№ 8 Das männliche und weibliche Reproduktionssystem
Harn- und Geschlechtsapparat
Als Harn- und Geschlechtsapparat (lat. Apparatus urogenitalis) oder Urogenitalsystem werden bei Wirbeltieren die Harnorgane (Organa urinaria) und die Geschlechtsorgane (Organa genitalia) zusammengefasst.
Dieser übergeordnete Begriff für die beiden Organsysteme wurde aufgrund gemeinsamer embryologischer Anlagen eingeführt. Die Gemeinsamkeiten in der Herkunft sind auch beim erwachsenen Wirbeltier noch erkennbar. So liegen diese Organe eng benachbart und haben eine gemeinsame Ausführungsöffnung. Bei männlichen Säugetieren die Harnröhre, beziehungsweise denScheidenvorhof und die Vulva bei weiblichen. Hauptsächlich bei Vögeln, aber auch den Kloakentieren, münden Geschlechtsorgane, Harnleiter und Darm in einer gemeinsamen Öffnung, derKloake.
Geschlechtsorgan
Entwicklung der äußeren Geschlechtsorgane in der Embryonalphase
Die Geschlechtsorgane (lat. Organa genitalia) oder Genitalien dienen bei Spezies von Lebewesen mit mehreren Paarungstypen(Geschlechtern) vornehmlich der unmittelbaren Fortpflanzung. Sie werden deshalb auch als primäre Geschlechtsmerkmalebezeichnet.
In diesem Artikel werden ausschließlich die Geschlechtsorgane von Säugetieren behandelt.
Funktional unterscheidet man bei Säugetieren zwischen den Sexualorganen – Organe, die zur Ausübung des Geschlechtsverkehrsdienen – und den Reproduktionsorganen. Es werden dementsprechend äußere von inneren Genitalorganen unterschieden. Bei männlichen Individuen kommt noch dazu, dass – als Drittfunktion – der Penis mit seiner Harnröhre Teil der ableitenden Harnwege ist.
Unterschieden wird ferner in (primäre, eigentliche) Geschlechtsdrüsen (das sind Hoden und Eierstöcke) sowie sog. (zusätzliche)akzessorische Geschlechtsdrüsen.
• Geschlechtsorgane des Menschen
Äußere Geschlechtsorgane einer Frau
Schematische Darstellung: Vagina (7), Gebärmutterhals (4), Gebärmutter (10), Eileiter (1), Eierstöcke (8)
Äußere Geschlechtsorgane eines Mannes
Schematische Darstellung
Weibliche Geschlechtsorgane der Säugetiere
Die weiblichen Geschlechtsorgane (Organa genitalia feminina) werden wie folgt eingeteilt:
Äußere Geschlechtsorgane
Vulva oder Scham bildet die Gesamtheit der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane. Sie verläuft vom Venushügel bis zum Perineum.
Die äußeren Schamlippen schließen mit der Schamspalte die kleinen Schamlippen, den Scheidenvorhof sowie die Klitoris samt Klitorisvorhaut ein. Der Scheidenvorhof stellt die Verbindung zu den inneren weiblichen Geschlechtsorganen dar.
Innere Geschlechtsorgane
Die Verbindung zwischen inneren und äußeren Geschlechtsorganen stellt die Vagina, auch Scheide genannt, dar. Sie mündet unten in den Scheidenvorhof und wird oberhalb durch denGebärmutterhals abgeschlossen.
Am Gebärmutterhals geht die Vagina in die Gebärmutter über, der Ort der Einnistung befruchteter Eizellen.
Die Produktion und Reifung der Eier erfolgt in den Eierstöcken, von wo aus sie über die Eileiter in die Gebärmutter gelangen.
Akzessorische Geschlechtsdrüsen
• Paraurethraldrüse („Prostata feminina“)
• kleine Vorhofsdrüsen
• Bartholinsche Drüsen
Männliche Geschlechtsorgane der Säugetiere
Die folgende Einteilung der männlichen Geschlechtsorgane (Organa genitalia masculina) mag auf den ersten Blick erstaunen: Die Hoden liegen zwar außen, zählen aber dennoch zu den inneren Geschlechtsorganen. Diese Einteilung ist darin begründet, dass die Hoden sich zunächst im Bauchraum entwickeln und erst zur Geburt bei den meisten Säugetieren in den Hodensack wandern (Hodenabstieg, Descensus testis).
Äußere Geschlechtsorgane
Der Penis stellt das Begattungsorgan des Mannes bzw. männlichen Tieres dar. Darüber hinaus stellt er einen Teil der ableitenden Harnwege dar, indem er die Harnröhre umschließt.
Der Hodensack (Skrotum) stellt einen Hautsack unterhalb des Penis dar, der die Hoden und Samenleiter umschließt.
Innere Geschlechtsorgane
Die Hoden stellen die Produktionsstellen der männlichen Keimzellen, der Spermien, dar. Sie sind die männlichen Keimdrüsen.
Weitere innere Geschlechtsorgane des Mannes sind die Nebenhoden und die für den Samentransport zuständigen Samenleiter.
Akzessorische Geschlechtsdrüsen
Entlang des Samenweges sind bei den Säugetieren bis zu vier paarige akzessorische (zusätzliche) Geschlechtsdrüsen ausgebildet. Dies sind die Samenleiterampulle, die Samenblasendrüse, dieProstata und die Bulbourethraldrüse. Sie produzieren einen Großteil der Samenflüssigkeit.
Hoden
Der Hoden ˈhoːdn̩ oder (seltener) der/die Hode ˈhoːdə (v. mittelhochdt.: hode, v. althochdt.: hodo, v. idg.: *skeu(t)- „bedecken, verhüllen“) oder der Testikel (v. lat.: testiculus, Vkl. von testisZeuge der Virilität, Hode, Plural: testes) – (altgriech.: ὄρχις orchis) ist ein paarig angelegtes, inneres männliches Geschlechtsorgan vieler sich geschlechtlich fortpflanzender Gewebetiere. Er gehört, wie der Eierstock der weiblichen Individuen, zu den sogenannten Keimdrüsen (Gonaden) und produziert die Samenfäden (Spermien). Zudem werden im Hoden männlicheGeschlechtshormone (Androgene), vor allem das Testosteron, gebildet. Die Hoden entstehen bei Wirbeltieren embryonal in der Bauchhöhle, wandern aber bei den meisten Säugetieren in denHodensack.
Hoden und Nebenhoden eines Kaninchens
Anatomie
Säugetiere
Größe und Lage
Geschlechtsorgane des Mannes
Der menschliche Hoden ist etwa pflaumenförmig, wiegt etwa 20 Gramm und hat ein mittleres Volumen von 20–25 ml. Die mittlere Länge beträgt
Bei den Säugetieren variiert die Hodenform von rundlich bis eiförmig. In der Größe gibt es deutliche Unterschiede, eine enge Beziehung zum Körpergewicht besteht jedoch nicht. Die größten Hoden in der Tierwelt besitzen Südkaper, sie machen mit je
Bei den meisten Säugetieren liegen beide Hoden bei geschlechtsreifen Individuen im Hodensack (Scrotum) oder in hodensackähnlichen Hauttaschen. Die Hoden entstehen zwar in derBauchhöhle, wandern aber etwa zum Geburtszeitpunkt, bei Nagetieren erst zur Pubertät, durch den Leistenkanal in den Hodensack. Dieser Vorgang wird als Hodenabstieg (Descensus testis) bezeichnet. Bei einigen Säugetieren (beispielsweise Hamster, Fledermäuse) findet ein saisonaler Hodenabstieg statt, und die Hoden liegeur zur Paarungszeit außerhalb der Bauchhöhle. Innerhalb der Säugetiere gibt es allerdings einige Tiergruppen, bei denen die Hoden generell in der Bauchhöhle verbleiben, die so genannten Testiconda. Dabei können die Hoden am Ort der Anlage verbleiben (wie bei Elefanten) oder zwar absteigen, aber dennoch in der Bauchhöhle verweilen (beispielsweise bei Walen, s. a. Tabelle).
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Testiconda |
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kein Hodenabstieg |
unvollständiger Hodenabstieg |
saisonaler Hodenabstieg |
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Kloakentiere, Goldmulle, Rüsselspringer, Igeltenreks,Schliefer, Elefanten, Seekühe, Dreifinger-Faultiere,Ameisenbären |
Maulwürfe, Schlitzrüssler, Erdferkel, Spitzmäuse,Fledertiere, einige Nagetiere |
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Die äußere anatomische Gliederung des Hodens erfolgt nach dem ihm anliegenden und mit ihm verwachsenen Nebenhoden. Der zum Nebenhodenkopf zeigende Hodenabschnitt wird als Kopfende (Extremitas capitata), der zum Nebenhodenschwanz zeigende als Schwanzende (Extremitas caudata) bezeichnet. Am Schwanzende befindet sich häufig ein funktionsloses, warzenförmiges Rudiment des sogenannten Müller-Ganges, das als Hodenanhang (Appendix testis, eine Morgagni-Hydatide) bezeichnet wird. Der zum Nebenhoden zeigende Rand ist der Nebenhodenrand (Margo epididymalis), ihm gegenüber liegt der freie Rand (Margo liber). Außerdem lassen sich eine zur Mitte zeigende (Facies medialis) und eine nach außen zeigende Fläche (Facies lateralis) unterscheiden.
Querschnitt durch den Scheidenhautfortsatz:
1 Hoden
2 Nebenhoden
3 Hodengekröse
4 Organblatt der Scheidenhaut
(Epiorchium)
5 Wandblatt der Scheidenhaut
(Periorchium)
6 Cavum vaginale
7 Nebenhodengekröse
8 Fascia spermatica interna
Schnitt durch einen Stierhoden:
(Blutgefäße mit roter Gelatine injiziert)
1 Hodenparenchym
2 Mediastinum testis
3 Tunica albuginea
4 Nebenhodenschwanz
5 Nebenhodenkopf
6 Samenstrang mit
Rankenkonvolut der Hodenarterie
Der Hodenabstieg erfolgt in eine Aussackung des Bauchfells und der inneren Rumpffaszie (hier als Fascia spermatica interna bezeichnet), den Scheidenhautfortsatz (Processus vaginalis). Der Scheidenhautfortsatz gehört zu den Hodenhüllen im Inneren des Hodensacks. Der Bauchfellanteil dieser Ausstülpung wird als Scheidenhaut (Tunica vaginalis testis) bezeichnet. Sie kleidet dabei das Hodensackinnere aus (sogenanntes Wandblatt, Lamina parietalis oder Periorchium), stülpt sich dann als Doppellamelle ins Innere und überzieht als Eingeweideblatt (Lamina visceralis oder Epiorchium) den Hoden. Zwischen den beiden Blättern befindet sich ein sehr enger Spaltraum, das Cavum vaginale, das die Verschieblichkeit des Hodens im Hodensack sicherstellt. Die Verbindungsstelle zwischen den beiden Blättern ist das Hodengekröse (Mesorchium), welches der Befestigung des Hodens im Hodensack dient. Der Hoden ist außerdem am Schwanzende mit einem kurzen Band mit dem Nebenhoden verbunden (Hodeneigenband, Ligamentum testis proprium). Dieses setzt sich vom Nebenhodenschwanz als Nebenhodenschwanzband (Ligamentum caudae epididydimis) fort und befestigt den Hoden zusätzlich indirekt am Boden des Hodensacks. Am Scheidenhautfortsatz setzt auch der Hodenhebermuskel (Musculus cremaster) an, der als Schutzvorrichtung den Hoden bei Berührung oder Kälte näher an die Bauchwand zieht. Bei Nagetieren und Säugetieren mit saisonalem Hodenabstieg, selten auch bei einzelnen Individuen anderer Säugetiere, kann der Muskel den Hoden gänzlich in die Bauchhöhle zurückziehen („Pendelhoden“).
Direkt unter dem Bauchfellüberzug des Hodens liegt eine dicke weißliche Bindegewebskapsel, die Tunica albuginea. Sie sorgt für die mechanische Festigkeit des Organs und hält einen gewissen Innendruck aufrecht. Von dieser Kapsel ziehen Septen in das Innere und unterteilen den Hoden in Hodenläppchen (Lobuli testis). Der Hoden des Mannes besitzt etwa 350 Hodenläppchen. Die Septen bilden zudem einen Bindegewebskörper, das Mediastinum testis, das in der Humananatomie auch Corpus Highmori genannt wird.
Gefäße und Nerven
Hodenarterie eines Bullen:
1 Rankenkonvolut
2 Hodenarterie
3 Gefäßbett des Hodens
4 Nebenhodenarterie
5 Gefäßbett des
Nebenhodenschwanzes
Die Blutversorgung des Hodens erfolgt über die Hodenarterie (Arteria testicularis). Sie entspringt, entsprechend dem Ort der embryonalen Anlage des Hodens (s. u.), unmittelbar hinter der Nierenarterie direkt aus der Bauchaorta im Lendenbereich. Bei den Tieren mit Hodenabstieg muss sich die Hodenarterie entsprechend verlängern und verläuft an der rückenseitigen Bauchwand entlang, in einem kurzen Gekröse (Mesorchium proximale) zum Leistenkanal. Außerhalb der Bauchhöhle tritt sie in den Samenstrang. Hier legt sie sich in enge spiralige Windungen, das sogenannte Rankenkonvolut. Dabei ist beispielsweise beim Bullenein zwei Meter langer Arterienabschnitt auf einer Samenstranglänge von
Die Hodenarterie verläuft am Nebenhodenrand zunächst zum Schwanzende des Hodens. Von dort zieht sie innerhalb der Hodenkapsel am freien Rand bei den meisten Säugetieren (eine Ausnahme machen beispielsweise Wiederkäuer) wieder zum Kopfende. Ihre Aufzweigungen verlaufen geschlängelt in der Tunica albuginea über die Seitenflächen und treten über die Hodensepten ins Innere zum Mediastinum testis und von dort wieder zentrifugal zurück zu den Samenkanälchen, um die sie ein Kapillarnetz bilden.
Die Innervation des Hodens wird durch den Sympathikus, einen Teil des vegetativen Nervensystems, vermittelt. Die Nervenfasern kommen aus dem Grenzstrang des Lendenbereichs und ziehen, die Hodenarterie geflechtartig umspinnend (Plexus testicularis, Syn. Nervus spermaticus superior), zum Hoden. Eine zweite Gruppe von Nervenfasern verläuft von Kreuzganglien des Grenzstrangs mit dem Samenleiter (Ductus deferens) zum Hoden (Plexus deferentialis, Syn. Nervus spermaticus inferior). Die efferenten Nervenfasern treten vor allem an die Blutgefäße und regulieren damit die Durchblutung und die Temperatur des Hodens. Eine Beteiligung an der Feinsteuerung der Spermienbildung, dem Spermientransport und der Hormonproduktion im Hoden einiger Säugetiere wird derzeit diskutiert, primär erfolgt diese Steuerung aber über Hormone. Die Zellkörper jener Nervenfasern, die Informationen zum Zentralnervensystem leiten (Visceroafferenzen), liegen in den Spinalganglien des Lendenbereichs. Sie übermitteln Schmerzempfindungen (Eingeweideschmerz), allerdings wird ein Großteil der hohen Schmerzempfindlichkeit des Hodens über die sensiblen Nervenfasern der Hodenhüllen (Äste des Nervus genitofemoralis) vermittelt. Die hohe Sensitivität gegenüber Berührungsreizen macht Hoden und Hodensack zu einer erogenen Zone. Andererseits wird die große Schmerzempfindlichkeit auch bei BDSM („cock and ball torture“) undFolterungen ausgenutzt; Hodenquetschungen können zu einem Schock führen. Eine Neuralgie des Nervus genitofemoralis, die zum Beispiel nach chirurgischer Korrektur eines Leistenbruchs auftreten kann, äußert sich in Hodenschmerzen.
Die Lymphgefäße des Hodens verlaufen zusammen mit den Hodenvenen zu den Lendenlymphknoten (Lymphonodi lumbales) rückenwärts der Aorta, bei Haussäugetieren auch zu den Darmbeinlymphknoten (Lymphonodi iliaci mediales) an der Aortenaufzweigung. In diesen, im Retroperitonäum des Bauchs liegenden Lymphknoten können bei Hodenkrebs Metastasen auftreten.
Übrige Chordatiere
Bei allen anderen Chordatieren liegen die Hoden in der Leibeshöhle und unterhalb der Nieren.
Bei den Schädellosen ist kein kompakter Hoden ausgebildet, die Gonaden sind noch segmental gegliedert, bei Asymmetron ist nur der rechte Hoden vorhanden. Bei Schleimaalen ist der langgestreckte Hoden ebenfalls nur einseitig in Form ein gelappten Bandes ausgebildet. Die Rundmäuler haben paarige Hoden, die über die gesamte Länge der Leibeshöhle reichen.
Innere Organe eines Knochenfischs:
7 Hoden
Innerhalb der Knorpelfische entwickelt sich nur beim Kragenhai, dem anatomisch und morphologisch urtümlichsten Hai, die gesamte Hodenanlagezur langgestreckten Keimdrüse, bei den übrigen Vertretern, wie bei den anderen Wirbeltieren, nur deren Mittelabschnitt (s. u.). Bei den Echten Haien sind die Hoden ebenfalls länglich, bei den Rochen kurz und platt. Bei Dornhaien und Zitterrochen liegen die Hoden weit vorn, nahe demHerzbeutel, sonst im mittleren oder hinteren Rumpfabschnitt. Bei den meisten Knochenfischen sind die Hoden langgestreckt. Bei den Echten Knochenfischen liegen sie unterhalb der Nieren und der Schwimmblase und sind über ein Mesorchium befestigt. Bei einigen Barschartigen sind beide Hoden am hinteren Ende miteinander verschmolzen. Die dünne Tunica albuginea ist bei Knochenfischen gelegentlich pigmentiert. In den Hoden von Fischen kann gleichzeitig Eierstockgewebe auftreten (Zwittergonade, Ovotestis). Sägebarsche und Meerbrassen sind Hermaphroditen, besitzen also sowohl Hoden als auch Eierstöcke und können im Laufe ihres Lebens das Geschlecht wechseln.
Innere Organe einer Schlange:
14 Hoden
Amphibien haben entweder längliche (Schwanzlurche, Schleichenlurche) oder rundliche (Froschlurche) Hoden. Sie sind über ein Mesorchium an der Rumpfwand oder der Urniere befestigt. Medial (in RichtungMedianebene) des Hodens ist ein deutlicher Fettkörper ausgebildet. Bei Salamandern sind mehrere Hodenabteilungen zu einem Lappen verschmolzen, die Anzahl der Abteilungeimmt im Alter zu. Bei Amphibien zeigt sich die beginnende Trennung von Harn- und Samenweg. Die Nebenhodengänge (Ductuli epididymidis) münden erst kurz vor der Kloake in den Wolff-Gang. Männliche Kröten sind Hermaphroditen. Vor den Hoden liegt das sich aus der vorderen Gonadenanlage entwickelnde Bidder-Organ, ein primitiver Eierstock.
Situs eines Haushahns:
(ohne Verdauungsorgane)
3 Hoden
Bei den Reptilien liegen die Hoden vor und unterhalb der Nieren in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Nebennieren. Die Hoden sind oval, bei Schildkröten eher rundlich, bei Schlangen langgestreckt. Die Nebenhoden liegen medial (zur Körpermitte hin) des jeweiligen Hodens. Das Bindegewebsgerüst des Hodens ist schwach entwickelt.
Auch bei den Vögeln liegen die Hoden vor den Nieren an den Nebennieren. Im Gegensatz zum Eierstock, der bei Vögelur einseitig ausgebildet wird, sind die Hoden stets paarig. Die Hodengröße weist die stärksten jahreszeitlichen Schwankungen innerhalb der Wirbeltiere auf, sie nimmt beispielsweise bei Sperlingsvögeln in der Paarungszeit um bis das 800-fache zu und zur Paarungsruhe wieder ab. Bei einem Hauserpel sind die Hoden in der Paarungszeit etwa
Wirbellose
Innerhalb der Nesseltiere gibt es ungeschlechtliche und geschlechtliche Fortpflanzung. Bei geschlechtlicher Fortpflanzung werden die Keimzellen durch Platzen desEpithels in das umgebende Wasser oder den Gastralraum entlassen. Rippenquallen sind generell Zwitter und haben unter den kammartigen Plättchen („Rippen“) sitzende, in die Mesogloea eingelagerte Hoden und Eierstöcke.
Urmünder (Protostomia)
Die meisten Plattwürmer (Plathelminthes) sind Zwitter. Sie besitzen keine Leibeshöhle (Coelom), die Hoden liegen den Eierstöcken benachbart in einem Bindegewebsraum (Interstitium) innerhalb des Tieres, bei Bandwürmern innerhalb eines jedes Bandwurmgliedes (Proglottide). Einige Plattwürmer (Catenulida undAcoelomorpha) besitzen keine Gonaden. Auch Bauchhärlinge (Gastrotricha) haben kein Coelom, die Süßwasserarten vermehren sich ungeschlechtlich überJungfernzeugung. Die Salzwasservertreter sind Zwitter, funktionell sind aber nur die Gonaden eines Geschlechts aktiv. Die Abgabe der Keimzellen erfolgt überSpermienhaufen. Rädertierchen (Rotatoria) haben ein Pseudocoelom mit einem paarigen oder unpaaren Hoden, bei einigen Arten kommen sogenannte Zwergmännchen vor, bei anderen keine Männchen, die Vermehrung erfolgt dann über Jungfernzeugung. Cycliophora vermehren sich im sogenannten Fressstadium ungeschlechtlich. Bei der geschlechtlichen Vermehrung kommen Zwergmännchen vor. Sie besitzen zwei externe „Hoden“ und ein Kopulationsorgaeben der Haftscheibe. Bei Kratzwürmern (Acanthocephala) zieht ein sogenanntes Genitalband durch den Körper, an dessen unterem Drittel die beiden Hoden sitzen. Von den Hoden zieht je ein Samenleiter zum Penis.
Fadenwurm:
5 Hoden
Priapswürmer (Priapulida) und Korsetttierchen (Loricifera) haben paarige Hoden, die mit den Protonephridien zu einem Harn- und Geschlechtsapparat vereinigt sind. BeiFadenwürmern (Nematoda) gibt es sowohl getrenntgeschlechtliche Arten als auch Zwitter. Der langgestreckte Hoden liegt unterhalb des Darms und mündet auch in diesen (s. Abb.). Saitenwürmer (Nematomorpha) haben paarige Hoden im Pseudocoelom. Bärtierchen (Tardigrada) sind getrenntgeschlechtlich. Während die Leibeshöhle ein Pseudocoelom darstellt, gibt es um den unpaaren Hoden ein echtes Coelom. Stummelfüßer (Onychophora) besitzen paarige Hoden, die über Ausführungsgänge in einen gemeinsamen Samenleiter münden. Bei den Gliederfüßern (Arthropoda: Tausendfüßer, Insekten, Krebstiere und Cheliceraten) besitzen Männchen paarige Hoden im blutgefüllten Pseudocoel (Haemocoel) des Hinterleibs bzw. der hinteren Rumpfsegmente. Bei einigen Gliederfüßern kommen auch Zwitter vor.
Bauplan eines Armfüßers mit Gonaden im Metacoel
Die Ringelwürmer haben paarige Hoden. Gürtelwürmer sind zumeist Zwitter, befruchten sich aber gegenseitig. Die Hoden liegen imCoelom, bei Regenwürmern im 10. und 11. Körpersegment und der Samenleiter mündet im 15. Segment nach außen. Vielborstersind dagegen zumeist eingeschlechtlich und männliche Vertreter besitzen in jedem Körpersegment Hoden. Bei Weichtieren(Mollusca) kommen Zwitter, Zwittergonaden (Ovotestis) und getrenntgeschlechtliche Formen vor. Das Coelom ist auf zwei Hohlräume um die Gonaden (Gonadocoel) und um das dahinterliegende Herz (Perikard) reduziert. Bei Armfüßern (Brachiopoda) liegen die Hoden im Coelom (genauer im Metacoel), die Gameten werden über die Metanephridien abgeleitet.
