch eine extreme Spezifikation von internen Problembearbeitungskapazitäten (Selbstreferenz) und ebenfalls intern generierten Umweltsensibilitäten (Fremdreferenz), also durch ein hohes Maß an Indifferenz gegenüber allen anderen gleichzeitig vorkommenden Umweltsachverhalten erkauft.

Die „Ökologische Kommunikation“ hat seit dem Erscheinen 1986 einige innovative theoretische Ideen in die Diskussion eingeführt, aber auch einige Fragen – als ungelöste Forschungsprobleme – offen gelassen. Wenn Luhmann behauptet: „Ökologische Kommunikation kann sich daher nur nach Maßgabe der wichtigsten Funktionssysteme wie Politik, Recht, Wirtschaft, Wissenschaft, Erziehung, Religion entwickeln – oder im Protest gegen diese Systeme. In beiden Fällen besteht die doppelte Gefahr von zuwenig und zuviel Resonanz“, was ist dann mit zu viel Resonanz gemeint? Muss man sich vorstellen, dass die Aufschaukelung von Effekten zu Blockaden von Systemoperationen führt? In etwa wie die Gefahr einer umfangreichen Blockade der Kreditvergabe nach einer Bankenkrise, die eine gesamtwirtschaftliche Krise auslösen kann? Könnte man äquivalent zu den „tipping points“, die Forscher für Ökosysteme vermuten, ebenso für soziale Systeme Umschlagpunkte angeben, die bei Erreichung irreversible Strukturänderungen nach sich ziehen? Ist gar der (katastrophale) Fall von umfassender Entdifferenzierung denkbar, wenn alle gesellschaftlichen Operationen auf eine (ökologische) Hinsicht ausgerichtet werden? Und was ist mit zu wenig Resonanz gemeint? Wie kann man eine solche feststellen? Luhmanns Argument bleibt hier vage und gewinnt seine Plausibilität allein aus der Verneinung von genau richtiger Resonanz. Man kann sagen: Zu viel und zu wenig sind beobachterabhängige Einschätzungen. Sie vollziehen sich in der Wirtschaft anders als in der Wissenschaft. Wenn dies wiederum beobachtet wird, befinden wir uns in den Rekursionen der Beobachtung zweiter Ordnung – also ohne festen Boden unter den Füßen, bis auf die „Eigenwerte“ dieser Rekursionen selbst. [2]

„Richtige“ und „angemessene“ Resonanz wird nicht feststellbar sein. Je nach gesellschaftlichem Beobachter wird nicht genug oder zu viel reklamiert. Hier bleibt nur die Möglichkeit, eine Einschätzung ex post zu geben. Heute ist man überzeugt, dass die Verbannung des die Ozonschicht schädigenden FCKWs richtig war und nicht zu durchgreifenden Störungen wirtschaftlich-technischer Entwicklungen geführt hat. Man spricht von einer vorbildhaften Erfolgsgeschichte. Von den ersten Warnungen in den 1970er Jahren bis zu den Erhärtungen von Evidenzen Mitte der 1980er Jahre herrschte keine Gewissheit über die Gefährlichkeit von FCKWs, weshalb das Thema lange Zeit international kontrovers diskutiert wurde, bevor es zu einer Übereinkunft kam. [3] Im Jahre 1987 wurde im Montrealer Protokoll über die Regulierung von stratosphärisches Ozon schädigenden Stoffen eine völkerrechtliche Übereinkunft geschlossen. Aktuell erfährt man, dass für einige Nationen bis heute Ausnahmeregelungen für die Herstellung und Eigennutzung von FCKWs gelten, die zu illegalen Ex- und Importen (aus China nach Europa) verleiten. [4] Gleichzeitig wird festgestellt, dass die Wiederherstellung der Ozonschicht länger dauern wird als angenommen. [5] Erfolgsgeschichten als „hinreichende Resonanz“ manifestieren sich immer nur in der Rückschau und erscheinen auch danoch als fragil. Man gewinnt den Eindruck, dass das Argument der „Resonanz“ in gleicher Weise unbestimmt bleibt wie z. B. ein Leitbild der Nachhaltigkeit, bei dem ebenfalls ex ante kaum angebbar ist, wann diese erreicht ist.

Anlass genug, um Niklas Luhmanns Thesen aus „Ökologische Kommunikation“ mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen auf ihre Plausibilität hin zu diskutieren. Wir haben den vorliegenden Band dazu in drei größere Themenblöcke unterteilt:

1.     Ökologischen Themen

2.     Resonanz gesellschaftlicher Funktionssysteme

3.     Gesamtgesellschaftliche Resonanz

 

1.     Ökologischen Themen

Gleich zu Beginn dieses Bandes sollen aktuelle Themen ökologischer Kommunikation diskutiert werden. Christian Büscher zeigt in seinem Beitrag auf, welche Formen „ökologische Aufklärung“ in aktuellen Publikationen annimmt, und welche Geltungsansprüche dabei an welche Adresse gerichtet sind. Anschließend veranschaulichen Achim Daschkeit und Wolf R. Dombrowsky, wie die Thematisierung eines anthropogenen Klimawandels zu einer Bündelung gesellschaftlicher Kommunikation geführt hat. Jost Halfmann diskutiert die Möglichkeit gesellschaftlicher Selbstgefährdung durch den Einsatz und die Verbreitung von Hochtechnologien.

2.     Resonanz gesellschaftlicher Funktionssysteme

Die nachfolgenden Beiträge analysieren, wie ökologische Probleme in jedem Funktionssystem eigene Resonanzen auslösen, die von keinem Punkt der Gesellschaft, die bekanntlich ohne Zentrum und Hierarchie auskommt, gesteuert oder geplant werden kann. Vielmehr bewegen sich die beobachtbaren Resonanzformen in den Funktionssystemen im Kontext von Autonomiebestrebungen, die gegenüber externen Erwartungen Indifferenz und systemintern gefilterte Entsprechungen bereithalten. [6]

Wirtschaft

Für die Wirtschaft werden an Veränderungen in den Konsum- und Produktionsmustern Tendenzen einer „Moralisierung der Märkte“ festgemacht, wie es beispielsweise Nico Stehr behauptet. [7] Genauso gut ließe sich aber behaupten, dass ökologische Probleme als ökonomische Probleme behandelt werden, auch wenn es Verschiebungen in dem Gebrauch von Semantiken gegeben hat. Das Leitbild der Nachhaltigkeit kann zur „Suffizienz“ anhalten, aber auch als Argument für einen gesteigerten Konsum oder für eine gesteigerte Produktion herhalten: z. B. für Automobilhersteller, um die Kundschaft aufzufordern, ein moderneres und sparsameres Auto anzuschaffen. Dazu wurde in jüngster Zeit sogar eine neue Symbolik eingeführt. Die Farbe Blau (gleich sauber?) löst Grün als Zeichen für einen die natürliche Umwelt schonenden Umgang ab. Es werdeun „blue efficiency“- oder „blue motion“-Modelle angepriesen, die älteren Modellen ökologisch einiges voraushaben. Der Konsum neuer Technik wird dann geradezu zur moralischen Notwendigkeit, um die ökologische Krise abwenden zu können. Könnte man also von einer „Vermarktung der Moral“ sprechen? Anita Engels geht in ihrem Beitrag den Einflüssen von Themen der ökologischen Modernisierung, des ökologischen Konsums und des cooperate greening nach. Sie vertritt die These, dass Umweltthemen durch die Wirtschaft absorbiert wurden, ohne dass es zu wesentlichen Überforderungen (zu viel Resonanz) gekommen wäre.

Recht

Die Frage, wie sich das Rechtssystem der Gesellschaft auf ökologische Problemstellungen einstellt, lässt sich an der Paradoxie des „Vorsorgeprinzips“ ausführen. Vorsorge zielt auf einen Gefahrenbereich, der bereits dort ansetzt, wo aus Gründen der Vorsicht mehr getan werden muss, als derzeit nachgewiesen werden kann. „Es sind – eben als Vorrat – vorbeugend Sicherheitsabstände und Freiräume für erst künftig möglicherweise erkennbare Risiken zu lassen.“ [8] Dies kommt einer Aufforderung zum Handeln gleich, ohne ex ante über mögliche Gefahren Bescheid zu wissen und ohne ex post den Erfolg der Handlung überprüfen zu können. Dem Recht entstehen daraus offensichtlich unterschiedliche Probleme. Einmal in Form der Abgrenzung eines rechtlichen von einem politischen Prinzip, dann in der Eingliederung des Vorsorgeprinzips in ein umfassendes Rechtsgebilde, also im Abgleich mit der bestehenden Rechtsordnung, [9] sowie in der konkreten Exekutierung von Vorsorge, die oftmals wieder an die Politik zurückgespielt und an parlamentarische Mehrheiten geknüpft wird. [10] Diese Aspekte des rechtlichen Umgangs mit vorsorglichem Regelungsbedarf weisen auf soziologisch interessante Fragestellungen hin: Wie gelingt es dem Rechtssystem der Gesellschaft, vor dem Hintergrund von Nicht-Wissen und Unsicherheit zu rechtlich haltbaren Festlegungen zu gelangen? Welche rechtlichen Mechanismen haben sich dazu herausgebildet? Gibt es unter Umständen Anzeichen für eine Überforderung des Rechts (als Ausdruck von zu viel Resonanz), z. B. in Form einer Gefährdung der Geltung anderer Rechtsprinzipien oder in Form der Destabilisierung von rechtlich fixierten Erwartungen in anderen Gesellschaftsbereichen? Oder gibt es Anzeichen der Indifferenz gegenüber dem Vorsorgeprinzip (als Ausdruck von zuwenig Resonanz)? KarlHeinz Ladeur führt an dem Thema der „Nanotechnologie“ die Probleme des Rechtssystems im Spannungsfeld von Nicht-Wissen und rechtlicher Entscheidungsfindung aus.

Wissenschaft

Eine ähnliche Problemstellung lässt sich auch für die Wissenschaft ausmachen. Einerseits trägt sie zu einer möglichen ökologischen Selbstgefährdung der Gesellschaft bei, andererseits wird wissenschaftliches Wissen zur Lösung dieser selbsterzeugten Probleme herangezogen. Mehr und mehr scheint sich Wissenschaft an extern formulierte Erwartungen anzupassen. Sie lässt sich immer mehr auf Verfahren der vermeintlichen Inklusion von Begleitforschung (z. B. „The Ethical, Legal and Social Implications [ELSI] Research Program[11] ) und „Öffentlichkeit“ bzw. „Laien“-Wissen in die Forschung ein (Stichwort: „Wissenspolitik“). Hier kann man erwarten, dass Wissenschaft (und ihre Organisationen) „bloß“ symbolische Formalstrukturen ausbilden (Öffentlichkeitsarbeit, Partizipation etc.), die Erwartungsentsprechung signalisieren und dadurch die eigentlichen Forschungsprozesse schützen. Gleichzeitig ist anzunehmen, dass Wissenschaft Tendenzen entwickelt, ihr Mandat (die Erzeugung hypothetischen Wissens) zu überziehen und die Erarbeitung von Handlungsanweisungen für „Entscheidungsträger“ zu versprechen, die in der Regel nicht aus der Wissenschaft kommen. Jenseits von wissenschaftlicher Expertise beziehen gerade interdisziplinäre Forschungsvorhaben so genannte Stakeholder oder Praxispartner in den Forschungsprozess mit ein (vor allem in der „sozialökologischen Forschung“), um die Anschlussfähigkeit der wissenschaftlichen Wissensproduktion in den relevanten Praxisfeldericht aus den Augen zu verlieren. [12] Beide Entwicklungen, wenn sie denn wissenschafts-soziologisch beschreibbar sind, könnten als spezifische Resonanz der Wissenschaft auf die gesellschaftliche Thematisierung ökologischer Selbstgefährdungspotentiale interpretiert werden, wie Peter Weingart in diesem Band aufzeigt. Zum einen reagiert Wissenschaft auf die Forderung nach Folgenreflexion – oft als Mitberücksichtigung von Ethik – und zum anderen versucht Wissenschaft Problemlösungen durch die Mitberücksichtigung von externen Entscheidungskontexten „mundgerecht“ zuzubereiten. Es stellt sich die Frage, inwieweit diese Entwicklungen Einfluss auf die wissenschaftliche Wissensproduktion haben, z. B. indem wissenschaftliche Gütekriterien zugunsten voormativen Orientierungen abgeschwächt werden (im Sinne von zu viel Resonanz).

Politik

Bis heute besteht eine starke Erwartung, dass Politik Probleme angehen und lösen soll, die woanders entstehen und dort nicht geregelt werden. Luhmann prognostizierte diesbezüglich ein Changieren zwischen Überschätzung und Resignation. Die spezifische Resonanzfähigkeit besteht in der Politik im (drohenden) Wechsel von Regierungen, Parteien und Programmen in Abhängigkeit von der Beobachtung einer „öffentlichen Meinung“. Man kann sicherlich sagen, dass soziale Bewegungen im Zusammenspiel mit den Massenmedien ökologischen Problemen zu einer gewissen Daueraufmerksamkeit verholfen haben. Das hat auch dazu geführt, dass sich stark ökologisch ausgerichtete politische Parteien etabliert haben. Luhmann argumentierte hinsichtlich „grüner Parteien“, dass sie zu prinzipienstabil und deshalb zu wenig anschlussfähig für den Politikbetrieb seien. „Sie haben völlig recht mit ihren Prinzipien, man kann ihneur nicht zuhören.“ Er vermutete, dass sie einige Prinzipien fallen lassen müssten, wenn sie politische Ämter ausfüllen und regieren wollten. [13] Wie Helmut Wiesenthal in seinem Beitrag nachzeichnet, gehören ökologische Themen inzwischen zum Programm aller Parteien in Deutschland. „Grüne Themen“ sind offensichtlich zu einem festen Bestandteil von Machtkalkülen geworden, was eine Thematisierung durch alle Parteien hindurch zwingend notwendig erscheinen lässt. Die Themenkonkurrenz, der die Parteien ausgeliefert sind, moderiert dann gleichsam die mögliche Resonanz ökologischer Thematisierung.

Erziehung

In Diskussionen um eine mögliche ökologische Selbstgefährdung der modernen Gesellschaft wird nicht selten auf das Argument verwiesen, dass ein ökologisch korrektes, nachhaltiges Handeln einzelner Personen aktuelle Probleme mindern oder gar verhindern könnte. Es liegt nahe, solche Erwartungen der Verhaltensänderung bzw. -steuerung als Aufgabe von Erziehung und Pädagogik zu formulieren. Wenn man die Aufgabe von Erziehung als „Vermittlung“ von Wissen und Können beschreibt, dann muss in den verschiedenen Stadien des Heranwachsens relevantes Wissen von irrelevantem Wissen unterschieden werden, immer in Bezug auf den in Zukunft zu erwartenden Lebenslauf von Personen. Die Vermittlung von Fähigkeiten der Teilnahme an Kommunikation (Sprach-, Lese- und Schreibvermögen) ist in ihrer Notwendigkeit sicherlich unstrittig. Aber schon die Vermittlung von Spezialwissen zur Berufsvorbereitung hat mit der Unsicherheit zu kämpfen, ob diese Fähigkeiten auch in Zukunft nachgefragt werden. Das Wissen über die Zusammenhänge von Gesellschaft und der natürlichen Umwelt (als natürliche Lebensgrundlage und Voraussetzung ihrer Reproduktion) ist von einem hohen Maß an Nichtwissen begleitet, das uns oft als Überraschung heimsucht (FCKW, BSE, Klimawandel etc.). Je tiefer die Wissenschaften in diese Zusammenhänge Einsicht erlangen, desto mehr Fragen scheinen sich zu ergeben. Wie kann vor diesem Hintergrund Erziehung ökologisches Wissen vermitteln, das permanent unter dem Vorbehalt der Entdeckung nichtintendierter Folgen steht, welche die guten Absichten desavouieren? Wie reflektiert die Pädagogik das Problem, dass Erziehung ständig wechselnde ökologische Problemstellungen berücksichtigen sollte, wenn sie auf Verhaltensänderung abzielt? Dietmar Bolscho versucht in dieser Hinsicht eine Antwort zu geben, indem er darlegt, wie sich der gesellschaftliche Funktionsbereich der Erziehung auf das Problem der ökologischen Krise eingelassen hat.

3.     Gesamtgesellschaftliche Resonanz

Im Sinne einer gesamtgesellschaftlichen „Ökobilanz“ fragen die drei abschließenden Beiträge danach, ob sich Formen der Resonanz beobachten lassen, die alle Funktionsbereiche der Gesellschaft übergreifen, also „quer“ zu diesen in Erscheinung treten.

Individuelles Umwelthandeln

Ebenso wie im Fall der Erziehung, aber doch breitenwirksam ausgelegt, werden Appelle im Hinblick auf einen ökologischen Lebensstil formuliert. Diese führen oft zu einer Moralisierung der ökologischen Diskurse. Massenmedial vermittelt, durch wissenschaftliches Wissen angereichert, ergehen Aufforderungen zu einem anderen Konsumverhalten und anderen Lebensstilen. Armin Grunwald reflektiert die Probleme des individuellen Versuchs, sich ökologisch korrekt bzw. nachhaltig zu verhalten, wobei sich die Einzelneicht selten in Widersprüche verstricken und schon gar nicht die ökologischen Konsequenzen ihres Tuns in der gesamten Tragweite abschätzen können.