Neumünder (Deuterostomia)
Innerhalb der Stachelhäuter (Echinodermata) haben Seewalzeur einen Hoden, bei Seeigeln und Seewalzen füllen die Hoden nahezu das gesamte Metacoel aus, bei den Seelilien (drei bis fünf Gonaden) und Seesternen (zwei pro Arm) liegen sie in den Armen und münden zwischen diesen Armen mit jeweils einer Geschlechtsöffnung.
Feinbau und Funktion bei Wirbeltieren
Histologisches Bild des Hodenparenchyms eines Ebers:
1 Lumen eines gewundenen Samenkanälchens
2 Spermatiden
3 Spermatozyten
4 Spermatogonien
5 Sertoli-Zellen
6 Myofibroblasten
7 Leydig-Zellen
8 Kapillaren
Die Hodenläppchen enthalten jeweils zwei bis vier gewundene Samenkanälchen (Tubuli seminiferi contorti s. convoluti), die das Hodenparenchymdarstellen. Sie sind etwa 50 bis
Dieses Epithel besteht aus Samen- oder Keimzellen (Cellulae spermatogenicae) und Sertoli-Zellen. Aus den Keimzellen bilden sich die Spermien (Spermatogenese). Da die Spermatogenese die wichtigste Aufgabe des Hodens darstellt, sind die Keimzellen auch mengenmäßig am häufigsten im Hoden vorhanden. Bei der Spermienbildung werden die aufeinanderfolgenden Entwicklungsstadien der Keimzellen (Spermatogonien → Spermatozyten→ Spermatiden → Spermien) allmählich in Richtung Lumen transportiert. Die Spermienbildung dauert zwischen 35 (Maus, Schwein) und 64 Tagen (Mensch), anschließend ist aber eine weitere Reifung in den Nebenhodeotwendig, damit die Spermien befruchtungsfähig werden. Diese dauert bei den meisten Säugetieren eine Woche, beim Mensch 8 bis 17 Tage. Pro Ejakulation werden beim Mann etwa 200 bis 300 Millionen Spermien aus dem Nebenhoden freigesetzt. Bei häufigerer Ejakulation sinkt die Spermienmenge, da die tägliche Spermienbildungskapazität begrenzt ist. Sie ist abhängig von der Hodenmasse und der Zahl der Sertoli-Zellen und beträgt beim Mann zwischen 45 und 200 Millionen Spermien pro Tag.
Keimepithel des Samenkanälchens:
1 Basalmembran
2 Spermatogonie
3 Spermatozyt 1. Ordnung
4 Spermatozyt 2. Ordnung
5 Spermatide
6 reife Spermatide
7 Sertoli-Zelle
8 Tight junction
(Blut-Hoden-Schranke)
Die zweite wichtige Komponente der Samenkanälchen sind die Sertoli-Zellen (Epitheliocyti sustentantes). Sie sind etwa 70 bis 80 µm lang und durchziehen radiär das gesamte Keimepithel bis zum Lumen. Die Sertoli-Zellen haben eine Stütz- und Ammenfunktion für die Samenzellen, sie ernähren die Samenzellen, sorgen für ihre richtige hormonelle Umgebung und bewerkstelligen über Plasmabewegungen deren Transport zum Lumen. Zudem phagozytieren die Sertolizellen degenerierte Samenzellen und Zellreste, die bei der Spermienentwicklung entstehen. Die Sertoli-Zellen werden durch das follikelstimulierende Hormon (FSH) derHypophyse gesteuert, dessen Ausschüttung sie über die Bildung des Hormons Inhibin B beeinflussen. Zudem sezernieren sie das Androgenbindungsprotein, das Anti-Müller-Hormon und eine Kalium-reiche Seminalflüssigkeit.
Schema des inneren Aufbaus des Hodens und des Nebenhodens:
1 Tunica albuginea
2 Septen
3 Hodenläppchen
4 Mediastinum testis
5 gewundene Samenkanälchen
6 gerade Samenkanälchen
7 Rete testis
8 Ductuli efferentes testis
9 Nebenhodengang
10 Anfang des Samenleiters
Die Sertoli-Zellen besitzen zahlreiche Fortsätze, die die Keimzellen umgeben. Diese Zellfortsätze verbinden sich basal im Samenkanälchen über Tight junctions mit denen benachbarter Sertoli-Zellen und bilden so die sogenannte Blut-Hoden-Schranke. Dieser Begriff ist eigentlich irreführend, denn diese Barriere liegt nicht zwischen Blut und Hodengewebe, sondern verläuft zwischen den Spermatogonien und Spermatozyten, teilt also zirkulär die Hodenkanälchen in ein basales und ein zum Lumen gerichtetes (adluminales)Kompartiment. Die Blut-Hoden-Schranke ist für die meisten Eiweiße undurchlässig und schützt die Spermien vor Mutagenen und vor der körpereigenen Abwehr. Letzteres ist notwendig, weil die ersten Spermien erst nach Ende der Prägung der Lymphozyten entstehen (siehe Selbsttoleranz), das Immunsystem sie also für körperfremde Zellen halten würde. Allerdings spielen auch entzündungshemmende Zytokine, deren Ausschüttung vermutlich Androgen-abhängig ist, und die Zellen des Immunsystems im Hoden (dendritische Zellen, Makrophagen) eine Rolle beim Schutz vor Autoimmunreaktionen.
Die gewundenen Samenkanälchen gehen bei vielen Wirbeltieren an beiden Enden in ein kurzes gerades Samenkanälchen (Tubulus seminiferus rectus) über. Die geraden Kanälchen sind von einem einschichtigen Epithel ausgekleidet und münden in ein Kanälchensystem im Mediastinum, das Hodennetz (Rete testis). Das Kanälchensystem des Hodennetzes ist ebenfalls zumeist von einem einschichtigen Epithel ausgekleidet (bei Rindern zweischichtig). Beim Mann, Hengst und bei Nagetieren liegt das Hodennetz allerdings vorwiegend an der Hodenperipherie („extratestikuläres Rete“). Vom Hodennetz ziehen mehrere geschlängelt verlaufende Ductuli efferentes testis in den Nebenhodenkopf und vereinigen sich dort zum Nebenhodengang. Bei Säugetieren sind es etwa 15 Ductuli efferentes, die Zahl variiert innerhalb der Wirbeltiere zwischen einem (z. B. Rochen) und 32 (z. B. Axolotl).
Das Gewebe zwischen den gewundenen Samenkanälchen wird als Interstitium bezeichnet. Es macht bei den meisten Wirbeltieren etwa 10 bis 20 % des Hodengewebes aus, in Extremfällen wie beim Waldmurmeltier fast 70 %. Im Interstitium finden sich neben Bindegewebe, Blutgefäßen undNervenfasern auch die Leydig-Zellen (Endocrinocyti interstitiales). Sie bilden über spezielle Zellkontakte (Gap junctions) untereinander in Verbindung stehende Zellverbände, sogenannte funktionelle Synzytien. Die Leydig-Zellen produzieren, in Abhängigkeit vom luteinisierenden Hormon (LH), männliche Geschlechtshormone (Androgene wie Testosteron und Androstanolon) sowie Oxytozin, welches die Motilität der Samenkanälchen fördert. Der Hoden ist damit auch ein endokrines Organ. Testosteron bewirkt in den Samenkanälchen die Reifung der Spermatiden. Um durch die Blut-Hoden-Schranke an seinen Wirkungsort zu gelangen, benötigt es das Androgenbindungsprotein der Sertoli-Zellen. Die Androgene haben darüber hinaus vielfältige Wirkungen im Körper, unter anderem fördern sie die Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale, wirken anabol und steuern das Sexualverhalten. Außerdem bilden die Leydig-Zellen zahlreiche weitere hormonell wirksame Peptide, die auf Nachbarzellen (parakrin) oder auf die sie bildende Leydig-Zelle selbst (autokrin) wirken.
Hormonale Steuerung
Schema der Hormonwechselwirkungen bei der Steuerung des Hodens
Die hormonelle Steuerung des Hodens erfolgt durch das stoßweise, von Nervenzellen in der Eminentia mediana im Hypothalamus gebildeteGonadoliberin (GnRH). GnRH wirkt allerdings nicht direkt auf den Hoden, sondern regt die Bildung der Hormone LH und FSH imHypophysenvorderlappen an. Die Ausschüttung dieser Hormone wird über eineegativen Rückkopplungsmechanismus auch vom Hoden selbst gesteuert: Die FSH-Sekretion wird durch das von den Sertoli-Zellen produzierte Inhibin B, die GnRH-Sekretion durch das von den Leydig-Zellen produzierte Testosteron gehemmt. Die saisonalen Schwankungen der Größe und Aktivität der Hoden bei vielen Tieren werden durch Unterdrückung der GnRH-Sekretion während der Fortpflanzungsruhe unter dem Einfluss der Tageslichtlänge vermittelt. Der genaue Mechanismus ist noch nicht im Detail bekannt: Bei Säugetieren sind vermutlich Opioide, dopaminerge Neurone und Melatonin in diesen Regelkreis involviert, bei Vögeln auch die Hormone derSchilddrüse.
LH bindet an einen Membranrezeptor der Leydig-Zellen und induziert damit die Synthese von Androgenen. Dabei wird Cholesterin schrittweise, unter anderem über Pregnenolon und Progesteron, zu Testosteron umgesetzt, wobei zwei verschiedene Synthesewege (Δ4 und Δ5) möglich sind. Die LH-Wirkung auf die Leydig-Zellen wird durch Prolactin potenziert, bei einer Überproduktion von Prolaktin kommt es jedoch durch Herabregulation der LH-Rezeptoren zu einer Hemmung der Testosteronsynthese. Auch in der Nebennierenrinde kann LH die Bildung von Androgenen induzieren, das dort gebildete Dehydroepiandrosteron gelangt über das Blut in den Hoden und kann dort als Testosteron-Vorläufer genutzt werden. Etwa 97 % der Androgene werden im Hoden gebildet (beim Mann etwa 7 mg/Tag), der verbleibende Teil in denNebennieren. Androgene wirken auf das Keimepithel und werden, an ein Protein gebunden, über das Blut auch zu ihren anderen Zielorganen transportiert.
FSH bindet an entsprechende Rezeptoren der Sertoli-Zellen. Sowohl FSH als auch das Testosteron steuern die Spermiogenese. FSH leitet die Spermiogenese ein, Testosteron fördert die mitotischen und meiotischen Zellteilungen und damit die Bildung von Spermatozyten aus den Spermatogonien, während FSH wiederum die endgültige Reifung der Spermatiden zu Spermien bewirkt.
Die Unterdrückung der hormonellen Anregung der Hodenfunktion wird auch bei der Entwicklung von Verhütungsmitteln für den Mann gegenwärtig intensiv beforscht. Dabei werden Testosteron oder dessen Kombination mit GnRH-Antagonisten oder Gestagenen wie Progestin gegenwärtig als aussichtsreichste Kandidaten angesehen. Sie führen zu stark erniedrigten Testosteron-Konzentrationen innerhalb des Hodens und damit zu einer starken oder vollständigen Reduzierung der Spermienbildung. In der Tiermedizin ist seit 2008 ein Präparat auf der Basis des GnRH-Analogons Deslorelin (Suprelorin®) zugelassen, das bei Rüden eine sechsmonatige Unterdrückung der Fruchtbarkeit bewirkt. Darüber hinaus ist ein Impfstoff für Schweine (Improvac®) zugelassen, der zu einer Antikörperbildung gegen GnRH führt und damit die Hodenfunktion unterdrückt.
Entwicklungsgeschichte
Gonidien bei der Kugelalge Volvox aureus
Voraussetzung der geschlechtlichen Fortpflanzung ist die Trennung der zur Fortpflanzung spezialisierten Zellen (Keimzellen) von den gewöhnlichen Körperzellen (somatische Zellen). Diese Trennung ist bereits bei Wimpertierchen in Form eines Mikronucleus, deutlicher dann bei Kugelalgen vollzogen, wo dem Hauptzellverband der Körperzellen eine kleine Gruppe Keimzellen (Gonidien) gegenübersteht, die allerdings noch nicht in Form eines abgegrenzten Organs ausgebildet ist. Das Vorhandensein von Hoden (oder prinzipiell von Gonaden) ist kein Grundmerkmal der Vielzeller.
Bei den Bilateria treten erstmals ein drittes Keimblatt, das Mesoderm, und damit komplexe Organe auf. Allerdings ist die geschlechtliche Fortpflanzung bei vielen Wirbelloseoch mit der Möglichkeit der ungeschlechtlichen Fortpflanzung kombiniert. Hierbei findet sich häufig ein Generationswechsel, also der sexuelle folgt auf einen asexuellen Fortpflanzungszyklus.
Die Differenzierung der Gonaden in Hoden und Eierstöcke ist Kennzeichen getrenntgeschlechtlicher Arten. Bislang ist nicht geklärt, ob Zwittrigkeit oder Getrenntgeschlechtlichkeit dasplesiomorphe Merkmal der Bilateria ist. Beide Keimdrüsen gehen in der Embryonalentwicklung aus derselben Anlage hervor. In vielen Tiergruppen ist trotz dieser vollzogenen Geschlechtertrennung auch Fortpflanzung ohne Befruchtung (Parthenogenese) möglich, die als reduzierte Form der sexuellen Fortpflanzung angesehen werden kann. Hier treten männliche Tiere nur ausnahmsweise auf. Parthenogenese findet man in zahlreichen Taxa, von den Rädertierchen bis hin zu einigen Eidechsen. Bis zu den Amphibien sind auch Zwitterformen oder eine Veränderung des Geschlechts (Dichogamie) während der Ontogenese anzutreffen. Dabei ist sowohl eine Umwandlung der Eierstöcke in Hoden (Proterandrie) als auch der Hoden in Eierstöcke (Proterogynie) möglich.
Ob aus der zunächst geschlechtsindifferenten Anlage der Gonaden ein Hoden oder ein Eierstock entsteht, ist bei den meisten Tieren genetisch determiniert. Bei Würmern und Fliegen ist das Geschlecht durch das Verhältnis von X-Chromosomen und Autosomen festgelegt. Bei staatenbildenden Insekten entstehen Hoden bei Nachwuchs aus unbefruchteten Eiern, Eierstöcke bei Tieren mit diploiden Chromosomensatz, also aus befruchteten Eiern. Bei Säugetieren wird das Geschlecht durch das Y-Chromosom bestimmt. Auf diesem Geschlechtschromosom (Gonosom) ist einGen (Sex determining region of Y, Sry) lokalisiert, das mit Genen anderer Chromosomen interagiert und (beim Menschen ab der 7. Woche nach der Befruchtung) zur Bildung des Hoden-determinierenden Faktors führt. Dieser leitet die Entwicklung zum Hoden und damit zum männlichen Geschlecht generell ein. Es kodiert eine Reihe von Transkriptionsfaktoren, die sogenannten HMG-Proteine (high mobility group proteins). Diese Proteine haben zahlreiche weitere Funktionen in anderen Geweben, die genauen Mechanismen bei der Hodenentstehung werden gegenwärtig intensiv erforscht. Mit der Expression von Sry differenzieren sich die Sertoli-Zellen, welche unter anderem das Anti-Müller-Hormon bilden und damit die Rückbildung der Müller-Gänge bewirken. Die weitere Entwicklung des Hodens und die der übrigen Merkmale des männlichen Geschlechts wird durch Androgene gesteuert. Bei einigen Tiergruppen wird das Geschlecht dagegen durch Umweltfaktoren bestimmt. So ist bei einigen Amphibien und vielen Reptilien (Schildkröten, Alligatoren) das Geschlecht von der Bebrütungstemperatur abhängig. (Siehe auchTemperaturabhängige Geschlechtsbestimmung)
Bei vielen Tieren entstehen die Gonaden in enger Beziehung zum Exkretionssystem (Urniere, Nephridien), insbesondere die harnableitenden Wege werden als samenableitendes System mitgenutzt, weshalb man bei Wirbeltieren beide Organsysteme als Harn- und Geschlechtsapparat zusammenfasst. Bei den Wirbellosen sind Entstehungsort, Lage und Ausführungsgänge allerdings sehr verschieden ausgebildet, so dass man davon ausgeht, dass die geschlechtliche Fortpflanzung mehrfach und unabhängig voneinander in der Evolution entstanden ist. Die Komplexität des Geschlechtsorgane ist dabei nicht von der Evolutionsstufe abhängig, sie ist beispielsweise bei den Plattwürmern sehr hoch.
Die Keim- oder Hodenstränge dringen in die Gonadenanlage vor und umwachsen die Urkeimzellen. Dabei tritt vorübergehend eine Gliederung der Keimdrüsenanlage in Rinde und Mark auf, wobei sich bei männlichen Embryonen jedoch nur das Mark zum Hoden entwickelt, die Rinde dagegen wieder zurückgebildet wird. Bei genetisch weiblichen Individuen finden ähnliche Vorgänge statt, allerdings später und der Eierstock bildet sich aus der Rinde, während das Mark degeneriert. Die Verbindung der Hodenstränge zur Oberfläche geht schließlich verloren. Aus den Hodensträngen entwickeln sich über die Sry-exprimierenden Prä-Sertoli-Zellen die Sertoli-Zellen, die als Organisatoren der weiteren Hodenentwicklung angesehen werden und dabei mit den myoiden Zellen interagieren. Aus den Urgeschlechtszellen entstehen die Spermatogonien.
Im Inneren bilden die Hodenstränge ein Netz aus untereinander in Verbindung stehenden Strängen, das spätere Hodennetz (Rete testis). Das Hodennetz nimmt Verbindung zu einigen Urnierenkanälchen auf, die damit zu den Ductuli efferentes des Nebenhodenkopfes werden. Der Urnierenausführungsgang (Wolff-Gang) wird als Nebenhodenkanal und Samenleiter ebenfalls zum samenableitenden Weg umfunktioniert. Das Lumen der Samenkanälchen entsteht jedoch erst zur Pubertät, bei Amphibieach der Metamorphose, bis dahin sind die Hodenstränge solide.
Aus dem mesodermalen Anteil der Hodenanlage entstehen die Tunica albuginea, das Bindegewebsgerüst des Hodens und die Leydig-Zellen. Die Leydig-Zellen sind ebenfalls bereits in der frühen Hodenentwicklung anzutreffen, sie exprimieren den Steroidogenic factor 1(Sf1), und ihre Testosteronproduktion bestimmt maßgeblich die Entwicklung der männlichen Geschlechtsorgane.
Alterung des Hodens
Beim Mann findet — im Gegensatz zur Frau (siehe Menopause) — kein plötzliches Aussetzen der Funktion der Keimdrüsen in einem definierten Lebensalter statt. Sowohl die Hormonproduktion als auch die Reifung der Keimzellen sind potentiell bis ins hohe Alter erhalten. Tatsächlich sind bis in die zehnte Lebensdekade Vaterschaften belegt. In der Realität bestehen jedoch ausgeprägte individuelle Unterschiede und viele Männer werden früher oder später infertil, was nicht mit Impotenz verwechselt werden darf. Die genauen Ursachen für diese Unterschiede sind im Einzelnen unbekannt, vermutet werden unter anderem vaskuläre Faktoren. Statistisch betrachtet kommt es etwa ab der vierten Lebensdekade zur sehr langsam voranschreitenden Involution des Hodens mit Abnahme von Gewicht, Größe und Spermienproduktion. Für den Einzelnen sind jedoch kaum Vorhersagen zu treffen.
Auch die strukturellen Veränderungen unterliegen demzufolge einer großen Bandbreite, als typisch kann jedoch ein Mischbild voormalen und deutlich atrophischen Hodenkanälchen angesehen werden. Ein bei manchen Männern zu beobachtender deutlicher Abfall der Testosteronproduktion kann zu einem Climacterium virile mit Hitzewallungen, Kopfschmerz und weiteren Symptomenführen.
Erforschungsgeschichte
Zeichnung Leonardo da Vincis mit Samenwegen aus Lunge bzw. Rückenmark.
Der Hoden galt in Antike und Mittelalter nur als Durchgangsstation für den Samen. Alkmaion von Kroton (frühes 5. Jahrhundert v. Chr.) vermutete das Gehirn als Ursprung des Samens, der über Blutgefäße zu den Hoden gelange. Die Atomisten (Anaxagoras, Demokrit) und Aristoteles bezogen das Rückenmark in diesen Weg ein, Galenus (125–199) vermutete den Ursprung der Samenzellen in den Blutgefäßen, über welche sie in den Hoden gelangen. Diese Vorstellungen blieben bis ins Mittelalter erhalten. Die anatomischen Zeichnungen Leonardo da Vincis zeigen Verbindungen des Hodens zu Lunge und zum Gehirn, da Vinci vermutete die Herkunft der „geistigen Kraft“ des Samens im Gehirn, während die Hodeur die stoffliche Grundlage für die „niederen Regungen“ beitragen.
Strukturelle Erforschung
Erst mit Beginn der Aufklärung im 17. Jahrhundert wurden die Vorstellungen vom männlichen Samen entmystifiziert und der direkte Zusammenhang zwischen Hoden und Fortpflanzung erkannt. Die erste moderne Beschreibung des Aufbaus des Hodens stammt von Reinier De Graaf (1641–1673). Nathaniel Highmorebeschrieb 1651 den Bindegewebskörper des Hodens (Corpus Highmori), der 1830 von Astley Paston Cooper Mediastinum testis genannt wurde. Der Erfinder desMikroskops, Antoni van Leeuwenhoek, entdeckte 1677 damit auch die Spermien, die er für miniaturisierte vorgebildete Lebewesen („Samentiere“) hielt.
Albert von Kölliker erkannte als Erster Ort und Wesen der Spermienbildung
Mit der Entwicklung histologischer Techniken konnte auch der Feinbau des Hodens aufgeklärt werden. 1841 erkannte der Schweizer Anatom Albert von Köllikererstmals den direkten Zusammenhang zwischen Hodenkanälchen und Spermien und deckte auf, dass die Spermien in diesen Kanälchen als Produkte einer zellulären Differenzierung entstehen. 1850 beschrieb Köllikers Schüler Franz von Leydig erstmals die Zwischenzellen (Leydig-Zellen).
1865 entdeckte Enrico Sertoli die Stützzellen (Sertoli-Zellen). 1871 gelang es Victor Ebner, die Sertoli-Zellen von den Spermatogonien abzugrenzen und fünf Jahre später prägte La Valette St. George den Begriff „Spermatogonie“ und die noch heute übliche Einteilung der einzelnen Entwicklungsstadien der Samenzellen. Die Sertoli-Zellen wurden sehr lange als Synzitien betrachtet, erst 1956 konnten Don Wayne Fawcett und Mario H. Burgos nachweisen, dass jede Sertoli-Zelle eigene Zellgrenzen hat.
Bereits 1904 erkannte Hugo Ribbert, dass in das Blut verabreichtes Karmiicht in das Lumen der Samenkanälchen und das Hodennetz gelangt. Dieser Entdeckung wurde lange Zeit keine Bedeutung zugemessen, obwohl sie der erste Nachweis der Blut-Hoden-Schranke war. Erst in den späten 1950er Jahren wurde diese Erkenntnis wieder aufgegriffen und 1963 gelang J. Brökelmann der Nachweis der Tight junctions der Sertoli-Zellen als der morphologischen Grundlage der Blut-Hoden-Schranke. Paul J. Gardner und Edward A. Holyoke konnten ein Jahr später die Feinstruktur der Blut-Hoden-Schranke aufklären.
Hormone des Hodens
Obwohl die Auswirkungen von Kastrationen seit Jahrtausenden bekannt waren, gelang erst 1849 Arnold Adolph Berthold mittels Hodentransplantationen bei Hähnen der experimentelle Nachweis der Hormonbildung im Hoden. In hohem Alter unternahm Charles-Édouard Brown-Séquard Ende des 19. Jahrhunderts Selbstversuche mit Flüssigkeit aus Hoden von Hunden und Meerschweinchen, denen er eine verjüngende und stärkende Kraft zuschrieb, allerdings waren es eherhomöopathische Hormonmengen, die er auf diese Weise gewann. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt die Transplantation von Tierhoden unter die Bauchdecke als Verjüngungsmittel, insbesondere die Wiener Robert Lichtenstern und Eugen Steinach waren Protagonisten dieser Methode. Steinach wollte diesen Verjüngungsprozess auch durch Unterbindung der Samenleiter erreichen (sein berühmtester Patient war Sigmund Freud) und beschrieb die Hodentransplantation als „Therapie“ bei Homosexualität. Nach 1945 kamen diese umstrittenen Xenotransplantationen aus der Mode.
1903 publizierten Pol Bouin und Paul Ancel erstmals die Erkenntnis, dass die Leydig-Zellen der Bildungsort der männlichen Geschlechtshormone sind. 1931 isolierten Adolf Butenandt und Kurt Tscherning Androsteron (ein Metabolit des Testosterons) aus Urin von Männern, 1935 konnte Ernst Laqueur das Testosteron selbst aus Stierhoden isolieren und prägte auch den Namen dieses Hormons (von testis „Hoden“ und „Steroid“).
Die Existenz nichtsteroidaler Hormone im Hoden wurde bereits in den 1920er Jahren postuliert, aber erst 1932 von D. Roy McCullagh an kastrierten Ratten funktionell nachgewiesen und Inhibingenannt. Obwohl in den 1960er Jahren Bioassays für dieses Hormon entwickelt wurden, war dessen Existenz über einige Jahrzehnte umstritten und wurde erst 1979 allgemein akzeptiert. 1984/85 wurden die Struktur und die Untertypen des Hormons aufgedeckt. Mit der Aufklärung der das Hormon codierenden DNA-Sequenz wurde 1985 auch die Zugehörigkeit des Inhibins zur Gruppe der β-transforming-growth-factors erkannt.
Während die Beziehungen zwischen LH und Testosteron bereits in den 1960er Jahren bekannt waren, wurde die FSH-Abhängigkeit der Sertoli-Zellen erst 1984 durch Joanne M. Orth bewiesen.
Geschlechtsdifferenzierung
Die chromosomale Basis der Geschlechtsdifferenzierung wurde bereits zwischen 1910 und 1916, vor allem durch die Arbeiten von Thomas Hunt Morgan an Taufliegen aufgeklärt, wofür er 1933 denNobelpreis für Physiologie oder Medizin bekam. Alfred Jost erkannte 1947, dass die Keimdrüsenanlage primär auf das weibliche Geschlecht determiniert ist und die Ausprägung des männlichen Geschlechts abhängig von Testosteron ist. Dennoch dauerte es bis in die frühen 1960er Jahre, bis das Y-Chromosom als maßgeblicher Faktor bei Säugetieren identifiziert wurde. Die genaue Lokalisation des Gens für den Hoden-determinierenden Faktor wurde erst 1990 ermittelt, seine vielfältigen Funktionen sind noch nicht im Detail bekannt und Gegenstand aktueller Forschung .
Entwicklungsstörungen und Erkrankungen des Hodens
Verletzungen des Hodens kommen beim Menschen als stumpfe Traumen vor allem bei Kampfsportarten und Schlägereien vor. Hier besteht die Gefahr der Einblutung unter die Hodenkapsel (Hämatocele), die in der Regel einer chirurgischen Versorgung bedarf. Verletzungen mit Eröffnung des Hodensacks (Stich- und Pfählungswunden, bei Tieren auch Bisse, Stacheldraht u. s. w.) können Hodenentzündungen (s. u.) oder gar Abszesse verursachen, infolge der offenen Verbindung des Scheidenhautfortsatzes zur Bauchhöhle auch eine Bauchfellentzündung.
Fehlbildungen
Als Anorchie bezeichnet man das Fehlen eines oder beider Hoden. Etwa 5 % der wegen eines ausbleibenden Hodenabstiegs operierten männlichen Kinder habeur einen oder keinen Hoden. Bei ihnen findet man häufig kleine bindegewebige Knoten mit eingestreuten Leydig-Zellen. Da ein funktionell intakter Hoden für die männliche Geschlechtsausprägung zwingend erforderlich ist, muss in der Embryonalphase mindestens ein intakter Hoden vorgelegen haben, der sich dann später zurückentwickelt haben kann.
In seltenen Fällen können infolge von Entwicklungsstörungen auch beim Menschen und bei anderen Säugetieren neben Hoden gleichzeitig Eierstöcke auftreten (Hermaphroditismus verus – „echte“ Zwitter; siehe auch Intersexualität). Bei bestimmten Keimdrüsenfehlentwicklungen (Gonadendysgenesien) werden die Hodeicht angelegt, bleiben unterentwickelt oder enthalten Eierstockgewebe (Ovotestis).
Abdominaler Kryptorchismus bei einemHausschaf („Nierenbock“).
Bei Störungen der Wanderung des Hodens (Maldescensus testis) können verschiedene Lageanomalien auftreten. Dabei kann der Hoden in der Bauchhöhle verbleiben (Kryptorchismus, „Bauchhoden“), im Leistenkanal stecken bleiben („Leistenhoden“, „Gleithoden“) oder eine falsche Route nehmen und beispielsweise unter der Haut der Leistengegend oder der Oberschenkelinnenseite zu liegen kommen (Hodenektopie). Der Maldescensus testis ist eine der häufigsten Fehlbildungen beim Menschen und tritt bei 3 bis 5 % der Neugeborenen und 33 % der Frühgeborenen auf, auch beiHaustieren treten Kryptorchiden in ähnlicher Häufigkeit auf und führen zum Ausschluss von der Zucht. Bei falscher Position des Hodens können sich aufgrund der Temperaturempfindlichkeit des Keimepithels keine fruchtbaren Spermien bilden, die Androgenproduktion bleibt jedoch erhalten. Ein länger als zwei Jahre ausbleibender Hodenabstieg führt zum Verlust der Spermatogonien und damit zu unumkehrbaren Veränderungen des Hodens.
Erblich bedingter Kleinwuchs der Hoden (Hypoplasie) ist bei Haustieren relativ häufig. Hodenhypoplasien können auch durch Chromosomenstörungen (Klinefelter-Syndrom), Infektionen oder hormonelle Störungen verursacht werden.
Hodenentzündung
Eine Hodenentzündung (Orchitis) kann bei Verletzungen des Hodensacks mit Eindringen von Bakterien oder bei einigen Infektionskrankheiten auftreten. Eine Orchitis ist beim Menschen eine mögliche Komplikation bei Mumps, Coxsackie-Virus-Infektionen und Windpocken. Auch Brucellose und Tuberkulose können sich am Hoden manifestieren. Bei Tieren können ebenfalls Tuberkulose und Brucellose sowie die Pseudotuberkulose (Schafe), die Ansteckende Blutarmut der Einhufer und die Feline Infektiöse Anämie (Katzen) mit einer Orchitis einhergehen. Hodenentzündungen können zu einer Schrumpfung des Hodens (Hodenatrophie) und zu Unfruchtbarkeit führen, weil gar keine (Aspermie) oder keine funktionstüchtigen Spermien mehr gebildet werden können.
Zirkulationsstörungen
Nach Drehung entfernter Hundehoden. Links: gesundes Organ
Als Varikozele bezeichnet man krampfaderähnliche Erweiterungen, die vor allem die linksseitigen Venen des Plexus pampiniformis im Samenstrang betreffen. Eine Varikozele kann zu einer eingeschränkten Spermienbildung des gleichseitigen Hodens führen.
Als Hydrozele oder Wasserbruch wird die Ansammlung seröser Flüssigkeit in den Hodenhüllen bezeichnet. Daneben kann sich die Flüssigkeit auch im Samenstrang ansammeln, dieses wird dann als Hydrozele funiculi spermatici bezeichnet.
Eine Hodentorsion ist eine abnorme Drehung des Hodens, wobei die spiralförmige Abklemmung des Samenstranges und der abführenden Venen zu einem Absterben des Hodens führen kann. Eine hochgradige Hodentorsion ist ein sehr schmerzhafter Notfall, bereits nach zwei Stunden ist mit dauerhaften Schäden des Hodens zu rechnen. Auch der Appendix testis kann eine sogenannte Hydatidentorsion vollziehen.
Zirkulationsstörungen mit der Gefahr der Entstehung von Nekrosen werden auch bei Erkrankungen der Blutgefäße wie Purpura Schönlein-Henoch,Endangiitis obliterans und Panarteriitis nodosa des Menschen, Arteriitis der Pferde sowie generell bei Thrombosen beobachtet.
Tumoren
Als Hodentumor wird eine krankhafte Vergrößerung des Hodens bezeichnet. Hodentumoren können gut- oder bösartig sein.
Zumeist harmlose Hodenvergrößerungen sind Zysten. Am Hoden können zwei verschiedene Zystenarten entstehen. Hydrozelen sind Aussackungen der Tunica vaginalis testis, die eine klare bernsteinfarbene Flüssigkeit enthalten. Sie entstehen durch Verletzungen oder Entzündungen. Spermatozelen gehen vom Rete testis oder dem Nebenhoden aus und enthalten Spermien.Teratome sind zumeist gutartige Tumoren der Keimzellen.
Bösartige Hodentumoren (Hodenkrebs) werden in Entartungen der Keimzellen (germinale Hodentumoren: Seminome) und Nichtseminome untergliedert. Entartungen der Keimzellen sind die häufigste Krebserkrankung bei Männern im Alter zwischen 20 und 40 Jahren und machen etwa 90 % aller Hodentumoren aus. Den Hauptrisikofaktor stelleicht in den Hodensack gewanderte Hoden dar. Die verbleibenden 10 % entfallen auf tumoröse Entartungen anderer Gewebsanteile (Sertoli-Zell-Tumor, Leydig-Zell-Tumor, Non-Hodgkin-Lymphom u. a.).
Funktionsstörungen
Neben den oben genannten Krankheiten können auch die Blut-Hoden-Schranke überwindende chemische Substanzen wie Umweltgifte (z. B. Cadmium), Zusätze zu Verpackungsmitteln (z. B.Phthalate, Diethylhexyladipat), einige Arzneimittel (z. B. Furazolidon) und Hormone (s. a. Endokrine Disruptoren) oder ionisierende Strahlung zu schweren Beeinträchtigungen des Epithels der Samenkanälchen führen. Da die Spermienbildung mit sehr hohen Zellteilungsraten (Mitose, Meiose) einhergeht, ist das Keimepithel gegenüber Zellgiften besonders empfindlich. Solche Schädigungen können zu mannigfaltigen Veränderungen bis zum vollständigen Fehlen der Spermien führen (siehe auch Spermiogramm).
Eine unzureichende Bildung von Androgenen wird als Hypogonadismus bezeichnet. Dieser kann angeboren sein, durch Erkrankungen des Hodens sekundär entstehen oder in einemGonadotropin-Mangel (z. B. Unterfunktion der Hypophyse, Olfaktogenitales Syndrom) begründet sein.
Sonographie: Hund mit abdominalem Kryptorchismus und Aszites. Links: Hoden, rechts: Nebenhoden.
Untersuchung des Hodens
Die Hodentastuntersuchung ist eine bei Mensch und Tieren mit Hodensack wichtige Grundlagenuntersuchung. Hier werden das Vorhandensein, Größe, Lage und Konsistenz des Hodens geprüft. Als bildgebendes Verfahren wird vor allem die Ultraschalluntersuchung angewendet. Die Bestimmung des Hodenvolumens erfolgt entweder durch Vergleich mit der sogenannten Prader-Kette oder mittels Ultraschallvermessung. Bei der Diagnostik der Hydrozele hat die Diaphanoskopie noch einen gewissen Stellenwert. Zur Entnahme von Gewebeproben kann eine Hodenbiopsie durchgeführt werden. Bei Tieren mit in der Bauchhöhle gelegenen Hoden wird neben der Ultraschalluntersuchung vor allem die Endoskopie eingesetzt.
Eine funktionelle Untersuchung ist die Erstellung eines Spermiogramms. Hier werden Anzahl, Gestalt und Beweglichkeit der Spermien beurteilt. Die Bestimmung des Gehalts von Inhibin B im Blut wird als Marker für die Sertoli-Zell-Funktion und Fruchtbarkeit genutzt, die Aussagekraft ist allerdings umstritten.
Perineum
Das Perineum (von griechisch perinéum „Damm“) oder der Damm ist die Region zwischen Afterund den äußeren Geschlechtsorganen bei Säugetieren. Beim Mann ist dies die Region zwischenAnus und Hodensack (Skrotum), bei der Frau die zwischen Anus und dem hinterenSchamspaltenwinkel.
Neben der bedeckenden Haut, die reichlich sensibel innerviert ist, besteht das Perineum hauptsächlich aus Muskeln, die zur Beckenbodenmuskulatur gehören. Die Muskeln des Perineums untergliedern sich in Muskeln der Analregion und in Muskeln der urogenitalen Region.
Das Perineum gilt bei beiden Geschlechtern als erogene Zone. Die Innervation erfolgt vor allem über Äste des Nervus pudendus, darüber hinaus beteiligen sich der Nervus ilioinguinalis, Nervus genitofemoralis, Nervus cutaneus femoris posterior und die Nervi anococcygei. Beim Mann kann eine Erektion durch Druck auf das Perineum verstärkt werden. Bei Berührung kommt es zu einem reflektorischen Zusammenziehen des äußeren Afterschließmuskels (Musculus sphincter ani externus), dem sogenannten Perinealreflex.
Bei Geburten kann es durch die starke Dehnung der Scheide zu einem Dammriss kommen. Manchmal wird daher vorbeugend ein Dammschnitt vorgenommen.
Perinealhernie
Eine Perinealhernie ist eine Hernie des Beckenbodens mit Ausstülpung des Perineums. Sie ist bei unkastrierten männlichen Haushunden relativ häufig. Der Bruch erfolgt entweder zwischenMusculus sphincter ani externus und Musculus levator ani oder zwischen Musculus levator ani und Musculus coccygeus.
Der Descensus testis (lat. für ‚Hodenabstieg‘) ist die mehrheitlich fetale Wanderung des Hodens vom Ort seiner embryonalen Anlage hinter der Niere durch den Leistenkanal in den Hodensack (Skrotum).
Mechanismus
Normale Anatomie nach Abstieg des Hodens in den Hodensack
Der Hoden entsteht im Bauchraum außerhalb des Bauchfells (extraperitoneal) in Höhe der oberen Lendenwirbel im Bereich der Nierenanlage. Gesteuert durch das Anti-Müller-Hormon (AMH, produziert von den Sertoli-Zellen) steigen die Hoden zunächst in der Transabdominalphase zum Beckenrand ab. Man bezeichnet diesen Abschnitt als transabdominellen Hodenabstieg. In der Literatur wird der Vorgang, der zum transabdominellen Abstieg führt, als ballonartige Anschwellung und Verkürzung des Gubernaculums durch Proliferation beschrieben, wodurch der Hoden mitgenommen wird. In der sich anschließenden Inguinoskrotalphase steigen die Hoden androgenvermittelt (Testosteronanstieg) entlang des Gubernaculum testis (dem unteren Keimdrüsenband) über den Leistenkanal in den Hodensack ab. Dabei bildet sich eine trichterförmige Ausstülpung des Bauchfells in das Skrotum, der Processus vaginalis peritonei. Hier scheint eine Verkürzung des Gubernaculum durch Rückbildung die entscheidende Rolle zu spielen. Der Processus vaginalis bildet sich ebenfalls bis auf einen kleinen Rest, der im Hodensack verbleibt, zurück. Das Gubernaculum testis bleibt als Hodeneigenband (Ligamentum testis proprium) und Nebenhodenschwanzband (Ligamentum caudae epididymidis) erhalten.
Zeitliches Auftreten
Der Hodenabstieg erfolgt bei Wiederkäuern bereits im dritten Fetalmonat. Beim Menschen und Schwein ist er etwa zur Geburt abgeschlossen. BeimPferd wandern die Hoden etwa zur Geburt durch den Leistenkanal. Beim Hund wie auch bei der Hauskatze ist der Hodenabstieg zumeist erst Ende des ersten Lebensmonats abgeschlossen, bei neugeborenen Welpen sind fehlende Hoden im Hodensack also noch kein Grund zur Beunruhigung. BeiNagetieren erfolgt der Hodenabstieg erst zur Pubertät und auch erwachsene Tiere können die Hodeoch in die Bauchhöhle zurückziehen.
Störungen
Störungen des Hodenabstiegs (Maldescensus testis) sind relativ häufig und vermutlich genetisch bedingt. Sie können beide oder auch nur einen Hoden betreffen. Diese Entwicklungsstörungen führen zu Lageanomalien des Hodens wie Kryptorchismus oder Hodenektopie.
Bleiben die Hoden in der Bauchhöhle, so können keine fruchtbaren Spermien entstehen (Infertilität). Zudem neigen sie zur Tumorbildung.
Störungen der Rückbildung des Processus vaginalis peritonei führen zu einer angeborenen Leistenhernie.
Säugetiere ohne Hodenabstieg
Bei einigen Säugetieren (z. B. Elefant, viele Meeressäugetiere, Faultier) findet kein Hodenabstieg statt. Bei ihnen bleiben die Hoden in der Bauchhöhle und sind dennoch in der Lage, fruchtbare Spermien zu produzieren. Die Tierarten ohne Hodenabstieg werden unter dem Begriff Testiconda zusammengefasst.
Penis
Penis des Menschen
Als Penis ( Aussprache?/i, indogerman. Wortstamm, lat. penis „männliches Glied“, vgl. griechisch πέος; Plural: Penes oder auch Penisse) bezeichnet man das Begattungsorgan männlicher Tiere bei Arten mit einer inneren Befruchtung. Er dient zur Übertragung der Spermien in denweiblichen Geschlechtstrakt und ist vor allem bei landlebenden Tierarten sowie bei Sedimentbewohnern ausgebildet. Die Penes verschiedener Tiergruppen sind untereinander nicht homolog, sondern im Laufe der Evolution mehrfach unabhängig voneinander entstanden.
Der Penis des Menschen entspricht in seiner Anatomie und Funktion dem typisch aufgebauten Penis der Säugetiere. Als Phallus ist er in vielen Kulturen ein bedeutendes Fruchtbarkeitssymbol.
Vergleichende Anatomie
Hodensack eines Rinderbullen
Männliches Känguru mit ausgeprägtem Hodensack
Ein Hodensack ist bei den meisten Beuteltieren und Höheren Säugetieren ausgebildet, während die Hoden bei allen anderen Wirbeltieren einschließlich derKloakentiere in der Körperhöhle verbleiben. Dabei kann unterschieden werden in ein sitzendes Skrotum, bei dem sich die Hoden in einem Bindegewebslager unter der Haut am Körper anliegend befinden, und einem hängendem Scrotum, bei dem ein echter Beutel ausgebildet wird, der zwischen den Oberschenkeln hängt. Ein sitzendes Skrotum ist etwa bei den Schweinen und Flusspferden ausgebildet, während die meisten anderen Säugetiere einschließlich der Primatenein hängendes Skrotum besitzen.
Bei den Beuteltieren wird diskutiert, ob der Beutel eine homologe Struktur zum Hodensack und den Großen Schamlippen weiblicher Säuger darstellt, da sich alle diese Strukturen im Bereich der Genitalwülste entwickeln. Dies wird bestärkt durch die Existenz eines rudimentären Beutels bei männlichen Beuteltieren vor dem Hodensack, wodurch jedoch maximal von einer partiellen Homologie ausgegangen wird. Eine Trennung in Beutel- und Hodensackgewebe erfolgt in der Entwicklung bereits vor der hormonellen Beeinflussung und wird direkt genetisch beeinflusst – bei Anwesenheit vour einem X-Chromosom bildet sich ein Hodensack; sind zwei X-Chromosomen vorhanden, wird ein Beutel ausgebildet.
Physiologie
Die Funktion des Skrotums ist noch nicht abschließend geklärt. Die am meisten verbreitete Hypothese geht davon aus, dass der Hodenabstieg und ihre Verlagerung in den Hodensack dem Schutz der Spermien vor zu hohen Temperaturen in der Körperhöhle dient.
Die Hoden werden im Hodensack zwei bis fünf Grad Celsius kühler als der Rest des Körperinneren gehalten. Diese Temperatur ist optimal für die Produktion von Spermien, ebenso für das Überleben bereits produzierter männlicher Samen. Die Hodentemperatur wird dadurch geregelt, dass sich der Hodensack bei Kältezusammenzieht, wodurch sich die Abstrahlfläche für die Körperwärme verkleinert, und sich bei Wärme entspannt, wodurch sich die Abstrahlfläche vergrößert. Für die Temperaturregulation innerhalb des Hodensacks spielen weitere Mechanismen eine Rolle: Der Musculus cremaster kann den Hodeäher an den Körper ziehen, und Hodenarterie und -vene bilden ein Geflecht, das als Wärmeaustauscher fungiert.
Vulva oder Scham bildet die Gesamtheit der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane. Sie verläuft vom Venushügel bis zum Perineum.
Die äußeren Schamlippen schließen mit der Schamspalte die kleinen Schamlippen, den Scheidenvorhof sowie die Klitoris samt Klitorisvorhaut ein. Der Scheidenvorhof stellt die Verbindung zu den inneren weiblichen Geschlechtsorganen dar.
Innere Geschlechtsorgane
Die Verbindung zwischen inneren und äußeren Geschlechtsorganen stellt die Vagina, auch Scheide genannt, dar. Sie mündet unten in den Scheidenvorhof und wird oberhalb durch denGebärmutterhals abgeschlossen.
Am Gebärmutterhals geht die Vagina in die Gebärmutter über, der Ort der Einnistung befruchteter Eizellen.
Die Produktion und Reifung der Eier erfolgt in den Eierstöcken, von wo aus sie über die Eileiter in die Gebärmutter gelangen.
Akzessorische Geschlechtsdrüsen
• Paraurethraldrüse („Prostata feminina“)
• kleine Vorhofsdrüsen
• Bartholinsche Drüsen
Männliche Geschlechtsorgane der Säugetiere
Die folgende Einteilung der männlichen Geschlechtsorgane (Organa genitalia masculina) mag auf den ersten Blick erstaunen: Die Hoden liegen zwar außen, zählen aber dennoch zu den inneren Geschlechtsorganen. Diese Einteilung ist darin begründet, dass die Hoden sich zunächst im Bauchraum entwickeln und erst zur Geburt bei den meisten Säugetieren in den Hodensack wandern (Hodenabstieg, Descensus testis).
Äußere Geschlechtsorgane
Der Penis stellt das Begattungsorgan des Mannes bzw. männlichen Tieres dar. Darüber hinaus stellt er einen Teil der ableitenden Harnwege dar, indem er die Harnröhre umschließt.
Der Hodensack (Skrotum) stellt einen Hautsack unterhalb des Penis dar, der die Hoden und Samenleiter umschließt.
Innere Geschlechtsorgane
Die Hoden stellen die Produktionsstellen der männlichen Keimzellen, der Spermien, dar. Sie sind die männlichen Keimdrüsen.
Weitere innere Geschlechtsorgane des Mannes sind die Nebenhoden und die für den Samentransport zuständigen Samenleiter.
Akzessorische Geschlechtsdrüsen
Entlang des Samenweges sind bei den Säugetieren bis zu vier paarige akzessorische (zusätzliche) Geschlechtsdrüsen ausgebildet. Dies sind die Samenleiterampulle, die Samenblasendrüse, dieProstata und die Bulbourethraldrüse. Sie produzieren einen Großteil der Samenflüssigkeit.
Lage der Eierstöcke beim Menschen
Der paarig angelegte Eierstock – in der medizinischen Fachsprache als Ovar (von lat. Ovarium) oder Oophoron (griech.) bezeichnet – ist ein primäres, weibliches Geschlechtsorgan. Als Gonade (Keimdrüse) entspricht sie dem Hoden männlicher Individuen und ist der Produktionsort der Eizellen und weiblicher Geschlechtshormone.