Beratung der Gesellschaft

Anhand der ökologischen Problematik diskutiert Isabel Kusche die Möglichkeit einer Beratung der Gesellschaft. Die Komplexität ökologischer Zusammenhänge verschärft die Probleme des wissenschaftlichen Expertendissenses und der Übersetzbarkeit von Erkenntnissen, während gleichzeitig alle gesellschaftlichen Bereiche als Zurechnungspunkt für Umweltschäden und damit als Adressat von Beratung in Frage kommen. Wie Luhmann in „Ökologische Kommunikation“ konstatiert hat, können ökologische Probleme gesellschaftliche Resonanz nur auf dem Weg über die Resonanz in einzelnen Funktionssystemen hervorrufen. Das begrenzt prinzipiell die Möglichkeiten ökologischer Politikberatung. Die Suche nach Möglichkeiten, die Grenzen der Funktionssysteme zu überschreiten, bedient sich eines Stichwortes wie „Gesellschaftsberatung“. Ohne diese Konsequenz explizit zu machen, münden entsprechende Versuche darin, der Wissenschaft oder den Massenmedien oder beiden Funktionssystemen eine privilegierte Rolle in der funktional differenzierten Gesellschaft zuzuordnen. Es sei denn, man begibt sich auf die Suche nach einer Gesellschaft jenseits der Funktionssysteme, die sich jedoch nur in hochartifizieller Form mittels Verfahren (z. B. Partizipation) konstruieren lässt, deren Stellvertreterrolle für die Gesellschaft paradoxerweise gerade darauf beruht, auf jede Anbindung an politische Verfahren, die Resonanz im politischen System ermöglichen könnte, zu verzichten.

Authentizität ökologischer Kommunikation

Zum Abschluss dieses Bandes fragt Klaus Peter Japp nach den Bedingungen der Möglichkeit „authentischer Kommunikation“ im Diskurs um die ökologische Krise. Die moderne Gesellschaft behindert authentische Kommunikation, sofern sie Hinweisen darauf, dass man es ernst meine, mit Motivverdacht begegnet. Dieser macht sich nicht nur in den Massenmedien breit, sondern besonders auch im politischen System und natürlich mit Bezug auf corporate responsibility in der Wirtschaft. Das hier passende Stichwort ist das der hypocrisy. [14] Parteien und Wirtschaftsunternehmen werden unter Druck gesetzt, in ökologischer Hinsicht authentisch zu kommunizieren. Diese paradoxe Situation – authentisch kommunizieren zu sollen und womöglich zu wollen, es aber nicht wirklich zu können –führt zu einer Schere zwischen Darstellung und Herstellung besonders im Hinblick auf Entscheidungen und deren „ökologische Kommunikation“. Man kann in diesem Kontext beobachten, wie „Authentizität“ zu einem Primärwert in allen Funktionsbereichen avanciert und „Rationalität“ gleichsam zu einem angestaubten Altvorderen relativiert wird. Aber darin liegt natürlich keine Garantie für weder zu viel noch zu wenig Resonanz. Vielmehr sieht es so aus, als würden beide Seiten gesteigert.


Danksagung

Die Fertigstellung dieses Bandes verdankt sich unterschiedlichen Personen und Institutionen. Im Frühjahr 2009 sind die Autorinnen und Autoren auf einem Workshop in Hamburg zusammengekommen, um in kollegialer Runde Form und Inhalt dieses Bandes zu diskutieren. Wir danken der Universität Hamburg für die Bereitstellung der Räumlichkeiten und Anita Engels für die Organisation. Dieses Treffen ist nur durch die finanzielle Unterstützung des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) möglich gewesen. Für seine Diskussionsbereitschaft danken wir neben den Autorinnen und Autoren dieses Bandes vor allem Gotthard Bechmann (der unwissentlich zum Gelingen des Bandes beigetragen hat), Carsten Orwat und, ganz zu Beginn für seine Ermunterung zur Durchführung dieses Projekts, Christof Schiene. Andre Meyer danken wir für seine Hilfe bei der Überarbeitung der Literaturverzeichnisse. Für ihr gründliches und verständnisvolles Korrektorat danken wir Ingrid Walther vom VS-Verlag. Verbliebene Fehler liegen selbstverständlich in unserer Verantwortung.


Dieser Band ist Gotthard Bechmann gewidmet, dem die Herausgeber in dem einen Fall mit freundschaftlicher Kollegialität und in dem anderen Fall in kollegialer Freundschaft verbunden sind. Gotthard Bechmann verlässt im Sommer 2010 das ITAS am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und wechselt in den Ruhestand.

Zur Zeit sind von der weltweiten Gesellschaft die bedeutenden Bemühungen auf die Lösung der ökologischen Probleme gerichtet. Es wird die ökologische Gesetzgebung verhärtet, es dringen sich die Präventivmaßnahmeach der Minimierung der negativen Folgen der Verschmutzung der Umwelt und der Erschöpfung der Naturschätze aktiv, die ökologischen Fragen werden im Laufe der Annahme der praktischen Lösungeach der Errungenschaft der standfesten sozialökonomischen Entwicklung der Gesellschaft berücksichtigt.


Für die Verkleinerung der ökologischen Gespanntheit muss man ständig die Folgen des Einflusses bewerten, wie tatsächlich, als auch der voraussichtlichen wirtschaftlichen Tätigkeit auf die umgebende natürliche Umgebung und die optimalen Lösungen zu suchen, die zu die Vorbeugung der möglichen ungünstigen Einwirkung beitragen, dessen Folgen die negativen Veränderungen in der Umwelt sind. Die Erfassung der ökologischen Komponenten zeigt sich im Laufe der Annahme der Lösungen noch auf dem Stadium der Planung und der Entwicklung es ist als die geleiteten Veranstaltungeach der Neutralisation, Kompensationen, Ersatz des aufgetragenen Wirtschaftsschadens viel billiger.
Da eine beliebige entworfene wirtschaftliche Tätigkeit unter Ausnutzung der Naturschätze verbunden ist und wird in dieser oder jener Stufe mit der Einwirkung auf die Umwelt charakterisiert, so ist ökonomisch zweckmässiger ihre ökologische Gefahr in den Entwicklungsstadien der strategischen Dokumente zu analysieren und, alle existierenden alternativen Varianten der Entwicklung allseitig zu bewerten.

Wie zeugt die internationale Praxis, bei der Lösung der ähnlichen Aufgaben die hohe Effektivität demonstriert die strategische ökologische Einschätzung (SÖE).

Die ökologische Einschätzung kann sich auf der Höhe der abgesonderten Projekte (der ökologischen Einschätzung der Projekte) und auf der Höhe der “strategischen” Dokumente “(die strategische ökologische Einschätzung) (die Zeichnung 1) verwirklichen.

 SÖE ist auf die Einschätzung der möglichen ökologischen Folgen (einschließlich die Einwirkung auf die Gesundheit der Bevölkerung) der Realisation ausgearbeitet Vorhersage sowohl der Programmdokumente als auch die Auswahl der annehmbaren Alternative der Entwicklung gerichtet, zur Erhöhung der Qualität und der Effektivität des Systems der Planung, sowie der Vergrößerung des Vertrauens der Öffentlichkeit zum Prozess der Annahme der Verwaltungslösungen was beiträgt .
Zu den strategischen Dokumenten, die SÖE unterliegen, verhalten sich die Pläne der Entwicklung der Territorien oder der Zweige der Wirtschaft, des Programms, die Politiker, die Strategien u.a. SÖE auf dem höheren Niveau (der Entwicklung der Programme/Pläne) Dankend werden die Grundlagen für die ökologische Einschätzung der Projekte versetzt.
Zur Zeit ist vom am meisten bedeutsamen gesetzgebenden Dokument, das die minimalen allgemeinen Prozeduren für SÖE bestimmt eine Europäische Direktive 2001/42/EC nach der Schätzung der ökologischen Folgen der Realisation der abgesonderten Pläne und der Programme. In der Direktive ist die Prozedur der Verwirklichung der systematischen, präventiven auf der ökologischen Einschätzung gegründeten Projekte und geöffnet mit der Teilnahme verschiedener Interessenten und der Öffentlichkeit der Prozedur SÖE verordnet. Die große Aufmerksamkeit in der Direktive wird der Entwicklung des ökologischen Berichtes zugeteilt. Die Direktive nach SÖE nimmt in die Betrachtung die Gesetzgebungsakte nicht auf.   
 

Die Zeichnung 1 – die Arten der ökologischen Einschätzung

Die Hauptlagen der Direktive nach SÖE haben des Protokolles über die strategische ökologische Einschätzung zur Konvention von der Einwirkung auf die Umwelt im grenzüberschreitenden Kontext (weiter – das Protokoll nach SÖE) zugrunde gelegen. Der Unterschied des Protokolles von der Direktive besteht darin, dass (1) Protokoll als Objekte SÖE und die Gesetzgebungsakte aufnimmt; (2) besondere Aufmerksamkeit im Protokoll wird der Einschätzung des Einflusses auf die Gesundheit der Bevölkerung zugeteilt und (3) im Protokoll meldet sich die Notwendigkeit der Teilnahme der Öffentlichkeit und der Konsultation mit interessiert von den Seiten im Laufe der Verwirklichung SÖE an.
Zur Gegenwart ist das bedeutende Material für die Verwirklichung SÖE weltweit angesammelt, es werden die zahlreichen Monografien und die leitenden Unterstützungen für die Realisation SÖE veröffentlicht, es wird das wirkungsvollste Herangehen und die Methodologie der Verwirklichung SÖE und der Heranziehung der Öffentlichkeit besprochen.
           In den GUS-Staaten SEO wird wie das neue Instrument der Einschätzung der strategischen Dokumente betrachtet, deshalb zur Zeit werden die Projekte nach der Konstruktion des Potentials in unseren Länderach der wirkungsvollen Einführung SÖE geleitet, es werden die Pilotprojekte zwecks der Erwerbung der Erfahrung der Verwirklichung SÖE (das Protokoll nach SÖE realisiert: die ursprüngliche Entwicklung des Potentials in einigen Ländern ehemaliger UdSSR, 2006), [www.ecorazvitie.by]
Entsprechend dem Protokoll nach SÖE unter der strategischen ökologischen Einschätzung wird “die Einschätzung der möglichen ökologischen Folgen, einschließlich die Einwirkung auf die Gesundheit der Bevölkerung, die die Bestimmung der Sphäre der Erfassung der Einschätzung und die Vorbereitung des ökologischen Berichtes, die Heranziehung der Öffentlichkeit und die Verwirklichung der Konsultationen, die Annahme in die Aufmerksamkeit des ökologischen Berichtes und der Ergebnisse der Teilnahme der Öffentlichkeit und der Konsultationen bei der Entwicklung des Planes oder des Programms” (der Artikel 2, den Paragraphen 6 vermutet) verstanden.
Ein Hauptziel SÖE ist die Erfassung der ökologischen Aspekte bei der Entwicklung und der Realisation der strategischen Dokumente aufgrund der Prinzipien der standfesten Entwicklung der Gesellschaft. Die Wichtigkeit der Anwendung SÖE klärt sich mit der Notwendigkeit des Einschlusses der ökologischen Aspekte in den Prozess der Planung für die wirkungsvollere Annahme der Verwaltungslösungen. In der internationalen Praxis SÖE wird wie das wirkungsvolle Instrument der Errungenschaft der Ziele der standfesten Entwicklung, da SÖE die Betrachtung der ökologischen Fragen in der engen Verbindung mit den sozialökonomischen Aufgaben, unter Berücksichtigung der Interessen der gegenwärtigen und zukünftigen Generationen (Good practice guidance for development co-operation, 2006 vermutet) betrachtet.
Die Hauptprinzipien SÖE sind:
• die Rangfolge der Lösung der ökologischen Probleme;
• die Haftung über die ökologischen Folgen, die infolge der Annahme der Verwaltungslösungen eines beliebigen Niveaus entstehen;
• die Offenheit in der Demonstration der ökologischen Politik seitens der staatlichen Verwaltungsorgane;
• systematischer Prozess-und Das Herangehen;
• die Komplexität der Einschätzung (die Betrachtung der Geraden, indirekt, synergistische der Folgen);
• die Prognostizierung der Veränderung der ökologischen Situation in der langfristigen Perspektive;
• die Erfassung der ökologischen Fragen im System der Annahme der Verwaltungslösungen.
Die Hauptfunktionen SÖE:
• Präventiv (die Anwendung der Präventivmaßnahmen mittels der Erfassung der ökologischen Aspekte auf den frühen Stadien der Prognostizierung und der Planung);
• Koordinierend (die Abstimmung der Handlungen aller Glieder der planmäßigen Struktur der Verwaltung, zum wirkungsvolleren Prozess der Annahme der Lösungen und der Versorgung der standfesten Entwicklung was beiträgt);
• Informativ (die Heranziehung der kompetenten Organe der Staatsverwaltung, der Interessenten, der Öffentlichkeit für die Teilnahme am Prozess der Planung).
            Die Besonderheit SÖE besteht darin, dass sie sich auf dem frühsten Stadium der Planung die Regulierung der bewussten Einwirkung des Menschen auf die umgebende natürliche Umgebung für die Befriedigung der Wirtschaftsbedürfnisse vorbehaltlich der Errungenschaft der standfesten Entwicklung der Gesellschaft beschäftigt. Die Personen, die der Lösung fassen, im Laufe SÖE bekommen die zusätzlichen Informationen über den möglicheegativen Einfluss auf die Umwelt und die Gesundheit der Bevölkerung und der zur Realisation voraussichtlichen Veranstaltungen.
Ausgehend von es ist gesagt höher, die Hauptaufgaben SÖE sind:
• vorhersagen die möglichen ökologischen Folgen infolge der Ausführung der Pläne / Programme (im Entwicklungsstadium);
• die Stufe der Errungenschaft der entworfenen ökologischen Ziele Zu bewerten;
• die Quellen der ökologischen Informationen bei der Entwicklung der Pläne / Programmen Zu gewähren;
• die alternativen Varianten der abgesonderten voraussichtlichen Veranstaltungen des Programms Auszuarbeiten;
• die Rückkopplung mit der interessierten Öffentlichkeit Zu gewährleisten.
Jedes Land wählt die Strategie der Realisation SÖE je nach dem ausgeprägten System der Planung und des existierenden Potentials selbst. Nach Meinung der Mehrheit der Fachkräfte SÖE, existiert das einheitliche ideale Herangehen an die Verwirklichung SÖE bei der Entwicklung der Pläne / Programmeicht. Es ist jedoch offenbar, dass retrospektiv SÖE, geleitet abgesondert von der Entwicklung der Pläne / Programmen sind am wenigsten wirkungsvoll und mit der kleinsten Wahrscheinlichkeit können die ausreichende Grundlage für die Ausführung der Verpflichtungen im Protokoll nach SÖE gewährleisten. Die Teil- oder volle Integration SÖE in den Prozess der Entwicklung der Pläne / Programme stellt die bequemen Rahmen für die Ausführung der Bedingungen des Protokolles nach SÖE vor. Die Auswahl des Herangehens hängt vom politischen Willen und den spezifischen Bedingungen der Entwicklung jedes Planes / Programm ab. In gewissen Fällen kann die Teilintegration wirkungsvoller, als voll und umgekehrt sein.
Die Republik Belarus betrachtet die Möglichkeit des Beitrittes an das Protokoll nach SÖE zur Konvention von der Einschätzung der Einwirkung auf die Umwelt im grenzüberschreitenden Kontext zur Zeit.
Die gesetzgebende in Republik Belarus gesetzgebende und normative Basis lässt zu, als Objekte der Verwirklichung der strategischen ökologischen Einschätzung zu allererst die staatlichen, Fach- und regionalen Programme, sowie des Schemas, die Prognosen, des Programms und der Strategie der territorialen Entwicklung, deren Realisation auf die umgebende natürliche Umgebung und die Gesundheit des Menschen, einschließlich im grenzüberschreitenden Aspekt (die Informative Leitung für die Personen fassend der Lösung, 2010 einwirken kann zu betrachten). Man muss bemerken, dass die bestimmten Elemente SÖE in der Republik Belarus schon verwendet werden. So bei der Entwicklung solcher strategischen Dokumente, wie ist die Nationale Strategie der standfesten sozialökonomischen Entwicklung der Republik Belarus bis zum 2020, die Programme und die Prognosen der sozialökonomischen Entwicklung methodologisch obligatorisch die Erfassung der ökologischen Aspekte und die Entwicklung hat “die Rationale Nutzung der Naturschätze und die Erhaltung der Umwelt» ausgezogen. In der Republik Belarus ist die Ausführung der bestimmten ökologischen Forderungen für die abgesonderten konkreten Objekte auch gesetzgebend versetzt, die sich zur strategischen ökologischen Einschätzung verhalten. So wird vom Gesetz “Über die staatliche ökologische Expertise” die Verwirklichung für die städtebaulichen Projekte der allgemeinen Planung, der speziellen Planung, der ausführlichen Planung reglementiert; der architektonischen Projekte der Bebauung der Territorien; der Projekte der territorialen komplexen Schemen der rationalen Nutzung der Naturschätze und des Schutzes der Umwelt; Der Konzeptionen, der Prognosen, der Programme und der Schemen der Fachentwicklung, deren Realisation unter Ausnutzung der Naturschätze verbunden ist und (oder) auf die Umwelt einwirken kann.
Obwohl die Elemente der strategischen ökologischen Einschätzung in der Praxis der Entwicklung der Pläne / Programmen schon anwesend sind, bleibt es SÖE deeuen Prozess für Belarus und das Wissen über SÖE unter den Fachkräften ungenügend übrig.
Zur Zeit entwickelt sich in der Republik Belarus das Potential für die Realisation der Lagen des Protokolles nach SÖE: die Vorbereitung der Fachkräfte, das Erhalten der praktischen Erfahrung der Verwirklichung SÖE, wird die Erfahrung der Vorbereitung der Berichte nach SÖE analysiert, es entsteht die Datenbank nach den Experten und die Datenbank geleitet SÖE. Die wichtige Mithilfe in der Entwicklung des Potentials leistet das Programm der Entwicklung der UNO, in deren Rahmen das Projekt “die Konstruktion des Potentials auf dem Gebiet der Strategischen ökologischen Einschätzung und auf dem Gebiet der Realisation der Naturschutzkonventionen in der Republik Belarus realisiert war». Vom Projekt war die Unterstützung Ministerium für Natur in der Konstruktion des Potentials auf dem Gebiet SÖE in Belarus gewährt. Die besondere Aufmerksamkeit war der Ausbildung der weißrussischen Fachkräfte der Methodik und dem Herangehen der Verwirklichung der ökologischen Einschätzung der strategischen Dokumente, der Entwicklung der rechtlichen und institutionellen Rahmen SÖE und der Verbesserung der Informiertheit der Hauptinteressenten über die Vorteile der Anwendung SÖE [www.ecorazvitie.by] zugeteilt.
Im Rahmen des Projektes war die Leitung zwecks der Erhöhung des Verständnisses der Vorteile SÖE und der Prozedur der Verwirklichung SÖE unter den Personen vorbereitet, die fassend der Lösung und für die Entwicklung der strategischen Dokumente antworten, die Arbeit über denen die Fachkräfte Eneca geleitet haben. In der gegebenen informativen Leitung ist das Herangehen zu SÖE entsprechend der internationalen Praxis verschiedener Länder vorgestellt. Die Hauptbetonung ist auf der Analyse der Möglichkeiten der Integration des Prozesses SÖE ins System der Prognostizierung und der Planung der Republik Belarus [www.ecorazvitie.by] gemacht. 
Die Attraktivität SÖE für ihre Einführung in der Republik Belarus besteht im Folgenden:
– Die Vervollkommnung des Algorithmus und der Organisation der Entwicklung der Pläne / Programme;
– Die Bildung des Kollektivs der Hersteller mit der Heranziehung der Fachkräfte aus den Forschungs- und Projektorganisationen, zur Bildung der Multidisziplinargruppen der Experten was beitragen wird;
– Die Erhöhung der Begründetheit, der Komplexität und der ökologischen Sicherheit der Programmveranstaltungen;
– Die Verstärkung der Koordination zwischen den Fach- und regionalen Verwaltungsorganen bei der Bildung der Pläne / Programmen, zur Abwesenheit der Synchronisation der strategischen Lösungen im Laufe ihrer Realisation was beitragen wird;
– Die Erhöhung der Effektivität der Abstimmung der Pläne / Programme mit anderen Ministerien und den Ämtern, einschließlich, mit den Organen des Gesundheitswesens mit der Verwirklichung der entsprechenden Einschätzung der Einwirkung auf die Umwelt und die Gesundheit;