Säugetiere
Aufbau
Vorgänge im Eierstock während der Eizellenreifung
Das Ovar wird von einem einschichtigen isoprismatischen Epithel, dem Epithelium superficiale, überzogen. Es ist eine modifizierte Tunica serosa, die direkt in die darunter liegende weiße Bindegewebskapsel (Tunica albuginea) übergeht. Das Gewebe des Eierstocks besteht aus der äußeren Rinde und dem innen liegenden Mark. Bei Pferden sind die Verhältnisse umgekehrt, die Rinde ist zentral gelegen.
Die Eierstockrinde (Cortex ovarii, Zona parenchymatosa) enthält die in Follikeln liegenden Eizellen. Während man jahrzehntelang davon ausging, dass Fraueur mit einer bestimmten Anzahl Eizellen geboren würden, und dass sie nach deren Verbrauch unfruchtbar sein würden, wiesen amerikanische Forscher Anfang 2012 nach, dass sich Eizellen produzierende Stammzellen in weiblichen Eierstöcken befinden.
Das Eierstockmark, Medulla ovarii oder Zona vasculosa, besteht aus Bindegewebe und enthält die Blutgefäße und Lymphgefäße sowie Nervenfaserndes Plexus ovaricus.
Die Eierstöcke der Frau liegen im kleinen Becken an der Teilungsstelle der Arteria iliaca communis. Sie lassen sich mit zwei Fingern (einer durch die Scheide, der zweite durch die Bauchwand) ertasten. Benachbart sind:
• Nervus obturatorius (bei Zysten oder Eierstockentzündungen treten dadurch häufig Schmerzen am Oberschenkel auf)
• Harnleiter
• Wurmfortsatz (Appendix vermiformis) zum rechten Eierstock
Lage bei den vierfüßigen Säugetieren
Entsprechend der embryonalen Anlage liegen die Eierstöcke der meisten Quadrupeden (Vierfüßer) hinter der jeweiligen Niere. Bei den Paarhufern kommt es, dem Hodenabstieg vergleichbar, zu einem Eierstockabstieg (Descensus ovarii). Bei ihnen liegen die Eierstöcke weiter hinten (kaudal) und bauchwärts (ventral) vor dem Eingang in das Becken. Bei Großtieren lassen sich die Eierstöcke rektal (man geht mit dem Arm über den After vor) ertasten.
Befestigung des Eierstocks
Eierstock eines Schafes
1 Eierstock, 2 Tertiärfollikel, 3 Ligamentum ovarii proprium, 4 Eileiter, 5 Arteria und Vena ovarica im Mesovarium
Die Eierstöcke werden durch drei Bänder, die aus Serosa bestehen, befestigt:
• Mesovarium (Eierstockgekröse), Teil des Ligamentum latum uteri
• Ligamentum suspensorium ovarii (oberes/vorderes Keimdrüsenband)
• Ligamentum ovarii proprium (Eierstockeigenband, zieht zur Gebärmutter)
Versorgung des Eierstocks
Die Blutversorgung erfolgt über die Arteria ovarica. Sie geht direkt aus der Aorta ab. Das venöse Blut fließt über die Vena ovarica ab.
Die Nervenversorgung erfolgt über Fasern des vegetativen Nervensystems. Sie bilden an der Arteria ovarica ein Nervengeflecht, den Plexus ovaricus.
Erkrankungen und Funktionsstörungen
Eine Entzündung des Eierstocks wird als Oopheritis bezeichnet. Sie tritt zumeist in Kombination mit Entzündungen des Eileiters auf und wird dann als Adnexitis bezeichnet. Eine Verstopfung der abführenden Blutgefäße führt zu einer Ovarialvenenthrombose.
Der Eierstock kann Sitz verschiedener Tumoren sein. Das Ovarialkarzinom ist ein bösartiger, die Struma ovarii und der Brenner-Tumor ein gutartiger Tumor der Eierstöcke. Fibrome des Eierstocks können mit Bauchwassersucht einhergehen (Meigs-Syndrom). Das Zystom ist ein Drüsengeschwulst, bei der sich ein Sekrethohlraum bildet.
Eine Unterfunktion der Keimdrüsen wird als Hypogonadismus bezeichnet. Funktionsstörungen des Eierstocks sind Ovarialinsuffizienz,Ovarialzysten und das polyzystische Ovarialsyndrom. In der Menopause kommt der Ovarialzyklus zum Erliegen.
Das gleichzeitige Auftreten von Hodengewebe im Eierstock bezeichnet man als Ovotestis. Die fehlende Anlage während der Embryonalentwicklung nennt man Gonadendysgenesie oderAgonadismus. Die Dermoidzyste ist eine embryonale Fehlentwicklung, bei der ein mit Oberhautgewebe ausgekleideter Hohlraum entsteht.
Eierstock bei Vögeln
Bei Vögeln ist zumeist nur der linke Eierstock ausgebildet. Bei wenigen Arten sollen auch Anteile des rechten Eierstocks erhalten bleiben. Der rechtsseitige Eileiter (Oviductus) wird zwar auch beim Embryo angelegt, bildet sich aber ausnahmslos bis zum Schlüpfen wieder zurück. Die Eierstöcke liegen bei Vögeln vor den Nieren.
Im Gegensatz zum kompakten Organaufbau der Säugetiere erscheint der Eierstock der Vögel traubenförmig. Er besteht aus vielen Dotterkugeln, die dem späteren Eigelb entsprechen und mit kurzen Stielen aufgehängt sind. In der Legezeit wachsen ständig gelbe Dotterkugeln heran, so dass der Eierstock eine beträchtliche Größe erreichen kann. In der Legepause sind die Dotterkugeln sehr klein und gräulich.
Eierstöcke bei anderen Arten
Auch andere vielzellige Tierarten besitzen zumeist Eierstöcke oder eierstockartige Gonaden, dies gilt sowohl für Arten mit getrennten Geschlechtern, als auch für zwittrige Arten.
Eine Besonderheit sind Schleimaale: Bei ihnen sind Eierstöcke und Hodeicht ausdifferenziert, beide Arten von Keimzellen (Eizellen und Spermien) werden folglich in einer einzigen Gonade produziert. Trotzdem ist Selbstbefruchtung ausgeschlossen, da die Produktion zeitversetzt stattfindet.
Zu den kompliziertesten Eierstöcken gehören die der Plattwürmer. Die meisten Plattwürmer besitzen zwei Arten von Ovarien:
• Keimstöcke (auch Germarien, Ez. Germarium): Die eigentlichen Eierstöcke, in denen die befruchtungsfähigen Eizellen gebildet werden.
• Dotterstöcke: Hier werden die sogenannten Dotterzellen gebildet, welche später den Embryo mit Nahrung versorgen.
Keim- und Dotterstöcke können, je nach Art, in großer Anzahl über das gesamte Bindegewebe verstreut liegen. Eizellen und Dotterzellen werden zu Eiern zusammengefügt. Liegen Keim- und Dotterstöcke räumlich auseinander, so sind sie über entsprechende Verbindungen (Eileiter bzw. Dottergänge) mit einem Raum verbunden, dem Ootyp. Dort findet dann die Vereinigung statt, bevor die Eier in die Gebärmutter wandern.
Bei Pflanzen, Pilzen und Algen heißen die entsprechenden Organe Archegonien bzw. Oogonien, bei Samenpflanzen auch Nucellus.
Die Vulva (Plural: lat. vulvae, dt. die Vulven; auch Pudendum femininum ‚weibliche Scham‘) ist die Gesamtheit der äußeren primärenGeschlechtsorgane weiblicher Säugetiere. Sie besteht aus dem Venushügel, den Schamlippen und der Klitoris. Bei der Frau wird, im Gegensatz zur Tieranatomie, auch der Scheidenvorhof zur Vulva gerechnet. Von diesem aus führt die Vagina zur Gebärmutter und die kurze Harnröhre zur Harnblase.
Auch die weiblichen Geschlechtsorgane anderer Tiergruppen wie etwa den Fadenwürmern können in Analogie als „Vulva“ bezeichnet werden, unterscheiden sich jedoch vollständig von der Vulva der Säuger.
Außerhalb der medizinischen Fachsprache wird die Vulva auch (mit Bedeutungserweiterung oder metonymischer Bedeutungsübertragung) als Scheide(Vagina), zuweilen auch als „äußere Scheide“ bezeichnet. Ein medizinisch ebenfalls eingeführtes, in literarischer oder gehobener Alltagssprache auch gebrauchtes Fremdwort ist Cunnus (pl. Cunni), das in der klassischen lateinischen Literatur jedoch vorwiegend als obszöner Ausdruck oder mit erotischen Konnotationen gebraucht wurde.
Umgangssprachlich wird oft der Ausdruck „Muschi“ verwendet. Auch in anderen Sprachen wird der Kosename für Katzen gleichzeitig für dieses weibliche Geschlechtsorgan verwendet, vgl. engl. pussy, franz. chatte.
Anatomie bei der Frau
Makroskopische Anatomie
Menschliche Vulva
Die Vulva umfasst die äußeren, primären Geschlechtsorgane der Frau. Das sind die einfassenden Anteile Venushügel und große äußere Schamlippenund die inneren Schamlippen, die Klitoris und der Scheidenvorhof mit den Ausgängen der Vagina, der Harnröhre und der Vestibulardrüsen. In der Bildungsphase der Organe beim Embryo (Organogenese) entsteht die Vulva aus dem Genitalhöcker und den seitlich davon liegendenGeschlechtswülsten.
Der Venushügel (Mons pubis/Mons veneris) und die großen Schamlippen (Labia majora pudendi) stellen die äußere Begrenzung der Vulva dar. Bis zurPubertät (genauer: Pubarche) sind sie unbehaart, bei erwachsenen Frauen sind sie mit Schamhaar bewachsen. Die großen Schamlippen enthaltenTalg-, Schweiß- und Duftdrüsen und bilden die Schamspalte (Rima pudendi).
Zwischen den äußeren großen Schamlippen liegen die beiden sogenannten kleinen Schamlippen (Labia minora pudendi), auch Nymphae genannt. Sie sind nicht behaart und produzieren Talg. An der vorderen Umschlagfalte der inneren Schamlippen (Commissura labiorum anterior, in der Tieranatomie als Commissura labiorum ventralis bezeichnet) liegt die Klitoris, der Kitzler. Die Klitoris ist ein zylinderförmiges, von Schwellkörpergewebe gebildetes und erektiles Organ, welches mit Nervenenden durchsetzt ist und besonders in der Lage ist, auf Berührung zu reagieren. Die Klitoris entspricht entwicklungsgeschichtlich dem männlichen Penis; ebenso wie dieser hat sie eine Eichel (Glans clitoridis) und eine Vorhaut (Praeputium clitoridis). Die Klitorisschenkel bilden die Vorhofschwellkörper, die den Harnröhrenschwellkörpern des Mannes entsprechen.
Die inneren Schamlippen umschließen den Scheidenvorhof, in den die Harnröhre (Urethra femina) und dahinter der Eingang der Vagina (Introitis vaginae,in der Tieranatomie Ostium vaginae) münden. Der Scheideneingang ist bei manchen Frauen von einer Hautfalte umschlossen, die verschiedentlich als Jungfernhäutchen (Hymen) bezeichnet wird. Nach stärkerer Dehnung, üblicherweise nach einer Geburt, kann das Hymen zu den Carunculae hymenalesvernarben. Im unteren Drittel der kleinen Schamlippen sind die beiden großen Vorhofdrüsen (Bartholinsche Drüsen, Glandulae vestibulares majores) und mehrere kleine Vorhofdrüsen eingebettet. Sie sorgen für die Befeuchtung des Scheidenvorhofes. Die Vulva wird über Äste der Arteria pudenda interna mit Blut versorgt, die Nerven der Vulva stammen aus Ästen des Nervus pudendus (Nervi labiales, Nervus dorsalis clitoridis).
wie Schamlippen,Klitoris und Klitorisvorhaut sind bei verschiedenen Frauen unterschiedlich stark ausgeprägt.
Jede Vulva ist in ihrem Erscheinungsbild individuell. So unterscheiden sich die Größe der Klitoris, der Schamlippen, die Farbe und Oberflächenstruktur, die Entfernung von der Klitoris zur Harnröhrenmündung und die Distanz von der hinteren Umschlagfalte der inneren Schamlippen (Commissura labiorum posterior) bis zum Anus in weiten Grenzen. Diese Variationen erklären auch die Unterschiede zu, häufig nachbearbeiteten, Abbildungen von äußeren Geschlechtsteilen, die einem idealisierten Schönheitsideal entsprechen.
Mikroskopische Anatomie
Feingeweblich bestehen die obersten Schichten der meisten Vulvaanteile aus mehrschichtigem nichtverhornten Plattenepithel, welches in höherem Lebensalter jedoch zur Verhornung undAtrophie neigt. Die Innenseiten der inneren Schamlippen weisen ein unverhornendes, die Außenseiten ein schwach verhornendes Plattenepithel auf. Ein mehrschichtiges, meist verhorntes Plattenepithel findet sich als Bedeckung der Innenseiten, ein verhorntes an den Außenseiten der äußeren Schamlippen. In der Lamina propria des Scheidenvorhofs sind Talgdrüsen eingelagert, die einen Schutzfilm gegen die Einwirkung des Urins bilden. Solche Talgdrüsen finden sich auch in den inneren und äußeren Schamlippen. Letztere weisen zusätzlich Haarwurzelzellen,Schweißdrüsen und glatte Muskelzellen auf. Besonders viele sensible Nervenfasern und -endigungen findet man in den Schamlippen und der Klitoris.
Vergleichende Anatomie
Als Vulva werden in der Regel ausschließlich die äußeren Geschlechtsorgane der Säugetiere benannt, obwohl die Bezeichnung in der wissenschaftlichen Literatur auch für funktionell vergleichbare (analoge) Strukturen bei anderen Tiergruppen wie etwa Fadenwürmern (Nematoda) verwendet wird.
Bei den Säugetieren mit Ausnahme der Kloakentiere ist der Ausgang der Harn- und Geschlechtsöffnung vom Darmausgang durch den Damm (Perineum) getrennt. Kloakentiere besitzen keine Vulva und keine Vagina, die beiden Gebärmütter (Uteri) und die Harnröhre münden gemeinsam mit dem Darm in eineKloake. Kloaken werden während der Embryonalentwicklung bei allen Säugetieren einschließlich des Menschen angelegt. Bei den Beutel- und Plazentatierenwird sie später durch eine Gewebsschicht, das Septum urogenitale, in einen vorderen Bereich mit den Geschlechtsorganen und der Harnblase und einen hinteren Bereich mit dem Darmausgang getrennt.
Der prinzipielle Aufbau der Vulva unterscheidet sich innerhalb der Säugetiere nur wenig. Eine maßgebliche Besonderheit der menschlichen Vulva besteht im Vorhandensein der äußeren Schamlippen: Die meisten Säugetiere besitzeur ein Paar Schamlippen, das vergleichend-anatomisch den kleinen Schamlippen der Frau homologein entspricht. Auch wölbt sich das Schambein bei Tiereicht als Venushügel vor. Der Scheidenvorhof ist bei den meisten Tieren deutlich länger als der von den Schamlippen eingegrenzte Raum, so dass der Scheidenvorhof in den Nomina Anatomica Veterinaria nicht zur Vulva gerechnet wird. Das Jungfernhäutchen, das bei vielen Säugetiereur eine zarte Ringfalte darstellt, gehört demzufolge ebenfalls nicht zur Vulva. Die Kitzlervorhaut ist bei zahlreichen Säugetieren fest mit der Eichel verwachsen, so dass keine Kitzlergrube ausgebildet ist.
Physiologie
Aufgrund ihrer Ausstattung mit Talg-, Schweiß- und Duftdrüsen kommt es vor allem in den Bereichen zwischen den Schamlippen und des Scheidenvorhofs zu ständiger Bildung von Talg und Schweiß, die für eine Befeuchtung der Schleimhäute der Genitalien sorgen. Talgreste können sich mit Verunreinigungen in den Schleimhautfalten der Vulva absetzen und das so genannte Smegma bilden.
Physiologische Veränderungen der Vulva in ihrer Gesamtheit treten vor allem vor und während des Geschlechtsverkehrs sowie während der Geburt des Nachwuchses auf.
Veränderung der Vulva während des Sexualzyklus
Bei vielen Säugetieren treten auch während des Sexualzyklus Veränderungen der Vulva auf, deren Ausmaß artspezifisch und individuell variiert. In derBrunst (Östrus) kommt es zu einer stärkeren Durchblutung und damit zu einer Anschwellung und Rötung der Vulva, wie dies beispielsweise bei derRegelschwellung verschiedener Primaten zu beobachten ist.
Veränderung der Vulva im sexuellen Reaktionszyklus und beim Geschlechtsakt
Mit dem Einsetzen sexueller Erregung kommt es zu zahlreichen physiologischen Veränderungen der Vulva, die zusammengenommen den weiblichen Genitaltrakt auf den Geschlechtsverkehr vorbereiten. Die Reaktionen werden in verschiedene, zeitlich aufeinander folgende Phasen eingeteilt: Die Erregungsphase, Plateauphase, Orgasmusphase und Rückbildungsphase.
Die Erregungsphase kann sich über mehrere Stunden hinziehen und wird durch mechanische Stimulation oder sexuell erregende Stimuli (auch psychische wie zum Beispiel sexuelle Vorstellungen oder Träume) ausgelöst. Die Phase zeichnet sich durch eine verstärkte Durchblutung der Strukturen der Vulva aus. Diese wird durch eine Vasokonstriktion der ableitenden, venösen Blutgefäße hervorgerufen. Es kommt zu einem Anschwellen der Klitoris und der Vorhofschwellkörper (Erektion), die Haut färbt sich dunkler.
Es kommt zum Einsetzen der Lubrikation, das heißt einer zunehmenden Absonderung von Sekret aus den akzessorischen Geschlechtsdrüsen, die sich in der Plateauphase verstärkt. Die Lubrikation dient der Befeuchtung von Vagina und Schamlippen, um die Penetration zu erleichtern sowie das Gleiten des Penis in der Vagina zu ermöglichen. Die mechanische Reizung der Vaginalhaut durch den eingeführten Penis verstärkt die Erektion der Vulva und führt zur Schwellung der unteren Scheidenwand.
Die Orgasmusphase ist von Muskelkontraktionen der Beckenbodenmuskulatur begleitet. Unmittelbar vor dem Orgasmus zieht sich die Eichel der Klitoris unter die Klitorisvorhaut zurück. Die Klitoris ist direkt nach dem Orgasmus oft sehr empfindlich, zusätzliche Stimulation mitunter unangenehm.
In der dem Orgasmus folgenden Rückbildungsphase kommt es wieder zu einem, durch Vasodilatation bedingten, Abfluss des Blutes aus der Region. Die Strukturen schwellen wieder ab, die Feuchtigkeit geht zurück und der Normalzustand stellt sich wieder ein.
Veränderungen der Vulva in der Schwangerschaft
Vor allem im letzten Drittel der Schwangerschaft kommt es bei vielen Frauen zu einer vermehrten Pigmentierung der Linea alba (dann, je nach Ausprägung der Verfärbung, als Linea nigra (schwarze Linie), oder auch Linea fusca (braune Linie) bezeichnet), der Brustwarzenhöfe (Areolae) und der Vulva. Diese wird vermutlich durch eine vermehrte Sekretion des melanozyten-stimulierenden Hormons hervorgerufen. Diese zählen zu den wahrscheinlichenSchwangerschaftszeichen. Außerdem kann es durch eine Stauung der Venen im Becken zu Schwellungen und zur Bildung von Krampfadern im Bereich der Vulva kommen (Varicosis vulvae gravidarum oder Varicosis vulva in graviditate).
Veränderung der Vulva während der Geburt
Während der Geburt kommt es durch die Wehen und die damit verbundene Öffnung des Muttermundes und des Geburtskanals (Eröffnungsphase der Geburt) vor allem zu einer Aufweichung der Vaginalmuskulatur, die die Dehnung beim späteren Geburtsvorgang (Austreibungsphase der Geburt) ermöglicht. Diese Dehnung betrifft zudem die Vorhofschwellkörper sowie das Gewebe der Schamlippen und des Damms, der unter der Belastung reißen kann (Dammriss) und bei der Geburt unter Umständen eingeschnitten wird (Dammschnitt).
Ontogenetische Entwicklung
Entwicklung der äußeren Geschlechtsorgane des Menschen in der Embryonalphase
Genitalhöcker im Ultraschallbild in der 14. Schwangerschaftswoche
Pränatal
Während der ersten acht Wochen der Embryonalentwicklung weisen männliche und weibliche Embryonen die gleichen rudimentären Geschlechtsorgane auf. Dieser Zeitraum wird daher auch als indifferentes Stadium bezeichnet. In der sechsten Woche entwickeln sich derGenitalhöcker sowie die Anlagen des Harntrakts. Nach der achten Woche setzt die Hormonproduktion des Embryos ein und die Geschlechtsorgane beginnen, sich in verschiedene Richtungen zu entwickeln. Dennoch sind die sichtbaren Unterschiede bis zur zwölften Woche nahezu nicht feststellbar. Wenn Testosteron gebildet wird und die Rezeptoren im Gewebe intakt sind, entwickelt sich unter dessen Einfluss ein männliches äußeres Genitale. Fehlt das Testosteron, kommt es zur Ausbildung eines weiblichen Genitales. Im Laufe des dritten Monats entwickelt sich aus dem Genitalhöcker die Klitoris. Die Urogenitalfalten bilden sich zu den inneren Schamlippen, der Labioskrotalwulst zu den äußeren Schamlippen aus.
Neo- und postnatal
Direkt nach der Geburt sind die äußeren sichtbaren Strukturen der Genitalien oftmals geschwollen und weisen eine überproportionale Größe auf. Dies ist auf eine mitunter hohe Exposition von mütterlichen Hormonen zurückzuführen. Die Schwellung geht in der Regel wenige Tage nach der Geburt wieder zurück und die Vulva nimmt die normale Größe ein. Nachfolgend wird sich die Vulva während der gesamten Kindheit bis zum Beginn der Pubertät strukturell kaum verändern, außer dass sie proportional zum gesamten Körper mitwächst.
Entwicklung in der Pubertät
In der Pubertät unterliegt die Vulva einer deutlichen Veränderung, da auch das äußere Genitale auf Geschlechtshormone reagiert. Die Hautfarbe verändert sich, und die Strukturen der Vulva werden größer und ausgeprägter. Diese Entwicklung betrifft die Klitoris und die inneren und äußeren Schamlippen, ganz besonders jedoch die hormonempfindliche Haut der Vagina und deren Vorhof. Im Bereich der Vulva, das heißt auf dem Venushügel und den äußeren Schamlippen, beginnt mit der Pubertät das Wachstum der Schamhaare.
Die Gestalt der Vulva ist individuell verschieden. So kann die Klitoris teilweise sichtbar oder ganz verdeckt sein oder es können die inneren Schamlippen größer sein als die äußeren. Diese Unterschiedlichkeit ist keine krankhafte Erscheinung, sonderormal.
Veränderungeach den Wechseljahren
Nach der Menopause kann es zu unterschiedlich ausgeprägten dystrophen Veränderungen der Vulva kommen, insbesondere einem Schwund des Fettgewebes mit einer Verringerung der Hautdicke. Es kommt zu einer Rückbildung der Schamlippen, einer Verkleinerung der Klitoris, Verengung des Vaginaleingangs und trockenerer Haut der Vulva. Diese Veränderungen werden durch den Rückgang der körpereigenenÖstrogenproduktion verursacht, obwohl das Vulvagewebe deutlich geringer auf Östrogene anspricht als das anderer Organe.
Die Schamlippe (lat. Labium pudendum, von labium „Lippe“ und pudendum „Scham“) ist ein doppelt paarig auftretender Teil der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane, die in ihrer Gesamtheit als Vulva bezeichnet werden.
Als alternative Bezeichnung ist auch der Begriff „Venuslippe“ (nach der römischen Liebesgöttin Venus) in einigen Abhandlungen und allgemeinen Medien anzutreffen. Er wird in manchen Zusammenhängen gegenüber der Bezeichnung „Schamlippe“ bevorzugt. Außerdem sind, wie für alle anderen äußeren Geschlechtsorgane, zahlreiche unterschiedliche umgangssprachliche Bezeichnungen geläufig.