– Die Bildung der Datenbank der Ausgangsinformationen, die wie für die Entwicklung der strategischen Lösungen, als auch für die Verwirklichung SÖE verwendet werden kann;

– Die Vergrößerung der Offenheit in der Vorstellung der Informationen über die Entwicklung und die Realisation der strategischen Lösungen (die Pläne / Programme);

– Der Ersatz des formalen Herangehens an die Verwirklichung des Monitorings vom qualitativeren Prozess unter Ausnutzung des Satzes der objektiven Indikatoren der Effektivität der Realisation der Pläne / Programme.
So betrachtet zur Zeit die Republik Belarus die Möglichkeit des Beitrittes an das Protokoll nach SÖE und bildet das Potential für die erfolgreiche Realisation der Lagen des gegebenen Normativaktes.

Die Natur beißt zurück. Kapitalismus, ökologische Marktwirtschaft und Krise

Der US-amerikanische Soziologe Mike Davis ahnte schon Ende der 1990er Jahre, dass die Natur zurückschlagen werde – angesichts der kapitalistischen Vernichtungsfeldzüge gegen sie. In Los Angeles etwa erlebten die Menschen, wie Pumas „mit gesundem Appetit auf langsame, weiche Tiere in Jogginganzügen“ in den städtischen Raum vordrangen.

Die Natur beißt zurück: Wirbelstürme wie in New Orleans, Pandemien wie SARS oder die Vogelgrippe, Überschwemmungen und Bodenerosion, Dürren und Hungerkatastrophen, Kriege um abnehmende Ressourcen wie Land und Wasser, drohende „Migrationsströme“ – Mike Davis sieht einen klaren Zusammenhang zwischen Kapitalismus, ökologischem Kollaps sowie gesellschaftlichen Konflikten und Krisen. Die neoliberale Freisetzung des Marktes verstärkt den Druck zur Profitmaximierung und intensiviert die Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft und der natürlichen Ressourcen. Oder wie Karl Marx im Kapital schreibt: „Die kapitalistische Produktion entwickelt … nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter.“

Informationstechnologien und kapitalistische Globalisierung haben die Produktivkräfte ungeheuer entwickelt und das Warenangebot vervielfacht. Doch gehen damit eine Verschwendung gesellschaftlicher Ressourcen und die Potenzierung von Zerstörungskräften einher, die zu einer globalen ökologischen Krise führen. Mittelfristig schlagen sie in Wellen katastrophischer Verwüstung zurück – wie der Wirbelsturm Katrina in New Orleans 2005. Damit werden auch ungeheure Kapitalien vernichtet. Je länger diese Produktionsweise fortgeführt wird, desto teurer wird die ökologische Krise – auch für die Wirtschaft. Das ist das Ergebnis des jüngsten Berichts des Weltklimarates und der Studie des ehemaligen Weltbank-Chefökonomen Nicholas Stern von 2006. Ökologie und Klimaschutz sind deshalb zu wichtigen „standortpolitischen“ Themen geworden.

Umweltbewegungen können sich also freuen: Was die Protestbewegung der 1980er Jahre und Globalkonferenzen im Anschluss an den Rio-Prozess in den frühen 1990er Jahreicht geschafft haben, ist in der dritten Debattenwelle um die ökologische Krise eingetreten: Das Thema hat endlich das Zentrum politischer Macht erreicht. Umweltpolitik ist zur Chefsache geworden. Immer wieder wird betont, wie wichtig und dringend Schritte in Richtung Nachhaltigkeit sind. Meist jedoch bleibt es bei symbolischer Politik.

Natur mit Preisschild

Es ist nicht so, dass in Sachen Umweltschutz von Seiten der Herrschenden nichts getan würde. Im Gegenteil: Staatliche Umweltpolitik wurde erst unter neoliberaler Hegemonie institutionalisiert. Dabei wird Umweltzerstörung als ein ökonomisches Problem der Auslagerung von Kosten verstanden. Ökologische Probleme sind nach dieser Auffassung externe Effekte, die im Preis nicht auftauchen und deshalb durch angemessene politische Rahmensetzungen zu internalisieren sind – indem man der Natur ein Preisschild anheftet. Die neoklassische Umweltökonomie betrachtet die ökologischen Probleme als Folge eines teilweisen Marktversagens, das durch Ökosteuern, Zertifikatlösungen oder eine klarere individuelle Zuordnung der Eigentumsrechte zu lösen sei. Ihr Ausweg aus der ökologischen Krise lautet: Die Natur muss weiter ökonomisiert und kommodifiziert werden. Die gesellschaftlichen Naturverhältnisse müsseach ökonomischen Effizienzkriterien gestaltet werden. Mit dieser höchst selektiven, wachstums- und marktkonformen Strategie wollen die Intellektuellen einer öko-technologischen Marktwirtschaft Umweltschutz, Energieeffizienz und Wettbewerbsfähigkeit zusammenbringen. Sie wollen auf diese Weise sowohl kapitalistische als auch ökologische und entwicklungspolitische Interessen (etwa der Länder des globalen Südens) vereinbaren. Ihr Ziel ist es, den herrschenden Neoliberalismus ‚nachhaltig’ abzusichern. Die „neuen Wachstumspotenziale auf dem Feld der Green Economy“ sollen ein „grünes Wirtschaftswunder“ auslösen, so Ralf Fücks und Kristina Steenbock von der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung.

Ein Problem ist offensichtlich: Umwelt als öffentliches Gut ist scheinbar unbegrenzt verfügbar und wird daher ohne Rücksicht ausgebeutet. Ursache, so der Wirtschafts-Nobelpreisträger Douglas North, sei die mangelhafte Definition und Sicherung privater Eigentums- und Verfügungsrechte. Dies gelte insbesondere, so die Weltbank, für die Bereiche Energie und Wasser. Erhebliche Investitionen seieotwendig, um die Versorgung mit sauberer Energie und Wasser zu verbessern. Nur private Kapitalgeber könnten diese Summen aufbringen. Daher müssten diese Bereiche konsequent liberalisiert und privatisiert werden, um einen angemessenen Preis für die Nutzung zu erzielen und durch die privatwirtschaftliche Organisation Effizienzgewinne zu realisieren. Vor allem in den so genannten Entwicklungsländern könnteur auf diese Weise Bildung, Wasser und Strom bereitgestellt werden. Das GATS-Dienstleistungsabkommen der Welthandelsorganisation soll dies auf transnationaler Ebene festschreiben, indem es grundsätzlich alle Dienstleistungsbereiche für ausländische Investoren freigibt und das so genannte Nichtdiskriminierungsgebot einführt. Damit wird alles verboten, was als Handelshemmnis interpretiert werden könnte: von Ladenöffnungszeiten und Bauvorschriften über Umweltschutzbestimmungen, Arbeits- und Gesundheitsschutz bis hin zu beschäftigungspolitischen Maßnahmen. Die Dienstleistungsrichtlinie der EU zielt in dieselbe Richtung.

Ob so die natürlichen Wasserreserven geschützt und die effiziente Verwendung der Energieressourcen gewährleistet werden können, ist fraglich. Die Entwicklung zeigt in die andere Richtung: Aufgrund des spezifischen Distributionssystems von Wasser und Energie führt die mono- oder oligopolistische Position der privaten Versorgungsunternehmen zu immensen Preissteigerungen. Die Versorgung aller Menschen mit Trinkwasser und Strom – public goods erster Güte – hat sich von Bolivien bis Südafrika verschlechtert. Ein Schutz der Umwelt lässt sich nicht nachweisen. Kaum eine wissenschaftliche Studie über die Privatisierung beschäftigt sich mit ökologischen Folgewirkungen oder den Auswirkungen auf die Geschlechterverhältnisse.

Ergebnis ist eine Privatisierung und Inwertsetzung ehemals öffentlicher Güter, die der Suche überakkumulierten Kapitals nach neuen Verwertungsmöglichkeiten entgegenkommt und eher einer „Ökonomie der Enteignung“ (David Harvey) als einer ökologisch nachhaltigen Entwicklungspolitik entspricht. Darüber hinaus entziehen Privatisierungen entscheidende Bereiche der gesellschaftlichen Produktion und Reproduktion dem politisch-demokratischen Einfluss von (Kommunal-)Parlamenten und Bevölkerung. Damit schwinden ökologische Steuerungsmöglichkeiten insbesondere gegenüber transnationalen Konzernen.

Nachhaltiger Neoliberalismus?

Umso entscheidender ist es aus kapitalismus- und privatisierungskritischer Sicht, konsequent nach den Formen und den Folgen von Umweltpolitik zu fragen und praktische, alternative Entwürfe anzugehen. Denn das Konzept einer ‚grünen Marktwirtschaft’ setzt seine Hoffnung weiter auf die Privaten: auf die ‚Kreativität’ der Unternehmen. Es gehe angesichts knapper werdender Rohstoffe um ein „effektives Ressourcenmanagement“, so Fücks und Steenbock.

Wahrscheinlicher sind der bereits in Gang gekommene, intensivierte Kampf um Ressourcen und die Zunahme imperialer Politiken. Fücks und Steenbock hoffen, dass, „wer die ökologische Trendwende verpasst, von den Märkten bestraft [wird]“. Das trifft auf die privatisierten Energiekonzerne augenscheinlich nicht zu. Sie schöpfen dank Preiserhöhungen enorme Profite ab und drängen darauf, die Laufzeiten von Atomkraftwerken zu verlängern und neue Kohlekraftwerke zu bauen. Da helfen die hochmoralischen Hochglanzbroschüren einer neuen Corporate Responsibility ebenso wenig, wie ökologische Alibi-Projekte von BP oder Shell. Vermeintliche Öko-Fonds an den Finanzmärkten laufen gut und die großen Versicherungskonzerne sorgen sich um die Kosten der Klimakatastrophen. Doch das macht die Finanzmärkte noch nicht zu Verbündeten. Vielmehr führt ihre globale Liberalisierung dazu, dass sich die Renditen der AktionärInnen erhöhen und in der Konsequenz soziale und ökologische Standards abgesenkt werden. Die grünen VertreterInnen eines nachhaltigen Neoliberalismus glauben an das „Wächtersystem“ globaler zivilgesellschaftlicher Umweltorganisationen. Ihnen soll nach der „sozialen Zivilisierung des Kapitalismus“ im 19. Jahrhundert der Sprung in den ökologischen Kapitalismus gelingen. Das Soziale scheint erledigt – obwohl vielmehr davon auszugehen ist, dass die soziale Frage zurückkehrt und sich zuspitzt angesichts der Prekarisierung von Lebens- und Arbeitsverhältnissen sowie einer Krise der Repräsentation. Es ginge also um eine notwendige Erneuerung des europäischen Sozialmodells sowie des Öffentlichen in Verbindung mit einem transnationalen sozial-ökologischen Umbau der Produktions- und Lebensweise. Denn die Trennung von ökologischer und sozialer Frage hat in den vergangenen 30 Jahren zu widersprüchlichen und letztlich unbefriedigenden Ergebnissen geführt.

Wesentliche Teile der Umweltbewegung, der Nichtregierungsorganisationen und der grünen Parteien haben sich auf eine enge Auslegung von Umweltpolitik beschränkt. Sie haben ihre Kräfte gebündelt, die mediale Darstellung von Forderungen und damit die Anerkennung der Bedeutung des Themas befördert, zugleich jedoch entscheidende Bedingungen für einen sozial-ökologischen Umbau vernachlässigt. Denn ohne globale soziale Gerechtigkeit wird es diesen Umbau nicht geben – er reduziert sich nicht auf eine technische Modernisierung, sondern berührt gesellschaftliche Ungleichheiten: klassenförmige Macht- und Herrschaftsverhältnisse, Geschlechter- und Produktionsverhältnisse sowie unsere konsumorientierte Lebensweise. Umweltpolitik selbst wirft immer wieder Gerechtigkeitsprobleme auf, da Folgen und Kosten sich ungleich verteilen.

Ungleichheit und Krise

Die ökologische Krise hat sich durch die freigesetzten Marktkräfte und die fortschreitende Inwertsetzung von Natur im Prozess der Globalisierung verschärft – trotz oder aufgrund selektiver Umweltpolitiken. Die von den Industrieländern vorangetriebene Globalisierung unserer Produktions-, Konsum- und Lebensweise und das weltweite Nacheiferach unserem „attraktiven“ westlichen Entwicklungsmodell tun ein Übriges. Chinas angestrebte Motorisierung auf einem Niveau westlicher Industriestaaten wird zum Kollaps des Ökosystems Erde führen. Das Entwicklungsmodell kapitalistischer Marktwirtschaften, meint der Politikwissenschaftler Elmar Altvater, sei aus ökologischen Gründen überhaupt nicht „globalisierbar“. Die beschleunigte Umweltzerstörung verringert die Chancen der Entwicklungsländer auf ihre eigene Entwicklung und erhöht gleichzeitig die Gefahr von Umweltkatastrophen. Diese Länder sind nicht nur von den katastrophischen Folgen der Öko-Krise stärker betroffen, sondern auch von den Folgen der Umweltpolitik. Dies beginnt mit der Umstellung unserer Wirtschaft auf „saubere“ Technologien im Bereich Information und Kommunikation oder eben der Umwelttechnologien selbst, mit denen wir unseren „Umweltstandort“ verbessern, während der Computerschrott und die „dreckigen“ Industriebranchen in den Osten und Süden der Welt verlagert werden. Für neoliberale Ökonomen, wie die der Weltbank, ist dies auch effizienter: Der Export von Umweltverschmutzung verursache aufgrund der niedrigeren Löhne in der „Dritten Welt“ volkswirtschaftlich geringere Kosten; ihre Umwelt sei weiterhin „unterverschmutzt“ und damit „ineffizient“ genutzt. Schließlich falle hier die Schadstoffbelastung angesichts anderer Probleme wie hoher Kindersterblichkeit und geringer Lebenserwartung kaum ins Gewicht. In der internationalen Arbeitsteilung sorgen die Länder des Ostens und Südens nicht nur für unsere Versorgung mit Roh- und fossilen Brennstoffen und müssen dafür den Raubbau an ihrer Natur verkraften, sie sorgen nun auch für die Versorgung mit erneuerbaren Biokraftstoffen – Folge ist die Verbreitung von Monokulturen, während die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln wie Mais oder Reis gefährdet wird. Die ungleiche Verteilung der Folgen findet nicht nur international zwischen Zentren und Peripherien, sondern auch innerhalb von Gesellschaften statt. Die kostenfreie Zuteilung von handelbaren Verschmutzungsrechten hat Energiekonzernen erhebliche Gewinne beschert, indem sie sich die fiktiven Kosten von den VerbraucherInnen zurückzahlen ließen. Höhere Preise hingegen treffen ärmere Haushalte härter als zahlungskräftige Kunden.

Alternativen zur Ökodiktatur

Auf diese Art ist der ökologischen Krise nicht beizukommen. Damit werden die Grenzen des Kapitalismus deutlich. Insbesondere seine fossilen Grundlagen werden rasch knapper und teurer. Die ökonomisch „sinnvoll“ zu erschließenden Erdölvorräte werden spätestens 2045 aufgebraucht sein. Die Kohlereserven reicheoch etwa 120 Jahre, Erdgas und Uran knapp 50 Jahre. Energiesparende Sanierungspolitik, Stadtbau der kurzen Wege, regionalisiertes Wirtschaften reicheicht aus, wenicht die gesamte Produktionsstruktur, die Praxis und Kultur des Konsumismus und die Ökonomie der Autogesellschaft umgewälzt werden. Gelingt dies nicht, ist zu erwarten, dass die imperiale Absicherung der ungehinderten Aneignung des Öls wesentliches Ziel der kapitalistischen Kernländer sein wird. Elmar Altvater bezweifelt, dass dies die Energiebasis des Kapitalismus retten werde. Das könnte das „Ende des Kapitalismus“ bedeuten, zumindest „wie wir ihn kennen“: eine in ihren Auswirkungen kaum einzuschätzende Umwälzung nicht nur der energetischen Basis, sondern aller gesellschaftlichen Verhältnisse. Wahrscheinlich wird der Kapitalismus diese Krise aber überleben. Unsere Zukunft könnte so aussehen: In stark ungleichen Gesellschaften schirmen sich die herrschenden und vermögenden Gruppen militärisch-polizeilich in privatisierten (Macht)Räumen autoritärer Ökodiktaturen ab. Der Rest der Weltbevölkerung fristet in einer zerstörten Umwelt sein Dasein.

Umso wichtiger ist es, Alternativen zu entwickeln. Ansätze dafür gibt es viele: von der solaren Revolution über Ansätze einer solidarischen Ökonomie, der Deprivatisierung, Rekommunalisierung und der Rückkehr öffentlicher Dienstleistungen, zu einer weniger auf den Erwerb von Waren konzentrierten Lebensweise, der partiellen De-Globalisierung. Ansätze gibt es genug, auch wenn es sich bislang um keine kohärente Strategie handelt.

Köln (epo.de). – Computer gelten gemeinhin als “saubere” Technologie. PCs sind Symbol einer entmaterialisierten Welt des globalen Cyberspace. Tatsächlich werden sie jedoch in einem hoch material- und energieintensiven Produktionsprozess in globalen Wertschöpfungsketten hergestellt, deren einzelne Stationeur schwer nachzuvollziehen sind. Weltwirtschaft, Ökologie und Entwicklung (WEED) will sich am 23. April in Köln in einem Werkstattgespräch den sozialen und ökologischen Problemen der Computer-Branche widmen.

Die Wertschöpfungskette bei der Herstellung von Computern, so WEED, ist durchzogen von gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen und Belastungen durch zahlreiche Schadstoffe, denen die in den Zulieferunternehmen beschäftigten Arbeiter/innen ausgesetzt sind. Im Endprodukt nicht sichtbar seien darüber hinaus der für die Produktiootwendige hohe Ressourcenverbrauch und die starke Umweltbelastung durch eingesetzte Chemikalien. Schließlich würden PCs nach vielfach kurzer Nutzungsdauer als Elektroschrott nach Südostasien und Afrika exportiert.

Im zweiten Werkstattgespräch im Rahmen des Projekts PC Global möchte WEED sich den sozial-ökologischen Problemen in der Computer-Branche widmen, ohne dabei soziale und umweltpolitische Aspekte voneinander zu trennen. Verfolgt werden soll die gesamte Wertschöpfungskette von der Rohstoffgewinnung über den Produktionsprozess bis zur Verschrottung.

Im Werkstattgespräch sollen Experten aus Wissenschaft und Praxis ihre Erkenntnisse über ökologische Probleme in der Computer-Branche diskutieren und sich über Handlungsalternativen austauschen. Soenke Zehle, der für WEED ein Arbeitspapier zu Umweltgerechtigkeit in der Computer-Industrie verfasst, wird den Zwischenstand des Papiers vorstellen. Anschließend sollen einzelne Aspekte, wie Regulierungsmöglichkeiten und ihre Grenzen, Umweltgerechtigkeit und Handlungsoptionen durch Beiträge der Teilnehmenden ergänzt und vertiefend diskutiert werden.

Referenten und Referentinnen sind Soenke Zehle, Fachbereich Transcultural Media Studies an der Universität Saarbrücken, Zeina Alhajj (Greenpeace International), Andrea Goetze (newthinking communications GmbH)

Einleitung

1.1 Notwendigkeit der Ökologie im Krankenhaus

Krankenhäuser haben in erster Linie die gesellschaftliche Aufgabe, der Heilung und Gesundheitsvorsorge zu dienen. Wird die viel propagierte Gesundheitsprophylaxe ernst genommen, erwächst gerade daraus eine besondere Verantwortung im Bereich des Umweltschutzes für die Krankenhäuser. Sie müssen daher die Vorreiter auf diesem Gebiet sein. Bei der medizinischen Versorgung sind die Belastungen der Umweltmedien Boden, Wasser und Luft so gering wie möglich zu halten. Bemüht das Krankenhaus sich nicht intensiv darum, so trägt es zur Morbidität der Bevölkerung bei und konterkariert ihre Aufgabe der Vorsorge und Heilung zu dienen.

Selbstverständlich treten bei der Versorgung von über 12 Millionen Patienten pro Jahr Umweltbelastungen auf. Als Großhaushalt mit einem Umsatz von über 100 Milliarden DM und mehr als 1 Million Beschäftigten verbrauchen die Kliniken Rohstoffe, Energie und Wasser. Sie produzieren Haushalts- und Gewerbeabfälle und sind als Chemie- und Pharmaziebetrieb für ihren Sondermüll verantwortlich.

Daher ist das Krankenhaus gefordert, bei der Konstruktion umweltverträglicher Produkte, vom Einkauf bis zur Entsorgung, in Partnerschaft mit Herstellern, Händlern,Transporteuren, Entsorgern und Verwertern neue Konzepte zu entwickeln und damit Umweltbelastungen zu verringern sowie Gesundheitsrisiken entgegenzutreten. Hier gilt es vernetzt zu denken und zu handeln.

Der folgende Beitrag kanur in Kurzfassung Einblick in schon vorhandene gesetzliche Vorgaben sowie Qualitätssicherungs- und Kontrollsysteme verschaffen. Die wenigen Beispiele aus der Fülle der durchgeführten Projekte im Krankenhaus sollen Anregungen für die Krankenhaustätigen sein, dieses für das Bestehen der Menschheit unabdingbar notwendige existenzielle Aufgabengebiet des Umweltschutzes im Krankenhaus als deren persönliche Herausforderung aufzunehmen.

2 Ökologie als Managementaufgabe

2.1 Umweltschutz und Qualitätssicherung als integrierte Systeme

Umweltrelevante Stoffe und Arbeitsabläufe stellen eiicht unbeträchtliches Problempotential im Krankenhaus dar. Dabei spieleicht nur rechtliche Aspekte, zum Beispiel die Einhaltung von gesetzlichen Bestimmungen im Entsorgungs- oder Arbeitsschutzbereich, sondern auch ökonomische Gesichtspunkte eine Rolle. Gerade die Entwicklung von Abfall- und Abwassergebühren oder der Energieverbrauch durch Heizungs- und Lüftungsanlagen belasten die immer knapper werdenden finanziellen Ressourcen der Krankenhäuser zusätzlich. Die freiwillige Durchführung einer umfassenden Umweltprüfung nach der EG-Öko-Audit-Verordnung bietet die Chance, alle relevanten Zusammenhänge im Krankenhaus zu erheben, zu bewerten und die notwendigen Maßnahmen anzugehen.

Im Zuge der umfassenden Datenerhebung und Bewertung der Umweltsituation kann parallel der Qualitätsstandard des Krankenhauses überprüft werden. Mit Inkrafttreten des Gesundheitsreformgesetzes vom 1.1.1989 wurde die Qualitätssicherung als unverzichtbarer Bestandteil der ärztlichen Versorgung rechtsbindend festgelegt. Krankenhäuser sind demnach verpflichtet, sich an Maßnahmen zur Qualitätssicherung zu beteiligen. Die Maßnahmen sind auf die Qualität der Behandlung, der Versorgungsabläufe und der Behandlungsergebnisse zu erstrecken. Sie sind so zu gestalten, daß vergleichende Prüfungen ermöglicht werden. Bisher wurde dieser gesetzliche Auftrag nur unzureichend erfüllt, da die meisten Krankenhäuser mit dem Begriff der Qualitätssicherung oder des Qualitätsmanangements überfordert sind. Es fehlen zum Teil die entsprechenden krankenhausspezifischen Definitionen, Leitfäden, Qualitätskriterien und Indikatoren. Grundsätzlich kann jedoch festgestellt werden, daß Qualität im Krankenhaus eine Summe von zahlreichen Einzelleistungen ist. Die Behandlung eines Patienten ist eine Prozeßkette von Teilprozessen. Das schwächste Glied dieser Kette bestimmt die Gesamtqualität.

Bezugnehmend auf die oben stehenden Aspekte des Umweltschutzes soll der Faktor Umwelt ebenfalls als Glied in dieser Qualitätskette angesehen werden, obwohl der Umweltschutz nicht primärer Geschäftszweck eines Krankenhauses ist. Es bestehen jedoch sowohl gesetzliche als auch gesellschaftliche Forderungen, die ein Umweltmanagement im Krankenhaus rechtfertigen. Die Zusammenführung von zwei unterschiedlichen Managementsystemen in ein gemeinsames, umfassendes System bedeutet daher eine wesentliche Arbeitserleichterung für alle Mitarbeiter, bessere Qualitätskontrollen bei der Patientenversorgung, optimale Organisation und weniger Verwaltungsaufwand, Rechtssicherheiten sowie das Aufzeigen von Kosteneinsparpotentialen.

2.2 Umsetzung der EG-Öko-Audit-Verordnung / ISO 14001 ff.

Mit der Novellierung der EG-Öko-Audit-Verordnung 1998 sind in Zukunft auch Dienstleistungsbranchen in der Lage, sich an dem Gemeinschaftssystem zur Einrichtung eines Umweltmanagementsystems zu beteiligen. Die Krankenhäuser werden bei der Erweiterung der zugelassenen NACE-Codes ausdrücklich erwähnt und aufgenommen. Die Integration des Umweltschutzes in unternehmerisches Handeln ist für die Krankenhäuser aus folgenden Gründen wichtig:

Erkennen der Einsparungspotentiale

Eine vollständige Umweltprüfung ermöglicht eine Gesamtbilanz und zeigt auf, an welchen Stellen durch Material- und Energiesparmaßnahmen eine Verringerung der Umweltbelastung durch den Betrieb eines Krankenhauses am wirkungsvollsten erreicht werden kann.

Verminderung des Risikos von Stör- und Unfällen

Krankenhausbereiche mit erhöhtem Umwelt- und Unfallrisiko sind insbesondere Laboratorien (Umgang mit Chemikalien und Mikroorganismen betreffend Abfälle, Abwasser und Abluft), die medizinische Technik (radioaktive Materialien) oder die Wirtschaftsbetriebe (Küche, Wäscherei, Technik).

Verminderung von Haftungsrisiken

Kann ein Unfall nicht vermieden werden, so kann bei vorhandenem Umweltmanagementsystem durch die vorgesehene Dokumentation die eingehaltene Sorgfaltspflicht nachgewiesen werden. Durch die Umweltprüfung und Umweltbetriebsprüfungen werden die Entscheidungsträger über die “Situation vor Ort” informiert. Sie können im Krankenhaus bestehende Regelungsdefizite erkennen und Rückmeldungen erhalten, ob Vorschriften und Dienstanweisungen praktikabel sind und ausgeführt werden.

Gewährleisten der Rechtssicherheit

Ein Krankenhaus kann durch seinen Normalbetrieb (Abfallentsorgung, Umgang mit Chemikalien, Radionukliden etc.) in Rechtsstreitigkeiten verwickelt werden. Die Durchführung von regelmäßigen Umweltbetriebsprüfungen senkt dieses Risiko. Gegenüber Behörden sind durch die damit geschaffene Datengrundlage eventuell geforderte Nachweise über einen ordnungsgemäßen Betrieb rasch zu erbringen.

Mitarbeitermotivation

Ein Umweltaudit trägt zur Herausbildung einer Gemeinschaftsidentität der Mitarbeiter bei. Die Identifikation mit dem Betrieb bietet auch einem Krankenhaus viele Vorteile, wie zum Beispiel eine vergleichsweise niedrige Fluktuationsrate beim Pflegepersonal.

Die hier dargestellten Vorteile eines Krankenhauses bei der Durchführung zum Öko-Audit sind nur ein Auszug. Die Aufgabe der Krankenhäuser besteht darin, für die Gesundheit von Menschen zu sorgen. Es wäre deshalb ein Widerspruch, wenn sich nicht gerade Kliniken um eine besonders umsichtige, vorbildlich umweltgerechte Betriebsführung bemühen würden. Die Einführung eines Umweltmanagementsystems nach der Öko-Audit-Verordnung oder der ISO 14.001 ff. ist daher eine sinnvolle Maßnahme. Hierbei spielt es zunächst keine Rolle, ob eine Validierung nach Öko-Audit-Verordnung oder eine Zertifizierung nach ISO 14.001 ff. angestrebt wird. Beide Vorgehensweisen haben ihre Berechtigungen, wobei festzuhalten ist, daß der Einstieg nach ISO 14.001 ff. mittlerweile als Schritt zum Öko-Audit anerkannt ist.

2.3 Vernetzung zur ISO 9000 ff.

Ein Krankenhaus definierte noch vor einigen Jahren seine Rolle über die medizinische Leistung, Beherbergung und die Ausbildung von medizinischen und pflegenden Berufszweigen. Durch veränderte Rahmenbedingungen kamen weitere Funktionen hinzu.

So übernahm das Krankenhaus zahlreiche ambulante Leistungen, Sozialbetreuung und -beratung sowie Leistungen im Bereich der Gesundheitsförderung

(z.B. Diabetesschulungen, Schwangerschaftsgymnastik, Rehabilation vor Ort). Das erweiterte Angebotsspektrum erfordert einen erhöhten Kommunikations- und Informationsbedarf sowie zahlreiche Koordinationsmechanismen. Für Klinikleitungen bedeutet dies eine Veränderung der Führungsstrukturen vom Verwalten hin zum Managen. Die erweiterten Organisationsstrukturen müssen so abgestimmt sein, daß die Qualität im Rahmen der Patientenversorgung gesichert bleibt.

Ein Mittel zur Qualitätssicherung ist die Einführung eines Qualitätsmanagements nach ISO 9000 ff.. Es ist jedoch unsinnig, mehrere unterschiedliche Managementsysteme in einem Betrieb zu installieren, da der hohe Verwaltungsaufwand von den Mitarbeitern in der Regel nicht akzeptiert wird und auch nicht sinnvoll ist.

Krankenhäuser sollten daher die Möglichkeiten überprüfen, in welchem Rahmen sie das Umwelt- und Qualitätsmanagement miteinander vernetzen können. Das Aufzeigen von Gemeinsamkeiten zwischen den Systemen und die praktische Umsetzung verbessert die interne Organisationsstruktur. Man kann dies auch als einen Prozeß der “kontinuierlichen Verbesserung” begreifen, als eine gemeinsame Klammer, die Umweltschutz und Qualitätssicherung umfaßt.

2.4 Mitarbeiterschulungen

Die Einführung voeuen Managementsystemen erfordert zum Teil eine Umstrukturierung der Betriebsführung, Verwaltung und Organisation sowie der Betriebsabläufe. Diese grundsätzlichen Veränderungen setzen die Akzeptanz aller Mitarbeiter voraus. Dies geschieht durch die effektive Weitergabe und Umsetzung bereits vorhandener und neu erworbener Wissenspotentiale. Mitarbeiterschulungen erhöhen die fachliche Qualifikation, motivieren und sind hilfreich beim Abbau von “Kastendenken”. Im Rahmen einer Verwaltungsumstrukturierung sollten die Krankenhäuser Strategien und Materialien entwickeln, welche die Umwelt- und Qualitätsinformationen des Krankenhausbereiches in verständlicher Sprache aufbereiten und den unterschiedlichen Arbeitsgruppen zur Verfügung stellen. Die Schulungen und die Betreuung von Arbeitsgruppen sind die wichtigsten Mittel, um die oben erläuterten Veränderungen im Krankenhausmanagement in die Realität umzusetzen.