Beim Menschen und den anderen Primaten unterscheidet man die Labia majora pudendi (große Schamlippen) und die Labia minora pudendi (kleine Schamlippen). Bei den anderen Säugetieren gibt es nur ein Paar Schamlippen (Labia pudendi oder Labia vulvae), die den kleinen Schamlippen entsprechen.
Die großen (äußeren) Schamlippen
Die großen Schamlippen (lat. Labia majora pudendi) verlaufen vom Venushügel (Mons Pubis) bis zum Damm. Sie verdecken Klitoris, Harnröhrenöffnung und Scheideneingang und schützen diese somit. Die großen Schamlippen enthalten Fettgewebspolster und sind von pigmentierter Felderhaut bedeckt. Bei der erwachsenen Frau sind sie im natürlichen Zustand zum Teil mit Schamhaarenbewachsen. Beide großen Schamlippen bilden die Schamspalte (Rima pudendi), ihre obere Vereinigungsstelle wird als Commissura labiorum anterior, die hintere als Commissura labiorum posterior bezeichnet.
Bei den Nicht-Primaten, bei denen die großen Schamlippen fehlen, werden der obere und untere Schamwinkel (Commissura labiorum dorsalis und ventralis) und die Schamspalte von den Labia pudendi (Syn. Labia vulvae) gebildet, die den kleinen Schamlippen des Menschen entsprechen.
Die kleinen (inneren) Schamlippen
Die kleinen Schamlippen (Labia minora pudendi), auch als nymphæ bezeichnet, begrenzen seitlich den Scheidenvorhof und treffen an der Klitoris (Kitzler) zusammen. Sie sind dünne, fettfreie, an der Außenseite stark pigmentierte Hautfalten aus mehrschichtigem Plattenepithel. Die Innenseiten sind wenig pigmentiert, unverhornt und enthalten Talgdrüsen. Die kleinen Schamlippen laufen vorne in je zwei Falten auseinander, wobei die vordere Falte sich mit der Gegenseite zur Klitorisvorhaut (Präputium clitoridis) vereinigt. Die jeweils hintere Falte endet als Kitzlerzügel (Frenulum clitoridis) direkt an der Klitoris.
Bei den meisten Säugetieren ist die Vorhaut des Kitzlers mit dessen Eichel (Glans clitoridis) verwachsen, bei Pferden und Hunden umgibt das Präputium clitoridis ein Grübchen (Fossa clitoridis), in dem die Eichel des Kitzlers freiliegt.
Ausprägung der Labia minora
Normalerweise werden bei den meisten Frauen die inneren Schamlippen durch die äußeren verdeckt, die inneren Schamlippen sind also nur sichtbar, wenn die Beine geöffnet oder die äußeren Schamlippen gespreizt werden. Jedoch findet sich bezüglich Größe und Ausprägung eine gewisse Varianz, so dass die inneren Schamlippen bei einigen Frauen durchaus auch bei gewöhnlicher Körperhaltung sichtbar werden. Die statistische Verteilung ist allerdings stark rechtsschief, das heißt, bei einem Großteil der Frauen sind die inneren Schamlippen eher gering ausgeprägt. In einer Untersuchung des Sexualforschers Robert L. Dickinson an 2981 Frauen fanden sich Längen voull bis sechs Zentimetern, wobei sich der Großteil der Frauen (87,7 %) im Bereich unter zwei Zentimetern befand. Die Ergebnisse finden sich in folgender Tabelle:
In einer kleineren empirischen Erhebung an 50 Frauen im Alter von 18 bis 50 Jahren bewegte sich die Länge der inneren Schamlippen im Bereich zwischen 0,7 und
Die Pigmentierung der inneren Schamlippen ist in der Regel dunkler als die der umgebenden Haut. Oben genannte Studie fand bei 41 von 50 Frauen eine dunklere Pigmentierung der inneren Schamlippen in Relation zur übrigen Haut.
Weibliches Genitale
Als Paraurethraldrüse (lat.: Glandula paraurethralis) oder Skene-Drüse (nach Alexander Skene 1838–1900) oder Prostata feminina (lat. für weibliche Prostata) werden in der Anatomie akzessorische Geschlechtsdrüsen der Frau bezeichnet.
Diese Drüsen besitzen − wie die männliche Prostata, daher werden sie auch als Prostata feminina bezeichnet − mehrere Ausführungsgänge: Sie münden in den Endabschnitt der Harnröhre sowie rechts und links derselben. Ihr Sekret (siehe weibliche Ejakulation) ähnelt in Zusammensetzung und Enzymmustern dem männlichen Prostatasekret.
Pathologische Veränderungen
Gelegentlich kann es zu Entzündungen der Paraurethraldrüse kommen. Auch die tumoröse Entartung (Karzinom) wurde beschrieben. Die Ausführungsgänge der Paraurethraldrüse können Ausgangspunkt für die Ausbildung von Urethral-Divertikeln sein.
Die Glandula vestibularis major (pl. Glandulae vestibulares majores; lat. „große Scheidenvorhofdrüse“, auch Bartholin-Drüse) ist eine paarige akzessorische Geschlechtsdrüse der Frau. Sie mündet in den Scheidenvorhof zwischen denkleinen Schamlippen. Die Bezeichnung Bartholin-Drüse geht auf den dänischen Anatomen Caspar Bartholin (1655-1738) zurück.
Außer bei der Frau ist diese Drüse auch bei weiblichen Wiederkäuern und Katzen ausgebildet. Bei den übrigenSäugetieren kommt sie nicht vor, hier sind nur die kleinen Vorhofdrüsen (Glandulae vestibulares minores) ausgebildet. Kleine Vorhofdrüsen treten bei der Frau und Wiederkäuern zusätzlich zu den großen auf, Katzen besitzeur die großen. Es handelt sich dabei um in die Wand des Scheidenvorhofs eingestreute Drüsenansammlungen, die makroskopisch nicht sichtbar sind.
Bei sexueller Erregung der Frau sondern die Bartholin-Drüsen ein Sekret ab.
Entzündungen der Drüsen durch Bakterien führen zur Bartholinitis, zum Bartholin-Empyem oder der Bartholin-Zyste, die durch Antibiotika oder, im Fall einer Zyste, einen chirurgischen Eingriff, die sogenannte Marsupialisation (Inzision der Zyste, Vernähen der Zystenwand nach außen mit der kleinen Labie der betroffenen Seite), behandelt werden. Da sie im Bereich der Sitzfläche liegen, sind sie sehr schmerzhaft. Je nach Größe schmerzt sie auch im Stehen und Liegen.
Die Bezeichnung als Bartholin-Drüse bezieht sich auf den Erstbeschreiber, den dänischen Anatomen Caspar Bartholin d.J. (1655-1738).
Entsprechung beim Mann
Die entsprechende Drüse beim Mann bzw. männlichen Säugetier wird als Bulbourethraldrüse (Glandula bulbourethralis, Cowper-Drüse) bezeichnet. Sie befindet sich neben der Peniswurzel und entleert ihr Sekret direkt in die Harnröhre.
Muskeln des weiblichen Perineums (Mensch)
Das Perineum (von griechisch perinéum „Damm“) oder der Damm ist die Region zwischen Afterund den äußeren Geschlechtsorganen bei Säugetieren. Beim Mann ist dies die Region zwischenAnus und Hodensack (Skrotum), bei der Frau die zwischen Anus und dem hinterenSchamspaltenwinkel.
Neben der bedeckenden Haut, die reichlich sensibel innerviert ist, besteht das Perineum hauptsächlich aus Muskeln, die zur Beckenbodenmuskulatur gehören. Die Muskeln des Perineums untergliedern sich in Muskeln der Analregion und in Muskeln der urogenitalen Region.
Das Perineum gilt bei beiden Geschlechtern als erogene Zone. Die Innervation erfolgt vor allem über Äste des Nervus pudendus, darüber hinaus beteiligen sich der Nervus ilioinguinalis, Nervus genitofemoralis, Nervus cutaneus femoris posterior und die Nervi anococcygei. Beim Mann kann eine Erektion durch Druck auf das Perineum verstärkt werden. Bei Berührung kommt es zu einem reflektorischen Zusammenziehen des äußeren Afterschließmuskels (Musculus sphincter ani externus), dem sogenannten Perinealreflex.
Bei Geburten kann es durch die starke Dehnung der Scheide zu einem Dammriss kommen. Manchmal wird daher vorbeugend ein Dammschnitt vorgenommen.
Perinealhernie
Eine Perinealhernie ist eine Hernie des Beckenbodens mit Ausstülpung des Perineums. Sie ist bei unkastrierten männlichen Haushunden relativ häufig. Der Bruch erfolgt entweder zwischenMusculus sphincter ani externus und Musculus levator ani oder zwischen Musculus levator ani und Musculus coccygeus.
Wissen über den weiblichen und männlichen Körper ist nicht nur für Frauen und Männer wichtig, die sich über Fortpflanzungsvorgänage informieren wollen, sondern hilft ganz allgemein, den eigenen Körper besser zu verstehen.
Die weiblichen Brüste
Form und Größe der Brüste sehen von Frau zu Frau unterschiedlich aus und verändern sich im Laufe ihres Lebens. Die Spitzen der Brust bilden die Brustwarzen. In der Brustwarze selbst befinden sich viele Nervenenden, so dass dieser Bereich sehr empfindlich ist. Viele Frauen genießen die Stimulierung der Brustwarzen beim Sex, aber an manchen Tagen des Zyklus kann die Brust empfindlich sein, so dass Berührungen auch als unangenehm empfunden werden.
Nach einer Schwangerschaft können sowohl die Brust, wie auch die Brustwarzen größer werden und sich verändern. Während einer Schwangerschaft werden die Brüste schnell größer und fester. Die Drüsenbläschen bereiten sich darauf vor, nach der Geburt Milch zu produzieren. Diese gelangt dann über die Milchgänge zur Brustwarze. Die Brustwarzen werden dann meist dunkler, fester und stehen mehr hervor.
Die äußeren Geschlechtsorgane der Frau
Die großen Schamlippen (Labia majora) sind an der Außenseite behaart und enthalten Fettgewebe sowie Talg- und Schweißdrüsen. Nicht selten sind die beiden äußeren Schamlippen in der Größe und der Form etwas unterschiedlich.
Fortpflanzung
Sie liegen schützend vor den anderen Geschlechtsorganen.
Die kleinen Schamlippen (Labia minora) liegen zwischen den großen Schamlippen und sind unbehaart. Spreizt man sie auseinander, wird der Scheidenvorhof sichtbar. Links und rechts des Scheideneingangs befinden sich die Bartholin-Drüsen, deren Sekret den Scheideneingang befeuchtet. Bei sexueller Erregung sondern sie eine gleitfähige Flüssigkeit ab.
Der Kitzler (die Klitoris) befindet sich unter einer Art Kapuze, die von den beiden inneren Schamlippen gebildet wird. Die Klitoris ist sehr empfindsam und schwillt bei sexueller Erregung an. Sie wird auch das Lustorgan der Frau genannt.
Die inneren Geschlechtsorgane der Frau
Die Scheide (Vagina) ist eine 10 bis 12 Zentimeter lange, sehr elastisch-muskulöse Röhre. Die Wände der Scheide liegen dicht beieinander, können sich jedoch auch stark dehnen. In das hintere Ende der Scheide ragt der Gebärmutterhals mit dem Muttermund hinein. In der Scheide befinden sich milchsäurebildende Bakterien zum Schutz der Fortpflanzungsorgane vor Entzündungen.
Die Gebärmutter (Uterus) ist ein muskulöses, birnenförmiges Organ von 8 bis 10 Zentimeter Größe. Die Gebärmutter besteht aus dem Körper mit der Gebärmutterhöhle und dem Gebärmutterhals (Zervix) mit dem Muttermund der in die Scheide hineinragt. Die Gebärmutterhöhle ist mit einer Schleimhaut ausgekleidet. Am oberen Ende der Gebärmutter münden die Eileiter in die Gebärmutterhöhle ein. Über Bänder ist die Gebärmutter im Becken befestigt, so dass sie beweglich bleibt und sich bei einer Schwangerschaft ausdehnen kann. Bei sexueller Erregung und bei der Menstruation ziehen sich die Gebärmuttermuskeln zusammen.
Die Eierstöcke (Ovarien) sind zwei etwa walnussgroße Drüsen, die rechts und links von der Gebärmutter liegen. In beiden Eierstöcken befinden sich von Geburt an rund eine Million unreifer Eizellen. Von diesem Vorrat reift in den fruchtbaren Jahren der Frau ungefähr einmal im Monat eine Eizelle in einem Eibläschen (Follikel) heran. In den Eierstöcken werden Hormone gebildet, die zyklische Veränderungen in den Geschlechtsorganen bewirken.
Die Eileiter (Tuben) verbinden die Gebärmutter mit den beiden Eierstöcken. Sie sind ungefähr 12 Zentimeter lang, röhrenförmig mit einem trichterförmigen Ende zu den Eierstöcken hin. Beim Eisprung legt sich der Trichter an den Eierstock an, um die Eizelle aufzunehmen und in den Eileiter weiter zu leiten. Im Eileiter findet die Befruchtung der Eizelle durch die Samenzelle statt. Durch Muskelbewegungen und Sogwirkung wird die befruchtete Eizelle in die Gebärmutterhöhle transportiert.
Geburt
Die Schwangerschaft endet in der Regel mit der Niederkunft der Mutter (der Geburt des Kindes). Sie kann sich durch folgende Symptome ankündigen:
– durch das Einsetzen der Eröffnungswehen (Dauer ca. 30–60 Sekunden, alle 10 Minuten über einen Zeitraum von 1 bis 2 Stunden)
– durch einen eventuell leicht blutigen Ausfluss in Folge des sich lösenden Schleimpfropfes vom Muttermund (einige Tage vor der Geburt)
– den Blasensprung (das Platzen der Fruchtblase)
– Durchfall oder Erbrechen
Nach der Geburt beginnt die Schwangerschaftsrückbildung, also die Regeneration von Bauchdecke, Gebärmutter, Beckenbodenmuskulatur, Vaginalkanal, Vagina und Hormonhaushalt. Die Rückbildungsdauer ist individuell verschieden, dauert aber ungefähr so lange wie die Schwangerschaft.
Normale Geburt
Die Geburt ist einer der risikoreichsten Augenblicke des Lebens. Daher müssen die anatomischen und physiologischen Gegebenheiten bei Mutter und Kind perfekt zueinander passen. Abweichungen davon können dazu führen, dass die Geburt möglicherweise gefährlich wird oder eine natürliche Geburt sogar unmöglich ist.
Eine Geburt wird als “normal” bezeichnet, wenn das Kind nach einer Schwangerschaftsdauer von 259 bis 293 Tagen und einer Geburtsdauer von drei bis 18 Stunden aus der so genannten vorderen Hinterhauptslage geboren wird. Außerdem muss die Fruchtblase während der Eröffnungsperiode springen, der Blutverlust der Mutter darf 500 ml nicht übersteigen und Mutter und Kind dürfen während der Geburt nicht wesentlich gefährdet sein.
Der genaue Auslöser für eine Geburt ist noch nicht bekannt. Es wird aber angenommen, dass bestimmte Hormonveränderungen am Ende der Schwangerschaft die Geburt in Gang setzen. In jedem Fall beginnt die normale Geburt zu dem Zeitpunkt, an dem das Kind optimal an das Leben außerhalb der Gebärmutter angepasst ist.
Es gibt zahlreiche Vorboten, die auf die nahende Geburt hinweisen. Der Bauch der Schwangeren senkt sich ab und der Kopf des Kinds tritt in das kleine Becken ein. Kurz vor Geburtsbeginn geht häufig ein Schleimpfropf aus dem Gebärmutterhals ab (“Zeichnen”). Die werdende Mutter schläft schlechter und verspürt einen verstärkten Druck auf Blase und Darm. Die Kindsbewegungen lasseach und Wehen treten für mindestens zwei Stunden regelmäßig alle zehn Minuten auf. In dieser Phase springt die Fruchtblase und der Gebärmutterhalskanal fängt an sich zu erweitern.
Die Geburt selbst kann in drei Abschnitte unterteilt werden:
Eröffnungsperiode
Austreibungsperiode
Nachgeburtsperiode
Der Ablauf dieser Abschnitte der normalen Geburt ist im Wesentlichen von folgenden Faktoren bestimmt:
Anatomie des Geburtskanals der Mutter
Größe, Form und Lage des kindlichen Kopfs
Wehentätigkeit
Phasen der Geburt
Eröffnungsperiode
Die Eröffnungsperiode der normalen Geburt beginnt, sobald die Wehen regelmäßig auftreten, und dauert bis zur vollständigen Eröffnung des Muttermunds. Bei Erstgebärenden dauert sie zwischen sieben und zehn Stunden, bei Mehrgebärenden ist sie auf etwa vier Stunden verkürzt. In dieser Phase reißen die Eihäute ein (rechtzeitiger Blasensprung).
Die meisten Frauen suchen in dieser Phase ein Krankenhaus auf oder rufen ihre Hebamme, falls eine Hausgeburt geplant ist. Es ist die Aufgabe des Geburtshelfers, anhand der Befragung und Untersuchung der Schwangeren zu klären, ob eine normale oder eine Risikogeburt zu erwarten ist und die entsprechenden Vorkehrungen zu treffen.
Austreibungsperiode
Die Austreibungsperiode beginnt, wenn der Muttermund vollständig geöffnet ist, und endet mit der Geburt des Kinds. Bei Erstgebärenden dauert sie zwischen 60 und 75 Minuten, bei Mehrgebärenden verkürzt sie sich auf 20 bis 30 Minuten.
Wenn der Kopf des Kinds so tief liegt, dass er auf die Beckenorgane drückt, wird der Pressdrang ausgelöst. Die Austreibungsperiode ist die für das Kind gefährlichste Phase während der Geburt. Daher werden kontinuierlich, wenigstens nach jeder Wehe, die Herztöne des Kinds überprüft. Gefahr besteht, wenn die Sauerstoffzufuhr für das Kind durch eine verminderte Durchblutung der Plazenta vermindert oder der Druck auf den Kopf des Kinds durch einen hohen Widerstand des Beckenbodens erhöht ist.
In diesem Fall kann ein Dammschnitt (Episiotomie) notwendig werden, der den Beckenboden vor einer Überdehnung oder einem Riss schützt, den Druck auf den kindlichen Kopf vermindert und die Austreibungsperiode verkürzt. In jedem Fall muss ein Dammschutz durch den Geburtshelfer durchgeführt werden, damit der Kopf des Kinds nicht zu schnell herausgepresst wird und die Druckentlastung auf den Schädel langsam erfolgt. Ansonsten besteht eine Gefahr für Hirnblutungen.
Nachdem der Kopf geboren ist, folgt der Rumpf problemlos, da er einen geringeren Durchmesser als der Kopf aufweist und sehr gut verformt werden kann. Anschließend wird der Nasen-Rachen-Raum abgesaugt und das Kind abgenabelt.
Nachgeburtsperiode
Die Plazentarperiode beginnt mit dem Abnabeln des Kinds und ist beendet, wenn der Mutterkuchen (Plazenta) ausgestoßen wird. Diese Nachgeburtsperiode ist wegen der starken Blutungsgefahr der für die Mutter gefährlichste Abschnitt der Geburt. Durch die Nachgeburtswehen wird die Gebärmutter Schritt für Schritt verkleinert, wodurch sich die Größe der Plazentahaftstelle verringert. Durch diese Flächenverschiebung löst sich die Plazenta schließlich von der Gebärmutter ab.
Wenn sich die Plazenta vollständig gelöst hat, wird sie durch Mitpressen der Frau geboren. Dieser Vorgang dauert insgesamt etwa 20 Minuten. In der Plazentarperiode sollte ein Blutverlust von 500 ml nicht überschritten werden.
Immer häufiger wird eine so genannte aktive Leitung der Plazentarperiode durchgeführt. Bei dieser werden die Nachwehen medikamentös stimuliert, bis die Plazenta ausgestoßen wird, und anschließend eine Dauerkontraktion der Gebärmutter durch Medikamente unterstützt, um die Blutung zu stillen. Auf diese Weise verkürzt sich diese Phase auf etwa zehn Minuten und der Blutverlust reduziert sich auf 200 ml.
Sehr wichtig ist es, die Plazenta nach ihrer Abstoßung auf Vollständigkeit zu überprüfen, da in der Gebärmutter verbliebene Reste zu schweren Blutungen und Infektionen führen können.
Die normale Geburt ist zwei Stundeach Ausstoßen der Plazenta beendet. In diesem Zeitraum wird die Blutstillung in der Gebärmutter überwacht. Außerdem werden die Weichteile des Geburtskanals (Gebärmutterhals, Scheide, Beckenboden, Damm) untersucht, um mögliche Verletzungen möglichst früh erkennen und behandeln zu können.
Kaiserschnitt (Sectio caesarea)
Der Kaiserschnitt (Sectio caesarea, kurz Sectio) gehört mit zu den ältesten chirurgischen Eingriffen und ist auch bei Naturvölkern bekannt. Plinius der Ältere (23/24 n.Chr. bis 79 n.Chr.) führte die Bezeichnung auf Julius Caesar (100-44 v.Chr.) zurück, der durch einen Kaiserschnitt auf die Welt kam. Maimmt heute jedoch an, dass sich der Begriff der Sectio caesarea von dem lateinischen Verb caedere (schneiden) herleitet.
Inzwischen ist die Sectio in allen entwickelten Ländern eine relativ risikoarme Routine-Operation, die auf ausdrücklichen Wunsch der Mutter hin durchgeführt wird oder wenn die normale Geburt für Mutter und Kind zu risikoreich ist.
Von einem primären Kaiserschnitt spricht man, wenn die Schnittentbindung vor Einsetzen der Wehentätigkeit durchgeführt wird. Zu dieser Gruppe gehören bereits im Vorfeld geplante Kaiserschnitte. Im Gegensatz dazu spricht man von einem sekundären Kaiserschnitt, wenn dieser nach dem Einsetzen der Wehen, das heißt nach Geburtsbeginn erfolgt. Er ist in der Regel die Folge von Geburtskomplikationen, die rasches Handeln erfordern.
Die Kaiserschnittrate liegt heutzutage in den meisten Ländern bei 20 Prozent aller Geburten. Pro Land schwanken die Zahlen jedoch sehr. So kommen in einigen Gegenden Lateinamerikas rund 85 Prozent der Kinder per Kaiserschnitt zur Welt, in Deutschland hingegen wird jedes fünfte Kind per Kaiserschnitt entbunden.
Ultraschalluntersuchungen
Die Sonografie, umgangssprachlich Ultraschall, ist ein bildgebendes Verfahren, das die medizinische Praxis der vorgeburtlichen Untersuchungen in den letzten Jahrzehnten tiefgreifend verändert hat. Sie ermöglicht unter anderem eine Überwachung der fetalen Entwicklung, die Feststellung von Mehrlingsschwangerschaften und des Geschlechts.
Pränataldiagnostik
Das Ziel der Pränataldiagnostik ist es, Erkrankungen der werdenden Mutter und Krankheiten oder Behinderungen beim heranwachsenden Kind bereits frühzeitig festzustellen beziehungsweise eine individuelle Wahrscheinlichkeit zu errechnen. Eine positive Diagnose impliziert oft einen Schwangerschaftsabbruch aus medizinischer Indikation, da die eine Behandlung im Mutterleib (Therapie in utero) nur in wenigen Fällen möglich ist. Daher sind viele Untersuchungen umstritten. Ethisch fragwürdig ist unter anderem, wie ein ungeborenes Leben als lebenswert oder unlebenswert beurteilt werden kann, zumal sichere Aussagen zur nachgeburtlichen Entwicklung des Kindes nur in vergleichsweise wenigen Fällen möglich sind. Risikoschwangerschaft
Wesentliches Ziel der ärztlichen Betreuung ist die Erkennung von möglichen oder bereits vorhandenen Risiken für Schwangere und ihr Kind.
Folgende Faktoren führen unter anderem zur Einstufung einer Risikoschwangerschaft:
– Alter unter 18 Jahre oder über 35 Jahre (Erstgebärende) beziehungsweise über 40 Jahre (Spätgebärende)
– Mehrlingsschwangerschaften
– Vielgebärende, die schon mehr als vier Kinder geboren haben
– Sterilitätsbehandlungen
– zwei oder mehr der Schwangerschaft vorausgehende Fehlgeburten
– Komplikationen bei früheren Geburten
– Rhesus-Inkompatibilität
– Lageanomalien des Kindes
– Schwangerschaftsdiabetes beziehungsweise Zuckerkrankheit, Schwangerschaftsbluthochdruck
– Anhaltender Medikamenten-, Alkohol-, Nikotin- oder anderer Drogenkonsum
– Verzögertes Wachstum oder abnorm großes Kind
– Veränderungen des Fruchtwassergehaltes
– Akute Allgemeinerkrankungen oder Infektionen
– Gebärmutterhalsschwäche
– Niereninsuffizienz beziehungsweise fehlende Organe wie eine Niere
– Gerinnungsstörungen, wie Faktor-V-Leiden-Mutation
Komplikationen und Probleme
Während einer Schwangerschaft kann es bei der Mutter zu Störungen kommen, die nur während der Schwangerschaft auftreten (medizinisch Gestosen). Für andere Erkrankungen wie zum Beispiel die Sinusvenenthrombose stellt die Schwangerschaftssituation ein erhöhtes Risiko dar. Jedes Jahr sterben weltweit ca. 600.000 Frauen und Mädchen an Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt, davon 99 % in Entwicklungsländern. In Afrika südlich der Sahara stirbt eine von 16 Frauen an den Folgen einer Schwangerschaft oder Geburt, da die Mehrzahl der Geburten auch bei Komplikationen ohne medizinische Betreuung stattfindet. In Industrieländern beträgt das Risiko 1:2800.
Schwangerschaftsspezifische Erkrankungen
Nach dem Zeitpunkt ihres Auftretens wird die Gestose unterteilt in Früh- (Erstes Trimenon) und Spätgestose (Drittes Trimenon). Hauptvertreter sind übermäßiges Schwangerschaftserbrechen (Hyperemesis gravidarum) und schwangerschaftsinduzierter Bluthochdruck (Schwangerschaftshypertonie). Bluthochdruck kann ein Zeichen einer beginnenden Präeklampsie sein, daher wird er in der Schwangerschaftsvorsorge regelmäßig gemessen. Weitere Symptome sind Wassereinlagerungen (Ödeme) und Eiweißausscheidung im Urin. Die Eklampsie ist die schwerste Form einer Gestose, Symptome sind Krämpfe und / oder Bewusstlosigkeit. Die Patientinnen hatten meist zuvor eine Präeklampsie.
Suchtmittel und Medikamente
Alkoholkonsum und Rauchen sind schädlich für das ungeborene Kind. Rauchende Mütter haben das doppelte Risiko einer Fehlgeburt und ein deutlich erhöhtes Risiko einer Früh- und Totgeburt. Rauchen während der Schwangerschaft erhöht ferner das Risiko für ein späteres kindliches Asthma und bewirkt ein deutlich niedrigeres Geburtsgewicht. Alkoholkonsum während der Schwangerschaft kann zum fötalen Alkoholsyndrom führen.
Der Konsum jeglicher Drogen sollte während der Schwangerschaft vermieden und der vorsichtige Entzug nur unter ärztlicher Kontrolle durchgeführt werden (da der Entzug sich auch auf das Kind auswirken und damit eine Fehlgeburt bewirken kann).
Fast alle Medikamente, auch nicht apothekenpflichtige, können auch auf das werdende Kind besondere Auswirkungen haben. Daher wird die Einnahme in der Regel mit dem behandelnden Arzt abgesprochen. Bestimmte Medikamente, wie beispielsweise Contergan, haben teratogene Wirkung, das heißt, ihre Einnahme kann zu Fehlbildungen führen.
Infektionen während der Schwangerschaft
Infektionen können zu Fehlgeburten führen und auf das ungeborene bzw. während der Geburt auf das neugeborene Kind übertragen werden und schwere Erkrankungen, bleibende Schäden und den Tod zur Folge haben. Da es bisher für wenige Infektionskrankheiten Impfungen gibt, sollte der Impfschutz der zukünftigen Mutter schon bei Kinderwunsch während der Familienplanung überprüft. Z. B. können die in der Folge genannten Erreger in der Schwangerschaft gefährlich werden.
Bakterien: Chlamydien: Chlamydien-Konjunktivitis und Pneumonie des Neugeborenen, Gonokokken: Gonoblennorrhoe, ListerioseStreptokokken der Gruppe B: Sepsis und Meningitis bei Neugeborenen, Syphilis.
Protozoen: Malaria, Toxoplasmose.
Viren: Hepatitis B (Hepatitis-B-Virus, HBV), Hepatitis E (Hepatitis-E-Virus, HEV), Herpes (Herpes-simplex-Virus, HSV), Humanes Immundefizienz-Virus (HIV): Das HI-Virus wird nicht zwangsläufig von einer infizierten Schwangeren auf das ungeborene Kind übertragen. Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung während der Geburt ist jedoch hoch, wenn keine geeigneten medizinischen Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Das Risiko einer Infektion eines Kindes durch eine HIV-infizierte Mutter während der Schwangerschaft oder während der Geburt wird ohne Behandlung auf etwa 15 bis 30 Prozent geschätzt. Bei bekannter HIV-Infektion der Mutter kann das Risiko einer Übertragung auf das Kind durch die Gabe antiretroviraler Medikamente und die Geburt durch Kaiserschnitt auf weniger als 5 Prozent vermindert werden. Die notwendigen Maßnahmen zur Vorbeugung der Mutter-Kind-Übertragung von HIV könneur dann erfolgreich eingesetzt werden, wenn die HIV-Infektion der Mutter bekannt ist.
Influenza, ,Masern (Masernvirus), Mumps (Rubulavirus): Fehlgeburt im 1. Trimenon, Ringelröteln (Parvovirus B19), Röteln (Rubellavirus), Windpocken.
Fehlgeburten
In den ersten drei Monaten der Schwangerschaft ist das Risiko, eine Fehlgeburt zu erleiden, relativ groß. Schätzungsweise ein Viertel aller Schwangerschaften enden in den ersten 12 Wochen (Frühabort). Nur 25 % aller befruchteten Eizellen enden mit der Geburt eines lebenden Kindes. Der überwiegende Teil nistet sich in der Gebärmutter ein, ohne dass die Frau es bemerkt. Die Fehlgeburt wird als verspätete Monatsblutung angesehen. Eine bewusst wahrgenommene Fehlgeburt kann ein stark traumatisches Erlebnis für eine Frau sein. Um eventuellen Enttäuschungen und dem sozialen Druck zu begegnen, ist es verbreitet, bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche mit der offiziellen Verkündigung der Schwangerschaft zu warten.
Die Pädiatrie (griechisch παιδιατρική τέχνη paidiatriké téchne „die kinderärztliche Kunst“, von παῖς pais „Kind“ und ἰατρός iatros „Arzt“, auf deutsch Kinderheilkunde), ist die Lehre von derEntwicklung des kindlichen und jugendlichen Organismus, seiner Erkrankungen und ihrer Behandlung. Der Begriff Pädiatrie ist heute im offiziellen Sprachgebrauch abgelöst durch die BezeichnungKinder- und Jugendmedizin, die Mediziner selbst werden umgangssprachlich häufig als „Kinderarzt“ bezeichnet. Eingeführt wurde der Begriff Pädiatrie zuerst im Englischen als „Pediatrics“ durch Sir William Osler 1880.
Die Kinder- und Jugendmedizin erstreckt sich über alle Teilgebiete der klinischen Medizin. Eine ihrer Besonderheiten ist die starke Betonung präventiver Medizin wie in keinem anderen klinischen Fach.
Teilgebiete
In der Fassung vom 30. Januar 2008 erlaubt die Weiterbildungsordnung der Ärztekammer vier Schwerpunktkompetenzen für Kinder- und Jugendmediziner:
1. Kinderhämatologie und -onkologie – befasst sich mit den Blut- und Krebserkrankungen beim Kind
2. Kinderkardiologie – Diagnostik und nicht-operative Behandlung der angeborenen Herzfehler, der erworbenen Herzfehler, der Herzrhythmusstörungen und der Herzmuskelerkrankungen
3. Neonatologie – Versorgung von Frühgeborenen und erkrankten Neugeborenen. Intensivmedizinisch ausgerichtetes Teilgebiet (siehe auch Perinatologie, Perinatalzentrum).
4. Neuropädiatrie – Diagnostik und Behandlung der Erkrankungen des kindlichen Nervensystems
Außerdem sieht die Weiterbildungsordnung eine große Zahl von Zusatzweiterbildungen vor, von denen fünf eine abgeschlossene Ausbildung zum Kinder- und Jugendmediziner voraussetzen, und die Kinderorthopädie eine Zusatzweiterbildung für Fachärzte für Unfallchirurgie und Orthopädie darstellt:
1. Kinder-Endokrinologie und -Diabetologie – befasst sich mit den Erkrankungen des kindlichen Hormonsystems und der Betreuung zuckerkranker Kinder
2. Kinder-Gastroenterologie – Diagnostik und nicht-operative Behandlung der Erkrankungen im Verdauungssystem
3. Kinder-Nephrologie – zuständig für Nierenerkrankungen, soweit keine Operatioötig ist
4. Kinderorthopädie – Störungen und Erkrankungen im kindlichen Bewegungsapparat
5. Kinder-Pneumologie – befasst sich mit den kindlichen Lungenerkrankungen, in erster Linie dem Asthma bronchiale
6. Kinder-Rheumatologie – Diagnostik und Behandlung der chronischen und entzündlichen Krankheiten des Bewegungssystems
Eine eigenständige Bedeutung hat die Sozialpädiatrie, die sich mit der umfassenden Betreuung entwicklungsgestörter Kinder befasst. Sie taucht nicht als eigene Schwerpunkt- oder Zusatzweiterbildungsbezeichnung auf. Sozialpädiatrisch tätige Kinder- und Jugendmediziner sind in der Regel neuropädiatrisch weitergebildet. Dieser Fachbereich kooperiert eng mit Ärzten und Einrichtungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie, die ein eigenständiges Fach mit eigener Weiterbildungsordnung darstellt. In der Schweiz entspricht die Sozialpädiatrie weitgehend derEntwicklungspädiatrie, die ein Schwerpunkt und Kerngebiet der Schweizer Kinder- und Jugendmedizin ist.
Ein weiteres eng an die Kinder- und Jugendmedizin gekoppeltes Fach ist die Humangenetik, ein forschendes Fach der klinischen Wissenschaften. Sie liefert einen wesentlichen Beitrag in der Diagnostik erblicher Erkrankungen. Viele Kinder- und Jugendärzte führen die Zusatzbezeichnung Humangenetik, die aber nicht allein auf die Gruppe der Kinder- und Jugendmediziner begrenzt ist.
Die Kinder- und Jugendmedizin ist ein nicht-operierendes Fach. Daher sind moderne Einrichtungen der Kinder- und Jugendmedizin mit operativen Fachgruppen vernetzt. Die Kinderchirurgie ist wie die Kinder- und Jugendpsychiatrie eigenständig.
Ausbildung
Die Ausbildung und Anerkennung als Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin ist länderspezifisch geregelt. In Deutschland gehört dazu eine mindestens fünfjährige Weiterbildungszeit, davon höchstens sechs Monate in einem fachfremden Gebiet (Basisweiterbildung) und zwölf Monate in der Kinder- und Jugendpsychiatrie oder Kinderchirurgie. Mindestens der Rest der Zeit muss bei entsprechend zur Weiterbildung ermächtigten Kinderärzten absolviert werden. Während dieser Ausbildung muss außerdem ein Katalog mit Weiterbildungsinhalteachgewiesen werden. Schwerpunktkompetenzen und Zusatzbezeichnungen erfordern eine zusätzliche Ausbildung in speziell dazu ermächtigten Einrichtungen und könneur nach der Facharztweiterbildung erworben werden. Wie die Facharztausbildung sind auch hier die Ausbildungsinhalte und -zeiten von den Ärztekammern festgelegt.
Die Berechtigung zur Führung einer Facharzt-, Schwerpunkt- oder Zusatzbezeichnung wird nach einer mündlichen Prüfung vor einem Fachgremium von der zuständigen Landesärztekammererteilt. In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) bestand für Fachärzte der Pädiatrie, die im schulärztlichen Bereich tätig waren, die Möglichkeit der auf einem zweijährigen Zusatzstudium basierenden Form der ärztlichen Weiterbildung zum Jugendarzt.
Die Geschichte der Kinder- und Jugendheilkunde befasst sich mit der historischen Entwicklung des wissenschaftlichen, gesellschaftlichen und medizinischen Umgangs mitKindererkrankungen sowie der historischen Aufarbeitung des Wissens über die normale Entwicklung des Kindes.
Vorgeschichte
Schon aus der Steinzeit sind typische Erkrankungen des Kindesalters wie die Rachitis oder der „Wasserkopf“ (Hydrocephalus) überliefert. Letzterer wurde schon mit einer Eröffnung der Schädeldecke (Trepanation) behandelt, wobei unklar ist, wie hoch der Anteil des Aberglaubens bei diesen Eingriffen war. Etwa in dieser Zeit begannen Menschen, Haustiere zu halten und ermöglichten auf diese Weise die Säuglingsernährung mit Tiermilch.
Altertum
Aus den meisten Hochkulturen des Altertums sind nur wenige Mitteilungen über kinderheilkundliche Maßnahmen erhalten. Zumeist handelt es sich um Zeugnisse des Einflusses der Magie und des Dämonenglaubens auf die Medizin der damaligen Zeit. Aus dem alten Ägypten ist das Interesse an der Säuglingspflege durch viele Skulpturen belegt. Im Papyrus Ebers sind auch einige Heilmittel gegen verschiedene Störungen beschrieben. In brahmanischen Schriften aus dem Indien etwa ab 500 v. Chr. werden Maßnahmen zur Pflege des Neugeborenen schon sehr detailliert beschrieben. Ein Arzt untersuchte die Neugeborenen hinsichtlich ihrer Lebensfähigkeit. Dies ist vermutlich der erste geschichtliche Hinweis auf eine perinatologische Untersuchung. Unter den Kinderkrankheiten wurden unter anderen Schwindel, Migräne, Epilepsie, Wundstarrkrampf, Pocken, Cholera, Malaria, verschiedene Hautkrankheiten und Darmparasiten schon in den medizinischen Schriften erwähnt. Selbst verschiedene chirurgische Eingriffe bei Kindern werden dem legendären Arzt Jiwaka, der als der erste „Kinderarzt“ gelten kann, schon zugeschrieben. Aus dem antiken Griechenland sind von Hippokrates fast 200 kinderheilkundliche Bemerkungen überliefert. Es finden sich schon sehr exakte Beschreibungen über Fieberkrämpfe, Epilepsie (Über die heilige Krankheit) oder Mumps einschließlich einer Beschreibung der Hodenentzündung als Komplikation bei Erwachsenen. Aristoteles machte die Beobachtung, dass „die meisten Säuglinge vor ihrem siebten Lebenstag sterben“. Soranus von Ephesus (98–117) hat zwar sein Hauptwerk über Gynäkologie verfasst. Dieses enthält jedoch 23 Kapitel über Hygiene der Neugeborenen, Säuglingsernährung, Abstillen, einige Säuglingskrankheiten und andere pädiatrische Themen. Somit kann man ihn als Vater der Kinderheilkunde ansehen.
Mittelalter
Vor allem der persische Arzt Rhazes (865–923) widmete in seinen medizinischen Abhandlungen mehrere Kapitel der Kinderheilkunde. Mit der Übersetzung in die lateinische Sprache erreichten seine Erkenntnisse auch den Westen Europas. Als Hauptthemen sind hierin Erkrankungen der Kopfhaut, Wasserkopf, Niesen, Schlafstörungen, Epilepsie, Ohrenschmerzen, Schielen, Zahnschmerzen, Mundfäule, Erbrechen, Husten, Durchfall, Verstopfung, Wurmerkrankungen, Brüche, Blasensteine und Lähmungen behandelt. Auch finden sich differenzierte Beschreibungen von Masern und Pocken. Avicenna (980–1037), ein weiterer bedeutender Arzt des Mittelalters, schrieb wiederum über Neugeborenenpflege, Säuglingsernährung und verschiedene Erkrankungen im Kleinkindesalter, so beispielsweise Schnupfen, Harnzwang, Analprolaps und Intertrigo. Mit dem zunehmenden christlichen Einfluss in Byzanz und Europa entstanden auch Anstrengungen, der Aussetzung von Kindern entgegenzuwirken. Nachdem Findelkinder zunächst in die Kirche gebracht wurden, entstand vermutlich
Renaissance
Die Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg markiert neben dem Untergang des Oströmischen Reiches den Beginn der Renaissance. Gleichzeitig ermöglichte er das Erscheinen zahlreicher medizinischer Bücher, darunter auch erstmals solcher, die ganz oder zu wesentlichen Teilen der Kinderheilkunde gewidmet waren. Der Italiener Paulus Bagellardus (auch: Paolo Bagellardi) veröffentlichte 1472 das erste gedruckte Buch zur Kinderheilkunde, den Libellus de egritudinibus infantium, ein Werk in lateinischer Sprache abgefasst und vornehmlich für Mediziner bestimmt. 1473 erschien die erste umgangssprachliche Abhandlung über Kinderheilkunde: Ein Regiment der Jungen Kinder von Bartholomäus Metlinger. Hierin wird die Kinderheilkunde in die beiden Zeitabschnitte des frühesten Alters bis zum Erlernen des Gehens und Sprechens sowie die Kindheit bis zum siebten Jahr eingeteilt. Spätere Werke sind zwar teilweise schon umfangreicher, aber nur wenige zitiereeben den Quellen der klassischen Gelehrten (Galen, Avicenna, Rhazes) auch unbekanntere Autoren aus dem Mittelalter. Im 16. Jahrhundert veröffentlichte der italienische Professor Hieronymus Mercurialis mit De Morbis Puerorum Tractatus das vermutlich bekannteste und eigenständigste pädiatrische Lehrbuch der Epoche, in dem sich unter anderem auch interessante Kenntnisse über Sprachstörungen finden. Später erschien vom gleichen Autor auch noch ein kleinerer Band über die Hygiene und Erziehung von Säuglingen. Der DeutscheHieronymus Reusner beschrieb 1582 erstmals Fälle von Rachitis. In der ersten französischen Abhandlung über Kinderheilkunde von Simon de Vallambert (Poitiers, 1565) ist mit dem Kapitel Über Purpurfieber möglicherweise die erste Beschreibung des Scharlachs enthalten. Felix Würtz schrieb noch im 16. Jahrhundert sein „Kinderbüchlein“, das 1612 von seinem Bruder Rudolf posthum veröffentlicht wurde. In diesem einflußreichen und häufig übersetzten Buch setzte sich Würtz ausführlich mit dem strammen Wickeln von Babys auseinander und stellte bestimmte extreme Formen dieser Praxis in Frage.
Übergang von der Renaissance zu Moderne: das 17. und 18. Jahrhundert
as 17. Jahrhundert läutet mit der Entdeckung des Blutkreislaufs und der Erfindung des Mikroskops das Zeitalter von Physiologie und Embryologie ein. Die Betrachtungen der Ärzte gingeun über eine reine Symptombeschreibung hinaus. Mehr und mehr wurden eigenständige Krankheitsbilder voneinander abgegrenzt. Dies gilt insbesondere für die heute noch Kinderkrankheiten genannten ansteckenden Erkrankungen. Für die Diphtherie wurde nicht nur die einheitliche Entstehung der verschiedenen Symptome erkannt und beschrieben sondern mit dem Luftröhrenschnitt (Tracheotomie) auch eine Behandlungsmöglichkeit entwickelt. Scharlach, Röteln und Windpocken wurden erstmals als Krankheitseinheiten von anderen Krankheitsbildern abgegrenzt. Unter deichtinfektiösen Erkrankungen, die für das Kindesalter typisch waren, wurden unter anderem die Rachitis und die Pylorusstenose beim Säugling klinisch erkannt. Mit der Entwicklung der Pockenimpfung – zunächst noch von Arm zu Arm – durch Edward Jenner im ausgehenden 18. Jahrhundert wurde schließlich auch der Grundstein für eine vorbeugende Medizin gelegt, von der insbesondere Kinder profitieren sollten. Trotz all dieser Errungenschaften lag die Sterblichkeit bei Kindern unter zwei Jahren mit etwa 40 % unverändert sehr hoch.
Die Moderne: das 19. und 20. Jahrhundert
Nachdem in den vorausgegangenen Epochen Kinder gemeinsam mit Erwachsenen in den gleichen Räumen untergebracht wurden, erkannte man im ausgehenden18. und mit Beginn des 19. Jahrhunderts, dass Kinder nicht einfach kleine Erwachsene sind und eigene Krankheiten haben bzw. auf Krankheiten anders reagieren. Zunehmend wurden Stationen für Kinder eingerichtet, Kinderhospize und –spitäler öffneten ihre Pforten. Dies war augenscheinlich ein Fortschritt, jedoch ergaben sich aus der ungehinderten Ausbreitung von Infektionen in den dreißig bis vierzig Betten fassenden Gemeinschaftssälen und der Trennung der Kinder von der gewohnten Umgebung neue Missstände. Die Einbindung hygienischer Überlegungen in den klinischen Alltag war noch um die Jahrhundertwende nicht überall eine Selbstverständlichkeit.
Otto Heubner, erster ordentlicher Professor für Kinderheilkunde in Deutschland
Aus der inneren Medizin heraus entwickelte sich, zunächst unter starken Widerständen von Seiten der etablierten Medizin, die Pädiatrie als eigenes Fach. 1895 wurde schließlich in der Person von Otto Heubner, des Leiters der Kinderklinik der Charité, der erste ordentliche Professor für Kinderheilkunde berufen. Damit war das Fach in Deutschland auch akademisch etabliert.Heubners Nachfolger Adalbert Czerny gründete die dortige internationale Pädiatrieschule.
Erst die Entdeckung der antibiotischen Therapie und die Entwicklung von weiteren Impfungen führte zu einem erheblichen Aufschwung. Die Einführung pasteurisierterMilch und Fortschritte in der Diätetik drängten Ernährungsstörungen in den Hintergrund. Verbesserte Überwachung der Schwangeren und Gebärenden sowie die verstärkte Sorge um die Neugeborenen konnte die Kindersterblichkeit zumindest in den entwickelten Ländern weiter erheblich senken.
Mehr als jedes andere Fachgebiet hat die Pädiatrie den deutschen Juden zu verdanken. 1933 waren 773 von 1.418 Pädiatern „Juden“ im Sinne der Nürnberger Gesetze. In vorbildlicher Weise hat die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin die Schicksale der Kollegen im Dritten Reich aufgearbeitet.
Hochschwangere Frau
Entwicklungsstadien des Kindes während der Schwangerschaft
Eine Frau im achten Monat der Schwangerschaft
Die Schwangerschaft (medizinisch Gestation oder Gravidität, lateinisch graviditas) bezeichnet den Zeitraum, in dem eine befruchtete Eizelle im Körper einer werdenden Mutter zu einem Kind heranreift. Die Schwangerschaft dauert von der Befruchtung bis zur Geburt durchschnittlich 266 Tage. In den ersten acht Schwangerschaftswochen wird das heranreifende Kind als Embryo bezeichnet. Nachdem die inneren Organe ausgebildet sind (ab der neunten Schwangerschaftswoche) wird die Bezeichnung Fetus (auch: Fötus) verwendet.
Von Schwangerschaft spricht maur beim Menschen; bei anderen Säugetieren wird der entsprechende Zustand Trächtigkeit genannt.