3 Aspekte zu umweltrelevanten Gesetzen am Beispiel der Abwasserproblematik

Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) wie auch das Wassergesetz für das Land Nordrhein-Westfalen (LWG) verfolgen im wesentlichen zwei Ziele. Der Gesetzgeber will zum ersten den Eintrag gefährlicher Stoffe in das Wasser vermeiden und schreibt deshalb eine Reinigung von Abwasserströmeach dem Stand der Technik vor. Zum zweiten ist jeder Bürger und jeder Betrieb angehalten, Wasser sparsam zu verwenden, d.h. jeder Betrieb muß eine möglichst wassersparende Verfahrensweise für die Produktion und die Durchführung seiner Unternehmung oder Aufgaben einsetzen.

Die Rahmen-Abwasserverwaltungsvorschrift (Rahmen-AbwasserVwV) enthält für Abwasser bestimmter Herkunft Grenzwerte, die bei der Einleitung einzuhalten sind. Diese Grenzwerte sind in entsprechenden Anhängen verzeichnet. Für den Herkunftsbereich Krankenhaus existiert ein solcher Anhang zur Rahmen-AbwasserVwV nicht. Wohl aber existieren Anhänge der Rahmen-AbwasserVwV für Abwasserteilströme, die in Krankenhäusern anfallen. Dort sind Einleitgrenzwerte für die Bereiche Wasseraufbereitung und Wäscherei (Entwurf) sowie für Abwässer aus fotografischen Prozessen und der Zahnbehandlung wie auch für mineralölhaltiges Abwasser niedergelegt. Mit diesen Teilströmen sind besondere rechtliche und technische Auflagen verbunden, die vom Krankenhausträger einzuhalten sind.

In Krankenhäusern kommen jedoch auch abwasserbelastende Stoffe wie Desinfektionsmittel, Laborchemikalien und Medikamente, insbesondere Zytostatika und Diagnostika zum Einsatz. Es handelt sich hierbei um sogenannte “Gefährliche Stoffe”, da sie eine giftige, erbgutverändernde, fruchtschädigende oder krebserzeugende Wirkung haben können. Die Verwendung von cyanidhaltigen Chemikalien bei der Hämoglobinbestimmung oder jodhaltige Diagnostika in der Computertomographie erhöhen u.a. die AOX-Werte und erschweren den Abbau in den öffentlichen Kläranlagen. Eine genaue Analyse der krankenhausspezifischen Abwasserströme und die Kenntnis der Schadstoffrachten ist daher eine dringende Forderung.

Im Krankenhaus werden wassergefährdende Stoffe gelagert und es wird mit ihnen hantiert. Deshalb gilt für Krankenhäuser auch die Verordnung für Anlagen zum Umgang (Lagern, Abfüllen, Herstellen, Behandeln) mit wassergefährdenden Stoffeach § 19g des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG).

Das Krankenhaus wurde bisher als Abwasserproduzent kaum beachtet, rückt aber im Laufe der letzten Jahre stets mehr ins Blickfeld. Bislang wurden Anforderungen an das Einleiten von Abwasser (z.B. 95%ige Amalgamabscheidung, regelmäßige Anlagenprüfung, Grenzwerte für bestimmte Abwasserinhaltsstoffe etc.) mittels Verwaltungsvorschriften geregelt, d.h. für den Krankenhausträger wurden die in den Anhängen formulierten Anforderungen erst durch einen Verwaltungsakt bindend.

Durch die Verabschiedung der Abwasserverordnung vom 21. März 1997 muß der Abwasserproduzent, d.h. der Krankenhausträger nunmehr eigenverantwortlich die Anforderungen an das Einleiten von Abwasser einhalten, ohne daß eine Behörde vorher explizit Vorgaben anordnet. Ein großer Teil der Krankenhausträger wird nun mit einer neuen Rechtslage konfrontiert und muß eigenverantwortlich die Defizite im Abwasserbereich erkennen und weitestgehend abstellen. Dies hat eine große Rechtsunsicherheit zur Folge.

Grundsätzlich ist davon auszugehen, daß der personenbezogene Wasserverbrauch in Krankenhäusern wesentlich höher ist als in privaten Haushalten, welcher mit durchschnittlich 150 l / Person und Tag angenommen wird. Nach einer Untersuchung an der Universitätsklinik Freiburg beträgt der durchschnittliche Wasserverbrauch im normalen Pflegebereich bis zu 500 l / Bett und Tag. Dieser Verbrauch erhöht sich um ca. 300 l / Bett und Tag, wenn abwasserintensive Bereiche wie z.B. klinikeigene Küchen oder Wäschereien hinzugerechnet werden. In der Literatur findet man einen weites Spektrum an spezifischen Wasserverbräuchen, die von 300 l pro Tag und Bett bis 900 l pro Tag und Bett reichen. Diese große Spannweite kommt durch unterschiedliche Versorgungsstufen und medizinische Ausstattungen der Krankenhäuser zustande. Die Verbrauchszahlen geben aber auch einen Hinweis auf vorhandene Einsparpotentiale.

Zahlreiche Gespräche mit Verwaltungsdirektoren und technischen Leitern von Krankenhäusern haben gezeigt, daß die gesetzlichen Auflagen im Bereich der Abwasserproblematik wegen Zeit- und Personalengpässen sowie wegen der angespannten finanziellen Situation im Gesundheitsweseicht angegangen werden können. Oft ist auch das Problembewußtsein nicht vorhanden. Die Einarbeitungsphase erscheint dem zuständigen Personal aufgrund der Fülle gesetzlicher Vorgaben und technischer Regeln schier unüberwindlich, mit der Folge, daß wichtige Aufgaben in diesem Bereich nicht wahrgenommen werden.

4 Erfahrungen mit Umweltschutzprojekten im Krankenhaus

4.1 Medizin und Ökologie – kein Widerspruch

Bei dem Vorhaben, Ökologie in das Krankenhaus als eine unabdingbare Voraussetzung einzuführen, werden als Hinderung ökonomische und hygienische Gründe angeführt.

Eine Vielzahl von Schriften, die u.a. im Literaturverzeichnis angegeben sind, beinhalten Checklisten und Maßnahmenkataloge zur Bewältigung dieser Aufgaben. Wie daraus zu erkennen ist, kommt es auf vielen Arbeitsfeldern nicht zu einem Gegensatz.

Es ist wesentlich, zunächst ökonomisch-ökologisch relevante Gebiete zu bearbeiten, u.a. Energieverbrauch oder Produkt- und Verpackungsverbräuche in den Bereichen Küche, Labor, OP, Pflege und Wäsche. Bei dem Vorgehen ist zu unterscheiden zwischen Optimierungen, die erreicht werden durch Verhaltens- und Handlungsänderungen und Vorhaben, die unausweichlich per Gesetz vorgeschrieben sind, um gesundheitliche oder betriebs- und volkswirtschaftliche Schäden abzuwenden. Viele Maßnahmen zum Umweltschutz im Krankenhaus setzen langfristig finanzielle Mittel frei oder amortisieren sich kurzfristig sogar innerhalb eines Jahres. Ein Großteil der zunächst kostenintensiven Maßnahmen sind durch Einsparungen zu finanzieren, wenn die Betriebsleitung den Umweltschutz zur Leitlinie erhebt.

Hygienische Argumentationen gegen ökologische Maßnahmen verlieren auf manchen Gebieten ihre Gültigkeit, wenn sie einer naturwissenschaftlichen Prüfung und Begründung unterzogen werden. So kann z.B. auf dem Gebiet der Flächendesinfektion Umwelt, Patient und Personal entlastet werden, wenn durch ein strenges, überprüfbares System Desinfektionsmittel nur dort eingesetzt werden, wo es unbedingt notwendig ist.

So sind z.B. Krankenhausflure und Patientenzimmer nur von Infektionsstationen routinemäßig zu desinfizieren. Dasgleiche gilt für medizinische Apparaturen und sanitäre Armaturen.

Auch ist der zunehmende Verbrauch von Einwegmaterialien auf seine hygienische Relevanz zu überprüfen. In vielen Fällen können Einwegprodukte durch Mehrwegprodukte ersetzt werden. Sie erweisen sich als kostengünstiger, weil bei der Kostenkalkulation für Einwegprodukte häufig die Entsorgungskosten vergessen werden. Dies betrifft vor allem voluminöse oder mit Flüssigkeit gefüllte Einwegprodukte, wie z.B. Absaugungssysteme. So werden bei der Verwendung von Mehrweg-Thoraxdrainagen pro Anwendung über 30,- DM eingespart und das Müllaufkommen wird erheblich reduziert. Bei einem Verzicht auf Einweg-Instrumentarien in der Minimal-Invasiven Chirurgie, beispielsweise bei der laparoskopischen Cholecystektomie, ergibt sich eine Kostenersparnis von über 1.000,- DM pro Eingriff.

Bei der Wiederaufbereitung und Resterilisation von Einwegartikeln ist zu unterscheiden zwischen Teileicht benutzter unsteril gewordener Einmalartikel (z.B. Führungsdrähte von Kathetersystemen, fälschlich geöffnete Verpackungen) ganzer Einwegsysteme oder Übersterilisieren eines sterilen Artikels, der über das Verfallsdatum gelagert wurde. Unter Wiederaufbereitung und Resterilisation gebrauchter Einmalprodukte versteht man Reinigung, Funktionsprüfung und Resterilisation wie bei einem Mehrwegprodukt nach einem validierten Verfahren. Es handelt sich nach dem Medizinproduktegesetz und Arzneimittelgesetz nicht nach einem “in Verkehr bringen eines Produktes”, wenn dieses innerhalb der Krankenhauseinheit geschieht. Eine Vielzahl von Artikeln wie Spritzen für enterale Ernährung, Sauerstoffmasken, Beatmungstuben und Zubehör, Atemtrainer oder Pinzetten können so wiederverwendet werden.

Aus der unübersehbaren Fülle können hier nur einige Beispiele dargelegt werden. Es gibt bereits systematisch durchgeführte Klinik-Ökologieprojekte, wie das unter der Leitung von Prof. von Eiff, Zentrum für Krankhausmanagement der Universität Münster, und Herrn Jung, Pflegedienstleiter der Kerckhoff-Klinik, Bad Nauheim, im Anästhesie und OP-Bereich. Hier ist wegweisend unter anderem durch qualitätsgerechte Standardisierung von Produkten und Optimierung der Arbeitsabläufe in Kooperation mit einem Logistik-Dienstleister das Müllaufkommen um 60% (gemessen an der Anzahl von Müllsäcken/pro Tag) reduziert worden.

Zu ähnlichen Resultaten führte ein Umweltschutzprojekt im Stadtkrankenhaus Hanau,Institut für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin, Prof. Osswald, in Zusammenarbeit mit dem Ökom-Institut, Heidelberg. Deren weitere Intention ist es, die gemachten Erfahrungen und die dabei erreichten positiven ökologischen und ökonomischen Effekte auf andere Disziplinen im Hause zu übertragen und ein Umweltmanagementsystem einzurichten.

Dieses Ziel hat das Landeskrankenhaus Tulln in Niederösterreich als erstes in Europa erreicht. Im Dezember 1996 wurde ihr Umweltmanagementsystem nach der internationalen Norm DIN ISO 14.000 ff. zertifiziert. Auch hier wurde die Leistung durch Vermeidung und Verminderung von Energie und Material bei wirtschaftlichen Vorteilen erbracht. Es wurden dabei nicht nur die medizinischen Prozeße betrachtet, sondern u.a. auch der Krankenhausbau, Anlegen von Außenanlagen und Transportleistungen. Die Umweltaufgaben werden in Tulln als Prozeß begriffen und es wurden kurz- und langfristige Maßnahmenkataloge erarbeitet.

In der BRD wurde 1997 erstmalig als Pilotprojekt das Krankenhaus München-Perlach nach DIN ISO 14.000 ff. zertifiziert. Der Umweltbericht des Krankenhauses stellt die Bestandsaufnahme des Ist-Zustandes dar und weist im Bereich der Entsorgung und Energie erhebliche Umweltentlastungen und finanzielle Einsparpotentiale auf.

Kliniken in Nordrhein-Westfalen führten unter Anleitung der Firma Uventus, Gladbeck, Umweltprüfungen durch, um sich nach der EG-Öko-Audit-Verordnung validieren zu lassen. Unterstützt wurde dieses Projekt durch das Landesministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie.

Auf Grund der in der Literatur bereits vorliegenden positiven ökologischen und ökonomischen Teilergebnissen kanur dringend die Empfehlung ausgesprochen werden, daß jedes Haus für sich eine ökologische Auditierung anstrebt.

5 Perspektiven des Umweltschutzes im Krankenhaus

5.1 Der Krankenhausökologe und sein Aufgabenfeld

Zur Zeit orientiert sich das Berufsbild des Ökologiebeauftragten im Krankenhaus an die gesetzlich geforderten Fach- und Sachkundenachweise, die sich aus der 5. BImmSchV ableiten. Als Mindestanforderung sollte der Stelleninhaber die Voraussetzungen des Abfallbeauftragten erfüllen, der zwingend in den meisten Krankenhäusern vorgeschrieben ist, da mehr als 2.000 kg besonders überwachungsbedürftiger Abfälle pro Jahr anfallen. Zudem sollte die Voraussetzung einer Hochschul- oder Fachhochschulausbildung iaturwissenschaftlichen Fächern vorhanden sein, verbunden mit einer Weiterbildung im Bereich Umwelt und Hygiene. Daneben sind Kenntnisse über technische Geräte, diagnostische und therapeutische Systeme sowie Pathophysiologie eine Voraussetzung.

Sinnvoll ist die Einrichtung einer hauptamtlichen Stabsstelle bei einer Bettenzahl von ungefähr 500 – daher müssen kleinere Häuser gemeinsam einen Umweltbeauftragten einstellen. Der Stelleninhaber ist verantwortlich für die Erstellung und Kontrolle der Aus- und Fortführung eines Umweltmanagements. Er ist ebenfalls zuständig für die Umsetzung der gesetzlichen Auflagen und Ansprechpartner für die Behörden. In einer Umweltkommission, die frei von allen Hierarchien und Funktionen übergreifend arbeitet, ist der Umweltbeauftragte das Bindeglied zwischen den einzelnen Disziplinen der Umweltkommission und der Geschäftsführung.

Außerdem gehören die Einführung umweltfreundlicher Verfahren, Geräte und Produkte in Kooperation oder Auseinandersetzung mit Herstellern mit zu seinem Aufgabengebiet. Wesentlich ist die Beratung und Motivation aller betrieblichen Leistungserbringer im Krankenhaus. Weitere Aufgaben liegen in der Organisation und Weiterentwicklung der Entsorgungslogistik. Hier müssen Vermeidungspotentiale dargelegt und umgesetzt werden. Desweiteren gehört die Erstellung und Kontrolle von Umweltschutzkonzepten, nach Prioritäten geordnet, dazu. Der Umweltbeauftragte wirkt auch mit bei der Bewertung des Umweltschutzes unter betriebswirtschaftlichen Aspekten. Er erstellt die Jahresberichte über die Umsetzung von erarbeiteten Umweltschutzkonzepten und informiert die Geschäftsleitung. Die Förderung des Bewußtseins und Motivation aller Mitarbeiter für den Umweltschutz durch Information, Beratung und Schulung ist ebenfalls ein grundlegendes Arbeitsfeld.

5.2 Ausbildungs- und Organisationsstrukturen der Krankenhausökologie

Zur Zeit gibt es noch kein spezielles, fest gefügtes Ausbildungskonzept für den Krankenhausökologen. Weiterbildungsinstitute wie z.B. das Offenbacher Umweltinstitut bieten sporadisch Fortbildungsmaßnahmen an. Im Jahre 1996/97 wurde in Essen in Kooperation mit dem Bildungswerk der Wirtschaft, Essener Krankenhäuser und Krankenkassen eine Weiterbildungsmaßnahme durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Maßnahme sind in dem Buch “Ökologie im Krankenhaus – ein Gemeinschaftsprojekt” zusammengefaßt. Das Institut für Umwelttechnologie und Umweltanalytik (IUTA, Duisburg) führt zur Zeit ein Weiterbildungsprogramm für Naturwissenschaftler im Krankenhausbereich durch.

In den letzten Jahren haben sich Krankenhäuser in ökologischen Arbeitsgemeinschaften kommunal und regional zusammengeschlossen. So gibt es z.B. in Essen und im Bergischen Land Arbeitskreise, die sich mit dem Thema Umweltschutz im Krankenhaus auseinandersetzen. Darüber hinaus gibt es Landesarbeitskreise in allen Bundesländern, die entweder als selbständige Vereinigung oder angeschlossen an einer Landes-Krankenhausgesellschaft agieren. Hierin sind auch in manchen Ländern Mitglieder aus den Umwelt- oder Gesundheitsministerien und der Ärztekammer vertreten. Darüber hinaus besteht seit 1997 ein Arbeitsforum, indem die Deutsche Krankenhaus Gesellschaft, Landes-Krankenhausgesellschaften und Vertreter der Länderarbeitskreise “Umweltschutz im Krankenhaus” vertreten sind. Hier werden z.B. projektbezogene, übergreifende Arbeiten zum Thema Hygiene und Ökologie, Versorgungseinrichtungen (Küche, Wäscherei, Labor) und Ausrichtung einer ökologischen Transportlogistik durchgeführt.

In der Zukunft gilt es, Strukturen zu etablieren, um Partnern der Ver– und Entsorgung Entscheidungs- und Handlungsrichtungen aufzuzeigen, die innerhalb der Krankenhäuser abgestimmt sind. Auch gilt es, im juristischen Bereich legislative und exekutive Maßnahmen mitzugestalten. Gegenwärtig gibt es nur das Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene in Freiburg, welches wissenschaftlich schwerpunktmäßig die ökologischen Probleme der Kliniken bearbeitet. Hier ist es dringend geboten, mehr Forschungskapazitäten in Deutschland einzurichten.

6 Resümee

Die Ökologie im Gesundheitswesen und speziell im Krankenhaus befindet sich auf dem langen Marsch in und durch die Institutionen. Als Tätige in der Medizin sind wir geradezu verpflichtet, Vorreiterfunktion zu übernehmen, um die Umwelt zu schonen und damit die Gesundheit der Menschen zu dienen. Verlassen wir unsere abgesteckten Claims der Arbeitsfelder und denken und handeln in einer Vernetzung, um diese Erde lebenswert zu erhalten.

 

Die überwiegende Mehrheit aller Kleinwasserkraftwerke in ÷sterreich sind Ausleitungskraftwerke. №ber 90% dieser Anlagen stellen für Fische und andere Lebewesen unüberwindliche Hindernisse dar und fragmentieren unsere Gewässer in mehr oder weniger hermetisch abgeriegelte, unverbundene Teilstücke. Bei einem Groяteil der Anlagen sind keine behördlichen Restwassermengen vorgeschrieben; selbst wenn die Behörde einen Вökologischen MindestwasserabflussС vorschreibt, wird dieser von den Betreibern meist nicht eingehalten da Kontrollen weitgehend fehlen.

 

Ausleitungskraftwerke leiten an einem Wehr das Wasser (bzw. einen Teil davon) des Gewässers in ein Druckrohr, welches neben dem Gewässer verlegt wurde. Am Krafthaus wandelt eine Turbine die Energie des Wassers in elektrischen Strom um und das Wasser (aus dem Druckrohr) wird in das Gewässer rückgeleitet. Die Verlegung des Druckrohrs ist fast immer mit groяen Materialbewegungen verbunden. Die notwendige Bau-Infrastruktur (Baustraяe, Hangsicherung, Uferverbauung, Zugang zum Krafthaus etc.) macht die Verlegung einer Rohrleitung meist zu einem massiven technischen Eingriff der oft über Jahrzehnte hinaus als Wunde in der Landschaft bestehen bleibt. Die ursprüngliche Vegetation wird teilweise durch die übliche Allerweltsbegrünung ВersetztС, naturnahe Uferbereiche werden verbaut, und um der Allgemeinheit etwas ВzurückzugebenС wird ein Radweg angelegt und ein paar Sitzbänke aufgestellt.

 

An der Ausleitungsstrecke leidet das Gewässer oft an Schwindsucht, denn das Wasser (bzw. ein Teil davon) wurde in das Druckrohr geleitet und im ursprünglichen Bachbett verbleibt meist nur ein Rinnsal oder es liegt völlig trocken. An den meisten Ausleitungskraftwerken treten an 100 bis 200 Tagen im Jahr Niederwassersituationen ein, wie sie ohne Kraftwerk nur an einem einzigen Tag in einem Jahrzehnt vorkommen würden. Diese Situation bedeutet für die betroffenen Fliessgewässer einen massiven Eingriff in ihre ÷kologie und die damit verbundenen aquatischen Organismen.

 

Ein Gewässer kann eine kurzfristige Niedrigwassermenge wohl ohne Schäden überstehen, hingegen stellen langfristige Niedrigwassermengen Ö wie durch die Wasserentnahme durch ein Ausleitungskraftwerk Ö eine ernsthafte ökologische Gefährdung dar. Die ökologischen Probleme liegen stichwortartig aufgezählt in: Reduktion der wasserbedeckten Fläche, des benetzten Umfangs und der Mindesttiefen, Veränderung der Tiefenverteilung, der mittleren Strömungsgeschwindigkeit, der Strömungsmuster bzw. -vielfalt, der Geschiebe- und Sedimentverhältnisse, der Sauerstoffverhältnisse, der Wassertemperatur, der Nährstoffsituation (Eutrophierung, Veralgung) sowie der Kontinuumsverhältnisse. All dies wirkt sich negativ auf die qualitative und quantitative Erhaltung der Biozönosen aus.

Was viele Betreiber von Kleinkraftwerkeicht wissen wollen: Nur in den wenigsten Fällen halten sich die Schäden für die Fischfauna und die Gewässerökologie in Grenzen. Die Betreiber kleiner Wasserkraftwerke erhalten Subventionen, ohne wirklich einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Sie beteiligen sich auch nicht an der ВWiedergutmachungС des von ihnen verursachten Schadens an der Gewässerökologie. Dieser Schadensausgleich ist aber kein Akt des guten Willens, sondern eine Forderung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Gerade diese WRRL wollen die Betreiber von Wasserkraftwerken und die Elektrizitätswirtschaft (und ihre Förderer in der Politik) verwässern.

Ökologische Probleme am Horn von Afrika

Ökologische Probleme haben einen hohen Einfluss auf das Wirtschaftsleben der Region. Vor allem die regenabhängige landwirtschaftliche Subsistenzwirtschaft ist für Hungersnöte anfällig. Dennoch liegen den Hungersnöten immer multifaktorelle Ursachenkomplexe zugrunde. Besonders ökologisch anfällig ist das äthiopische Hochland: nur 1/5 der Landfläche dort lässt sich kultivieren. 50% der landwirtschaftlichen Fläche haben eine Neigung >15%, d.h. sie sind wegen der Erosionsgefahr nicht für den Ackerbau nutzbar. 50% der Gesamtfläche Äthiopiens ist Weideland, mit über 70 Mio. Stück Vieh.

Der Anteil der Wälder betrug im Hochland einst 40%, heute sind es 4% Wald und 8% Buschwald. Die Entwaldung schreitet auch heute noch immer weiter voran. Auf den entwaldeten Flächen (v.a. an den Hängen) kommt es Bodenerosion und Verlust fruchtbarer Fläche.

 

Bodendegradation bedeutet:

–                     die Mächtigkeit nimmt ab

–                     Nährstoffanteil sinkt

–                     Wasserspeichervermögen sinkt

–                     Produktivität nimmt ab

 

Dies alles geschieht bei und wegen der ständig wachsenden Bevölkerung (3% Wachstum pro Jahr). So ist es eine zentrale Aufgabe, die ökologische Tragfähigkeit der weiteren Entwicklung sicherzustellen und das kultivierbare Land zu konservieren.

Dafür sind folgende Maßnahmen von Nöten:

 

–                     Aufforstung

–                     Bodenkonservierungsprogramme

(Erdwälle, Grasstreifen, Terrassierungen)

–                     landwirtschaftliche Produktivitätssteigerungen

(Mechanisierung, nachhaltige Düngung v.a. von Phosphat)

–                     Zurückdrängen der Erosion durch Viehverbiss (Stallhaltung)

–                     Stoppen des Bevölkerungswachstums

(Erziehungs-, Gesundheits- und Familienplanungsprogramme)

–                     Aufbau dezentraler Nahrungsmittellager und Transportinfrastruktur

–                     Kontrolle der Grundwasserentnahme

–                     Verstärkung der Kooperation, z.B. über den IGADD (Intergovernmental Authority on Drought and Development)

(Matthies 1994, S. 55ff.)

Zu guter letzt muss natürlich auch ein Ende sein mit den kriegerischen Auseinandersetzungen, den ohne Frieden ist natürlich auch keine positive ökologische Entwicklung möglich. Gerade deswegen ist eine Unterstützung von Umweltorganisationen doppelt sinnvoll, wenn diese gleichzeitig der Konfliktprävention dienen (wie dies beim Projekt der Heinrich Böll Stiftung probiert wird).

 

Wie natürlich ist der Mensch und das, was er hervorbringt?
Definiert man das gesamte Ökosystem Erde als Natur, inclusive den Menschen und ihrer Zivilisation, löst sich das Problem in Nichts auf. Die drohende ökologische Katastrophe ist dann, in geologischen Zeiträumen betrachtet, eine weitere (freilich gewaltige) Selbstregulierung dieser Natur. Ob und wieviele Menschen diese überleben, spielt keine Rolle; das Ökosystem Erde wird, wenn auch zunächst geschwächt und an Formenvielfalt verarmt, weiter existieren. Diese Betrachtungsweise scheint realistisch, kann uns dennoch, trotz der Hoffnung, daß der Mensch nicht immer siegen kann, nicht weiterhelfen.
Betrachten wir Natur also als das, was den Menschen und seine Zivilisation umgibt: Flora, Fauna, Atmosphäre, Ozeane und Landschaftsformen. Wie und wann verläßt der Mensch diese Natur, hört auf, in ihr zu leben, beginnt, mit ihr zu leben und sie als Gegenüber zu sehen? Im Prinzip schon bei seinem Auftauchen in der Evolution. Durch seine Intelligenz ist er in der Lage, die Natur zunächst zu überlisten, später zu formen und auszubeuten, sich über sie zu stellen. Der Mechanismus ist seit der Eiszeit immer derselbe: Seßhaftwerden, Umweltumgestaltung, Technisierung, führt aber noch nicht notwendigerweise zu starken Umweltschäden. Es hat Kulturen gegeben (z.B. in Südostasien), die die Natur veränderten und trotzdem (uns erscheint das heute als Gegensatz) mit ihr in Einklang lebten. Das ist nicht nur eine Frage der Bevölkerungsdichte. Wertesysteme, Religionen und Philosophien spiegeln das jeweilige Naturverständnis wieder. Im Falle des christlichen Europa mit der Maxime “Macht Euch die Erde untertan”, verbunden mit großen technischen Fortschritten seit der Renaissance, sprengte die menschliche Fähigkeit, die Natur zu formen, alle vorherigen Dimensionen. Heute gegen Ende des 20. Jh. ist eine Grenze der “Umformbarkeit” (um nicht zu sagen Zerstörbarkeit) erreicht, die noch vor 50 Jahren kaum abzusehen war. Menschliche Zivilisation wird in einer derart zerstörbaren Natur nur noch wenige Generationen möglich sein. Zu allen Zeiten haben besonders verstädterte Kulturen Müll und Umweltschäden verursacht – man denke an das Römische Reich -, doch führen in diesem Jh. Millionenmetropolen auf der ganzen Welt sowie die brutale Überbevölkerung zu den heutigen Ausmaßen.
Die Gleichgewichtsregeln der Natur und das “menschliche” Prinzip der Nutzenmaximierung (d.h. Steigerung des individuellen Wohlbefindens als ultima ratio) bilden offensichtlich einen Gegensatz, der um so größer wird, je mehr der Mensch verstädtert, nicht zuletzt weil das liberale Wirtschaftssystem den Faktor Arbeit in die Agglomerationszentren zieht. Der Mensch war bisher in der Lage, sich über diese Gleichgewichtsregeln hinwegzusetzen – das Feed-back der Natur war zu schwach oder konnte umgelenkt werden. Ein Stadtmensch kann dieses Feed-back darüberhinaus lange Zeit gar nicht wahrnehmen (Trinkwasserverschmutzung und -verknappung) in seiner selbst geschaffenen Welt, die ausschließlich nach seinen Gesetzen zu funktionieren scheint. Das “natürliche” Prinzip der Nutzenmaximierung, das die Gleichgewichtsregelicht verletzt, ist für ihn irrelevant geworden. Im Leben des modernen, industrialisierten Menschen sind die entscheidenden Größen Effizienz und monetäre Bemessung. Sie korrespondieren überhaupt nicht mit deatürlichen Gleichgewichtsregeln. Das sie bedingende System der Marktwirtschaft ist allerdings im Nordeicht aufgepfropft worden, sondern hat sich allmählich entwickelt. Es reagiert in seiner jetzigen Form auf das Feed-back der Natur nicht, weil es dieses gar nicht aufnehmen und verstehen kann. Der einzig bislang wahrnehmbare Feed-back-Effekt ist vielleicht die Integration eines postmateriellen Wertes Natur in die Nutzenfunktion der Wohlstandsgesellschaften, die allerdings mit diesem Wohlstand steht und fällt, also eher ein Luxus denn eine Einsicht ist.

3 Grundsätzliche Überlegungen zu möglichen Lösungsansätzen

Wie könneun Regelungsmechanismen eingeführt werden, die das System in eine produktive Kommunikation mit der Natur zurückbringen? Mit einem neuen Wertesystem, mit dirigistischen Systemveränderungen oder gar einem ganz neuen System?
Die Lösung dieser Fragestellung allein reicht aber noch nicht. Bereits zerstörte Natur muß zusätzlich regeneriert werden, es genügt in der gegenwärtigen Situatioicht, nur mit der noch erhaltenen Natur in Einklang zu kommen. Besonders in den europäischen Industriestaaten läßt sich jedoch gar nicht mehr sagen, wie ursprüngliche Natur aussieht. Der Wald als letztes Naturüberbleibsel (den Rest der nicht verbauten Fläche kann man wohl als Agrarsteppe bezeichnen) hat durch jahrhundertelange Umwandlung, Ausbeutung und Bewirtschaftung sein ursprüngliches Gesicht verloren. Gibt es aber überhaupt ein ursprüngliches Gesicht des Waldes? Das heutige Deutschland z.B. war um Christi Geburt zu 95 % mit reinen Buchenwäldern bedeckt und nicht mit wilden Mischwäldern, die heutzutage immer für den mitteleuropäischen Urwald gehalten werden. Mit der Parole “Zurück zur Natur” kommt maicht weit, da sich die Natur nicht aus der Vergangenheit definieren läßt.
Andererseits hapert es mit einem echten Gefühl für Natur. Nicht nur, daß wir sie nicht verstehen, wir empfinden auch nicht tief genug für sie. Natürlich ist fast jeder von besonderen Landschaften und Naturpanoramen beeindruckt, doch kaum jemand sieht Bäume und Blumen als empfindliche und empfindsame Lebewesen an. Sie sind einfach Kulisse, die immer da ist und keine Ansprüche zu stellen scheint. Dieses Naturgefühl läßt sich nicht erlernen, es ist etwas anderes als das Wissen, wie Natur “funktioniert”. Unser naturwissenschaftlich-technisches Weltbild läßt uns alles in Funktionen und Mechanismen betrachten, aber damit alleine rücken wir dem Ökologieproblem nicht zu Leibe. Unser Bildungssystem sieht in diesem Punkt gar nichts vor, und es ist angesichts einer völlig verstädterten, konsumorientierten Kultur unklar, wie künftige Generationen zu einem solchen Naturgefühl erzogen werden können.
Ein großes Problem bei der Suche nach dem verlorenen Naturgefühl ist die durch Reizüberflutung der Medien verminderte Erlebnisfähigkeit. Unterhaltungsüberfütterung, Abstumpfung natürlicher Gefühle, die Jagd nach schnellem, oberflächlichem Glück (nicht zuletzt durch die Werbung angeheizt) haben die Tiefe der Empfindungen zugeschüttet. Im übrigen kann man dies für die zwischenmenschlichen Beziehungen ebenso konstatieren – wir müssen auch unsere Mitmenschen als Teil der Natur begreifen.

4 Das globale Ökologieproblem

Das gegemwärtige Weltwirtschaftssystem ist ökologisch betrachtet eine Katastrophe. Die Industriestaaten haben, nachdem sie sich in den letzten 25 Jahren dessen bewußt geworden sind, erste zaghafte Reformen ihrer Produktionsmethoden unternommen und beginneun, Druck auf die Dritte Welt auszuüben, nachzuziehen. Dieser Druck ist jedoch egoistisch, solange die Industriestaaten keine finanziellen Mittel bereitstellen, und wirkt bisher eher wie der Versuch, potentielle Konkurrenten und andere Kulturen unterentwickelt und abhängig zu halten. Ist die Dritte Welt im jetzigen System überhaupt in der Lage, irgendeine Reform selbst durchzuführen? Die Entwicklungspolitik der letzten 20 ist gescheitert. Die wenigen Staaten, die Anschluß an die Industriestaaten gefunden haben (z.B. Taiwan, Hongkong, Südkorea), konnten dies nur um den Preis größerer Umweltzerstörungen erreichen. Die restlichen sogenannten Schwellenländer von einst sind vom allgemeinen wirtschaftlichen Absturz der Dritten Welt mitgerissen worden, ein Konzept für eine neue Entwicklungspolitik ist nicht in Sicht. So muten denn auch die Forderungen des Nordens eher wie das Zuschanzen des Schwarzen Peters an, solange nicht das Weltwirtschaftssystem insgesamt radikal umgestaltet wird.
Ist der freie Weltmarkt das Allheilmittel, nachdem manche Entwicklungsländer und auch einige Theoretiker in den Industriestaaten rufen? Verschiedene Staaten würden sich noch weiter spezialisieren auf einige wenige Wirtschaftszweige, um konkurrenzfähig bleiben zu können. Die Abhängigkeit ohnehin schwacher Staaten dürfte dabei aber zunehmen, Nachfrageeinbrüche auf bestimmten Märkten hätten dann noch verheerendere Folgen, als dies bisher der Fall ist. Eine Strukturpolitik müßte dann ausschließlich auf UNO-Ebene stattfinden – aber wir kennen ja die UNO, und wir wissen, wie schwierig Strukturpolitik schon in der Bundesrepublik ist.
Sämtliche Szenarien, die in irgendeiner Form Solidarität der Industriestaaten erfordern, sind wohl unrealistisch. Einzig die jetzt beginnenden Wanderungsbewegungen könnten einen politischen Druck zur Kooperation erzeugen, könnten aber – als Ausdruck von Resignation oder Egoismus im Norden – auch die Errichtung einer Wohlstandsmauer beschleunigen.
Trotzdem: Gibt es irgendwelche Alternativen zu den gegenwärtigen Tendenzen? Kooperation zwischen Nord und Süd könnte vielleicht in einem “Patenmodell” stattfinden, in dem die USA sich auf die Entwicklung Südamerikas konzentrieren, die EG auf Osteuropa und Afrika, Japan auf Asien. Aber, angesichts der momentanen Rezession, hört sich das schon fast lächerlich an. Eine Alternative wäre die Bildung von Wirtschaftsblöcken innerhalb der Dritten Welt, mit einem gewissen Protektionismus nach dem Vorbild von USA, EG und Japan. Die jeweiligen Staaten würden zwar den Vorteil ihrer billigen Arbeitskräfte einbüßen, könnten aber ihre Rohstoffe zu menschenwürdigen Preisen verkaufen (man erinnere sich an die Ölkrisen). Außerdem würde es ihnen die Möglichkeit einer halbwegs eigenständigen kulturellen Entwicklung und Wahrung ihrer Identität geben – wovon im jetzigen System keine Rede sein kann. Allerdings ist die Aussicht auf Entwicklungshilfe durch Industriestaaten zu politischen Gegenleistungen für viele Dritt-weltländer attraktiver gewesen als die Kooperation untereinander, weshalb die jüngere Geschichte reich an Bruderkriegen in der Dritten Welt ist. Der Golfkrieg hat uns außerdem gezeigt, wie die Industriestaaten auf Entwicklungen reagieren, die auf eine Stärkung des regionalen Zusammenhalts hinzielen. Die Spaltung des arabischen Lagers im Golfkrieg zeigt darüberhinaus, wie groß die Chancen sind, in Regionen der Dritten Welt einen Konsens herzustellen.