Wortherkunft und -gebrauch
Das Wort „schwanger“ (mittelhochdeutsch swanger) kommt vom althochdeutschen swangar (von westgermanisch swangra-), welches seit dem 8. Jahrhundert nach Christus nachweisbar ist und „schwerfällig“ oder „schwer“ bedeutet. Abgeleitet davon ist das „Schwängern“ durch einen Mann. Das Wort wird auch in übertragenem Sinn gebraucht (z. B.: mit großen Plänen schwanger gehen).
In der Medizin werden Ereignisse, die während der Schwangerschaft eintreten, als pränatal bezeichnet; Ereignisse während der Geburt als perinatal und nach der Geburt als postnatal (alle Ausdrücke aus dem Lateinischen und Griechischen).
Bei anderen lebendgebärenden Säugetieren (Eutheria) spricht man von Trächtigkeit.
Redensartlich gibt es zahlreiche Umschreibungen für Schwangerschaft, wie etwa ein Kind unter dem Herzen tragen (gehobene Sprache), ein Kind erwarten (standardsprachlich), einen Braten in der Röhre haben (derb) oder sehr verbreitet auch in anderen Umständen sein.
Feststellung der Schwangerschaft
Positiver Schwangerschaftstest
Der Beginn der Schwangerschaft kann auf verschiedene Art und Weise festgestellt werden. In der Abgrenzung zu Scheinschwangerschaftenunterscheidet man zwischen unsicheren, wahrscheinlichen und sicheren Schwangerschaftszeichen. Das Ausbleiben der Monatsblutung, morgendliches Erbrechen und Übelkeit sind unsichere Schwangerschaftszeichen. Ein Schwangerschaftstest über die Messung der Konzentration des „Schwangerschaftshormons“ (hCG-Hormon) im Blut oder im Urin gilt als wahrscheinliches, jedoch nicht sicheres Schwangerschaftszeichen. Als sicher gilt der Nachweis eines Fötus, beispielsweise durch Sonografie, das Hören von Herztönen oder Fühlen von Kindsbewegungen.
Führt man die erste Ultraschalluntersuchung vor oder am Anfang der fünften Schwangerschaftswoche durch, kann trotz bestehender Schwangerschaft eine embryonale Anlage, insbesondere in der Nähe der Eileiter, zuweileoch nicht dargestellt werden. Dies wird umgangssprachlich auch alsEckenhocker bezeichnet.
Berechnung des Geburtstermins
Die Schwangerschaft dauert von der Befruchtung bis zur Geburt durchschnittlich 266 Tage. Üblicherweise wird die Dauer der Schwangerschaft jedoch ab dem ersten Tag der letzten Menstruationgerechnet, da dies für viele Frauen die einzig bekannte Bezugsgröße darstellt. Die Berechnung erfolgt mit der Naegele-Regel, in die außerdem die Dauer des Menstruations-Zyklus einfließt. DieBefruchtung findet nach dieser Rechenweise in der zweiten Schwangerschaftswoche (SSW) statt.
Die ab dem ersten Tag der letzten Menstruation gerechnete Schwangerschaft dauert durchschnittlich etwa 280 Tage oder 40 Wochen. Traditionell wird die Dauer der Schwangerschaft mit neun Monaten angegeben. Mediziner nehmen zur Vereinfachung jedoch Monate zu jeweils vier Wochen an (sogenannte Mondmonate, die ein bis zwei Tage kürzer als astronomische oder kalendarische Mondmonate sind, siehe Lunation); die Schwangerschaft dauert demnach zehn Mondmonate statt neun Kalendermonate. In Industrieländern wird, besonders in einem frühen Stadium der Schwangerschaft, der tatsächliche Fortschritt der Schwangerschaft anhand von Ultraschalluntersuchungen verifiziert.
Exakt zum berechneten Termin kommen 4 % der Kinder zur Welt, innerhalb von einer Woche um den errechneten Geburtstermin herum 26 % und innerhalb von drei Wochen um den errechneten Geburtstermin 66 %. Eine Geburt vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche wird als Frühgeburt bezeichnet.
Schwangerschaftsverlauf
Der Schwangerschaftsverlauf wird eingeteilt in drei Abschnitte zu drei Monaten (medizinisch Trimenon oder Trimester), beziehungsweise je 13 Schwangerschaftswochen. Die Bezeichnung Trimenon wurde von Ernst Moro eingeführt.
Das Alter der Schwangerschaft vom Tag der Empfängnis wird mit post conceptionem, p.c. bezeichnet. Da der Empfängnistermin (Syn. Konzeptionstermin) selten genau festgelegt werden kann, wird in der Medizin vom ersten Tag der letzten Menstruation an, post menstruationem (p.m.), gerechnet. Das Alter des Embryo/Fötus beträgt effektiv also etwa zwei Wochen weniger als die Schwangerschaftswoche (SSW). In der Folge wird, ohne weiteren Hinweis, die Schwangerschaftsdauer in SSW (p.m.) angegeben.
Erstes Trimenon
Im ersten Trimenon entwickelt sich der Embryo besonders rasch. Für die Schwangere geht der Beginn der Schwangerschaft mit sehr großen hormonellen Umstellungen einher, was bei etwa 50 bis 90 % der Betroffenen zu teilweise sehr stark ausgeprägter Übelkeit, bei 25 bis 50 % auch zu Erbrechen, führt, die sich aber im weiteren Verlauf der Schwangerschaft meist wieder legt. Ab der dritten Woche kann die Empfindlichkeit der Brust zunehmen, meist einhergehend mit einem Spannungsgefühl. Da die meisten Spontanaborte (Abgänge) bis zur zwölften SSW vorkommen, wird bis zu diesem Zeitpunkt oft auf eine Bekanntgabe der Schwangerschaft verzichtet.
Erster Monat
Schwangerschaftswoche 1–4: Befruchtung und Einnistung
Die meist beim Geschlechtsverkehr beziehungsweise der Insemination in die Vagina gelangten Spermien wandern durch die Gebärmutter (Uterus) bis in die Ampulle des Eileiters. Dort treffen sie auf die nach der Ovulation (Eisprung) vom Fimbrientrichter aufgenommene Eizelle. Nach dem Eindringen (Imprägnation) kommt es zur zweiten Reifeteilung mit Verlust eines Polkörperchens. Die beiden Chromosomensätze von Eizelle und Spermium verschmelzen miteinander (Konjugation) und bildeun eine entwicklungsfähige Zelle (Zygote), die innerhalb von drei Tagen unterhormoneller Steuerung in die Gebärmutter wandert. In dieser Zeit erfolgen die Zellteilungen über die Morula zur Keimblase oder Blastozyste. 24 Stundeach der Befruchtung beginnt aus den Zellen der frühen Form der Plazenta (Mutterkuchen) – dem so genannten Synzytiotrophoblast – die Produktion des Hormons hCG. Dieses stimuliert im Gelbkörper im Eierstock die Ausschüttung eines weiteren Hormons, Progesteron, welches den Eierstöcken signalisiert, dass für die nächste Zeit keine Eisprünge notwendig sind – die Menstruation bleibt aus. Gleichzeitig haben diese Hormone für die Auflockerung der Gebärmutterschleimhaut gesorgt, um die Einnistung der Blastozyste zu erleichtern. Die Einnistung in der Gebärmutterwand beginnt circa am fünften Tag nach der Befruchtung und ist nach 14 Tagen abgeschlossen. Bis dahin ist die Zwillingsbildung möglich. Die Blastozyste teilt sich nun in ihre äußere Schicht, den Trophoblast, woraus sich die Plazentaentwickelt, und den Embryoblast, aus welchem der Embryo entsteht. Das die beiden Teile verbindende Gewebe wird zur Nabelschnur.
Zweiter Monat
Schwangerschaftswoche 5–8: Anlage der größeren Organe
Der Körper der Schwangeren stellt sich nun auf die Schwangerschaft ein. Dies ist sehr häufig mit Beschwerden wie morgendlicher Übelkeit, Brechreiz und Schwangerschaftserbrechen verbunden, die durch das Schwangerschaftshormon hCG ausgelöst werden. Darüber hinaus kommen oft starke Müdigkeit, Heißhungerattacken und Stimmungsschwankungen vor. Das erste Fruchtwasserbeginnt sich zu bilden. Das Dehnen der Mutterbänder führt manchmal zu einem Ziehen in der Leistengegend.
Beim Embryo beginnt sich in der sechsten Woche allmählich die Wirbelsäule zu bilden. Kopf und Rumpf beginnen Form anzunehmen. Das Neuralrohr, aus dem Gehirn und Rückenmark entstehen, schließt sich. In der siebten Woche sind kleine Knospen zu erkennen, aus denen sich später die Gliedmaßen entwickeln. In der achten Woche beginnen sich Finger und Gesichtszüge auszubilden. Allmählich werden alle Organe und Organsysteme angelegt. Etwa ab der fünften Woche p.c. (siebte SSW) kann die Herzaktivität im Ultraschall nachgewiesen werden. Der Embryo misst jetzt ca. 4 bis
Dritter Monat

Darstellung von Kindesbewegungen mit 3D Ultraschall mit 12 Schwangerschaftswochen
Schwangerschaftswoche 9–12: Weitere Ausdifferenzierung
Die Blutmenge im mütterlichen Kreislauf erhöht sich von ca. 5 auf
Ende der neunten Woche sind erste Ansätze für die Ausbildung von Zehen und Nase zu erkennen, in der zehnten Woche auch der Ohrmuscheln. Die Netzhaut pigmentiert sich. Das Augenpaar steht weit auseinander; die Augen sind zunächst offen, die Augenlider beginnen sich zu bilden. Erste Bewegungen sind möglich. Ende der zehnten SSW sind alle Organanlagen vorhanden. Die Knospen für die 20 Milchzähne werden ausgebildet. Der Embryo ist am Ende dieser Phase (Ende zwölfte Schwangerschaftswoche) 5 bis
Zweites Trimenon
Im zweiten Schwangerschaftsabschnitt verschwinden meist die anfänglichen Komplikationen wie Übelkeit. Deshalb, und weil das Risiko einer Fehlgeburt jetzt deutlich abgenommen hat, empfinden viele Frauen diese Zeit als sehr angenehm. Hatten manche im 1. Trimenooch mit Wechselbädern der Gefühle zu kämpfen, ist dieses Trimenon meist gekennzeichnet von Ausgeglichenheit und Zufriedenheit. Aus diesen Gründen wird das zweite Trimenon von Hebammen als idealer Zeitraum für Reisen angesehen. Die ersten Bewegungen des Fötus werden jetzt spürbar.
Vierter Monat
Linea nigra
Schwangerschaftswoche 13–16: Kindsbewegungen
Die stabilere Phase der Schwangerschaft beginnt jetzt. Die Hormonproduktion aus dem Eierstock wird nicht mehr benötigt, da die Plazenta so weit ausgereift ist, dass sie die schwangerschaftserhaltenden Hormone selbst bilden kann. Deshalb ist die hCG-Konzentration ab der zwölften SSW weniger hoch, eine eventuell vorhandene morgendliche Übelkeit bessert sich jetzt in der Regel. Die Gewichtszunahme beträgt nach Faustregel ca. 1 bis
Beim Fötus setzt im vierten Monat ein rasches Wachstum ein, die Organe bilden sich weiter aus. Die Augenlider schließen sich und öffnen sich erst in drei Monaten wieder. Spontane Bewegungen von Kopf, Armen und Beinen setzen ein. Die Schluckmuskulatur entwickelt sich. Die Lunge und das Verdauungssystem entwickeln sich weiter, indem der Fötus durch Zusammenziehen und Ausdehnen des Zwerchfells Fruchtwasser „ein- und ausatmet“ respektive „trinkt“, er hat Schluckauf. Speicheldrüsen, Magen, Nieren und Darm arbeiten bereits. Das geschluckte Fruchtwasser wird als Urin wieder ins Fruchtwasser abgegeben, welches alle zehn bis zwölf Stunden durch Neuproduktion ausgetauscht wird. Über die Plazenta erhält es Nährstoffe und Antikörper, gleichzeitig werden Abfallstoffe ausgeschieden. Das sogenannte Woll- oder Lanugohaar bildet sich. Es bildet sich bis zur Geburt wieder nahezu zurück. Gegen Ende dieses Schwangerschaftsmonats entwickeln sich die Genitalien. Das Geschlecht kann bei günstiger Lage des Ungeborenen per Ultraschall festgestellt werden. Der Fötus ist in der 16. SSW ca.
Fünfter Monat
Schwangerschaftswoche 17–20: Kindsbewegungen meist spürbar
Die Gebärmutter ist jetzt etwa so groß wie eine Honigmelone und fast in Nabelhöhe. Ab der 18. bis 20. SSW sind für die Schwangere gewöhnlich die ersten Kindsbewegungen als feines, leichtes Kribbeln zu spüren. Ein relativ beschwerdefreier Schwangerschaftsabschnitt beginnt. In diesem Zeitraum können jedoch eventuell Veränderungen der Sehschärfe, Rückenschmerzen und Krämpfe in den Beinen auftreten.
Der Fötus misst am Ende des Monats 14 bis
Sechster Monat
Schwangerschaftswoche 21–24: Kind beginnt auf äußere Reize zu reagieren
Gegen Ende des Monats erreicht die Gebärmutter Nabelhöhe. Die Brüste vergrößern sich unter dem Einfluss der Hormone hCG, Östrogen und Progesteron. Eventuell Sodbrennen durch platz- und hormonbedingtes Öffnen des Schließmuskels zum Magen.
Beim Fötus beginnt sich das Unterhautfettgewebe zu vermehren. Die Haut selbst wird von einer schützenden Fettschicht (Vernix caseosa, auch Käseschmiere) überzogen. Diese ermöglicht später ein leichteres Gleiten im Geburtskanal. Die Haut ist noch rötlich durchschimmernd, Finger- und Fußnägel sind fast vollständig entwickelt. Die Haare beginnen zu wachsen und die Verknöcherung des Skeletts schreitet voran. Ein rasches Wachstum des Gehirns setzt ein. Gegen Ende des Monats reagiert das werdende Kind auf akustische und optische Reize von außen (Stimmen, Schall, Licht). Ob zu diesem Zeitpunkt bereits Schmerzwahrnehmungen möglich sind, ist umstritten. Eine Analyse der vorhandenen Forschungsergebnisse kam zum Schluss, dass Schmerzempfindungen vor dem dritten Trimenon unwahrscheinlich sind. Am Ende des sechsten Monats ist der Fötus ca.
Drittes Trimenon
Im letzten Schwangerschaftsabschnitt reift der Fötus vollständig heran und der Körper der werdenden Mutter bereitet sich auf die Geburt vor. Für die Frau kann dieser Abschnitt hauptsächlich wegen des zusätzlichen Gewichts wieder unangenehmer sein, vor allem im Sommer. Durch eine intensivmedizinische Behandlung ist ein Überleben des Kindes bei einer Frühgeburt in diesem Zeitraum schon möglich.
Siebter Monat
Schwangere Frau in der 26. Woche
Schwangerschaftswoche 25–28: Öffnen der Augenlider
Bei der Schwangeren können die Wassereinlagerungen in Armen und Beinen aufgrund des hohen Austauschbedarfes an frischem Fruchtwasser zunehmen. Der sich ausbreitende Uterus drückt auf die Verdauungsorgane und die Lunge, die Folge sind Kurzatmigkeit und die Gefahr von Hämorrhoiden. Das zunehmende Gewicht kann im letzten Trimenon Rücken- und Fußschmerzen verursachen. Der Ausfluss aus den Brüsten (Kolostrum) kann einsetzen.
Gegen Ende des Monats öffnen sich die Augenlider des Fötus wieder. Er misst jetzt etwa
Achter Monat
Schwangerschaftswoche 29–32: Erste Übungswehen
Jetzt können erste schmerzlose Kontraktionen (auch Senkwehen, Vorwehen, Übungswehen oder Vorbereitungswehen) auftreten. Der Bauch verhärtet sich durch rhythmisches Zusammenziehen der Gebärmutter. Eventuell werden jetzt auch Schließmuskel- und Blasenschwäche deutlich, was gegebenenfalls durch Training des Schließmuskels gelindert werden kann. Die größer werdende Gebärmutter verdrängt weiter die anderen im Bauchraum befindlichen Organe. Durch den gestörten pH-Wert der Vaginalschleimhaut können vermehrt Pilzinfektionen oder bakterielle Infektionen auftreten.
Bis auf die Lunge sind alle Organe des werdenden Kindes fast vollständig entwickelt. Am Ende des Monats misst es rund
Neunter Monat
Fötus in Schädellage
Schwangerschaftswoche 33–36: Senkung des Kindes
Die Schwangere hat im Durchschnitt 10–12 kg zugenommen. Gegen Ende der 36. SSW tritt der Kopf des Kindes in das kleine Becken ein, die Gebärmutter senkt sich etwas nach unten. Die Atmung fällt der Schwangeren so wieder leichter. Oft treten jetzt Schlafstörungen auf.
Ab der 35. SSW ist die Lungenreifung abgeschlossen. Die meisten ungeborenen Kinder (92 bis 93 %) liegeun in der richtigen Geburtslage mit dem Kopf nach unten. Bis zur 37. SSW kann sich das Kind noch von einer Steißlage in die Schädellage drehen. Bewegungen sind dem Kind aber nur noch eingeschränkt möglich. Gegen Ende des Monats ist es ca.
Zehnter Monat
Schwangerschaftswoche 37–40: Geburt steht bevor
Die durchschnittliche Gewichtszunahme der werdenden Mutter im Verlauf der Schwangerschaft beträgt ca. 10–15 kg. Das Gewicht stagniert bei vielen Schwangeren kurz vor der Geburt, kann sogar leicht abnehmen. Es können häufiger Vorwehen eintreten.
In den letzten Wocheimmt das Kind vor allem an Gewicht zu. Über die Plazenta nimmt es Antikörper aus dem Blutkreislauf der Mutter auf. Das Baby misst bei der Geburt ca.
Geburt
Die Schwangerschaft endet in der Regel mit der Niederkunft der Mutter (der Geburt des Kindes). Sie kann sich durch folgende Symptome ankündigen:
• durch das Einsetzen der Eröffnungswehen (Dauer ca. 30 bis 60 Sekunden, alle zehn Minuten über einen Zeitraum von ein bis zwei Stunden)
• durch einen eventuell leicht blutigen Ausfluss in Folge des sich lösenden Schleimpfropfes vom Muttermund (einige Tage vor der Geburt)
• den Blasensprung (das Platzen der Fruchtblase)
• Durchfall oder Erbrechen
Nach der Geburt beginnt die Schwangerschaftsrückbildung, also die Regeneration von Bauchdecke, Gebärmutter, Beckenbodenmuskulatur, Vaginalkanal, Vagina und Hormonhaushalt. Die Rückbildungsdauer ist individuell verschieden, dauert aber ungefähr so lange wie die Schwangerschaft.
Vorgeburtliche Untersuchungen und Behandlungen
In Deutschland hat jede werdende Mutter einen Anspruch auf Betreuung durch eine Hebamme oder einen Arzt während der Schwangerschaft, bei der Geburt und einige Wocheach der Geburt. Empfohlen sind, bei komplikationsloser Schwangerschaft, zunächst Besuche in einem Abstand von vier Wocheach Bekanntwerden der Schwangerschaft, ab der 32. Schwangerschaftswoche in einem Abstand von zwei Wochen und bei Überschreitung des Geburtstermins schließlich alle zwei Tage. Alle Befunde werden in den Mutterpass (oder Mutter-Kind-Pass in Österreich) eingetragen.
Ultraschalluntersuchungen
Die Sonografie, umgangssprachlich Ultraschall, ist ein bildgebendes Verfahren, das die medizinische Praxis der vorgeburtlichen Untersuchungen in den letzten Jahrzehnten tiefgreifend verändert hat. Sie ermöglicht unter anderem eine Überwachung der fetalen Entwicklung, die Feststellung von Mehrlingsschwangerschaften und des Geschlechts. Zwar werden Ultraschalluntersuchungen generell als unbedenklich für das ungeborene Kind angesehen, doch zeichnen sich trotzdem zwei gesellschaftliche Tendenzen ab: einerseits die Produktion zwei- und dreidimensionaler Aufnahmen für das Familienalbum, andererseits die Beschränkung auf die medizinisch notwendige Anzahl an Ultraschalluntersuchungen (ca. eine Untersuchung pro Trimester).
Pränataldiagnostik
Das Ziel der Pränataldiagnostik ist es, Erkrankungen der werdenden Mutter und Krankheiten oder Behinderungen (z. B. Down-Syndrom / Trisomie 21) beim heranwachsenden Kind bereits frühzeitig festzustellen beziehungsweise eine individuelle Wahrscheinlichkeit zu errechnen. Eine positive Diagnose impliziert oft einen Schwangerschaftsabbruch aus medizinischer Indikation, da eine Behandlung im Mutterleib (Therapie in utero) nur in wenigen Fällen möglich ist. Daher sind viele Untersuchungen umstritten. Ethisch fragwürdig ist unter anderem, wie ein ungeborenes Leben als lebenswert oder unlebenswert beurteilt werden kann, zumal sichere Aussagen zur nachgeburtlichen Entwicklung des Kindes nur in vergleichsweise wenigen Fällen möglich sind. Insbesondere die nicht-invasiven Methoden der Pränataldiagnostik wie beispielsweise die Nackentransparenz-Messung, das Erst-Trimester-Screening oder der Triple-Test können die Eltern oft stark psychisch belasten, da sie nie ein sicheres Ergebnis, sondern lediglich Wahrscheinlichkeiten anhand statistischer Durchschnittswerte angeben, indem sie z. B. das Alter der Mutter, den Zustand des Embryos usw. berücksichtigen.
Risikoschwangerschaft
Wesentliches Ziel der ärztlichen Betreuung ist die Erkennung von möglichen oder bereits vorhandenen Risiken für Schwangere und ihr Kind. Im Jahre 1990 wurden in Deutschland 34 % aller Schwangerschaften als Risikoschwangerschaft klassifiziert. Die Bayerische Arbeitsgemeinschaft zur Qualitätskontrolle spricht für das Jahr 2002 von 65 % und in Niedersachsen von etwa 73 %.
Tatsächlich kommen jedoch 95 % der in Deutschland geborenen Kinder gesund zur Welt. Die hohe Anzahl von so genannten „Risikoschwangerschaften“ lässt sich unter anderem dadurch erklären, dass viele Paare heutzutage Kinder erst recht spät einplanen. Risikoschwangere erhalten als Konsequenz durch die Krankenkassen über die Standardleistungen hinaus weitere ärztliche Leistungen wie häufigere Kontrollen, Überweisungen an entsprechende Spezialisten, den Einsatz weiterer diagnostischer Mittel wie zum Beispiel Fruchtwasseruntersuchung, Hormonanalysen oder gegebenenfalls die Einweisung in ein Geburtshilfliches Zentrum mit intensivmedizinischer Betreuung.
Folgende Faktoren führen unter anderem zur Einstufung einer Risikoschwangerschaft:
• Alter unter 18 Jahre oder über 35 Jahre (Erstgebärende) beziehungsweise über 40 Jahre (Spätgebärende)
• Mehrlingsschwangerschaften
• Vielgebärende, die schon mehr als vier Kinder geboren haben
• Sterilitätsbehandlungen
• zwei oder mehr der Schwangerschaft vorausgehende Fehlgeburten
• Komplikationen bei früheren Geburten
• Rhesus-Inkompatibilität
• Lageanomalien des Kindes
• Schwangerschaftsdiabetes beziehungsweise Zuckerkrankheit, Schwangerschaftsbluthochdruck
• Anhaltender Medikamenten-, Alkohol-, Nikotin- oder anderer Drogenkonsum
• Verzögertes Wachstum oder abnorm großes Kind
• Veränderungen des Fruchtwassergehaltes
• Akute Allgemeinerkrankungen oder Infektionen
• Gebärmutterhalsschwäche (Cervixinsuffizienz)
• Niereninsuffizienz beziehungsweise fehlende Organe wie eine Niere
• Gerinnungsstörungen, wie Faktor-V-Leiden-Mutation
Komplikationen und Probleme
Während einer Schwangerschaft kann es bei der Mutter zu Störungen beziehungsweise Beeinträchtigungen kommen, die nur während der Schwangerschaft auftreten (medizinisch Gestosen). Für andere Erkrankungen wie zum Beispiel die Sinusthrombose stellt die Schwangerschaftssituation ein erhöhtes Risiko dar. Manche chronische Erkrankungen machen sich während der Schwangerschaft weniger bemerkbar: so kann die Schubhäufigkeit bei Schwangeren mit Multipler Sklerose oder Rheumatoider Arthritis während der Schwangerschaft reduziert sein.
Jedes Jahr sterben weltweit ca. 600.000 Frauen und Mädchen an Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt, davon 99 % in Entwicklungsländern. In Afrika südlich der Sahara stirbt eine von 16 Frauen an den Folgen einer Schwangerschaft oder Geburt, da die Mehrzahl der Geburten auch bei Komplikationen ohne medizinische Betreuung stattfindet. In Industrieländern beträgt das Risiko 1:2800.
Schwangerschaftsspezifische Erkrankungen
Nach dem Zeitpunkt ihres Auftretens wird die Gestose unterteilt in Früh- (Erstes Trimenon) und Spätgestose (Drittes Trimenon). Hauptvertreter sind übermäßiges Schwangerschaftserbrechen (Hyperemesis gravidarum) und schwangerschaftsinduzierter Bluthochdruck (Schwangerschaftshypertonie). Bluthochdruck kann ein Zeichen einer beginnenden Präeklampsie sein, daher wird er in der Schwangerschaftsvorsorge regelmäßig gemessen. Weitere Symptome sind Wassereinlagerungen (Ödeme) und Eiweißausscheidung im Urin. Die Eklampsie ist die schwerste Form einer Gestose, Symptome sind Krämpfe und / oder Bewusstlosigkeit. Die Patientinnen hatten meist zuvor eine Präeklampsie.
Psychische Erkrankungen in der Schwangerschaft
Eine groß angelegte englische Studie berichtet über die Häufung von Depressionen in der Schwangerschaft (siehe auch Schwangerschaftsdepressionen), circa 10 % aller Frauen sind hiervon betroffen. Die Symptome können extrem unterschiedlich sein. Hauptsymptom ist eine herabgesetzte Stimmung, wobei dies nicht Trauer im engeren Sinn sein muss, sondern von den betroffenen Patienten auch oft mit Begriffen wie „innere Leere“, „Verzweiflung“ und „Gleichgültigkeit“ beschrieben wird. Es dominieren negative Zukunftaussichten und das Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Das Selbstwertgefühl ist niedrig. Die depressive Symptomatik in der Schwangerschaft wird oft von schwangerschaftstypischen „Themen“ beeinflusst. Dies können etwa Befürchtungen in Bezug auf die Mutterrolle oder die Gesundheit des Kindes sein. Das erstmalige Auftreten einer psychotischen Störung in der Schwangerschaft ist selten. Häufiger verschlimmern sich bestehende psychotische Erkrankungen. Dies liegt zum einen an der besonderen biologischen und seelischen Situation der Schwangeren, zum anderen kann es durch eine Reduzierung oder ein Absetzen antipsychotischer Medikamente verursacht sein. Zwangsstörungen können sich in der Schwangerschaft verschlimmern. Bei der Panikstörung ist dies ebenfalls der Fall. Bei einigen Patientinnen, die vorher nur leichte Symptome hatten kann es während der Zeit der Schwangerschaft zu einer massiven Häufung von Panikattacken kommen.
Suchtmittel und Medikamente
Baby mit typischen Gesichtsmerkmalen des Fetalen Alkoholsyndroms (kleine Augen, glattes Philtrum, schmale Oberlippe), ausgelöst durch Alkoholkonsum in der Schwangerschaft
Psychotrope Substanzen
Alkoholkonsum und Rauchen sind schädlich für das ungeborene Kind.
Eine englische Studie (2012), die etwa 4.000 Schwangere untersuchte, kam zu dem Ergebnis, das auch kleine Mengen Alkohol sich auf die Intelligenz des Kindes negativ auswirken.
Rauchende Schwangere haben das doppelte Risiko einer Fehlgeburt und ein deutlich erhöhtes Risiko einer Früh- und/oder Totgeburt. Das Risiko, dass das Kind eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) aufweist, beträgt bei Müttern, die während der Schwangerschaft rauchen, bei 16,5 % (sonst 4,6 % – es ist also 3,6-mal höher als bei Nichtrauchenden). Rauchen während der Schwangerschaft erhöht ferner das Risiko für ein späteres kindliches Asthma und bewirkt ein deutlich niedrigeres Geburtsgewicht. Alkoholkonsum während der Schwangerschaft kann zumfetalen Alkoholsyndrom führen.
Der Konsum von Kokain kann zu Fehlbildungen beim Kind und durch die gefäßverengende Wirkung zu Durchblutungsstörungen in unterschiedlichen Organen und zu Schwangerschaftskomplikationen führen, zum Beispiel zu vorzeitiger Plazentaablösung und Frühgeburt.
Wird eine Heroin-abhängige Frau schwanger, ist die Aufnahme in ein Substitutionsprogramm angezeigt, da die regelhaft vorkommenden Schwankungen zwischen Sättigung/Überdosierung und Entzug eine Gefahr für die Schwangerschaft darstellen. Der Nutzen einer Substitutionstherapie für Mutter und Kind übersteigt die Gefahren eines (möglichen) Entzugssyndroms des Neugeborenen bei weitem. Ein langfristiger Schaden für Kinder stabil substituierter Mütter wurde bislang (Stand 20xx) nicht nachgewiesen. Eine Naltrexon-Belastung (die Verabreichung eines Opioid-Gegenspielers) soll in der Schwangerschaft nicht durchgeführt werden, da es dadurch zu Fehlgeburten und vorzeitigem Wehenbeginn kommen kann. Die vor- und nachgeburtliche Betreuung sollen der betreuende Gynäkologe und ein in Abhängigkeitsfragen geschulter Spezialist in Zusammenarbeit durchführen.
Medikamente
Fast alle Medikamente, auch nicht apothekenpflichtige, können auch auf das werdende Kind besondere Auswirkungen haben. Daher wird die Einnahme in der Regel mit dem behandelnden Arzt abgesprochen. Umfassende Übersichten zur Arzneimittelanwendung während Schwangerschaft und Stillzeit liegen vor; das deutsche Bundesministerium für Gesundheit bietet seit 2008 die Datenbank www.arzneimittel-in-der-schwangerschaft.de. Einige Medikamente haben teratogene Wirkung (beispielsweise Thalidomid (Contergan®)), das heißt, ihre Einnahme kann zuFehlbildungen führen. Arzneimittel (auch rezeptfreie und pflanzliche) sollen während der Schwangerschaft nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker eingenommen werden.
Infektionen während der Schwangerschaft
Infektionen können zu Fehlgeburten führen und auf das ungeborene bzw. während der Geburt auf das neugeborene Kind übertragen werden und schwere Erkrankungen, bleibende Schäden und den Tod zur Folge haben. Da es bisher für wenige Infektionskrankheiten Impfungen gibt, sollte der Impfschutz der zukünftigen Mutter schon bei Kinderwunsch während der Familienplanungüberprüft und ggf. ergänzt werden. Zum Beispiel können die in der Folge genannten Erreger in der Schwangerschaft gefährlich werden.
Bakterien:
• Chlamydien (Chlamydia trachomatis): Chlamydien-Konjunktivitis und Pneumonie des Neugeborenen
• Gonokokken (Neisseria gonorrhoeae): Gonoblennorrhoe
• Listeriose (Listeria monocytogenes): Granulomatosis infantiseptica
• Streptokokken der Gruppe B (Streptococcus agalactiae): Sepsis (early-onset) und Meningitis (late-onset) bei Neugeborenen
• Syphilis (Treponema pallidum): Lues connata
Protozoen:
• Malaria (Plasmodium falciparum)
• Toxoplasmose (Toxoplasma gondii)
Viren:
• Hepatitis B (Hepatitis-B-Virus, HBV)
• Hepatitis E (Hepatitis-E-Virus, HEV)
• Herpes simplex (Herpes-simplex-Virus, HSV): Herpes neonatorum
• Humanes Immundefizienz-Virus (HIV): Das HI-Virus wird nicht zwangsläufig von einer infizierten Schwangeren auf das ungeborene Kind übertragen. Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung während der Geburt ist jedoch hoch, wenn keine geeigneten medizinischen Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Das Risiko einer Infektion eines Kindes durch eine HIV-infizierte Mutter während der Schwangerschaft oder während der Geburt wird ohne Behandlung auf etwa 15 bis 30 % geschätzt. Bei bekannter HIV-Infektion der Mutter kann das Risiko einer Übertragung auf das Kind durch die Gabe antiretroviraler Medikamente und die Geburt durch Kaiserschnitt auf weniger als 5 % vermindert werden. Die notwendigen Maßnahmen zur Vorbeugung gegen die Mutter-Kind-Übertragung von HIV könneur dann erfolgreich eingesetzt werden, wenn die HIV-Infektion der Mutter bekannt ist. Daher empfiehlt die AWMF jeder Schwangeren ein HIV-Antikörpertest anzubieten. Dessen Durchführung ist an die ausdrückliche Zustimmung der werdenden Mutter gebunden.
• Influenza
• Lymphozytäres Choriomeningitis-Virus (LCMV)
• Masern (Masernvirus)
• Mumps (Rubulavirus): Fehlgeburt im 1. Trimenon
• Ringelröteln (Parvovirus B19): fetale Anämie, Hydrops fetalis
• Röteln (Rubellavirus): Rötelnembryofetopathie
• Windpocken (Varizella-Zoster-Virus, VZV): Varizellenembryofetopathie, perinatal: Neonatale Varizellen
• Zytomegalie (Zytomegalievirus, CMV)
Impfungen
Fällige Impfungen mit Totimpfstoffen können den werdenden Mütterach aktuellen Empfehlungen des in Deutschland dafür zuständigen Robert-Koch-Instituts im zweiten und dritten Drittel der Schwangerschaft bedenkenlos verabreicht werden; im ersten Drittel sollten dagegeur dringend durchzuführende Totstoff-Impfungen vorgenommen werden. Vor einer Schwangerschaft erfolgte Totstoff-Impfungen sind kein Grund zum Aufschub einer Schwangerschaft. Kontraindiziert sind Impfungen mit Lebendimpfstoffen (wie gegen Masern, Mumps und Röteln) ab drei Monaten vor einer und während der gesamten Schwangerschaft. In der anschließenden Stillzeit sind Impfungen generell ohne Beschränkungen möglich.
Allogene immunologische Komplikationen
Hat die Schwangere bestimmte Merkmale auf ihren Blutzelleicht, die aber vom Vater auf das Kind im Mutterleib vererbt wurden, kann die Mutter diese Merkmale als fremd erkennen. Dann bildet die Mutter Antikörper gegen diese. Die Antikörper können in das Kind eindringen und dort die Merkmal-tragenden Blutzellen zerstören. Man spricht bei den Erythrozyten (roten Blutkörperchen) von Rhesus-Inkompatibilität, bei den Thrombozyten (Blutplättchen) von fetaler oder (nach der Geburt) neonataler Alloimmun-Thrombozytopenie und bei deeutrophilen Granulozyten (weiße Blutkörperchen) von fetaler bzw. neonataler Alloimmun-Neutropenie (FAIN bzw. NAIN).
Fehlgeburten
In den ersten drei Monaten der Schwangerschaft ist das Risiko, eine Fehlgeburt zu erleiden, relativ groß. Schätzungsweise ein Viertel aller Schwangerschaften enden in den ersten zwölf Wochen (Frühabort). Es wird davon ausgegangen, dass bis zu 50 % der sich in der Gebärmutter einnistenden Eizellen als Frühabort enden. Diese Fehlgeburt wird als verspätete Monatsblutung angesehen und bleibt meist unbemerkt. Eine bewusst wahrgenommene Fehlgeburt kann ein stark traumatisches Erlebnis für eine Frau sein. Um eventuellen Enttäuschungen und dem sozialen Druck zu begegnen, ist es verbreitet, bis zum Ende der zwölften Schwangerschaftswoche mit der offiziellen Verkündigung der Schwangerschaft zu warten.
Schwangerschaftsabbruch aus medizinischen Gründen
Im Gegensatz zu Früh- und Fehlgeburten wird bei einer Abtreibung die Schwangerschaft willentlich abgebrochen. Als medizinische Gründe werden eine gesundheitliche Gefährdung der Schwangeren oder eine ihr psychisch nicht zumutbare schwere Behinderung des Fötus angesehen. Abtreibungen aus medizinischen Gründen sind allerdings recht selten. In Deutschland wurden im Jahr 2007 insgesamt 116 871 Schwangerschaften abgebrochen, d. h. 17 pro 100 Geburten. Von diesen Abbrüchen wareur 3072 (2,6 %) medizinisch indiziert. Wobei in der Mehrzahl der Fälle die psychische Belastung durch die Geburt eines schwer behinderten Kindes die begründende Gefährdung der Gesundheit der Frau darstellte.
Sonstige Beeinträchtigungen
Vor, während oder nach einer Schwangerschaft kann es zu weiteren Beeinträchtigungen kommen. Siehe hierzu:
• Unfruchtbarkeit
• Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter (Extrauteringravidität), z. B. Eileiterschwangerschaft
• Dehnungsstreifen im Gewebe
• Dammriss bei der Geburt
• Postpartale Stimmungskrisen
• Postnatale Depression
• Schwangerschaftstumor (Granuloma gravidarum)
• Pruritische urticarielle Papeln und Plaques der Schwangerschaft (schwangerschaftsbedingte Hauterkrankung)
Etwa 35 bis 50 % aller Schwangeren bekommen während ihrer Schwangerschaft eine Gingivitis.
Ernährung
Gesunde und ausgewogene Ernährung ist wichtig für die Entwicklung des ungeborenen Kindes. Da viele Frauen während der Schwangerschaft zu Obstipatioeigen, ist noch mehr als sonst auf eine ballaststoffreiche Mischkost zu achten. Diese sollte außerdem hochwertige Proteine enthalten (etwa 15 %), ausreichend Kohlenhydrate (55 %, möglichst keine schnell resorbierbaren, wegen herabgesetzter Glukosetoleranz) und Fette mit überwiegend ungesättigten Fettsäuren (30 %). Der durchschnittliche Energiebedarf einer Schwangeren beträgt ungefähr 2000 bis 2200 kcal/d, nach dem vierten Monat liegt er bei 2200 bis 2500 kcal/d. Vegetarier und Veganer sollten besonders auf eine ausreichende Vitamin-B12-Zufuhr achten und dies eventuell ärztlich kontrollieren lassen.Während der Schwangerschaft sollten Frauen auf Rohmilchprodukte, auch auf Weichkäse aus Rohmilch wegen der Infektionsgefahr, vor allem durch Listerien, weitestgehend verzichten. Andererseits führt Übergewicht der Mutter häufig zu gesundheitlichen Problemen, Geburtsstörungen und Entwicklungsstörungen des Kindes (→ Perinatale Übergewichtsprävention).
Darüber hinaus gibt es einige spezielle Bedürfnisse während der Schwangerschaft:
Folsäure
Folsäure (auch Vitamin B9 genannt) wird besonders zu Beginn der Schwangerschaft benötigt, um einem Neuralrohrdefekt vorzubeugen. Das Risiko einer schweren Missbildung kann minimiert werden durch Einnahme von Folsäure als Nahrungsergänzungsmittel. Folsäure ist enthalten in Vollkornprodukten, grünem Blattgemüse, Spinat, Brokkoli, Karotten, Spargel, Rosenkohl,Tomaten, Eigelb, Nüssen und Leber. Wobei auf Leber während der Schwangerschaft verzichtet werden soll, weil die die hohe Konzentration von Vitamin A toxisch wirken könnte und die Möglichkeit einer Übertragung von in der Leber gespeicherten Schadstoffen besteht. In mehreren Ländern, darunter den USA, wird Folsäure künstlich Mehl und Backwaren zugesetzt. Die Nützlichkeit ist umstritten.
Calcium, Eisen und Vitamin D
Calcium und Eisen werden vom schnell wachsenden Fötus in einem besonders hohen Maße benötigt. Calcium ist in besonders hohen Konzentrationen in Hartkäse und anderen Milchproduktenenthalten; Eisen ist besonders reichhaltig in Fleisch, Hülsenfrüchten und Vollkornbrot enthalten. Leber enthält zwar viel Eisen, jedoch ist der Vitamin-A-Gehalt so hoch, dass er das Kind schädigen kann. Bei drohendem Eisenmangel (Anämie) können auch Eisenpräparate eingenommen werden. Da Calcium nur bei Vorhandensein von Vitamin D aufgenommen wird, und dieses durch Sonnenlicht gebildet wird, sollte auf einen ausreichenden Aufenthalt im Freien geachtet werden. Auch fettes Fischfleisch (beispielsweise Lachs) ist eine Quelle von Vitamin D. DieSupplementation von Vitamin D in der Schwangerschaft kann unzureichend sein. Defizite fanden Lisa Bodnar und Kollegen in einer Studie bei 80 % der Afroamerikanerinnen und knapp der Hälfte der weißen US-amerikanischen Frauen und dies obwohl neun von zehn der insgesamt 400 Schwangeren eine Vitamin-Supplementation betrieben.
Fluor
Fluorid wird nicht nur als wichtig für die Härtung des Zahnschmelzes, sondern auch für das Knochenwachstum angesehen. Lebensmittel mit reichlichem Fluoridgehalt sind Seefische, schwarzer Tee und viele Mineralwässer (solche mit einem Fluoridgehalt von mehr als 1,5 mg je Liter müssen mit dem Warnhinweis „fluoridhaltig“ versehen werden). In vielen Regionen kann die als „täglicher Bedarf“ bezeichnete Menge von ca. 1 Milligramm Fluor (als Fluorid) nicht durch die Ernährung gedeckt werden. Im Handel ist deshalb fluoridiertes Speisesalz und fluoridierte Zahnpasta erhältlich. In manchen Ländern wird dem Trinkwasser Fluorid beigefügt, was zu besseren Zähnen führen soll.
Omega-3-Fettsäuren
Omega-3-Fettsäuren können vom Körper nicht selbst gebildet werden. Aus der Omega-3-Fettsäure Eicosapentaensäure werden hormonähnliche Substanzen gebildet, die Einfluss auf die Dauer der Schwangerschaft haben, während eine andere Omega-3-Fettsäure, Docosahexaensäure, für Aufbau und Funktion von Hirn und Auge (z. B. Bildung von Neuronal-Membranen) wichtig ist. Besonders Seefische wie Lachs, Sardelle, Sardine, Makrele oder Thunfisch liefern die beiden langkettigen Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaen- und Docosahexaensäure. Langlebige Raubfische wie Thun- oder Schwertfisch weisen jedoch häufig einen relativ hohen Quecksilberanteil auf, so dass sie für Schwangere wenig geeignet sind. Roher Fisch sollte vermieden werden. In Lein-,Hanf-, Walnuss- und Rapsöl ist die pflanzliche Omega-3-Fettsäure alpha-Linolensäure enthalten, die bei unseren Ernährungsgewohnheiteur unzureichend zu Eicosapentaen- und zu Docosahexaensäure verwandelt wird.
In der Plazenta sitzt ein Protein, das die Versorgung des heranwachsenden Kindes vor allem mit Docosahexaensäure sicherstellt – auf Kosten der Mutter. Ist die Versorgung der Mutter mit Omega-3-Fettsäuren besonders gut, dann treten weniger Frühgeburtsbestrebungen auf, die Schwangerschaft wird etwas länger (plus 1,6 bis 2,6 Tage), und es treten weniger Wochenbettdepressionen auf. Beim Kind entwickeln sich die Funktionen von Auge und Hirn besser (z. B. um vier Punkte höherer Intelligenzquotient beim Vierjährigen). Deshalb wurden von den wesentlichen Fachgesellschafteeue Empfehlungen für Schwangere erarbeitet. Während der Schwangerschaft sollten mindestens 200 mg DHA / Tag eingenommen werden, wobei darauf hingewiesen wurde, dass bis
Jod
Jodmangel in der Schwangerschaft kann Ursache für eine Kropfbildung beim Ungeborenen sein, aber auch Auslöser für mangelhaftes Wachstum, eine Störung der Gehirnentwicklung oder Fehl- und Totgeburten sein. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt regelmäßig Milch und Milchprodukte zu essen sowie ausschließlich jodiertes Speisesalz zu verwenden. Häufig ist eine zusätzliche Einnahme von Jodidtabletteotwendig.
Vorbereitung auf die Geburt
Geburtsvorbereitungskurse
Zur Vorbereitung auf die Geburt können Schwangere zusammen mit dem Partner einen Geburtsvorbereitungskurs besuchen, der als regelmäßiger wöchentlicher Termin oder als Wochenendkurs von Hebammenpraxen, Geburts- und Krankenhäusern angeboten wird. Inhalte dieser Kurse sind unter anderem Aufstellen eines Geburtsplans (Wahl des Geburtsorts, Geburtspositionen), natürliche Schmerzverarbeitung, künstliche Schmerzmittel und Anästhesietechniken, Beckenbodentraining, Entspannungsübungen, psychologische und soziale Aspekte der Familiengründung, Stillen und Säuglingspflege. Eine Unterstützung zur Geburtsvorbereitung ist die Haptonomie.
Geburtsort
Bis 1950 war es in Deutschland selbstverständlich, zu Hause zu gebären. Seitdem sind die Hausgeburten stetig rückläufig und heute werden 97 % der Kinder in Krankenhäusern geboren, insbesondere bei Risikoschwangerschaften. Daneben gibt es die Alternativen einer Geburt im Geburtshaus. In Entwicklungsländern wird aufgrund der allgemein schlechten medizinischen Versorgung nur eine von zwei Geburten von einem Arzt oder einer Hebamme betreut (siehe Müttersterblichkeit).
Vorgeburtliche Kontaktaufnahme
Ab ca. der 18. Schwangerschaftswoche sind Bewegungen des Fötus für die Schwangere spürbar. Frühestens ab der 23. Woche lässt sich der Herzschlag mit einem Stethoskop hören. Andere Personen können ab dem sechsten Monat Bewegungen des Ungeborenen durch die Bauchdecke spüren. Durch moderne medizinische Methoden (beispielsweise Sonografie) lässt sich nachweisen, dass der Fötus bereits im Mutterleib weit entwickelte Sinne besitzt und seine Außenwelt wahrnehmen kann (Stimme der Mutter, Musik, Bewegung).
Literatur
A. Die Materiale des Lehrstuhls.
B. Ergänzungen:
1. Бушина Л. М., Елисеева Л. Н., Яцковская В. Я. Пособие по обучению на немецкомязыке для медицинскихвузов. – М., Высшая школа. – 1990.
2. Бушина Л. М., Елисеева Л. Н., Яцковская В. Я. Учебник неметкого язика для медицинских вузов. – М., Высшая школа. – 1990.
3. Криворук Т. Б., Шамрай Н. С., Гутнікевич Ю. В. Deuthsch-Німецька мова: Підручник для медичних ВНЗ І—ІІІ рівнів акредитації. – Київ: Медицина, 2012. – 400 с.
4. Зернова В.К. Deutscher Lehrkomplex. – Полтава. Дивосвіт. – 2003.
5. Петров В.И., Чупятова В.С., Цветова М.В. Русско-немецкий словарь-разговорник медицинских терминов и словосочетаний. – М., Русский язык. – 2002.
6. OMR Dr. Med. Dolf Kunzel Der menschliche Organismus gesund und krank. – VEB Verlag Vlk uns Gesundheit. – Berlin. – 1986.
7. Prof. Dr. Klaus – Ulrich Benner Der Körper des Menschen. – Weltbildverlag GmbH. – Augsburg – 1990.
8. Helbig H., Buscha J. Deutsche Grammatik. – Leipzig. – 1992.
9. Stalb H. Deutsch für Studenten. Text und Übungsbuch. Neubearbeitung. – München, 1991.
10. http://www.gesundheit.de/lexika/medizin-lexikon
Video zum Thema 8
Überblick über die Geschlechtsorgane