5 Das Ökologieproblem eines einzelnen Industriestaates

Die Wirtschaftswissenschaften sind in den letzten Jahreicht untätig gewesen und haben sich mit der Entwicklung einer Umwweltökonomie befaßt. Zentrales Problem scheinen jedoch die Nichtquantifizierbarkeit der Verschmutzung von Boden, Wasser und Luft sowie die Erfassung und Zuordnung der externen Kosten (d.h. die Kosten, die der Gesellschaft durch die Umweltschädigung von Produktionsprozessen entstehen) zu sein, die nicht über einen Markt erfaßt werden können, weil für sie kein Markt existiert. Die Güterpreise sind eigentlich zu billig, weil sie die externen Kosteicht enthalten. Umweltfreundliche Produkte, deren Preis externe Kosten berücksichtigt, sind also teurer und weniger wettbewerbsfähig. Die Marktwirtschaft zeigt sich offenbar dieser neuen Problematik nicht gewachsen, weil diese gar nicht Eingang in ihre Strukturen finden. Es ist fraglich, ob es im Rahmen der Marktwirtschaft eine erfolgreiche Umweltökonomie geben kann. Im Anhang findet Ihr einen kleinen Abriß der Umweltökonomie von Robert (G.).

Zweifellos ist der ökologische Umbau heute nicht mehr Angelegenheit eines jeden einzelnen Industriestaates. Gemeinsames Handeln aller Industriestaaten ist als nötig erkannt worden, aber keiner macht den Anfang, da er den anderen zunächst einmal eine Trittbrettfahrermentalität unterstellt. So lauten denn die beiden Hauptargumente im Kampf gegen ökologische Reformen der aus diesen entstehende Verlust der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und ein anschließender Abbau von Arbeitsplätzen. Daraus ergeben sich die erbitterten Kämpfe zwischen wirtschaftlichen “Realisten” und “Ökologisten“. Beispielsweise in der EG-Energiepolitik: Im Rahmen des EG-Binnenmarktes soll ein EG-Energiemarkt errichtet werden, der auf dem Common Carrier-Prinzip beruht. Einspeisern und Großabnehmern wird freier Zugang zu einem verbundenen Energienetz gewährt, mit dem Ziel, durch den Wettbewerb billigeren Strom zu produzieren, was der europäischen Industrie wiederum in der Weltwirtschaft zugutekommt. Das sieht so aus, daß in Frankreich und anderen Ländern mit niedrigeren Sicherheitsanforderungen eine billige (weil unglaublich subventionierte) Atomstromindustrie boomen wird, die maebenher auch noch als umweltfreundlich wegeiedriger CO2- Emissionen ausgeben kann. Klingt so ganz gut. Man kann aber auch zu ganz anderen Ergebnissen kommen: Mit einer konsequenten Nutzung von Kraft-Wärme-Kopplung (d.h. die Abwärme bei der Stromproduktion als Fernwärme zur Beheizung nutzen) und alternativen Energien und bei völligem Verzicht auf Atomenergie würde man immer noch weniger CO2 emittieren als mit “sauberem” Atomstrom im EG- Szenario (so eine Studie des Öko-Instituts in Freiburg; Näheres dazu im Anhang). Dazu wäre jedoch eine EG-weite dezentrale Produktionsstruktur nötig, da mit dem Common Carrier-Prinzip keine Kraft-Wärme-Kopplung möglich ist – Fernwärme läßt sich im Gegensatz zum Strom nicht über Tausende von Kilometern transportieren. Hier berührt das Problem nun politische Entscheidungen über die Strukturen einer künftigen Europäischen Union: Jede Idee zieht zunächst einen Rattenschwanz neuer Probleme nach sich. Es gibt mittlerweile keine Einzellösungen mehr, nichts kann mehr ohne einen größeren, meist internationalen Kontext gesehen werden.Die diversen Studien über Formen einer ökologischen Industriegesellschaft sollen hier nicht im einzelnen erörtert werden. Dies bleibt vorläufig jedem selbst überlassen.

Uns bleibt erst einmal nichts anderes übrig, uns über diese Verflechtungen und die Bedingungen, Voraussetzungen und Aussichten eines ökologischen Umbaus klar zu werden.
Beginnt er beim Einzelnen, also von unten, oder oben beim Staat? Ist es möglich, das gegenwärtige System einer (mehr oder weniger) sozialen Marktwirtschaft zu reformieren oder muß ein ganz neues System gefunden werden? Wieviel Zeit können wir uns noch mit der Beantwortung dieser Fragen lassen? Bleiben wir im System, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder es entwickelt sich eine neue Autorität, d.h. eine politische Macht oder eieues gesellschaftliches Bewußtsein, daß den ökologischen Umbau einleiten und durchsetzen kann, oder es werden selbstregulierende Mechanismen eingebaut. Im letzteren Sinne sind Vorschläge wie Energiesteuer, CO2-Steuer oder neuerdings Zertifikate für Industrieemissionen zu verstehen. Diese könnten jeweils die Umweltbelastungen konstant halten, aber sie würden die Ursache nicht bekämpfen. Die Zertifikate beispielsweise berechtigen zur Emission einer bestimmten Schadstoffmenge und können zunächst beim Staat, der so eine neue Einnahmequelle für ökologische Maßnahmen erschließt, gekauft und später frei gehandelt werden. Ohne Zertifikate ist dann die Eröffnung einer neuen Fabrik nicht möglich, es ist also sichergestellt, daß aufgrund eines Booms neu entstehende Industrie die Gesamtemissioicht erhöht. Bei solchen Lösungen müßte sich in den Köpfeichts verändern, das Problem wäre rein mechanistisch entschärft.

6 Das Ökologie-Problem eines jeden einzelnen von uns

Womit wir beim Umweltbewußtsein des Einzelnen angekommen sind. Mangelndes Umweltbewußtsein ist nicht unbedingt Ausdruck von Gleichgültigkeit oder Egoismus. Zum einen fehlt es an der nötigen Information über Zusammenhänge (vereinfachende, reißerische Informationen gibt es reichlich); zum anderen kann man die Schäden, die durch bestimmte Verhaltensweisen verursacht werden, gar nicht wahrnehmen oder nur in so großen Zeiträumen, daß ein Schuldgefühl nicht mehr aufkommen kann. Ein “Umweltwert” muß sich erst entwickeln, der einem sofort im Moment der Schädigung ein schlechtes Gewissen einflößt. Dieser Wertewandel findet in einigen Industriegesellschaften mittlerweile statt, aber möglicherweise auch in dieseoch zu langsam. Mit der Entstehung eines Umweltwertes muß ein Wiedererstarken der Werte Solidarität und Mäßigung einhergehen, als Gegengewicht zum Egoismus und zum Leistungs- und Effizienzdenken der Marktwirtschaft, die das Ökologieproblem ermöglicht haben. Braucht Solidarität aber eine stiftende Autorität? Z.B. Kriege und Naturkatastrophen, oder eben eine Umweltkatastrophe? Welche bereits bestehenden Autoritäten sind in der Lage, den Wertewandel durchzusetzen? Staat, Kirche, Familie?
Der Wertewandel ist jedenfalls keine Frage rationalen Verhaltens, wie uns das Gefangenendilemma der Spieltheoretiker zeigen kann. Dort wird den beteiligten Personen rationales Verhalten unterstellt mit dem Ergebnis, daß sie eher bemüht sind den eigenen Schaden zu minimieren als den der Gruppe. Das Ergebnis dabei ist für die Gruppe nicht optimal – es sei denn, es gäbe eine Gruppenautorität, die den Beteiligten die für sie individuell taktischste Lösung nicht gestattet. Das Gefangenendilemma ist zur Verdeutlichung im Anhang kurz dargestellt. Überträgt man dies auf Entscheidungs- und Verhaltensmuster von Individuen in unserer individuell- rational orientierten Gesellschaft, z.B. beim Ökologieproblem, wundert man sich nicht, warum alle Beteiligteicht endlich anfangen, kollektiv rational zu handeln. Und wir stellen fest, daß es derzeit keine wie auch immer geartete Autorität gibt, die einen kollektiven Rationalismus durchsetzt. 6 Das Ökologieproblem eines jeden einzelnen von uns Endlich ist der Augenblick der Selbstkritik gekommen. Handeln wir individuell- oder kollektiv- rational? Die wenigsten von uns können behaupten, sie würden schon genug für die Umwelt tun, hätten ihren Lebensstil ökologisch umgestellt, obwohl im Kopf schon viele Erkenntnisse gereift und Aha-Effekte eingetreten sind. Zu diesem Zweck haben wir eine “Öko-Checkliste” (Abschnitt 7) aufgestellt, bei der auch wir noch nicht besonders gut abschneiden. Aber es ist ein Anfang – wenn Euch neue Punkte einfallen, sagt sie uns.


 

7 Anhang: Fragen zum eigenen Umweltbewußtsein und -verhalten

Eine Auswertung für Deine Antworten gibt es nicht. Du wirst ihnen wohl entnehmen können, wieviel Strom Du verbrauchst, wieviel Dreck Du mitproduzierst, wie unangemessen und verantwortungslos Du Dich in bestimmten Angelegenheiten verhältst etc. (oder auch nicht).
Teil 1

Besitzst und benutzst Du

  • Waschmaschine (wenn ja, wie oft)

  • Staubsauger (wenn ja, wie oft)

  • Stereoanlage (wenn ja, wie viele Stunden pro Tag)

  • Fernseher (wenn ja, wie viele Stunden pro Tag)

  • Computer (wenn ja, wie viele Stunden pro Tag)

  • elektr. Rasierer

  • Föhn

         elektr. Küchengeräte (wenn ja, wie viele und wie oft)


Sparst Du bewußt Strom?

Hast Du ein Auto?

Fährst Du bewußt sparsam?

Fährst Du Fahrrad und hast Du eine Monatskarte für öffentliche Verkehrsmittel?

Verbrauchst Du Batterien (wenn ja, wieviele pro Jahr)?

Verwendest Du Einwegstifte und Textmarker?

Kaufst Du Einwegflaschen und Dosen (wenn ja, wie oft)?

Nimmst Du beim Einkaufen Plastiktüten?

Gehst Du in Fast-Food-Läden (wenn ja, wie oft)ß

Fährst Du Ski-Alpin?

Machst Du Luxus-Urlaub?

Verwendest Du ausschließlich Altpapier zum Schreiben?

Kopierst Du auf Altpapier?

Verwendest Du Klopapier aus Altpapier?

Benutzst Du Stofftaschentücher?

Sparst Du Verpackung durch Kaufen größerer Packungen?

Gibst Du die Umverpackungen im Laden ab?

Kaufst Du oft im Bioladen?

Kaufst Du bewußt ökologisch unbedenkliche Produkte?

Nimmst Du Seife statt Duschgel oder nachfüllbares Duschgel?

Duschst Du anstatt zu baden?

Sparst Du Wasser bei der Toilettenspülung durch Regelung der Wassermenge (z.B. durch ein Gewicht im Wasserkasten)?

Verwendest Du Ökoputzmittel?

Gibst Du Lebensmittelreste auf einen Kompost?

Sammelst Du Altglas und Altpapier?

Sortierst Du den Müll außer nach Glas und Papier noch weiter und bringst ihn zu einem Recyclinghof?

Kaufst Du Kleider auch in Second-Hand-Shops?

Gibst Du Kleider, die Dir überhaupt nicht mehr gefallen, die aber noch in Ordnung sind, zur Altkleidersammlung, d.h. Du schmeißt sie nicht einfach weg?

Kaufst Du Dir neue Kleider, wenn die Mode gerade wechselt?

Wenn man im Bauwesen den Umweltschutz anspricht, dann denken fast alle zuerst an das “Ökologische Bauen”. Beim ökologischen Bauen geht es vor allem um den Einsatz von Baumaterialien, mit denen der Aufwand für die Heizenergie gering gehalten und die Gesundheit der Bewohnerinnen und Bewohner nicht gefährdet wird. Doch wie sieht es mit der Inanspruchnahme voatürlichen Flächen, dem Verbrauch von Ressourcen und Energie, dem Transport und der Verarbeitung von Baumaterialien sowie dem Umgang mit den Bauabfällen aus?

Erst eine Auseinandersetzung mit all diesen Fragen ermöglicht ein realistisches Bild über die ökologische Bedeutung des Bausektors.

Der Baubestand

Zu Beginn einer ökologischen Einschätzung ist zunächst einmal zu ermitteln, was alles vorhanden ist und wie sich der Bestand weiter entwickeln wird. Für das Bauwesen bedeutet das die Betrachtung aller Straßen und Gebäude.

Bei uns in Schleswig-Holstein gibt es zur Zeit zirka 680.000 Wohngebäude mit etwa 1,4 Millionen Wohnungen. Die Wohngebäude unterteilen sich in je ein Viertel Altbauten und in 50er und 60er Jahre-Bauten sowie zur Hälfte ieuere Bauten (ab 1970). Über die Hälfte dieser Gebäude sind freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser. Die anderen Gebäude sind Reihen- und Mehrfamilienhäuser. Zusätzlich zu den Wohngebäuden gibt es etwa 65.000 Gewerbe- und Verwaltungsgebäude.

Neben den Gebäuden zählen die Straßen zum Baubestand. Zur Zeit gibt es in Schleswig-Holstein etwa 20.000 Kilometer befestigte Straßen. Dabei dominieren die Gemeindestraßen mit zirka 10.000 Kilometern. Hinzu kommen Kreis- und Landesstraßen mit je etwa 4.000 Kilometern sowie die Bundesstraßen (1740 Kilometer) und Autobahnen (450 Kilometer).

Insgesamt sind im Baubestand von Schleswig-Holstein etwa 800 Millionen Tonnen Baumaterialien verbaut. Durch die fortlaufenden Bautätigkeiten erhöht sich dieser Baubestand stetig. Eine Abnahme des Baubestandes ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten.

In- und Output im Bauwesen

Für den Gebäude- und Straßenbau werden in Schleswig-Holstein jährlich etwa 20 Millionen Tonneeue Baumaterialien eingesetzt. Etwa drei Viertel sind Bausand, Kies und Splitt. Knapp ein Viertel machen Kalk, Ton und wieder eingesetzter Bauschutt aus. Mengenmäßig gering sind Metall-, Kunststoff- und Holzerzeugnisse. Der größte Teil der mineralischen Baumaterialien wird jeweils regional im Umkreis von 100 Kilometer abgebaut. Allerdings nimmt der Import von Natursteinen aus Skandinavien und England seit einigen Jahren zu.

Bevor die neuen Baustoffe verbaut werden, sind bei ihrer Herstellung und an den Baustellen schon Abfälle entstanden. Diese herstellungsbedingten Abfälle werden als “stoffliche Rucksäcke” bezeichnet. Sie stellen den Output des Inputs dar. Bei der Verarbeitung von Steinen und Erden (den Massenprodukten im Bauwesen) entstehen verhältnismäßig geringe Abfallmengen (etwa zwei bis drei Gewichtsprozent). Allerdings sind die Abfälle aus der Metallverarbeitung etwa dreimal so hoch wie die Metallerzeugnisse selbst. Bei der Herstellung von Kunststoff- und Holzprodukten entstehen etwa genauso viele Abfälle wie einsatzfähige Produkte.

 

Materialströme im Bauwesen in Schleswig-Holstein (Stand: 1997)
(Quelle: LANU)

Den Output im herkömmlichen Sinne bilden der Bauschutt und der Straßenaufbruch mit je knapp drei Millionen Jahrestonnen. Auch Erdaushub zählt zu den Bauabfällen. Da Erdaushub ökologisch weniger bedeutsam ist als industriell hergestellte Bauprodukte, wird er in diesem Beitrag nicht weiter behandelt. Von den zirka 5,5 Millionen Tonnen Bauabfällen, die jährlich in Schleswig-Holstein anfallen, werden etwa 1,5 Millionen Tonnen im Straßenbau wieder eingesetzt. Ein bisher noch unerheblicher Teil vom Gebäudeabriß wird in Bauschuttaufbereitungsanlagen sortiert und gebrochen, um später als Recycling-Baustoff im Hochbau wieder verwertet zu werden.

Bisher ermöglichten die Nachweispflichten keine vollständige Ermittlung der Bauabfälle. So entziehen sich Bauabfälle, die außerhalb von Schleswig-Holstein verwertet oder auf privaten Geländen einfach “untergebuddelt” wurden, der amtlichen Statistik. Es wird davon ausgegangen, daß es sich dabei um etwa zwei Millionen Jahrestonnen handelt. Diese Unklarheit wird sich künftig lichten. Durch EG-weite Neuregelungen ist ab 1999 der Verbleib der Bauabfälle nachzuweisen. Bisher schon öffentlich registriert werden eine Mio. Tonnen mineralische Bauabfälle, die jährlich in alte Kiesgruben zur Rekultivierung verfüllt werden. Eine etwa gleiche Menge an Bauabfällen, die in der Regel schadstoffhaltig sind, wird auf Deponien abgelagert.

Umweltschutz im Bauwesen

Die Bauwirtschaft, die nach der Energieerzeugung und der Verarbeitung von Metallen mit 15 Prozent des globalen Materialverbrauches der drittgrößte Verbraucher der deutschen Wirtschaft ist, ist eine bedeutsame Ansatzstelle für Konzepte zur effizienteren und nachhaltigen Nutzung der Ressourcen. Verglichen mit dem Rohstoff- und Energieverbrauch der Bauwirtschaft belasten die Bereiche Ernährung, Gesundheit und Kleidung die Umwelt erheblich weniger.

Zu den ökologischen Problemen, die vom Bausektor ausgehen, gehören der Rohstoffverbrauch (vor allem Sand, Kies und Steine), die Inanspruchnahme voatürlichen Flächen durch den Rohstoffabbau und der Flächenversiegelung sowie die humantoxischen Belastungen. Hinzu kommen die für die Verarbeitung nötigen Energie-, Transport- und Hilfsstoffverbräuche.

Die Umweltbelastungen eines Gebäudes ergeben sich aus dem Rohbau, dem Innenausbau und den Renovierungen. Die ökologischen Belastungen, die durch die eingesetzten Baustoffe beim Rohbau samt Dachstuhl erzeugt werden, relativieren sich durch die hohe Lebensdauer. Wichtig ist beim Neubau, daß auf besonders belastende Baustoffe, wie zum Beispiel PVC-Produkte oder Porenhochlochziegel, verzichtet wird. Von Bedeutung ist eine effektive Wärmedämmung. Die dazu nötigen Baustoffe verbrauchen zu Baubeginn zwar zusätzlich Rohstoffe und erzeugen durch deren Herstellung zusätzliche Umweltbelastungen. Doch über die jahrelange Einsparung an Heizenergie ergeben sich langfristig positive ökologische und finanzielle Effekte. Unter Betrachtung der Umweltbelastungen während der ganzen Nutzungszeit eines Gebäudes nimmt der Innenbereich mit den Fußbodenbelägen, den Türen, Fenstern und Installationen an Bedeutung zu. Von den gesamten Umweltbelastungen eines Neubaus machen die des Innenbereiches zunächst etwa die Hälfte aus. Im Laufe der Zeit verdoppeln sich durch Modernisierungsmaßnahmen die Umweltbelastungen der Fenster, der Dachbedeckung und der technischen Installationen. Die Umweltbelastungen durch Anstriche, Tapeten und Fußbodenbeläge, die anfangs etwa ein Viertel ausmachen, vervielfachen sich durch die Renovierungsmaßnahmen. Diese ständige Zunahme der Umweltbelastungen kanach einer 100jährigen Gebäudenutzung dazu führen, daß sich die anfänglichen Umweltbelastungen des Neubaus durch die Modernisierung und Renovierung mehr als verdoppelt haben. So wird deutlich, daß die in vielen Mietverträgen enthaltene Forderung, beim Auszug eine frisch renovierte Wohnung zu übergeben, ökologisch widersinnig ist. Denn dadurch kommt es immer wieder zu kurz aufeinanderfolgenden Renovierungen. Außerdem belasten lösemittelhaltige Farben und Lacke, sowohl beim Neubau, als auch bei jeder Renovierungsmaßnahme das Innenraumklima und gefährden die Gesundheit der Bewohner/innen.

Wenngleich sich im Laufe der Zeit der ökologische Schwerpunkt vom Bauen zum Renovieren verlagert, muß doch auf eine bedenkliche Entwicklung hingewiesen werden. Es handelt sich um den steigenden Einsatz von Bauhilfsstoffen. Dieser Einsatz steht in direkter Verbindung mit der Leichtbauweise. Die Leichtbauweise führt zum einen zur Verkürzung der Nutzungsdauer von Gebäuden und erschwert zum anderen mit ihren Gipsplatten, den Wärmedämmverbundsystemen und Polyurethan-Montageschäumen die Wiederverwendung und -verwertung künftiger Bauabfälle. Problematisch ist auch die Entwicklung, industrielle (Sonder-)abfälle in Baustoffen einzubringen. So werden beispielsweise Filterstäube der Zementwerke direkt in den Zement eingebrannt und schwermetallhaltige Altöle bei der Ziegelherstellung verwendet. Auch die stoffliche Verwertung von altem Bildschirmglas bei der Glaswolleherstellung erhöht die Schwermetallkonzentration der Bauprodukte. Diese vordergründigen Problemlösungen werden langfristig die Probleme verstärken. Sowohl die Baustoffe der Leichtbauweise, als auch die Verwertung von Sonderabfällen in Baustoffen führen dazu, daß kleine Materialmengen toxikologisch unbedenkliche Massenabfälle verunreinigen.

Als Lösung für die mit dem Bauwesen einhergehenden Umweltprobleme wird im allgemeinen das ökologische Bauen angeboten. Doch ökologisch Bauen bedeutet zunächst einmal, daß ebenfalls natürliche Flächen, Rohstoffe und Energie verbraucht werden. Mag sein, daß die spezifischen Verbräuche niedriger sind als bei der herkömmlichen Bauweise. Absolut gesehen kann jedoch nur ein optimiertes Nutzen vorhandener Bauobjekte ökologische Entlastungen bewirken. Dazu gehören die seit Mitte der 70er Jahre forcierten Wärmedämmaßnahmen an bestehenden Gebäuden und der Ausbau von Dachwohnungen. Auch die räumliche Umgestaltung einer großen Wohnung zu zwei kleineren Wohnungen ist ökologisch und finanziell sinnvoll. Eine solche Maßnahme ist zum Beispiel angebracht, wenn Kinder ihren eigenen Hausstand gebildet haben.

Mit Holz isoliertes und umgebautes Gebäude
(Quelle:
Knaur-Taschenbuch 82076)

(Zum Vergrössern bitte das Bild anklicken)

Der Trend zu kleineren Familien mit immer größeren Zimmern und die Zunahme von Einpersonenhaushalten sind ökologisch ungünstig. Dadurch hat sich in den vergangenen 20 Jahren der durchschnittliche persönliche Wohnraum nahezu verdoppelt. Zur Zeit liegt der Wohnraumverbrauch in Schleswig-Holstein bei 40 Quadratmeter pro Person. Die Zunahme des Wohnraumes bedeutet nicht nur, daß mehr Flächen und Baumaterialien in Anspruch genommen werden, sondern auch einen höheren Verbrauch von Einrichtungsgegenständen und an Heizenergie.

Ökologisch negative Auswirkungen können auch der sogenannten Eigenheimförderung zugesprochen werden. Damit wurde und wird das Neubauen begünstigt.

Sinnvoller wäre es, wenn intelligente Maßnahmen im Baubestand gefördert würden. Dazu gehört die Bevorzugung gebrauchter und regionaler Baustoffe. So sind der Einsatz von brauchbaren Bauelementen aus Abrißhäusern und die Verwendung von Holz zu begünstigen. Unter ökologischen Aspekten ist zu prüfen, ob sich der Neubau von Häusern und Straßen vermeiden läßt. Und wenn gebaut wird, sollten zumindest besonders hohe Belastungen reduziert und Ausgleichsmaßnahmen geschaffen werden, die über die Mindestanforderungen des Landesnaturschutzgesetzes hinausgehen.

Es ist auch ganz im Sinne des Bodenschutzes, wenn eine Kommune bestimmt, daß sich der Grad der Flächenversiegelung nicht erhöhen darf. Dann kann eine Neubaumaßnahme nur genehmigt werden, wenn für die erforderliche Flächenversiegelung zuvor Flächen in der Gemeinde entsiegelt wurden. Als vertretbare Baumaßnahme gilt zum Beispiel die Erweiterung von Einfamilienhäusern zu Mehrfamilienhäusern.

Maßnahmen, die den Wohnraumbedarf reduzieren, tragen ebenso wie Umbaumaßnahmen dazu bei, Umweltbelastungen und Abfälle an der Quelle zu vermeiden. Doch wenichts mehr zur Erhaltung eines Gebäudes oder einer Straße getan werden kann, entstehen Abfälle. Bauprodukte, die als Abfall anfallen, sind unterschiedlich alt. Technische Geräte wie Heizungen, Rohre, Armaturen sind meist keine 30 Jahre alt. Türen und Fenster können durchaus 50 bis 60 Jahre alt sein und Dachstuhl und Rohbau sind durchschnittlich 100 Jahre alt. Während früher ein Gebäude komplett mit einer Abrißbirne zertrümmert und als Bauschutt entsorgt wurde, erfolgt heute der Abriß systematischer. Inzwischen werden immer häufiger Gebäude selektiv in mehreren Rückbaustufen demontiert. Als erstes erfolgt dabei der zerstörungsfreie Ausbau direkt verwendbarer Bestandteile wie Heizkörper, Sanitäranlagen und Aufzüge. Es folgen Fußbodenbeläge sowie Kabel- und Rohrleitungen, die stofflich getrennt einer Wiederverwertung zugeführt werden. Bevor die Gebäudesubstanz abgerissen und aufbereitet wird, werdeoch Dämmatten, Raumteiler, Füllschäume und Teerpappen entnommen, die als Abfall beseitigt werden.

Bauschuttaufbereitungsanlage
(Quelle: Bundesverband der Deutschen Zementindustrie e.V.)

(Zum Vergrössern bitte das Bild anklicken)

Zur Zeit wird lediglich im Straßenbau ein nennenswerter Anteil der Bauabfälle wiederverwertet. Die Bauabfälle aus dem Gebäudeabriß müssen künftig verstärkt einer Verwertung zugeführt werden. Hierzu ist die Aufbereitungstechnik und -logistik zu verbessern. Auch der Wiedereinsatz von Recycling-Baustoffen im Hochbau muß erleichtert werden. Einen wertvollen Schritt in diese Richtung stellt eine neu verabschiedete Richtlinie dar, die den Zuschlag von Rezyklat bei der Betonherstellung regelt.

Als Hilfestellung für die Akteure der Abfallwirtschaft erstellt das Umweltministerium derzeit einen Abfallwirtschaftsplan für Schleswig-Holstein. Darin sind unter Berücksichtigung der Produktlebenslinien Eckpfeiler für den Einstieg in ein bestandsorientiertes Stoffstrommanangement aufgeführt. Es ist abzusehen, daß die unternehmerische Herausforderung der Zukunft immer mehr in der Bestandserhaltung und in einer verbesserten Aufbereitung der Bauabfälle liegen wird.

Umweltschutzstrategien im Bauwesen

Das Bauwesen hat für den Umweltschutz eine sehr hohe Bedeutung. Durch eine gezielte Anwendung sinnvoller Umweltschutzmaßnahmen lassen sich große Umweltschutzeffekte erzielen. Dazu ist es nötig, alle am Bauwesen beteiligten Akteure und ihre spezifischen Interessen zu berücksichtigen. Die Landesregierung hat mit der Initiierung von interessenübergreifenden Arbeitsforen damit begonnen, den fachlichen Austausch und das gegenseitige Verständnis für betriebs- oder branchenbezogenes Handeln zu fördern.

Im Vordergrund steht dabei die Suche nach umsetzbaren Lösungen, um die baubedingten Umweltbelastungen zu reduzieren. Zusammenfassend lassen sich zur ökologischen Verbesserung im Bauwesen zwei Haupt- und zwei Nebenstrategien ableiten. Die Hauptstrategien sind:

  • Nichtbau, Verlängerung der Nutzungsphase,
    Werterhaltung durch Instandhaltung, Umnutzung, Umbau
    Bestand erhalten, ökologische und ökonomische (Um-) Nutzungkonzepte erstellen; bedarfsorientierte Gebäude- und Straßengestaltung; unnötige Renovierung vermeiden, hochwertige Instandhaltung. Ungenutzte versiegelte Flächen öffnen; Verbesserung der Wärmedämmung; Ausbau von Dachböden und Dachbegrünungen.

 

  • so wenig und so optimal wie möglich neu bauen
    Neubau von Einfamilienhäusern vermeiden; weniger Kellerfläche; mehr Holz statt Stein einsetzen; keine weiten Rohstofftransporte, Einsatz von Recycling-Baustoffen. Reduktion von Straßen- und Parkflächen durch Verkürzung des Wegenetzes, schmalere Straßen, Parkhäuser statt Parkplätze.

Als Nebenstragegien können genannt werden:

  • umweltverträgliche Baumaterialien einsetzen
    Hochwertige regionale Baumaterialien einsetzen. Reduktion von Schadstoffen wie z.B. leicht flüchtige organische Verbindungen und emittierbare Schwermetalle.
    Auch nachwachsende Rohstoffe sparsam verwenden.

 

  • Weiterverwendung und hochwertige Verwertung der Bauabfälle
    Selektiver Rückbau; Optimierung des Produktrecyclings (Nutzung alter Bauelemente) sowie mechanische Aufbereitung von Bauabfällen zur gleichwertigen Weiterverwendung als Sekundärprodukt (zum Beispiel Altbeton iormierte Stücke schneiden anstatt sie zu granulieren). Bauschutt, der sich nicht ohne Aufbereitung wiederverwenden läßt, brechen und in handelsübliche Fraktionen sortieren, so daß er als Sekundärrohstoff wiederverwertet werden kann.

Fazit

In der Agenda 21, dem Umweltschutzprogramm der Welt-Umweltkonferenz, werden die Industrienationen dazu aufgefordert, den Ressourcenverbrauch erheblich zu senken. Dazu bietet das Bauwesen hervorragende Ansatzstellen. Auf jeden Fall muß die Entwicklung der vergangenen 50 Jahre im nächsten Jahrhundert zugunsteachhaltiger und zukunftsfähiger Verkehrssysteme und Wohnformen verändert werden.

 

Literatur

A. Die Materiale des Lehrstuhls.

B. Ergänzungen:

1. Бушина Л. М., Елисеева Л. Н., Яцковская В. Я. Пособие по обучению на немецкомязыке для медицинскихвузов. – М., Высшая школа. – 1990.

2. Бушина Л. М., Елисеева Л. Н., Яцковская В. Я. Учебник неметкого язика для медицинских вузов. – М., Высшая школа. – 1990.

3. Криворук Т. Б., Шамрай Н. С., Гутнікевич Ю. В.</span> Deuthsch-Німецька мова: Підручник для медичних ВНЗ І—ІІІ рівнів акредитації. – Київ: Медицина, 2012. – 400 с.

4. Зернова В.К. Deutscher Lehrkomplex. – Полтава. Дивосвіт. – 2003.

5. Петров В.И., Чупятова В.С., Цветова М.В. Русско-немецкий словарь-разговорник медицинских терминов и словосочетаний. – М., Русский язык. – 2002.

6. OMR Dr. Med. Dolf Kunzel Der menschliche Organismus gesund und krank. – VEB Verlag Vlk uns Gesundheit. – Berlin. – 1986.

7. Prof. Dr. Klaus – Ulrich Benner Der Körper des Menschen. – Weltbildverlag GmbH. – Augsburg – 1990.

8. Helbig H., Buscha J. Deutsche Grammatik. – Leipzig. – 1992.

9. Stalb H. Deutsch für Studenten. Text und Übungsbuch. Neubearbeitung. – München, 1991.

10. http://www.gesundheit.de/lexika/medizinlexikon

11. http://medizingeschichte.charite.de/fileadmin/user_upload/microsites/m_cc01/medizingeschichte/kopfbilder/TerminologieSkriptinklUebungenAufl10.pdf

12. http://www.rsf.unigreifswald.de/fileadmin/mediapool/lehrstuehle/flessa/Terminologie_I_-_Einf_hrung_Grundlagen_Krankheit_slehre.pdf

 

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Приєднуйся до нас!
Підписатись на новини:
Наші соц мережі